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Sonntag, 3. Juni 2018

tucking fypos


Von meiner derzeitigen Lektüre, die Heldin scheint wahrhaft ungewöhliche Fähigkeiten aufzuweisen.
(Fiddlehead Press, 2018):
 She narrowed his eyes at him. “Well then I suppose the stories I’ve heard about the Faie being a cruel race are all true.”


(The Merrow’s Golden Ring, by Sara C. Roethle)

Sonntag, 7. Januar 2018

Unvergesslich!







Unvergesslich!, Heike Abidi und Anja Koeseling (Hrsg.)
(Eden Books, 2017)

 28 wahre und wildromantische Geschichten von der ersten Liebe...

 Nun genaugenommen sind es 28 zum Teil wahre Geschichten und nicht alle handeln von der ersten Liebe. Tatsächlich bin ich versucht zu sagen das der Begriff Liebe hier weit gefasst wurde, und von der ersten Schwärmerei bis zur großen Liebe reicht.
Dann aber wieder, wer bin ich schon, anderen Vorschreiben zu wollen was Liebe ist, verwahre ich mich doch selbst streng hiergegen.

 Also, noch mal von vorne.
Unvergesslich! ist Teil einer Anthologien Reihe der Autorinnen Heike Abidi und Anja Koeseling welche teils wahre Kurzgeschichten zu unterschiedlichen Themen (Urlaub, Arbeit, Feiertage) versammeln, Herausgegeben im Eden Books Verlag welcher Teil der Edel Germany GmbH ist. In 28 meist humorvoll erzählten Geschichten präsentiert sich hier das Thema Liebe in all seinen unterschiedlichen Facetten.

 Wie es mit Kurzgeschichten Sammlungen so ist, kann einem nicht immer alles gleich gut gefallen (die Anzahl derer welche für mich diese Hürde nehmen konnten lässt sich bei mir an einer Hand abzählen und wurden vermutlich alle von Martin H. Greenberg herausgegeben). Es ist sicherlich keine einfache Aufgabe, Geschichten auszuwählen welche ausreichend variieren um sich nicht zu einem Einheitsbrei zu vermengen, aber zugleich stilistisch nicht zu sehr ausschweifen so das ein durchgängiges Lesevergnügen gewahrt bleibt. Auch wenn es einzelne Geschichten gab welche meinen Geschmack nicht trafen (dafür aber den meiner Mitleserinnen, und vice versa gefielen auch nicht jeder die Geschichten die ich in der Sammlung besonders mochte), möchte ich gleich einmal festhalten, dass die beiden Herausgeberinnen ihre Arbeit meines Erachtens nach sehr gut gemacht haben. Der Band hält mühelos was man sich von einer solchen Sammlung versprechen darf.
 Die sich Gesamtthematisch mit der Liebe befassenden Geschichten sind noch einmal in unterschiedlichen Unterthemen zusammengefasst, welchen jeweils eine kurze, sympathische Einleitung vorangeht.
So liest man sich beginnend mit Geschichten über Jugendliebe und –verliebtheit, über Liebesausnahmezustände und Liebeswirren, bis hin zur Herbstliebe die sich als nicht minder süß und aufregend erweist.
 Geschichten die den Blick Nostalgisch zurück wenden, sich des Hier und Jetzt erfreuen oder Hoffnungsfroh vorausblicken lassen.

 Wie erwähnt, stilistisch ist natürlich nicht alles aus einem Guss.
 Es gibt Geschichten die eleganter und unterhaltender daher kommen als andere (Akram El-Bahay sticht zusammen mit Olaf Köhler hier meiner Meinung nach als Erzähler besonders hervor) und eben auch solche die ich nur angelesen und dann rasch überblättert habe (wobei sich letztere in kleinem Maß bewegen, und wie gesagt, auch diese fanden ihre Liebhaber unter der Leserschaft). Interessanterweise sind den Geschichten keine Autorennamen vorangestellt, was für mich zum Beispiel bei den Geschichten Schockverliebt und Junggesellenabschied für eine gewisse Überraschung sorgte, da diese beiden inhaltlich doch sehr unterschiedlichen Geschichten tatsächlich aus der Feder der selben Autorin stammen.
 Im Abschluss gibt es zwar zu jedem Autor ein Kurzprofil, doch nicht alle verraten wer was geschrieben hat.

 Zudem rundet ein sogenannter Neurointuitiver Psychotest das Leseerlebnis ab.
 Nachdem ich nun Seitenweise in Erinnerung schwelgte und mich ganz dem Gefühl der Liebe hingab, illustrierte Ihre Wahrheit über die Liebe mittels einer kleinen Sammlung an Zitaten, welche dann noch einmal in einen Kontext gestellt werden, unterschiedliche Ideen über die Liebe und drängte ganz unaufdringlich dazu sich noch einmal ganz persönliche Gedanken zum Thema zu machen.

 Für mich eine sehr gelungene, unterhaltsame, meist positive, oft hoffnungslos romantische Lektüre.

 Als Leseempfehlungen hervorheben wollte ich (in Reihenfolge ihres Auftritts), die folgend Geschichten:

Auf Immer und Ewig
– Die erste Geschichte der Sammlung und gleich ein wunderbar Blick auf das Jungsein. Das diese Geschichte im Nahen Osten angesiedelt ist verleiht ihr einen zusätzlichen Reiz.

Der erste Kuss
– Die Nöte eines Vaters der sich mit der ersten Liebe der eigenen Tochter konfrontiert sieht und zu gar hinterlistigen Mitteln greift um das junge Paar auseinanderzubringen.

Kreuze an: ja, nein, vielleicht
– Vom Kreuz mit den Emotionen, wenn sich alle um einen herum verändern und man die Welt nicht mehr versteht.

The First Cut is the Deepest
– Wer liebt, der macht sich verwundbar und zur ersten Liebe gehört leider allzu oft auch ein gebrochenes Herz.

Happy Valentine’s Gay
– Meine ganz persönliche Lieblingsgeschichte aus der Sammlung.
 Es roch nach Schnee, als ich aus dem Auto stieg und mir den Schal so fest um den Hals zog, dass er sich fast wie der Strick eines Galgens anfühlte.
 Happy Valentine's Day! Happy? Da war ich mir so gar nicht sicher. Genau wie vor zwanzig Jahren war am Himmel keine einzige Schneeflocke auszumachen. Die feigen Biester hielten sich wieder versteckt. Dabei hätte ich himmlische Unterstützung dringend brauchen können - hier am Brunnen auf dem Marktplatz - an dem Ort, an dem wir uns früher immer getroffen hatten. Abend für Abend...
Wenn sie nur eine Geschichte daraus lesen wollen, lassen sie es diese sein. Der Autor verbindet Witz und Tragik, Heiterkeit und Sentimentalität in einer wunderbaren Erzählung über Liebe und Freundschaft.
Die perfekte Feelgood-Story.


Mein üblicher Dank an:
Lovelybooks für die Leserunde,
Heike Abidi und die respektiven Autoren für die Begleitung der Leserunde,
den Eden Books Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars.

Montag, 10. April 2017

Rage against the night








Rage Against the Night, Shane Jiraiya Cummings – ed.
(Brimstone Press, 2011)


 Die Anthologie entstand nach Shane Jiraiya Cummings Vorwort nachdem der damalige Präsident der Horror Writer’s Association Rocky Wood mit der Krankheit ALS diagnostiziert wurde. Diese Krankheit schaltet nach und nach die Muskeln im Körper ab, bis der Patient nur noch seine Augen bewegen kann. Der Ertrag der Anthologie kam Rocky Wood zugute um ihn bei der Anschaffung eines speziellen Augenlesegeräts, welches nach seinem Tod an einen anderen Patienten weitergereicht werden sollte, zu helfen.
Irreführend ist hierbei das Motto der Sammlung: Triumph over Darkness, welches sich nur auf einen begrenzten Teil der Geschichten anwenden lässt.

 Das einzige Element das alle Geschichten verbindet ist das sie uneingeschränkt der Phantastik und im weiteren Sinne dem Horror Genre zugerechnet werden können.


The Gunner's Love Song—Joe McKinney
Eine Vampir/Werwolf Erzählung die eher Vignette den Kurzgeschichte ist.  

Keeping Watch—Nate Kenyon
Zwei Geschwister entdecken im Wald hinter ihrem Haus etwas Böses welches ihr ganzes Leben beeinflussen wird. 
Etwas hölzern Geschrieben, jedoch nicht unatmosphärisch.  

