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Donnerstag, 15. Oktober 2020

tucking fypos

  Der Basteiverlag ist oft eine Fundgrube für Druckfehler. In Wolfsherz (Bastei, 1999) von Autor Wofgang Hohlbein trifft dies gehäuft auf das letzte Drittel des Romans zu. Zwei amüsante Beispiele:

 Was er roch, war nicht das Blut, das auf Spritzen aufgezogen und in kleinen  Plastikbeuteln aufbewahrt wurde, sondern warmes, pulsierendes, fließendes Blut. Das in einem Akt rasender Gewalt vergessen worden war.
S. 388
 Seine Beine und sein Rücken begannen unerträglich zu schmerzen, aber er ließ trotzdem nicht lecker, sondern versuchte im Gegenteil, seine Position so zu verändern, dass er noch ein bisschen mehr an Hebelwirkung aufbringen konnte! Irgend etwas mußte nachgeben: das Gitter oder sein Rückgrat.
S. 425

Sonntag, 17. März 2019

Queen & Blood

 






Queen & Blood, Amy Harmon
(LYX, 2018)


 Zu Queen & Blood wollte ich mich schon länger einmal melden, aber es ist gar nicht so einfach meine Gedanken und Gefühle zu diesem Buch in Worte zu fassen, weil so vieles davon von Bird & Sword beeinflusst ist.

 Was mir zuerst ins Auge viel ist, das wo Bird & Sword in seiner Anfangssequenz, mit der Prinzessin im Turm und der Angst der Mutter vor dem Stich an der Spindel, ein eher sachtes Kopfnicken in Richtung der Märchen, welche Amy Harmon’s Fantasywelt Jeru beeinflusst haben, anklingen lässt, Queen & Blood hier ganz geradeheraus ist.
Queen & Blood beginnt im Prolog mit der Geschichte eines schlafenden Königreichs dessen Bewohner auf die eine Person warten, welche sie aus diesem Schlaf erwecken kann.
Anders als in Bird & Sword, nimmt hier der Prolog der Geschichte bereits sehr viel vorweg was die Spannung erheblich mindert.

 Trotzdem entwickelt die Geschichte ihren ganz eigenen Charme, denn es ist nun mal eine Fantasy Romance und somit ist der eigentliche Schwerpunkt der Geschichte natürlich darauf gelegt wie unsere beiden Helden zueinanderfinden können.
Damit kommen wir zu den (persönlichen) Pluspunkten der Geschichte, Kjell und Sasha sind mir als Paar sympathischer gewesen, vor allem Kjell empfand ich vom Charakter her als würdiger und aufrechter als eben seinen Halbbruder Tiras.
Das Kameradschaftsverhältnis zwischen Kjell und seinen Mitstreitern verleiht der Geschichte vom beginn eine angenehme Leichtigkeit, aber es fehlt der Geschichte dann doch ein Boojohni.
Nun da die Begabten, in den meisten Ländern, keine Verfolgung mehr fürchten müssen bekommen wir in Queen & Blood einen weiter reichenden Blick auf die Vielfalt der herrschenden Talente, die Autorin spinnt diesen Teil der Welt über die den inspirierenden Märchen  entnommen Gestalten hinaus, und vor allem der zunächst undurchsichtig wirkende Padrig, welcher in der Geschichte eine tragende Rolle spielt, ist eine überaus faszinierend Kreation der Autorin.

 Nun denn, zu den (persönlichen) Minuspunkten.
Während Sasha mit ihrem vergebenden Charakter eine sehr typische Amy Harmon Heldin ist, fährt sie meiner Meinung nach schlechter als Lark, bleibt bis zum Schluss ein passiverer Charakter.
Dies ist einer der Punkte an dem sich, für mich, die Geschichten negativ voneinander unterscheiden. Bird & Sword hat jedoch, dieses muss man Queen & Blood natürlich nachsehen, die Meßlatte für die Fortsetzung sehr hoch angesetzt mit Larks Geschichte, welche eine ungemein kraftvolle feministische Botschaft in sich darstellte.
Die Geschichte eines Mädchens dem die Sprache genommen wird weil die (männlichen) Machthaber des Landes ihre Talente fürchten – das ist eine perfekte Metapher auf historische und zeitgenössische Verhältnisse.

 Queen & Blood an der anderen Hand vergibt diese Chance auf Relevanz zu aktuellen Zuständen, dabei bot sich die Geschichte einer Prinzessin die vor dem Krieg in ein fremdes Land fliehen muss und dort zur Sklavin gemacht wird geradezu an, eine wenig Kritik an aktuellen Gegebenheiten einfließen zu lassen. Dies ist zugegeben ein sehr persönlicher Kritikpunkt und zu dem ein sehr unfairer, die Autorin selbst spricht sich dagegen aus Geschichten für offene politische Kritik zu verwenden.

 Ein direkterer Kritikpunkt betrifft die Rückkehr eine weiteren Gestalt aus Bird & Sword, welche hier erneut als Antagonistin auftritt, deren Motivation aber leider wenig durchdacht daherkommt. Es wird eigentlich nie richtig klar worauf ihr Handeln abzielt, fast scheint sie ganz Klischee, nur von reiner Eifersucht getrieben agierend.
Auch hier vergibt die Autorin die Chance der Geschichte etwas mehr inhaltlichen Sinn zu geben, denn wohl wird erwähnt das Wandler welche zulange eine andere Gestalt annehmen zunehmend deren Natur übernehmen, aber dies scheint auf die Antagonistin nicht zuzutreffen.
Mehr noch, in Gestiefelter Kater Manier wird sie als unglaublich Mächtig dargestellt, fähig sich in wohl jedes denkbare Lebewesen zu verwandeln – nur um dann in einem recht antiklimatischen Höhepunkt ihr Ende zu finden.

 Unterm Strich ist Queen & Blood eine Geschichte mit Stärken und Schwächen, sowohl für sich genommen als auch im Vergleich zum Vorgänger. Man kann sich darauf freuen mehr von dieser Welt zu sehen, mehr von den unterschiedlichen Fähigkeiten zu erfahren, und man hat mit Kjell und Sasha ein Liebespaar welches vom Start für mich besser funktioniert als eben Tiras und Lark, an der anderen Hand fehlt Sasha die Charakterentwicklung welche Lark durchlief, ihre Heldenreise war für mich weniger erfüllend.
Und es fehlt der Geschichte, gefühlt, ein ähnlich würdiger Widersacher im Vergleich.

Sonntag, 3. Juni 2018

tucking fypos


Von meiner derzeitigen Lektüre, die Heldin scheint wahrhaft ungewöhliche Fähigkeiten aufzuweisen.
(Fiddlehead Press, 2018):
 She narrowed his eyes at him. “Well then I suppose the stories I’ve heard about the Faie being a cruel race are all true.”


(The Merrow’s Golden Ring, by Sara C. Roethle)

Freitag, 16. März 2018

Bird & Sword








Bird & Sword, Amy Harmon
(LYX, 2017)


Klappentext:
"Schlucke, Tochter, die Worte, die dir auf den Lippen liegen. Halte sie bei dir, auch wenn sie noch so viel wiegen.
...
Du wirst nicht reden, wirst keine Worte geben, wirst weder Himmel noch Hölle befehlen. Du wirst erblühen und nach Wissen streben. Schweige, Tochter, bleib am Leben."
 Kurz bevor sie unter dem Schwert des alten Königs stirbt, spricht die Mutter der kleinen Lark diese letzten Worte aus um ihre Tochter zu schützen.
 Im Lande Jeru ist Magie eine Todsünde, und Larks Gabe der Worte könnte sie ebenfalls das Leben kosten. Ihrer Stimme beraubt, wächst das Mädchen fortan wie in einem goldenen Käfig auf, denn durch den selben Fluch, der Lark die Stimme nahm, ist das Leben ihres Vaters an das ihre gebunden.
 Dreizehn Jahre nach jenem schicksalhaften Tag kommt der junge König Tiras an den Hof ihres Vaters. Da dieser seiner Treuepflicht nicht nachgekommen ist, nimmt Tiras Lark als Friedgeisel mit in die Hauptstadt. Denn der König braucht jeden Mann im Kampf gegen Vogelbestien, die das Land heimsuchen. Obwohl Lark eine Gefangene ist und den König zunächst fürchtet, begreift sie rasch, dass er nicht wie sein grausamer Vater ist.
Und bald geschieht etwas unfassbares – Tiras kann sie auch ohne ihre Stimme hören. Zwischen ihnen scheint ein geheimnisvolles Band zu existieren. Lark erkennt, dass der junge König ebenso wenig frei ist wie sie und dass die Liebe womöglich die einzige Waffe ist, die ihrer beider Ketten sprengen kann.


 Vorab sei gesagt, ich mochte Bird & Sword sehr. Die Geschichte hatte (für mich) Schwächen, zu denen wir gleich kommen, aber es ist Amy Harmon und bei Gott (no pun intended) ich glaube nicht das sie etwas Schreiben könnte das mir nicht gefallen würde.

Ein wenig Kritik am Werk:
 Bird & Sword ist Amy Harmons erstes reines Fantasywerk, so weit ich dass weiß, und ich hätte mir gewünscht sie wäre bei ihrem Weltenaufbau zu Beginn etwas mehr in das Detail gegangen. So gibt es in den ersten Kapiteln leider ein paar kurze Passagen bei denen ich aus dem Lesefluss gerissen wurde.

 Da wäre zum Beispiel die erste Begegnung mit den Volgar* von denen wir zunächst eine nur wenig hilfreiche Beschreibung geliefert bekommen:
Die Volgar kreischten wie Möwen. Sie waren eine Kreuzung zwischen Mann und Vogel, nur zehnmal so groß.
 „Zehnmal so groß“ als was genau?