Like Part of the Family—Jonathan Maberry
Eine Noir Werwolfgeschichte, vom Autor der mit den „Rot & Ruin“ Zombie-Romanen bekannt wurde. Voraussehbar, aber durchaus unterhaltsam.   

The Edge of Seventeen—Alexandra Sokoloff
Ein junges Mädchen gefangen in einem Zeitvortex erlebt gleichzeitig das Vor, Während und Nach einem Schulmassaker, gibt es einen Weg das Verhängnis abzuwenden?
Verwirrende Erzählung mit einem seltsamen Schluss. 
   

The View from the Top—Bev Vincent
Unheimliche Erzählung im Stil früherer King Geschichten. 
Fans von „Needful Things“ werden das Thema wiedererkennen.    

Afterward, There Will Be a Hallway—Gary A. Braunbeck
Die Geschichte eines Mannes der nach dem Tod seiner Frau plötzlich mit den Geistern von Verstorbenen kommunizieren kann und diese auf ihre Weiterreise vorbereiten muss.
Meine persönliche Lieblingsgeschichte der Sammlung.
Eine emotional bewegenden Erzählung um Verlust, Reue und Wiedergutmachung.


Following Marla—John R. Little
Eine Variation auf das Orpheus und Eurydike Motiv.
Etwas zu langatmig aufgebaut und sehr vordergründig auf Drama getrimmt.   


Magic Numbers—Gene O'Neill
Extrem konfuse Erzählung um einen jugendlichen Spanner, erinnerte mich stark an die Erzählung “Nocturne” aus der Jeff Gelb Anthologie „Heisses Blut“ (orig.: Hotter Blood)    

Tail the Barney—Stephen M. Irwin
Dröge Erzählung um einen gestohlenen Glücksbringer, nur überblättert.   

The Nightmare Dimension—David Conyers
Urban Fantasy Kurzgeschichte getragen von einem unerträglich selbstgefälligen Hauptcharakter, angefüllt mit ermüdenden Infodumps
Zum Ende nur noch überflogen.   

Roadside Memorials
—Joseph Nassise
Unbekannte hinterlassen geheimnisvolle Kreuze an Unglücksorten, als ein Unfallsanitäter der Sache auf den Grund gehen will beginnt für ihn eine Fahrt in die Hölle.
Schwerfällig erzählt, mit unnötigen Längen.
    

Dat Tay Vao—F. Paul Wilson
Ein Vietnam Soldat der sich mit kleinen Deals einlässt, glaubt sein Glück gemacht zu haben als ihn das Schicksal mit einem Wunderheiler zusammen führt.
Eine etwas Satirisch angehauchte Geschichte vom "Repairman Jack" Autor, bei der es ein wenig braucht bis sie richtig in Gang kommt, sich das dranbleiben aber lohnt. 
  

Constitution—Scott Nicholson    
Ein Schauspieler muss nach seinem Tod das Ideal der Liebe neu definieren.
Bittersüße Erzählung, die ein wenig an einer zu altmodisch geprägten Idee von Eheglück krankt.


Mr. Aickman's Air Rifle
—Peter Straub    
Noch so eine Peter Straub Geschichte durch die ich nicht durchgekommen bin.

Agatha's Ghost—Ramsey Campbell    
Ganz witzige Satire über eine allein lebende alte Frau die glaubt vom Geist ihres Enkels heimgesucht zu sein.

Blue Heeler—Weston Ochse    
Toll geschriebene Geschichte mit einer dichten, bedrohlichen Atmosphäre. Leider löst das Ende das gegebene Versprechen nicht ein. Aber auf seine Art eine überraschend positive Erzählung in der sich das Gute auch durch Unrecht nicht unterkriegen lässt.

Sarah's Visions—Chelsea Quinn Yarbro    
Mehr SF denn Horror. 
Vermutlich Satirisch gemeint, aber nicht bis zum Ende gelesen.

More Than Words
—David Niall Wilson    
Unnötig verschachtelte Reinkarnationserzählung. 
Ein paar gelungene Momente, doch im ganzen zu lang geraten.

Chillers—Lisa Morton    
Lesenswerte Horrorgeschichte die atmosphärisch ein wenig an die Stephen King Erzählung „Der Nebel“ erinnert.

Changed—Nancy Holder    
Junges Mädchen begibt sich in mitten der Vampirapokalypse auf die Suche nach dem Jungen den sie Liebt. „Cannibal Cats come out tonight“ autorin Nancy Holder reduziert das Young Adult Vampirhorror Genre auf eine zwanzig Seiten Erzählung und schafft es ihm damit neues Leben einzuhauchen. Lesenwert.

Dead Air—Gary Kemble    
Eine Kurzfassung von Plane Dead, die Aufgrund eines unsympathischen Erzählers aber weniger Spaß macht als das B-Movie. 
Das der Autor sich seiner Anleihen bewusst ist und diese durch selbstironische Dialoge zu überspielen sucht, lässt das ganze einfach nur ermüdend Prätentiös wirken. 

Two Fish to Feed the Masses—Daniel G. Keohane    
Eine lose and Matheson’s „I am Legend“ angelehnt scheinende Erzählung um Gottesglaube und die „Entrückung“.
Weder schlecht noch wirklich gut.


Fenstad's End—Sarah Langan    
Lanagan’s Erzählung ist diejenige welche mich am meisten geärgert hat.
Eine epidemische Ausbreitung von sexueller Gewalt, Mord und Wahnsinn läutet das nahe Ende der Menschheit ein. Fenstad, einer der wenigen Überlebenden, befindet sich zu beginn in einem verlassen geglaubten Hospital auf der Suche nach Nahrung und Drogen, dort trifft auf eine weitere Überlebende. Das Mädchen war einst eine Patientin von ihm welche er sexuell missbraucht hat. Am Ende nimmt er die Vaterrolle für sie an und beschließt sie in dieser neuen Welt nach der Katastrophe zu Beschützen.
WTF?

Dies ist eine Geschichte bei der ich wirklich gerne wissen wollte was sowohl der Autorin beim Schreiben durch den Kopf ging, als auch dem Editor als er beschloss sie in die Sammlung aufzunehmen... aus offensichtlichen Gründen keine Empfehlung meinerseits.


Fair Extension—Stephen King    
Eine selbst für Kings Verhältnisse außergewöhnlich bitterböse Satire um eine Vertrag mit dem Teufel.

Rocky Wood, Skeleton Killer—Jeff Strand
Zum Abschluß leichte Kost von Jeff Gelb. 
Die humoreske inszeniert Rocky Wood als eine Art Superheld im Kampf gegen des Böse.


 Inhaltlich hat die Anthologie Stärken und Schwächen, einen Mix aus bekannten und unbekannten Autoren, manche erfahrener, manche weniger erfahren.
Trotz ihrer qualitativen Schwächen bietet sie ihren Unterhaltungswert, und präsentiert einen stilistischen Querschnitt durch das Genre, bei dem die extreme ausgespart bleiben (obwohl zumindest Nancy Holder mit ihren früheren Geschichten durch aus den Splatterpunks zugerechnet werden konnte).

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Heisses Blut, Jeff Gelb ed. - Bastei 1992
Der Nebel, Stephen King, dt. in Im Morgengrauen - Heyne, 1985
Cannibal Cats come out tonight (dt. Die Nacht der Kannibalenkatzen), in Feuertanz - Heyne, 1990

Montag, 25. Januar 2016

The Werewolf Megapack









The Werewolf Megapack, Jay Lake ed.
(Wildside Press LLC., 2013)

 Editor Jay lake versammelt in seinem sogetitelten Werewolf Megapack 21 Kurzgeschichten und eine Novelle in losem Zusammenhang zum Werwolf-Mythos. P'u Sung-ling fällt dabei besonders aus dem Rahmen da es hier noch nicht einmal um eine Wolf geht. The Hunter's Moon, ist eine drei Seiten umfassendes  Konstrukt das einen mit einem Fragezeichen zurück lässt, was die Autoren damit wohl bezwecken wollten und vermutlich nur als Lückenfüller aufgenommen wurde.
 Bezeichnend für die Geschichten Hunter's Moon, The Leopard, Sympathy for Wolves und Evil Forces (wobei diese noch als ganz amüsante Pulp Parodie stehen mag), ist das sie trotzdem sie mit die jüngsten Copyright Daten tragen, zu den schwächsten Einträgen in der Sammlung gehören.