 Auch das Setting erschien mir lange etwas Vage gehalten, so das ich bis zur etwa Mitte des Buches meine Vorstellung von der Welt in der Lark lebt ständig aktualisieren musste, was mich aber beim Lesen wirklich befremdet hat ist die Tatsache das dies zwar eine Mittelalterliche Welt ist, Lark aber an einer Stelle von Viren spricht...
 „Kjell!“, rief Tiras. „Schaff sie hier raus!“
 Die Tür blieb verschlossen.
 „Kjell! Ich bringe dich um!“, drohte der König.
 Aber offenbar glaubte Kjell ihm nicht oder vielleicht wollte er, dass wir beide starben. Ich fragte mich, ob König Tiras an einer ansteckenden Krankheit litt, womöglich einem tödlichen Virus, das mich umbringen würde, nachdem es ihn umgebracht hatte.
 Zu keinem weiteren Zeitpunkt, weder davor noch danach, gibt es einen Hinweis darauf das die Bewohner dieser Welt über irgendwelche Kenntnis mikrobiologischer Vorgänge verfügen...


 Mit den männlichen Charakteren, mit einer Ausnahme, und besonders dem romantischen Helden der Geschichte, König Tiras, wurde ich nur schwer warm. Obgleich man Tiras zugestehen muss das er sich um Larks Liebe zum Ende hin durchaus bemüht und sich diese redlich verdient, und obwohl man im weiteren anführen muss das Amy Harmons Charaktere grundsätzlich in kein Schwarz/Weiß Muster passen und stattdessen mit realistischen Ecken und Kanten daherkommen, gibt es eine Passage im Buch welche ich ihm, im Gegensatz zu Lark, nie so recht verzeihen wollte, nämlich wenn er seine gehobene Stellung betont und Lark zu verstehen gibt:
„...weil ich König bin. Und es deine Pflicht ist, mir zu Gefallen zu sein.“
 Nicht dass es dazu kommt, aber das nennt sich im Mindestmaß sexuelle Nötigung und beim Namen genannt Vergewaltigung. Dass Tiras als ein Mann dargestellt wird der offenbar nichts dabei findet einer Frau mit sexualisierter Gewalt zu drohen, und sei es auch ohne wirkliche Handlungsabsicht, zeichnet ein sehr bedenkliches Bild von seinem Charakter und von seinem Selbstverständnis als Herrscher.
Er ist wahrhaft weit weniger von seinem Vater entfernt, als er selbst sich glauben machen will im Buch.

 Auf der Plusseite für die Autorin muss ich an dieser Stelle aber auch erwähnen das Amy Harmon hier eine sehr klare Aussage trifft die gerade im Young Adult / New Adult (ganz zu schweigen von Dark Romance) Feld wie es mir scheint gerne übergangen wird:
 Sexuelles Verlangen ist nicht gleich bedeutend mit Zustimmung. Lark, die sich von Tiras durchaus sexuell angezogen fühlt und dies zu diesem Zeitpunkt auch schon angelegentlich erkennen ließ, macht dieses ihm gegenüber unmissverständlich klar. Womit wir eigentlich schon bei den Stärken von Amy Harmons Werk im allgemeinen und Bird & Sword im Besonderen sind:

 Abseits der oben angeführten Punkte hat mich das Buch hervorragend unterhalten. Amys Schreibstil erweist sich auch in der Übersetzung als angenehm fließend. Bird & Sword schafft bereits auf den ersten Seiten eine Atmosphäre in der man sich gerne verliert, entführt uns ins in eine Welt aus der man nur unwillig wieder zurückkehren mag.
 Und auch wenn das vage Setting einer meiner Kritikpunkte ist, auf eines macht die Autorin uns sehr früh aufmerksam, das dies ein Märchen ist, angesiedelt in einer Märchenwelt bevölkert von Prinzen und Prinzessinnen, erfüllt von Magie und Flüchen.
 Wer sich für Romantik nicht erwärmen kann, dem wird Bird & Sword zu gefühlsduselig daher kommen, die sich langsam entwickelnde Romanze zwischen Lark und Tiras steht klar im Mittelpunkt der Erzählung, denen aber die sich für Märchenneuinterpretationen oder einfach nur märcheninspirierte Erzählungen begeistern, kann ich das Buch nur Empfehlen.

 So wenig ich Tiras mochte, ein Mann der eine junge Frau entführt um den Dienst ihres Vaters zu Erpressen kann beileibe kein Mann von hoher Ehre sein, so leicht wickelte mich Lark um ihren Finger. Sie wirkt zugegebener Maßen naiver als andere Heldinnen der Autorin, aber es ist gleichermaßen die geradezu kindliche Freude und Begeisterung mit der sie Bücher und das Lesen für sich entdeckt, wie ihr wachsendes Selbstbewusstsein was einen als Leser sich verlieben lässt.
 Das Herz und die Seele das Buches jedoch liegen ganz in einer Nebenfigur der Geschichte: Boojohni. Ein Troll im Dienst von Larks Vater der ihr, nach dem Tod ihrer Mutter, als Väterlicher Freund und Ratgeber zur Seite steht.
Ohne ihn wäre die Erzählung definitiv ärmer.

 Einen gut eingesetzten Prolog, sagt man, erkennt man unter anderem daran dass er mehr ist als nur Vorgeschichte, ein gelungener Prolog ist integraler Teil der Erzählung welcher erst zum Ende sein Geheimnis preis gibt, und diese Karte spielte Amy Harmon in Bird & Sword, für mich zumindest, mit Bravour. Das ganze Buch über dachte ich schon alles über Tiras Fluch zu wissen, bis zum Ende hin alles wieder auf den Prolog zurückkehrt und eine wenig beachtete Passage sich als Schlüssel zur Geschichte erweist mit der alles noch einmal verändert wird...

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* Deren Name mich jedes mal unwillkürlich an Flash Gordon denken ließ, inklusive Queen Erkennungssong und Brian Blessed als Prinz Vultan von den Vogelmenschen.

Sonntag, 27. August 2017

Der Talisman









Der Talisman, Stephen King & Peter Straub
(Hoffmann und Campe, 1986)

Klappentext:
 Der zwölfjährige Jack Sawyer hat eine weite, abenteuerliche Reise vor sich: er begibt sich auf die Suche nach dem Talisman, der allein durch seine magische Kraft Jacks todkranke Mutter retten kann. Um ihn zu erreichen, muß Jack nicht nur die Vereinigten Staaten von Amerika vom Atlantik bis zur Pazifikküste durchqueren, sondern auch ihre geheimnisvolle, phantastische Gegenwelt: Die Region.

 Die Region: so wirklich und zugleich unwirklich wie Atlantis oder Avalon, und an das Mittelalter der Menschheit gemahnend, ist sie eine Welt magischer Spiegelungen. Was hüben geschieht, kann drüben entsprechende Begebnisse auslösen. Menschen dieser Welt haben in der Region ihre „Twinner“: So Jacks Mutter in der gleichfalls kranken Königin der Region, so Morgan Sloat, der Jacks Vater ermorden ließ, in Morgan von Orris, dem Feind der Königin und Herrn einer gespentischen Armee von Monstren und Werwölfen; so endlich der sadistische Reverend Sunlight Gardener, Leiter eines sinistren Erziehungsheimes für jugendliche, in Osmond, den die Bewohner der Region „Den mit der Peitsche“ nennen.

 In beiden Welten hat Jack auf seiner Suche nach dem Talisman Abenteuer zu bestehen, Mut zu beweisen und Gefahren zu überwinden, aus denen ihn oft nur das „Flippen“ rettet: Der Sprung in die jeweils andere Welt. Doch hier wie dort liegen Idyll un Entsetzen nahe beieinander: Horror und Fantasy durchdringen sich in einer Geschichte von faszinierendem Bilderreichtum und atemberaubender Spannung.
(Text: Hoffmann und Campe)


 Um ’83-’84 machte ich nacheinander lesend Bekanntschaft mit zwei der damals als die zeitgenössischen Horrorautoren gehandelten Schreibern.
 Von den beiden kam Peter Straub zuerst, sein hoch gelobtes Geisterstunde viel mir auf einem Kaufhausgrabbeltisch in die Hände. Nach einem fantastischen Einstieg, neben Kings Es der einzige welcher für sich beanspruchen kann mir den Schlaf geraubt zu haben, verlor sich die Erzählung in scheinbar zusammenhangslosen Geschichtssträngen.
Man muss Straub jedoch anrechnen das er es geschafft hat auf den ersten Seiten eine Atmosphäre der Bedrohung zu schaffen welche bis hin zur Mitte des Buches anhält, ohne das je wieder etwas passiert... kurz gesagt, irgendwann hat mein jugendliches Ich die Seiten nur noch überblättert um zu sehen ob sich doch noch ein Sinn ergibt. Noch kürzer gesagt, sehen sie sich den Film an, der erzählt die Geschichte sehr viel durchschaubarer und mit anhaltender Spannung.

 Im selben Jahr verfilmte John Carpenter den Roman Christine, von Bestsellerautor Stephen King. Der Film, welcher außerhalb von Carpenters Fangemeinde eigentlich durchgehend schlechte Kritik erntete, gehört immer noch zu meinen Lieblingen. Der Film war auch der Grund weshalb ich mir das Buch kaufte kaum das ich ihm ansichtig wurde (ich war damals noch in der Lehre und konstant knapp bei Kasse, weswegen ich mir das Geld dafür von meinem Bruder leihen musste – ich hoffe das ich es ihm auch wieder zurückgezahlt habe, denn sonst wäre es von Rechtswegen immer noch sein Buch...).
 Von Straub habe ich Jahre später noch ein oder zwei Kurzgeschichten angelesen, nur um festzustellen das Geisterstunde ganz dem typischen Straubstil entsprach – welcher mir nicht lag. Straub gab ich auf, King war ich ab Christine verfallen und verschlang seine Werke mit weitgehend anhaltender Begeisterung, mit einer Ausnahme: Der Talisman, eine Kollaboration zwischen den beiden Autoren.
 1986 im Hoffmann & Campe Verlag erschienen wanderte das Buch zwar wohl unmittelbar nach erscheinen in meine Buchschrank, verweilte dort jedoch, nach kurzem Anlesen, auch bis vor wenigen Wochen. Letztlich habe ich mich doch wieder daran gewagt, und nach einem monat Lesezeit es diesmal auch geschafft Jacks Reise bis zu ihrem Ende zu verfolgen.
 Meine Begeisterung für das Werk hält sich immer noch in Grenzen. Durch die lange Lesezeit fallen einem zu viele Ungereimtheiten auf, es ist schwer zu sagen wie exakt die Geschichte umrissen war, als die beiden anfingen daran zu Schreiben, und zu oft fühlt man sich beim Lesen an Tolkien erinnert. Zugegeben, es dürfte schwer bis unmöglich sein nach dem Vater der Nach-Arthurischen Quest Fantasy, noch einen Quest Fantasyroman zu schreiben der nicht an ihn gemahnt. Das Problem ist einfach das Tolkien mich durchgehend fesseln konnte, auch dann noch wenn er sich nur in Weg- und Landschaftsbeschreibungen erging.
Dieses Talent haben weder Straub noch King.