 Es lässt sich leider keine Ordnung hinter der Präsentation der Geschichten ausmachen, dafür aber decken sie ein weites Feld ab das sich von klassischen Sagen, zu Horror, Fantasy und Science Fiction streckt. Ein schneller Blick auf die Copyright Seite zeigt das es sich dabei zum großteil um Gemeinfreie Texte handelt, zum Teil solche bei denen das Copyright mit Einstellung der jeweiligen Pulp-Magazine in denen sie abgedruckt wurden erloschen ist, zum Teil aufgrund des Alters der Geschichten.

 Positiv fallen bekanntere Autoren wie Nina Kiriki Hoffman und Jack Williamson auf. Alexandre Dumas (der jüngere) präsentiert sich unerwartet zeitlos humorvoll in einer Novelle um einen Handel mit dem Teufel.

 Auffällig ist die ähnlichkeit dreier der hier versammelten Geschichten, The Were-Wolf, Clemence Housman (1896); The white wolf of the Hartz Mountains, by Frederick Marryat (1839); The White Wolf of Kostopchin, by Sir Gilbert Campbell (1889), sie alle folgen einem weitgehend gleichen Muster:
 Eine geheimnisvollen Schönheit, eine weißen Frau deren bösartige Natur bald zu Tage dringt, bringt Verderben über jene welche sie einlassen.

 Zu einem Preis von etwas über einen Euro lässt sich wenig an der Sammlung Aussetzen, nur die Unzahl an Scanfehler im Text die das Lesen öfter mal zum Ratespeiel geraten lassen, die muss man dem Herausgeber dann doch Ankreiden, nicht zuletzt da es Einleitend noch heißt:
TYPOS

 Unfortunately, as hard as we try, a few typos do slip through. We update our ebooks periodically, so make sure you have the current version (or download a fresh copy if it’s been sitting in your ebook reader for months.) 
 It may have already been updated.If you spot a new typo, please let us know. We’ll fix it for everyone. You can email the publisher at wildsidepress@yahoo.com or use the message boards above.
 —John Betancourt


Inhalt:

Leopard, by Jay Lake
Gabriel-Ernest, by Saki
Sympathy for wolves, by John Gregory Betancourt
The Drone, by Abraham Merritt
The Were-Wolf, by Clemence Housman
And Bob's your uncle, by Chelsea Quinn Yarbro
The mark of the beast, by Rudyard Kipling
Dumpster diving, by Nina Kiriki Hoffman
The Werewolf, by Eugene Field
The Wolf, by Guy de Maupassant
Wolves of Darkness, by Jack Williamson
The man who was changed into a crow, by P’u Sung-ling
Hugues, the Wer-Wolf, by Sutherland Menzies
The white wolf of the Hartz Mountains, by Frederick Marryat
The She-Wolf, by Saki
Morraha, by Joseph Jacobs
The other side: a Breton legend, by Eric Stenbock
The White Wolf of Kostopchin, by Sir Gilbert Campbell
The Wolf Leader, by Alexandre Dumas
The Hunter's Moon, by Michael McCarty and Terrie Leigh Relf
Werewolf of the Sahara, by G. G. Pendarves
Evil Forces, by Gary Lovis

Samstag, 2. Januar 2016

tucking fypos

 Wer Patricia Briggs Homepage besucht, findet unter dem Reiter Books für die Mercy Thompson Anthology Shifting Shadows einen Link zu Kurzbeschreibungen der darin enthaltenen Geschichten - eine Wortneuschöpfung die sich liest wie eine Mischung aus Baufällig und Verzweifelt hat es mir da besonders angetan; wer sagt das Baufällige Wohnungen sich nicht manchmal Verzweifelt fühlen?

Gray An vampire buys the home where she lived with her husband, which has fallen into disrespair. She begins remodeling the place, only to find that old and beloved ghosts still linger.

Freitag, 11. Dezember 2015

Shifting Shadows









Shifting Shadows, Patricia Briggs
(Orbit, 2014)

Eine Buchvorstellung mit Vorbehalten.

Caveat eins:
 Dies sind meine persönlichen Eindrücke zu den einzelnen Kurzgeschichten. Ein Teil von ihnen enthält möglicherweise Spoiler, zumindest wenn man mit den Mercy Thompson/Alpha & Omega Büchern nicht vertraut sein sollte, dann allerdings ist Shifting Shadows auch nicht immer ein optimaler Einstiegspunkt.

Caveat zwei:
 Leser die mit den Geschichten bereits vertraut sind mögen sich eventuell an meinem Warnhinweis stoßen oder ihn für überzogen halten. Zur Klarstellung, es gibt keine direkte Darstellung sexualisierter Gewalt im Buch. Aber, die Drohung sexualisierter Gewalt zieht sich nahezu nahtlos durch alle Geschichten weshalb ich obiges Warnlabel für angebracht halte.


Zum Buch selbst:
 Shifting Shadows ist eine in Patricia Briggs Mercy Thompson Universum (Mercyverse) angesiedelte Anthology bestehend aus zehn Kurzgeschichten und zwei Outtakes. Enthalten ist unter anderem die Alpha & Omega Kurzgeschichte aus der sich das Spätere Mercy Thompson Spin-off entwickelt hat.

 Positiv ist die Tatsache dass man sich die Mühe machte die Geschichten in der chronologischen Reihenfolge ihres Handlungszeitraums zusammenzustellen. Zu dem eröffnet jede Geschichte mit einer Charmant verfassten Einleitung seitens der Autorin.
 Negativ fällt mir auch bei dieser Sammlung wieder der Fokus der Autorin auf sexualisierte Gewalt auf.

Die vorangestellten Angaben zum Inhalt der Geschichten entstammen der Seite der Autorin und GoodReads (Alpha & Omega):


 Silver (New Story) This is probably the only depressing story I've ever written, and it was a hard story to write. This covers how Bran and Samuel were first made into werewolves, and how Samuel first fell in love with the Ariana. Of course, as we learned in Silver Borne, things have to take a tragic turn.

 Gleich beim ersten Eintrag, einer Geschichte die tief in Sams Vergangenheit zurückreicht, beweist Patricia ihr Talent aufrichtig romantische Szenen zu Schreiben und Charaktere zu entwerfen mit denen man einfach mitfühlen muss.
 At his orders, she stayed in bed for a few more days. When she grew restless, Haida brought her weaving to her. It was not her favorite task, but making cloth was a necessity even for the fae. Samuel came in while she was threading the warp - and he made her teach him. At first he made a mess of it, but his fingers were long and clever, and it wasn't long before he caught on. She thought it was another thing to keep her in bed. But when he later made Haida teach him to cook his favorite soups and sweets, she decided it was just curiosity.
 If it hadn't been for his kindness to her little champion, she might have resisted him longer - no matter the serious attention he'd given to her women's work. He was human (and wolf, warned her beast, though it wasn't loud around Samuel). Ariana wasn't used to small kindnesses being dealt out by men, and she felt herself falling under the spell of the soft-spoken Samuel, just as Haida was.
 Diese Geschichte handelt zum Teil in Underhill, dem Reich der Fae, und mit ihrem Kontrast zwischen Magie und dem bedrückenden Thema Häuslicher/Familiärer Gewalt erinnert Patricia hier sehr an Charles de Lints Geschichtenzyklus.


 Fairy Gifts (Previously Published in Naked City) Mining towns are rough and human life is cheap. In the turn-of-the-century Butte Montana, a young man, turned to a vampire, struggles with his nature and eventually finds a measure of redemption in an unlikely place.

 Angesiedelt zwischen Ende des 19. Jahrhunderts und der Neuzeit, hat diese Geschichte keine direkte Verbindung mit Mercy, spielt aber mit ähnlichen Themen wie die erste, der Zauber der Fae Magie wird erneut kontrastiert mit Familiärer Gewalt. Entgegen Patricias Worten, sie sagt im Vorwort zu Silver sie schreibe üblicherweise fröhlichere Geschichten, ist auch dies eine sehr düstere Erzählung.


 Gray (Previously Published in Home Improvement: Undead Edition) An vampire buys the home where she lived with her husband, which has fallen into disrepair. She begins remodeling the place, only to find that old and beloved ghosts still linger.