 Zu den Ungereimtheiten, welche darauf hinzuweisen scheinen das die Regeln des Romans sich ein Stückweit tatsächlich erst im Verlauf des Schreibprozesses herauskristallisiert haben, gehört besonders markant das es zu einem Späteren Zeitpunkt im Buch heißt, dass nur Jack in der Lage sei durch die Region zu Reisen, da sein Zwilling verstorben ist. Zuvor jedoch hören wir von Jack und seinem Freund jeweils eine Geschichte in der sie ihre Väter dabei beobachtet haben wie sie einen Raum (respektive einen Wandschrank) betraten um später von einem anderen Ort wiederzukehren. Dem widerspricht die Darstellung eines Übertritts von Morgan Sloat, der beim Wechseln in die Region, immer nur in den Körper seines Twinners springen kann, somit nur dorthin Reisen kann, wo dieser sich gerade befindet, und bei seiner Rückkehr in den eigenen Körper sich wieder an seinem Ausgangspunkt findet.
Eine Kleinigkeit, zugegeben, aber der Roman entwickelt sich so Spannungsarm, beziehungsweise wechselt er bis zum Showdown konstant zwischen Spannenden und mühsam zu lesenden Kapiteln hin und her, so das man sehr viel Zeit hat sich um solche Dinge Gedanken zu machen.

 Laut einem King lesenden Geschäftskollegen (aber wer aus meiner Generation wäre auch kein Kingleser gewesen?) entstand der Roman als Experiment zwischen den beiden Autoren, wobei der eine ein Kapitel vollendete und dann das Material dem anderen zusandte der die Geschichte an dieser Stelle aufgegriffen und weitergesponnen hat. Angesichts der Jahreszahl ist der Begriff „zugesandt“ hier vermutlich sogar wörtlich zu nehmen. Diese herangehensweise an ihr Schreibexperiment erklärt vermutlich die auftretenden Ungereimtheiten im Roman, sowie die wechselhafte Spannungsentwicklung.

 Ich möchte mir nicht anmaßen zu sagen, das man, zumindest ich aber, herauslesen könnte an welchem Abschnitt welcher Autor schrieb. Es gibt Szenen im Roman, welche ich vor dem Lesen von Schwarz, eventuell ungerechtfertigt, Straub zuschrieb, und es gibt solche die so klar Kings schriftstellerische Stärke reflektieren, sprich seinen Cineastisch geprägten Erzählstil aufweisen, das ich wenig Zweifel an der Urheberschaft hege.
Und es gibt die sehr King typische Bildsprache, welche nicht immer logisch aber ungemein plastisch und einprägsam daherkommt.
 Diesmal spürte er nicht nur, wie das Hotel zuhörte; diesmal schien es ringsum zurückzuweichen wie das Gewebe eines Verdauungsorgans vor einem vergifteten Stück Fleisch.

 Die Obsession mit Sex ist vermutlich beiden Autoren gemein, aber zum Glück im Talisman nie so vordergründig ausgeprägt wie in der Dunkler Turm Heptalogie, in der, zumindest in Schwarz, wirklich jeder davon besessen ist. Fantasy für Freudianer...
Vergleiche zum Dunklen Turm drängen sich nicht minder auf, als solche zu Tolkien. Die Queste Jack Sawyers zum Schwarzen Hotel spiegelt schon sehr stark das Thema von Rolands Weg zum Dunklen Turm, fühlt es sich an. Und Der Talisman wird bei Goodreads auch als Pendant zu Kings Zyklus erwähnt. Die Elemente, allen voran der Weltenverbindende Talisman, sind gegeben.

 Nach einem langen, beschwerlichen Weg, für den Leser nicht minder als für Jack, und dem durchaus spannend geratenen Showdown, folgt der nicht weniger langatmig geratene Ausklang der Geschichte in dessen Verlauf King (Straub? Beide?) extrem moralisierend daherkommt, und mir zum ersten mal so richtig bewusst wurde wie stark Kings Erzählungen, aller Wetterei gegen christliche Kulte und selbsternannte Prediger zum Trotz, von einem US-Christlichen Welt- und Moralbild geprägt sind.
Es ist mir beim Lesen des Buches auch zum ersten mal Kings Neigung bewusst geworden, das Böse mit „sexueller Abartigkeit“ gleichzustellen – auch hier wieder, Freud lässt schön Grüßen.

 Persönlich würde ich Der Talisman keine Empfehlung aussprechen, doch muss der Roman gut genug angekommen sein, da er, wie nun auch The Shining, zwanzig Jahre Später eine weitere Zusammenarbeit der Autoren, an einem Sequel mit dem erwachsenen Jack, nach sich zog.

Mittwoch, 23. August 2017

Schwarz / Drei








Schwarz & Drei, Stephen King
(Heyne, 1993)


 Mit hinblick auf die aktuelle Verfilmung und da ein Geschäftskollege mir von den Büchern so vorgeschwärmt hat, habe ich mich noch einmal an den Doppelband Schwarz und Drei gewagt, aus Kings epischer, post apokalyptischer mutliversums Heptalogie*.

 Was soll ich sagen, vielleicht war King ja schon immer so und mir ist das früher nur nicht so aufgefallen, denn ganz ähnliche Züge sind mir auch beim Lesen von Der Talisman bitter aufgestoßen, aber dieses Buch und ich wir werden unter Garantie keine Freunde werden. Die erste Geschichte im Band (Schwarz setzt sich aus lose verbundenen Kurzgeschichten zusammen scheint es), führt uns durch eine Erzählung ohne rechten Inhalt, voller verquaster Metaphern, vorangetrieben von einem frauenverachtenden Narrator ... yay, me! Not!

 Es ist dabei ein recht vielversprechendes Setting, das King hier bemüht. Eine postapokalyptische Welt beschrieben im Ton eines dreckigen Italowesterns. Männerliteratur eben, Dudelit, möchte man sagen. Wäre auch gar nichts dagegen einzuwenden, bekäme man da nicht permanent Sätze wie diese um die Ohren geschlagen:



 Kennerly war zahnlos und unangenehm und mit Töchtern geschlagen.
(S. 42)

 Er hatte brutal mit ihr geschlafen, nachdem sie ihm gesagt hatte, was er wissen wollte, und sie hatte das bevorstehende Ende gespürt und mehr gegeben, als sie jemals zuvor gegeben hatte, und sie hatte es in der heraufziehenden Dämmerung voller Verzweiflung gegeben, hatte es mit der unermüdlichen Energie einer Sechzehnjährigen gegeben. Aber heute Morgen war sie blaß und wieder am Rand des Klimakteriums.
(S. 52)

 Der Revolvermann pustete sie um, und sie landete mit hurenhaft gespreizten Beinen und über die Schenkel gerutschtem Rock.
(S. 60)

Dazu kommt eine Szene in welcher der Revolvermann eine Frau mit einer seiner Pistolen vergewaltigt und ähnliche unannehmlichkeiten. Es ist ein Buch gewordener 70er Jahre Exploitation-Streifen, von Start bis Ende gespickt mit sexuellen Gewaltfantasien und der bereits erwähnten offenen Verachtung für das Weibliche, man kann sich nicht des Gefühls erwehren das der Autor in jenen Tagen mit ein paar ernsthaften psychischen Problemen zu kämpfen gehabt haben muss.
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*Jepp, das musste ich nachschlagen. 

Donnerstag, 10. August 2017

31 Tage - 31 Bücher / Filme

Tag 19

Mit welchem Satz beginnt dein jetziges Buch?

Aktuelles Buch: Am 15. September 1981 stand ein Junge namens Jack Sawyer da, wo Wasser und Land zusammentreffen, die Hände in den Taschen seiner Jeans, und blickte hinaus auf die Weite des Atlantiks.
(Der Talisman; Stephen King, Peter Straub)

Der Talisman liegt, plus/minus ein paar Tage, seit seinem Erscheinen in '84 auf meinem SuB. Jetzt habe ich mir vorgenommen es endlich durchzulesen, aber das Buch zieht sich. Dass ich kein wirklicher Fan von Co-Autor Peter Straub bin tut hier sicher sein übriges zu.

Aktuelles eBook: Everything has a spirit: the willow tree with leaves that kiss the pond, the stream that feeds the river, the wind that exhales fresh snow ...
(The Reluctant Queen; Sarah Beth Durst) 

Dies war ein kostenloser Donwload von der Amazon Seite, und nicht nur das Cover ist wunderschön, die Autorin ist gerade im Begriff zu meiner neuen Lieblingsautorin zu avancieren.
Wenn das Buch sein Spannungs- und Unterhaltungslevel bis zum Ende durchhält, zieht auf jeden Fall auch The Queen of Blood bei mir ein.
 




Welcher Film hat dich zuletzt stark beeindruckt?

Gar nicht so einfach zu beantworten die Frage, Sophie Scholl - Die letzten Tage (Marc Rothemund, 2005) hat bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, Das geheime Leben der Worte (Isabel Coixet, 2005) ist ein Film der mir immer noch nachgeht.

Samstag, 22. Juli 2017

tucking fypos


 Ich möchte mal hoffen das Matt Lee Marschall beim Verfassen seiner Geschichte Hallow (Amazon 2016, ca. S.41) nur die Finger vorausgeeilt sind, wenn die zum Ende in Kapitel Sieben hin vorausgesehene Hinrichtung so quasi zum BDSM Grillfest wird:
"She was certain that she would be dead within a day. She saw it in her dreams, tied to a steak as flames ate her flesh and charred her bones."