Eine weitere Stärke Patricias als Autorin lässt sich mit der Eröffnungsszene dieser Geschichte sehr schön Illustrieren
 From old habit, she pulled into the space that had been hers.
She'd first parked there a couple of times because the space had been open. When she'd moved in with Jack, a lifetime ago, it was seldom open again because her car was in it. After while if it wasn't available for her little Ford, she'd curse the visitor who'd stolen it and find some other, less convenient parking place. When that happened she'd go out to check before bedtime to see if it was open. If it was, she'd repark her car where it would be happy.
 Sie versteht es Charaktere zu schreiben in deren Verhaltensweisen und deren meist liebenswürdigen kleinen Macken man sich selbst wieder erkennt, welcher Autofahrer könnte die oben beschriebene Szene nicht nachvollziehen?

 Ein weiterer Absatz aus der Geschichte scheint mir zitierenswert, er bringt die Motivation vieler von Pattys Charaktere auf den Punkt, und auch hier gilt, wenige könnten wohl sagen dieses Gefühl nie gekannt zu haben
 One evening she woke up and realized she was happy. It was a very disconcerting feeling.

 Seeing Eye (Previously Published in Strange Brew) White witches are rare, and seldom as powerful as their morally-compromised counterparts. In this story, a blind witch teams up with a werewolf on a mission.

 Auch in Seeing Eye einer lose mit dem Alpha & Omega Geschichtenzyklus verbundenen Geschichte, begegnet uns ein bekanntes Grundthema, Familiäre Rivalität die in Gewalt mündet. Da es um schwarze Hexenkünste geht, würde aber wohl keiner der Beteiligten ernsthaft etwas anderes erwarten.


 Alpha and Omega (Previously Published in On the Prowl) The first novella about Anna and Charles, which led to a whole spin-off series. The werewolf Anna finds a new sense of self when the son of the werewolf king comes to town to quell unrest in the Chicago pack- and inspires a power in Anna that she's never felt before.

 Alpha & Omega war die eine Geschichte in der Sammlung bei der ich Versucht war sie einfach zu überspringen. Alles was ich über diese Vorgeschichte von Anna und Charles wusste war das Anna von ihrem Rudel über Jahre hinweg systematisch vergewaltig wurde, kein Szenario über das man in Unterhaltungsliteratur gerne lese möchte. Zu meiner Erleichterung erspart uns Patty dies weitestgehend und begnügt sich mit viel sagenden Andeutungen. Trotzdem ist es die Geschichte der ich am wenigsten abgewinnen konnte. Hätte ich sie vor Cry Wolf gelesen, ich hätte die Reihe nie begonnen.
 Charles verliert in der Alpha & Omega Kurzgeschichte erheblich Symphatiepunkte (und mir Schaudert gerade bei dem Gedanken das ich den vierten Band der Alpha & Omega Reihe, Dead Heat, noch vor mir habe). Gleichwohl ihm bewusst sein muss, auch wenn Anna es ihm zu diesem Zeitpunkt noch nicht in so vielen Worten gesagt hat, dass sie schwerst Missbraucht wurde von ihrem Rudel, kommt es zu folgender Szene
 His eyes snapped open and his cold yellow gaze pinned her against the wall where she sat as he uncoiled and prowled across the room.
 Her pulse jumped unsteadily and she bowed her head, curling up to be smaller. She felt rather than saw him crouch in front of her. His hands when they cupped her face were so hot she flinched - and regretted it when he growled.
 He dropped to his knees, nuzzling against her neck, then rested his body, now taut as iron, against hers, trapping her between him and the wall. He put his hands on the wall, one each to side of her, and then quit moving. His breath was hot on her neck.
 She sat as still as she could, terrified of doing anything that might break his control.
Allerdings, dass Charles bewusst Anna physisch und psychisch einschüchtert ist noch nicht einmal das Schlimmste. Zuvor erleben wir schon dies
 "Why?" she asked, challenging him - still caught up in the adrenaline rush of Justin's visit, he imagined. She caught herself and turned away, cringing as if she expected him to explode.
 He closed his eyes entirely. Another moment and he was going to put all the gentlemanly behavior his father had taught him aside and take her, willing or not.
 Anna, die in dieser Szene gerade eine Begegnung mit einem ihrer Hauptpeiniger durchstehen musste, schrickt in Angst vor Charles zurück und er reagiert darauf mit sexueller Erregung und dem Gedanken daran sie selbst zu Vergewaltigen?
Alpha & Omega bewegt sich damit auf sehr bedenklichem Boden, die kombinierte Botschaft aus dieser und den sie umgebenden Geschichten scheint zu lauten das Werwölfe (d.h. Männer) sich entscheiden nicht zu Vergewaltigen.
 Diese Idee ist auf so vielen Ebenen falsch, sowohl sachlich als auch moralisch, das ihr Gewicht meine persönlich Bewertung der Sammlung zwangsläufig bedeutend drückt.
Obwohl es dessen nicht bedürfen sollte, möchte ich es noch einmal unterstreichen: 
 Jemand der sich selbst aktiv ermahnen muss eine Person nicht zu vergewaltigen hat ein psychisches Problem das er dringend von einem Spezialisten behandeln lassen sollte.

 Patty hätte ihren "Helden" nicht Charles Cornick sondern Christian Graywolf nennen sollen.
Danke aber auch, für die Erinnerung daran warum ich Paranormal Romance zu lesen inzwischen weitgehend meide.

 Doch nicht nur Charles mehr als zweifelhaftes Verhalten hat mich an der Geschichte gestört, auch die Art in der Autorin das eigentlich Hauptthema, den wahren Grund für Charles erscheinen am Ende einfach unter den Tisch fallen und uns mit einem weitgehend offenen Ende zurück lässt enttäuscht hier.


 The Star of David (Previously Published in Wolfsbane & Mistletoe) Being a werewolf can wreck havoc on family relations. This is a story of how murder and deception can bring a family together . . .

 Die klassische tragische Werwolfgeschichte verbindet sich hier geschickt mit einer typischen Weihnachtsgeschichte. David ist ein Nebencharakter aus Moon Called, dem ersten Mercy Band, und wie mir gerade so auffällt, ist seine Geschichte die erste in der es nicht um eine romantische Liebe geht.


 Roses in Winter (New Story) A young girl survives a werewolf attack, and is transformed into a werewolf. When she wasn't able to control the wolf, she was moved to Bran's pack. The law is absolute: if a werewolf cannot learn to control the wolf, they must be destroyed for the safety of all. With hope fading, Asil intervenes.

 Karas Geschichte.
Die junge Kara ist, wie auch die Autorin anmerkt, ein Phänomen im Mercyverse. Ursprünglich nur Namentlich in Blood Bound erwähnt, entwickelte sie sich mit zur beliebtesten Nebencharaktere, jeder wollte Wissen was aus dem Mädchen geworden war. Bei genauerer Betrachtung erscheint einem das ganze weniger Verblüffend, es braucht keinen Doktortitel in Psychologie um zu Wissen das literarische Charaktere für uns real werden, und es ist ganz natürlich sich um das Wohlergehen eines Kindes zu sorgen.
Die nun in Aspen aufwachsende Jugendliche stellt ein Bindeglied zwischen der Mercy Thompson Reihe und der Alpha & Omega Reihe dar.
Roses in Winter ist meine persönliche Lieblingsgeschichte in Shifting Shadows und stellt für mich das Herz der Sammlung dar. Wir erleben hier die Autorin zum erstenmal als Jugendbuchautorin und sie macht ihre Sache verdammt gut.

 Weiterer Pluspunkt für die Geschichte, Brans oft angefeindete Partnerin, Leah, bekommt hier Gelegenheit in einem positiveren Licht zu erscheinen. Sie zeigt in ihrem kurzen Auftritt eine ehrliche, uneigennützig besorgte Art dem Mädchen gegenüber. Da Kara und Leah aber beide Alpha Wölfinnen sind, stehen ihnen sicher noch interessante quasi Mutter/Tochter Konflikte ins Haus, wenn Kara erwachsen wird und beginnt ihren eigenen zu Weg suchen.
Ich hoffe das Patricia bei Gelegenheit die Beziehung der beiden zueinander noch näher beleuchten wird.

  Zudem, immer wenn die Frage aufkommt welcher Nebencharakter eine eigene Geschichte bekommen sollte fällt meine Wahl auf Adams Tochter, Jesse. Bisher hat sich dieser Wunsch noch nicht erfüllt, Karas Geschichte ist jedoch ein guter Ersatz der mir Hoffnung macht, dass wenn wir Jesses Geschichte bekommen sollten, sie all dass sein wird was ich mir davon erhoffe.