Samstag, 1. Juli 2017

The Witcher / Der Hexer








 Die komplette Hexer-Saga 1, Andrzej Sapkowski
(dtv, 2017)


 Der letzte Wunsch: Geralt von Riva ist ein Hexer mit einem Spezialgebiet: Er verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Kampf gegen Ungeheuer aller Art – Drachen, Vampire, menschenfressende Bestien. Die Geschäfte gehen nicht schlecht, doch es gibt noch mehr, was ihn beschäftigt. Sein Herz gehört der schönen Zauberin Yennefer… 

 Zeit des Sturms: Kurz nach seiner Ankunft im Königreich Kermack wird Hexer Geralt von Riva verhaftet. Die Zauberin Koralle will ihn so zwingen, einen gefährlichen Auftrag anzunehmen. Er soll einen Dämon finden, der in Menschengestalt blutige Massaker verübt. Geralt, betört von der magischen Schönheit Koralles, nimmt den nahezu aussichtslosen Kampf gegen das Ungeheuer auf…

 Das Schwert der Vorsehung: Obwohl es sein Ehrenkodex als Hexer eigentlich verbietet, schließt sich Geralt von Riva einer Gruppe von Drachenjägern an – denn die Zauberin Yennefer, seine verlorengeglaubte Geliebte, ist unter ihnen. Aber die Interessen der Jäger sind zu unterschiedlich: Es beginnt ein Kampf jeder gegen jeden. Und ganz allmählich wird eine Bedrohung der festgefügten Ordnung spürbar...
 Quelle: Amazon.de


 Als als ich mich über das Witcher III Spiel für meine PS 4 informiert habe, bin ich in einer Computer Zeitschrift auf eine Randbemerkung gestoßen, dass Autor Andrzej Sapkowski dem Spiel, welches zu diesem Zeitpunkt zum Spiel des Jahres gekürt worden war, nicht zugetan ist. Dies ist allerdings auch schon alles, was der Artikel zu berichten wusste. Auf ein warum wurde nicht eingegangen – nur noch schnell darauf hingewiesen, das der Erfolg der Spielreihe dem Verkaufserfolg der Romane sicher ebenfalls zuträglich ist.

 Die Hexer Romane liegen nun in zwei Bänden als komplett Saga vor, Band 1 enthält auf knapp tausend Seiten* die ersten drei Bände, Band zwei die restlichen fünf Bände der Reihe.
Als Spieler fällt einem zuerst auf das sich der Geralt des Buches in seiner Beschreibung ein Stück vom Helden der Buchreihe unterscheidet, die Beschreibung seiner Figur erinnerte mich eher an Michael Moorcocks Elric von Melnibone. Das nächste das einem Auffällt ist das der Tond er Romane anders ist im Spiel, die Geschichten zeichnen das Bild eines verwahrlosten, undatierten Mittelalters. Eine Welt roher Sitten, offener Gewalt und loser Moral.
Die Spielemacher orientieren sich in ihrer Charakterisierung gefühlt stärker an der Heroic Fantasy, Sapkowskis Schreibstil hingegen ist eher ironisch gehalten, nimmt die typischen Fantasyelemente ein wenig auf den Arm. Hier stehen die Hexer Geschichten weit mehr in der Tradition eines Fritz Leiber, erinnern an die Abenteuer von Fafhrd und der Graue Mausling, nur sprachlich sehr viel derber gehalten.
Moralisch bewegt sich Geralt in einer definitiven Grauzone, er wird als klassischer Drifter dargestellt, so wie wir die Revolverhelden des Italo Western Genres kennen. Ein käufliches Schwert, dessen Moral sich oft dem Geldbeutel beugt.
 »Ja«, sagte Foltest widerwillig. »Von manchen höre ich das andauernd. Das Ungeheuer töten, denn es ist ein unheilbarer Fall. Meister, ich bin sicher, dass man schon mit dir gesprochen hat. Was? Dass du die Menschenfresserin ohne Zeremonien erledigst, gleich zu Beginn, und nachher sagst, dass es nicht anders ging. Der König zahlt nicht, wir zahlen. Eine sehr praktische Methode. Und billig. Denn der König lässt den Hexer köpfen oder aufhängen, und das Gold bleibt in der Kasse.« 
  »Der König wird den Hexer auf jeden Fall köpfen lassen?« Geralt verzog das Gesicht.       Foltest schaute dem Rivier lange in die Augen.     
 »Der König weiß nicht«, sagte er schließlich. »Aber der Hexer muss jedenfalls mit dieser Möglichkeit rechnen.«     
 Nun war es Geralt, der eine Weile schwieg.      
 »Ich habe vor, zu tun, was ich kann« sagte er schließlich. »Aber wenn es schiefgeht, werde ich mein Leben verteidigen. Ihr, Herr, müsst auch mit dieser Möglichkeit rechnen.«