 In Red, with Pearls (Previously Published in Down these Strange Streets) Warren is a werewolf, and a private detective. This is a noir-flavored story about some truly terrible neighbors and why you should always treat a werewolf nicely.

 Warren und Kyles Geschichte.
Das schwule Pärchen aus Mercy Thompsons Welt ist ein Klischee, man muss es leider so sagen, aber eines das jeden ihrer Auftritte zu einem Highlight der Serie macht. Die beiden sind einfach zuckersüß zusammen und Patricia erfüllt damit die klassische Kritik and Heterofrauen die über Schwule schreiben. Aber dafür lieben wir die Autorin und diese Paar. Auch wenn diese Noir Story etwas vorhersehbar daherkommt, und leider wiedereinmal nicht ohne das schon gewohnte Thema sexualisierter Gewalt wenigstens zu streifen, ist sie ein Vergnügen zu lesen, Fans der beiden werden sie so oder so nicht missen wollen.


 Redemption (New Story) Ben's got a quick temper, and a quicker tongue. He's also made a bet that he can stop swearing for a week, and it just might change his life.

 Bens Geschichte.
Von Ben wissen wir bereits dass sein früheres Leben von Missbrauch bestimmt war und dass er einen Hass auf Frauen hegt. Hier erfahren wir nun ein wenig mehr über Bens Vergangenheit, dies ist in meinen Augen die brutalste Geschichte in der Sammlung - obwohl der Haupterzählstrang aufgrund einer naiv liebenswerten Nebencharaktere meist recht niedlich ist - es geht um sexuellen (und Macht-)Missbrauch, explizit um Gewalt gegen Frauen und einen Hauptcharakter der noch problematischer ist als Charles in Alpha & Omega.

 Zu Bens Geschichte finde ich ist interessant anzumerken das die Autorin uns über seinen Charakter in der Hintergrundgeschichte immer noch eher im Zweifel lässt, wir wissen nicht klar zu sagen ob Ben ohne den unerwarteten Tod seines Alphas, von dem er aber erst im Nachhinein bewusst erfährt, gleich gehandelt hätte oder ob sein Gehorsamsimperativ in sonst auch über die letzte Schwelle getragen hätte. So bleibt Ben einer der nicht klar als "guter" definierten Charaktere, aber Patricia vermeidet es aus ihm einen Charakter zu machen für dessen Tun sich keine Vergebung mehr findet lässt.


 Hollow (New Story) A wealthy recluse is haunted by a terrible ghost, and asks Mercy for help. What could possibly go wrong?

Mercys Geschichte in dieser Sammlung habe ich noch nicht gelesen, sie handelt nach Frost Burned welches noch bei mir auf dem Nachttisch liegt.


Outtake One - After the tragedy of Silver, I had to remind myself that with long life comes the opportunity to overcome the past, and forge a better future. Samuel and Ariana have another chance at love, and they're determined to make it work. This is an outtake from Silver Borne.

Outtake Two - A bit that I wrote in Adam's viewpoint for Night Broken.

Sonntag, 9. März 2014

Consider her ways and others









Consider her ways and others, John Wyndham
(Penguin, 1975)

Auf 190 Seiten präsentiert sich John Wyndham hier in sechs thematisch zumeist ähnlichen Kurzgeschichten als talentierter, sowohl sozialkritischer als auch satirischer, SF-Schreiber.
Dabei variieren die Erzählungen in ihrer Länge zwischen knapp 70 Seiten (Consider her ways) bis zu nur zehn Seiten (Odd).

Consider her ways (Sieh dir ihre Wege an)
 Sie erwacht in einem Körper der ihr fremd ist.
Ohne Erinnerung daran was Geschehen ist, weiß sie nur eines mit Sicherheit zu sagen: Diese Welt kann nicht die Ihre sein, denn sie erinnert sich das es einst Männer gab.


 Dies ist die längste, in vielerlei Hinsicht interessanteste, aber leider auch am Stärksten durch den damaligen Zeitgeist geprägte, Geschichte. Hier gilt, wie auch schon für The day of the Triffids, das Wyndhams Erzählungen oft schlechter altern als die manch anderer Zeitgenossen.
Aber die für seine Zeit ungewöhnlich wertungsfrei anmutende Beschäftigung mit feministischen Ideen, als männlicher, britischer Autor, das macht sie zu etwas besonderem.
Bereits in 1956 legte Wyndham hier eine sozialkritische, in einer dystopischen Welt spielende Geschichte vor, die in ihren Grundzügen die selben Probleme aufgreift die in 2002 noch immer verbreitet genug waren um als Grundlage für die Graphic Novel Y-The last man, von Brian K. Vaughan und Pia Guerra, zu fungieren.
Consider her ways wurde für The Alfred Hitchcock Hour adaptiert.


Odd (Ungewöhlich)
 Ein junger Mann wird zu einer Testamentseröffnung gerufen. Ein erfolgreicher Unternehmer, dem er nur einmal flüchtig begenete, hinterlies ihm sein gesamtes Vermögen. Erst die Unterhaltung mit dem Notar bringt Licht ins dunkel dieser ungewöhnlich anmutenden Entscheidung des Toten.

 Frei von sozialkritischem Kontext, und praktisch nur auf einem Perspektivwechsel beruhend, folgt diese Geschichte der gleichen Idee wie die vorgehende.
Auf nur zehn Seiten eine amüsante Fingerübung des Autors ohne rechte tiefe.


Oh, where, now, is Peggy MacRafferty? (Oh, wo, nun, ist Peggy Mac Rafferty?)
 Die etwas simpel wirkende, junge Peggy MacRafferty wird ausgelost an einem Fernseh-Quiz teilzunehmen. Mit unabsehbaren folgen für sie.

 Dies ist die erste von zwei satirischen Geschichten der Sammlung. Gekonnt nimmt der Autor mit viel Witz die Filmindustrie auf das Korn, und beweist das er durchaus Zeitloses zu schreiben vermochte.


Stitch in time (Zeitmasche)
 Thelma Dolderson, hat ihre jugend Jahre lange hinter sich. Jetzt kann sie sich den Luxus erlauben auf der Terasse ihres Hauses zu sitzen und einfach den Rest ihres Lebens zu genießen. Dabei lässt sie ihre Gedanken zurückschweifen zu dem was war, und was hätte sein können, als ein plötzlich ein Gast aus ihrer Vergangenheit auftaucht.

 Eine Bittersüße Geschichte darüber wie der Zufall über unser Leben herrscht, und es in gänzlich unerwartete Bahnen lenken kann. Wohl bedient sich Wyndham eines klassischen Science Fiction Vehikels, doch dient es nur der Illustration der Botschaft.


Random Quest (Zufällige Suche)
 Dr. Harshom erwartet an diesem Abend einen besonderen Gast in seinem Haus. Ein Gast der gezielt alle in England lebende Harshoms aufsucht, auf der Suche nach einer Person von der ihm Dr. Harshom versichern kann das es sie nie gegeben hat. Und doch, die Geschichte die sein Gast ihm zu berichten weiß, lässt den Doktor daran zweifeln das er es, wie vermutet, nur mit einem durch einen Unfall verwirrten jungen Mann zu tun hat.

 Auch Random Quest gehört zu den Geschichten Wyndhams die, hier von der BBC, für den Film adaptiert wurden.


A long spoon (Ein langer löffel)
 Beim herum Spielen mit Tonbandaufnahmen beschwört Stephen Tremon versehentlich einen ungewollten Besucher. Dieser erklärt Stephen das er unmöglich wieder gehen kann ohne einen Pakt mit ihm ausgehandelt zu haben oder von Stephen wieder zurück geschickt worden zu sein. Das Problem ist, Stephen ist an einem Handel nicht interessiert, weiß jedoch nicht so genau wie es zu der Beschwörung kam, weniger noch wie sie sich umkehren lässt.

 Der zweite satirische Eintrag fällt wieder aus dem Rahmen, zwar gibt es diesmal ein übernatürliches Element in der Geschichte, doch lässt sie sich kaum der SF zuordnen, bietet jedoch dem Autor einmal mehr Gelegenheit, seine humorvolle Seite zu zeigen.


 Consider her ways and others wird üblicherweise als schwächerer Eintrag in Wyndhams Werk beurteilt, die Kurzgeschichtensammlung Seeds of Time wird von den Fans klar favorisiert, bietet aber durchaus gute Unterhaltung.
Im Wechsel Nachdenklich oder einfach nur Humorvoll.

Montag, 27. Januar 2014

Ernas kleines Weihnachtswunder, und andere Geschichten









Ernas kleines Weihnachtswunder, Kirsten Rick
(dotbooks,2013)

 Denn nach Weihnachten ist vor Weihnachten.

Auf knapp 70 Seiten versammelt das eBook vier Kurzgeschichten der Autorin die erst einmal nur das Setting, nämlich die festlichen Tage, teilen. Dabei fällt durchgehend der Humor sowie das Talent der Autorin mit Worten umzugehen auf.

Inhaltlich würde ich sagen ist die Titelgebende, ernstere erste Geschichte der Favorit:

Ernas kleines Weihnachtswunder
Zu den Weihnachtstagen findet sich Erna, deren Mann eines Tages in der Südsee verschwunden ist und deren Erwachsenen Sohn es in den Fußstapfen des Vaters folgend ebenfalls zur Schiffsfahrt zog, allein in der Hansestadt Hamburg. Auch die Nachbarn und Bekannten von einst sind inzwischen entweder Verstorben oder Weggezogen. Und so sind eben nur noch sie und ihre Dackeldame Maria übrig. Maria, die von einem unbekanntem Galan Schwanger ist. Und dann bricht auch noch überraschend eine Hauswand weg, und plötzlich finden sich Erna und die hochschwangere Maria ohne Unterkunft, an Weihnachten, mitten in St. Pauli.
"Du musst lernen, loszulassen", hat Hans junior ihr vor ein paar Jahren nahegelegt. Aber loslassen, das ist nicht Ernas Sache. Wenn man etwas loslässt, dann fällt es doch auf den Boden und geht kaputt. Das möchte sie nicht. 
Zugegeben, Hans-Heinrich ist keine Porzellantasse. Der würde nicht sofort in tausend Stücke zerspringen, nur weil die Schwerkraft sich seiner bemächtigen würde. Aber mit der Erinnerung an ihn mag das anders sein. Und Erna ist kein Mensch, der gerne viel riskiert.


die zweite ist  zwar amüsant Sympatisch, aber es verwundert einen das Rick, die selbst so gekonnt mit Worten umzugehen vermag, ihre Charaktere sich so plump geben lässt, beim Flirten:

Eingewickelt
Sie hat's nicht leicht, die Erzählerin, welche in den Semesterferien in einem Parfumladen aushilft. Ausgerechnet zur Weihnachtszeit. Dabei hasst sie doch die Festtage, und hat zudem noch eine Geschenk Phobie. Und dann ist auch noch ihr "Lieblingskunde" der ein Parfum für seine Angebetete sucht, möglichst eines das sie nicht gleich wieder ablehnt...
Seine Freundin. Die ist mir inzwischen so sympathisch wie eine Kreuzung aus Margot Honecker und Schneewittchens Stiefmutter. Sie scheint sich den ganzen Tag lang mit ihrer Mutter und ihren Freundinnen ausschließlich über Parfums zu unterhalten. Wahrscheinlich, während sie sich die Nägel manikürt. Oder warum sollte mein Kunde sonst von der Idee besessen sein, ihr einen Duft zu Weihnachten zu schenken. Ach, was heißt einen Duft? Genau den richtigen will er. Den, der ihre Liebe besiegelt, der zeigt, wie sehr er sie schätzt und wie gut er ihren Geschmack kennt. Letztere Bedingung scheint allerdings unerfüllbar.



Nummer drei im Reigen will sich nicht so reicht einfügen in die Sammlung.
Witzig ist sie schon, aber eben doch auch aus dem Rahmen fallend:

Der Schneemann im Cocktailglas
Eine Vorlesegeschichte für kleine und große Kinder

Die kleine Marie verbringt wie jedes Jahr Weihnachten mit ihren Großeltern. Und wie jedes Jahr gibt Opa seine ganz persönliche, traurige Weihnachtsgeschichte zum besten. Marie hätte gerne selbst eine Geschichte, die sie jedes Jahr zum besten geben kann...
"Heiligabend duftete es sehr gut aus dem Backofen. Aber als meine Mutter - deine Uroma - das Essen servierte, bekam ich einen Schock: Es gab Gänsebraten, und das konnte nur meine geliebte Fritzenbold sein." Spätestens jetzt greifen Opa und ich zu den Taschentüchern, weil uns beiden schon die Tränen über die Wangen laufen.


Arnolds große Liebe
Die vierte Geschichte in diesem Weihnachtsreigen widmet sich wieder der Romatik.
Es geht um den sympathischen Loser Arnold, einen Kleintierverkäufer, und seiner unerreichbar scheinenden Liebe.
Ausgerechnet einen Tag vor Heiligabend setzt im sein Chef ein Ultimatum, entweder er bring seine Abteilung auf Vordermann, und verkauft endlich was, oder er kann gehen. Seinen Job zu verlieren kann sich Arnold nicht leisten, das würde das Ende seiner Liebesbeziehung bedeuten. Nur, der geforderte Umsatzzuwachs könnte das genauso...
Christina dagegen erinnert ihn an Britney Spears. Von der hat er ein Poster zu Hause. Ihre Musik interessiert ihn nicht, er könnte kein einziges Stück von ihr benennen oder gar mitsingen. Aber auf dem Bild hat sich Britney eine Schlange um die Schulter gelegt, auch einen Albino-Tigerpython. Das sieht einfach scharf aus, findet Arnold. Und seitdem vermutet er, dass Frauen, die so aussehen wie Britney, Schlangen mögen.
Christina sieht nicht nur aus wie der amerikanische Superstar, selbst die Form des Bauchnabels ist täuschend ähnlich, sowie die Tatsache, dass man diesen zu allen Jahreszeiten öffentlich bewundern kann. Wenn Christina ein Weihnachtsgeschenk wäre, müsste man sie erst noch verpacken.
Perfekte leichte Unterhaltung um sich in die rechte Stimmung zu bringen, für die Weihnachstage.
Auf weiteren zwanzig Seiten gibt es zudem noch Leseproben aus dem dotbooks Programm.

Donnerstag, 9. Januar 2014

Tales from the SFR Brigade









Tales from the SFR Brigade, J. C. Cassels ed.
(Smashwords, 2013)

 Tales from the SFR Brigade ist eine kostenlose Sammlung von 8 Kurzgeschichten, herausgegeben von der Science Fiction Romance Brigade,  die das Spektrum von der simplen Vignette bis zur nahezu Novelle umspannen und sich bemühen die Bandbreite der untergattung Romance in der Science Fiction abzudecken.

Download: Smashwords

 Ganz generell möchte ich feststellen das die Anthologie von einer bemerkenswerten Qualität ist, und das nicht nur für eine kostenlose Publikation. Aus den versammelten Geschichten fühlte sich für mich nur eine als überflüssig an, da sie keine neuen Aspekte hinzufügte und auch aufgrund ihres geringen Umfangs kaum zu eine ganze Geschichte zu erzählen vermochte. Dadurch wirkte sie auf mich eigentlich nur als Füller.

 Den Rest der Geschichten betreffend würde ich sagen das sie ihm Bereich von gut bis exzellent Verfasst sind. Wäre ich ein größerer Fan der Traditionellen Romance, ich wäre voll des Lobs für die einzelnen Geschichten. Wie es steht gilt jedoch, für mich, das manche der Geschichten in mir dieses besser nicht zu sehr darüber nachdenken Gefühl ausgelöst haben, das, wenn es sich um einen Roman gehandelt hätte, mit Sicherheit zu einem vorzeitigen Abschluss geführt hätte.
 Es hat mich auch gefreut zu sehen das die Autorinnen der Sammlung, dem Romance Label zum Trotz, sich zurückhielten mit der Beschreibung von Sexszenen (es gibt tatsächlich nur zwei solcher die eher detaillierter daherkommen als not täte) und sich statt dessen auf wesentlicheres konzentrieren.

 Ein Lob hier auch an die Editorin, welche die Geschichten mit Blick auf eine gute Übersicht über die unterschiedlichen Spielarten des Genre ausgewählt hat.

Die Geschichten im Einzelnen:

 Imprint, Pippa Jay • Eine kühne Diebin liefert sich ein Katz und Maus spiel mit einem außerirdischen Polizisten der darauf brennt sie der Gerechtigkeit zuzuführen.
 Eine futuristische Kriminal Romanze. Der Weltenaufbau war nicht so meines, die Idee des Partner-Imprintings lässt mich immer schaudern, ich bevorzuge freien Willen, aber des Ende ist sehr romantisch.

 Allure, Amy Laurens • Eine junge Künstlerin muss sich entscheiden, zwischen ihrem einfacheren Leben auf der Erde, und einem Leben auf einer vom Krieg gebeutelten Kolonie and er Seite ihres Geliebten.
 Auch hier hatte ich meine Probleme mit der Welt welche die Autorin heraufbeschwört, im Ganzen fühlt sich die Geschichte zu sehr nach Siedler Romantik, mit all den damit verbundenen moralischen Problemen an. Die Geschichte durchzieht eine Botschaft von Liebe, Ehre, Verantwortung für die Gesellschaft welche mir, ganz persönlich, nicht zusagt.

 Nobody's Present, Marcella Burnard • Eine Weltraum besessene Physiklehrerin wird Opfer einer Entführung durch einen viel zu sympathischen Alien. 
 Dies war die erste Geschichte die mach wahrhaftig positiv überraschte. Geht sie zu anfangs durch eine Reihe bedenklicher Romance Klischees die mich schon das schlimmste befürchten ließen, und hätte zu diesem Zeitpunk leicht zu einer breeder fantasy* verkommen können, nimmt sie überraschend eine abrupte Wendung zum besseren und Endet in einer liebenswerten Metaluna 4 antwortet nicht Note.
Gut gespielt!

 The Stranger, Kyndra Hatch • Eine verwitwete Rebellenanführerin versucht die Reste der Menschheit zu Retten. Einen Fremden nach dem anderen.
 Ich fürchte mir fällt hierzu nichts hervorzuhebendes ein. Solide geschrieben hebt sie sich leider kaum von den vorgehenden Beiträgen ab.

 Mission: Nam Selan, Linnea Sinclair • Eine Weltraumkapitänin muss feststellen das der Cyborg den sie liebt, ihr größter Feind sein könnte.
 Der längste Beitrag, und der beste. Eine ein großartiges Space Opera Abenteuer, dem nur eine Prise einer Romanze beigemischt ist. Perfekt ausbalancierte Erzählung.

 Prime Sensations, Liana Brooks • Eine Kriegsgefangene trifft auf den Kameraden der sie einst geliebt, und dann als Tot auf dem Schlachtfeld zurück lies.
 Noch mehr Space Opera. Die Romanze spielt hier einen größeren Part. Zum Teil liebte ich die Geschichte, zum Teil mochte ich sie nicht. Zu beginn dreht sich viel um Frauenfeindschaft, eine heißt die andere Hure; nichts was ich furchtbar gerne Lese weil es in meinem Empfinden nur dazu dienlich ist negative Klischees über Frauen zu bestätigen. Allerdings muss man der Autorin zugute halten das ihre Darstellung von sexueller Anziehung und Verführung unter den Geschlechtern sich realistischer, und sinnlicher, liest, als in vielen anderen Romanzen.

 Envy's Revenge, Berinn Rae • Die Überlebende einer Apokalypse muss sich zum Kampf gegen einen biomechanisch aufgerüsteten Jäger stellen.
 Post Apoklayptische/Dystopische SF. Es hat mich gefreut zu sehen das mit dieser Geschichte das Spektrum um eine weitere Spielart des Genres erweitert wurde. Und wäre es nicht eine der Geschichten welche expliziteren Gebrauch von der Darstellung von Sex macht, ich hätte sie gefühlt im Jugendbuch/Junge Erwachsene Bereich angesiedelt, denn dies scheint ja dieser Tage der Ort zu sein an dem Dystopien blühen. Das die Autorin aus ihre Geschichte aus der ersten Person erzählt und uns eine alterslose, aber gefühlt sehr junge Protagonistin präsentiert, verstärkte diesen Eindruck noch.
Im ganze eine Geschichte die mir nicht völlig angenehm zu Lesen war, die mir aber doch gefiel.

 Whiskey and Starshine, Erica Hayes • Eine Prostituierte deren Gedächtnis gelöscht wurde riskiert alles, als sie eine Fremden anheuert um ihr zu helfen.
 Ein Spaghetti Western im All, nun zumindest auf einem fernen Planeten. Wie schon Envy's Revenge zuvor baut diese Geschichte auf ein Welt auf in der Frauen nur noch wenig mehr sind als (sexuelle) Beute, führt dieses Thema aber noch ein Stück weiter; wäre nicht der ständig gegebene Tenor sexualisierter Gewalt, die Geschichte hätte mir eine menge Spaß machen können. So lässt sie mich nur mit einem flauen Gefühl zurück, nicht was ich mir von einer Romanze wünsche.
Punkt für eine weitere Genrespielart, zumindest.


*breeder fantasy: Eine besonders unangenehme Erotika/Romance Spielart in der Frauen, unter zwang oder freiwillig, nur als Gebärmaschinen fungieren.

Dienstag, 18. Dezember 2012

Musik, die uns bewegt








Musik, die uns bewegt, diverse Autoren
(dotbooks, 2012)

 Verlagswerbung.

Musik, die uns bewegt ist ein bei dotbooks erschienenes Verlagsportrait der besonderen Art.
In 65 kurzen Aufsätzen stellen sich da Mitarbeiter, Autoren und Freunde des Verlags auf knapp 200 Seiten der Frage nach dem Lieblingstitel und beantworten diese auf einer bis mehreren Seiten mal Humorvoll, mal Nostalgisch, mal Besinnlich und irgendwie immer anrührend.
Auf weiteren knapp 600 Seiten gibt es im Anschluss daran Leseproben aus etwas über vierzig Büchern aus dem Verlagsprogramm.
Es ist also Verlagswerbung eben, aber mit so viel Elan, Humor, Gefühl und vor allem Offenheit präsentiert, das es sich wohltuend abhebt vom Werbeeinerlei - es ist ein freies (Link) Lesevergnügen das es tatsächlich wert ist sich die Zeit dafür zu nehmen, welche dann auch prompt wie im Fluge vergeht.
Und ist die Frage nach dem persönlichen Soundtrack des Lebens nicht sowieso eine der beliebtesten?

An dieser Stelle übrigens ein Dank an Deborah (Deborah's her name) auf deren blog ich von dem Buch erfahren habe: Link.

Man erwischt sich bei Lesen nicht selten dabei wie man selbst ins Schwärmen über die eigene Vergangenheit gerät und denkt über den eigenen Soundtrack des Lebens nach. Witzigerweise ist mir dabei erst so richtig klar geworden, dass die Hollywoodmomente meines Lebens alle ohne Score daherkamen - der Song kam immer erst danach dazu. Das, obwohl ich zu den meisten Stationen meines Lebens einen Song benennen kann (z.B. In the Army Now für meine Zeit beim Bund - "Ach je, Klischee!" höre ich sie nun rufen) und für eine jede in die ich in meinem Leben (un-)glücklich verliebt war einen Song habe (für meine erste, und eigentlich noch immer herzschmerz Liebe, wäre da zum Beispiel der Cook Da Books Song Your Eyes, zu nennen - "Ein Song aus einem Film über erste Liebe für die erste Liebe? Ja kann denn der Mann nur Klischee!?"). Zugegeben das ist nicht sonderlich originell, und wenn ich jetzt noch zu erwähnen wage das Country Roads (das John Denver Original bitte) mit zu meinen Lieblingssongs gehört... na, lassen wir das.


Aber traditionell lautet meine Antwort auf die Frage nach dem Lieblingssong immer:

The queen and the soldier

Das warum ist dabei eher unspektakulär.
Ich habe als junge zufällig auf der damaligen Musiksendung Formel Eins den Song Marlene on the Wall von Suzanne Vega gehört und spontan gemerkt, diese Platte muss ich haben, das ist meine Musik!
Damals wie heute löst Folk in mir das Gefühl aus endlich Angekommen zu sein, endlich ein Heim gefunden zu haben - ich höre noch immer gerne John Denver, oder Country allgemein, bin dem Blues ein wenig zugetan und habe diverse Jazzstandards unter meinen Lieblingstiteln, aber der Folk ist die Musik die mein Herz berührt, ihm gehört meine große, unsterbliche Liebe. Das dabei diese Musik-Liebe von einer Frau geweckt wurde die den selben Vornamen trägt wie meine erste Liebe, beweist vielleicht das da ein klein wenig Bestimmung im Spiel war.

Freitag, 19. Oktober 2012

The Nightmares on Elm Street









The Nightmares on Elm Street, ed. Martin Greenberg
(Saint Martin's Press, 1991)

Warum liest man eine Freddy Krueger Anthologie?

 In aufsteigender Reihenfolge:
Es ist Freddy Krueger.
Das Buch wurde von Martin H. Greenberg zusammengestellt.
Es enthält eine Geschichte von Nancy A. Collins.

 Und wie schneiden die Geschichten ab?
Nun, die Kurzfassung lautet:
Besser als man erwarten sollte aber nichts so einschneidendes wie man es sich wünschen würde.
Alpträume wird es bei der Lektüre weder an der Elm Street noch sonst wo geben, fürchte ich.

 Die Langfassung:
Nightmares on Elm Street basiert auf der Erfolgsserie von Wes Craven, oder genauer auf dem von ihm erschaffenen Charakter des Kindermörders Fred Krueger, der, wegen einem Verfahrensfehler aus der Haft entlassen, einst von einem Eltern Mob in seinem Unterschlupf verbrannt wurde, und nun, in deren Träumen, Jagd macht auf die Springwood Kids. Deren Alpträumen, Nightmares eben. Das Buch, 1991, erschienen ist dabei thematisch weitestgehend nach Nightmare 5 anzusiedeln, obwohl auch Storyelemente des Sechsten eingeflossen sind. Man merkt den sieben Geschichten an, bei deren Auswahl scheinbar ein Augenmerk auf die gängige Splatterpunk-Szene gelegt wurde, das die Autoren sich unterschiedlich intensiv mit den Filmen befasst haben bevor sie sich ans Schreiben gemacht haben – quasi irgendwo zwischen überhaupt nicht und heimlicher Serienfan.

 Asleep at the wheel, Brian Hodge
Eine twenty-something’s Rockband die ihr Domizil ihm Haus der verstorbenen Nancy Thompson (Die Heldin des ersten Nightmare) aufgeschlagen hat, macht sich bereit zum Sprung in den Erfolg – doch haben sie die Rechnung ohne Freddy gemacht.
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Brian’s Eröffnung bietet dem geneigten Fan fast alles was man sich wünschen kann, und spricht dabei aus was die Filme nicht zeigen durften oder wagten. Das heißt mehr Sex als in der ganzen Serie vorkommt, inklusive einer morbid erotischen Todesszene, und keine Zensur Schnitte. Es hätte der perfekte Auftakt sein können: Die Tode sind phantasievoll, die Story durchaus stimmungsvoll. Nur der Stil – aus Gründen die wohl nur dem Autor einleuchten wechselt die Geschichte ständig zwischen Present tense und Past tense, was für ein zähes Lesevergnügen sorgt – und die Auflösung, konnten nicht voll überzeugen. Trotzdem: Punkte für den Bandnamen, The Nancy Thompson Gravewatch, und einen Hauptcharakter der noch immer seine Kindheitsschwärmerei für besagte Nancy pflegt.

 Briefcase full of Blues, Tom Elliott
Die zwei Schulaußenseiter Louis und Bobby, kommen durch einen mysteriösen Kugelschreiber dem Geheimnis des Verschwindens von Louis Mutter auf die Spur.
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Ich wüsste nichts gutes über die Geschichte zu sagen. Tatsache ist das ich mich wundere wie sie es überhaupt in diese Sammlung geschafft hat. Es scheint mir ganz so, als habe Eliott einfach eine bereits geschriebene Geschichte genommen und den Antagonisten gegen Freddy ausgetauscht, oder besser Freddy leicht ähnlich gemacht. Und auch als Geschichte für sich ist das ganze nicht besonders überzeugend.

 Miles to go before I sleep, Bentley Little
Ed ist neu nach Springwood gezogen, und hat die Stelle des Hausmeisters an der Springwood High übernommen. Doch grausam plastische Alpträume lassen ihn bald befürchten das dies nicht das Einzige ist das er übernommen hat. Und auch seine Tochter beginnt einen Verdacht zu hegen.
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Dies ist mein persönlicher Favorit.
Bentley Little’s Geschichte orientiert sich sehr eng an Nightmare II, nur ist es hier ein Familienvater der von Freddy besessen ist. Der sich aufbauende Konflikt mit seiner Tochter, und der konsequente Wechsel zwischen den Blickwinkeln des Vaters und der Tochter bestimmen hier die Dynamik.
Sowohl als Freddy Tribut als auch als eigenständige Erzählung unbedingt empfehlenswert.

 Le morte de Freddy, William Relling jr.
Andrew Curtis ist Arzt an der neueröffneten psychiatrischen Einrichtung in Springwood, vor dem Tod einer Patientin erhält einen mysteriösen Warnanruf. Danach weiht der Anrufer, selbst ein ehemaliger Mitarbeiter der früheren Klinik, Dr. Curtis in vergangene Geschehnisse ein und bittet ihn ihm bei einem wahnwitzigen Plan beizustehen.
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Relling beschert uns quasi die direkte Fortsetzung zu Nightmare III, mit allem was das B-Movie Genre zu bieten weis. Ein abgedrehter Plan, bei dem ein Freddy Doppelgänger eine wichtige Rolle spielt, soll dem Sterben unter der Sprinwood-Jugend endgültig ein Ende setzen. Man merkt das Relling sich tatsächlich die Zeit genommen hat sich mit den Filmen zu beschäftigen, nur leider überzieht er sein Ende etwas und gerät ins moralisieren – nicht zu erwähnen dass er Freddy eine ganz eigene Existenzbegründung auf den Leib schreibt. Trotzdem: Ein Fest für Fans des Horror-Trash.

 Dead highway, lost roads, Philip Nutman
Eigentlich sollte dies Karl Stolenberg’s, genannt Roadkill, letzte Fahrt sein. Doch Freddy hat andere Pläne mit ihm und so nimmt der Weg zur Gaskammer eine unerwartete Wendung.
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Nutman liefert einen in seinen Stilmitteln sehr typischen Splatterpunk ab. Die Sprache ist derb, rutsch auch schon mal in niveaulose Gossesprache ab, und der Gewaltlevel pendelt zwischen schonungslosem Realismus und starker Überzeichnung. Wie Relling zeigt sich Nutman dabei als bekennender Filmfan, und präsentiert einen phantasievollen Eintrag bei dem ein Massenmörder, der direkt Craven’s Shocker entsprungen sein könnte, sich ein Duell mit Freddy Krueger liefert.
Und mitten drin Alice, die Heldin aus Nightmare IV und Nightmare V.

 Close my eyes and I’ll kiss you, Wayne Allan Sallee
Das Journal eines verurteilten Vergewaltigers und Mörders berichtet von den seltsamen Träumen seines Zellengenossen, Träume die ihn sich nach seinem Ende sehnen lassen.
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Noch ein prototypischer Splatterpunk-Autor, aber diesmal ohne das Schreiberische können. Sallee suhlt sich praktisch nur in der Gosse, und liefert eine weitere Geschichte in der Freddy nur zum Alibi dient. Auch hier gilt, es fällt einem nichts ein zu Erklären wie die Geschichte es in diese Sammlung geschafft hat.

 Not just a job, Nancy A. Collins
Billy Cairo erfährt von Freddy das Geheimnis um den Tod seines Vaters, und bekommt ein teuflisches Jobangebot.
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Und last but not least the queen, Nancy A. Collins hat mit ihrem Debüt Roman Sunglasses after dark (Der Todeskuss der Sonja Blue, Goldmann) Splatterpunk in Deutschland sozusagen gesellschaftsfähig gemacht, entsprechend hoch war meine Erwartung an diese letzte Geschichte – aber wie das eben so ist, mit den great expectations. Nicht dass Nancy’s Beitrag schlecht wäre, er ist nur Bentley Little’s sehr ähnlich und hat mir ehrlich gesagt bei weitem nicht so viel gegeben. Aber das mag sehr wohl daran liegen das zwischen Sunglasses und dem Lesen dieser Geschichte nun doch schon die eine oder andere Dekade liegt.