 Inhaltlich mochte ich das Spiel mehr als die Erzählungen des Autors, dessen Geschichten zwar zeitweilig durchaus unterhalten können, er liefert eine überaus gelungene Variation auf die Geschichte von Schneewittchen ab, mir aber oft persönlich moralisch sich zu abseitig bewegen, in einem Zwischenspiel schläft Geralt mit einer Priesterin welche abwechselnd als „Mädchen“ und „Kind“ tituliert wird und generell hält es Sapkowski gefühlt mit der mittelalterlichen Tradition von Kindsbräuten in seinen Erzählungen. Die idee von Sex mit minderjährigen darf eine beim Lesen also nicht stören. Das Geralt zudem in einer Variation auf das „Die Schöne und das Biest“ Thema einem Vergewaltiger hilft seinen Fluch zu brechen... wie gesagt, hier findet sich die lose moralität des Italo Westerns wieder, Buch Geralt ist mehr Antiheld den strahlender Ritter.
 Als ich von Kaer Morhen auszog, träumte ich von der Begegnung mit meinem ersten Ungeheuer, ich konnte es nicht erwarten, ihm Auge in Auge gegenüberzustehen. Und dann war es so weit.     
 Mein erstes Ungeheuer, Iola, war kahlköpfig und hatte außerordentlich hässliche, schlechte Zähne. Ich begegnete ihm auf der Landstraße, wo es zusammen mit anderen Ungeheuern seinesgleichen, Marodeuren aus irgendeiner Armee, einen Bauernwagen angehalten und aus diesem Wagen ein Mädchen herausgezerrt hatte, vielleicht dreizehn Jahre alt, vielleicht noch jünger. Die Kumpane hielten den Vater des Mädchens fest, und der Kahlköpfige riss ihr den Rock vom Leibe und sagte, jetzt sei für sie die Zeit gekommen, zu erfahren, was ein richtiger Mann sei. Ich ritt heran, stieg ab und sagte dem Kahlkopf, dass auch für ihn die Zeit dafür gekommen sei. Ich hielt das für wahnsinnig witzig. Der Kahlkopf ließ das Mädchen los und stürzte sich mit einer Axt auf mich. Er war sehr langsam, aber hart im Nehmen. Ich schlug ihn zweimal, erst dann fiel er. Meine Hiebe waren nicht besonders sauber, aber sehr, sagen wir, beeindruckend, derart, dass die Kumpane des Kahlkopfs flohen, als sie sahen, was ein Hexerschwert aus einem Menschen machen kann …     
 Ich langweile dich doch nicht, Iola?     
 Ich brauche dieses Gespräch. Ich brauche es wirklich.     
 Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, bei meiner ersten edlen Tat. Weißt du, Iola, in Kaer Morhen ist mir eingehämmert worden, dass ich mich nicht in solche Angelegenheiten einmischen soll, sondern einen Bogen darum machen, nicht den fahrenden Ritter spielen und den Ordnungshütern nicht zu Hilfe eilen. Ich war nicht ausgezogen, um mich auszuzeichnen, sondern um für Geld die mir aufgetragenen Arbeiten zu erledigen. Ich aber mischte mich wie der erste beste Dummkopf ein, noch ehe ich fünfzig Meilen vom Fuß des Gebirges entfernt war. Weißt du, warum ich das tat? Ich wollte, dass das Mädchen mit Tränen der Dankbarkeit mir, ihrem Retter, die Hand küsste und ihr Vater mir auf Knien dankte. Stattdessen war der Vater zusammen mit den Marodeuren weggelaufen, und das Mädchen, das den größten Teil vom Blute des Kahlkopfs abbekommen hatte, übergab sich und bekam einen hysterischen Anfall, und als ich mich ihr näherte, war sie starr vor Angst. Seither habe ich mich in derlei Geschichten nur noch sehr selten eingemischt.     
 Ich habe meine Sache gemacht. Schnell lernte ich, wie man es anstellt. Ich bin zu den festen Wohnsitzen im Lande geritten, habe unter den Palisaden von Siedlungen und Städten haltgemacht. Und gewartet. Wenn ich angespuckt wurde, beschimpft und mit Steinen beworfen, bin ich weggeritten. Wenn stattdessen jemand herauskam und mir einen Auftrag gab, führte ich ihn aus.

Fazit ist, wer den Hexer nur aus dem Spiel kennt, der trifft in den Erzählungen zwar auf allerlei Bekanntes, wie die schwarzäugige Zauberin Yennefer, der Geralts Herz gehört, und Kaer Morhen, der Stätte an welcher die Hexer gemacht wurden, aber eingebettet in eine weitaus düstereres, schmutzigeres Szenario.
Sapkowskis Fantasy ist eine Hund frisst Hund Welt die wenig Platz hat für Heldentum und Ritterlichkeit.

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* Die Amazon Seite zeigt nur die Seitenzahl des ersten Bands der Sammlung!
  Sammelband zwei dürfte überschlagen etwa fünfzehnhundert Seiten umfassen.

Freitag, 24. Februar 2017

Reckless: The Petrified Flesh









Reckless: The Petrified Flesh, Cornelia Funke
(Breathing Books, 2016)

Inhaltsangabe:
 Jahrelang ist es Jacob Reckless gelungen, im Zimmer seines verschwundenen Vaters unbeobachtet die Hand auf den Spiegel zu legen und so ins märchenhafte Reich dahinter zu gelangen. Dort hat er als erfolgreicher Schatzjäger unter anderem im Dienst der Kaiserin gearbeitet, ist dem Schuh von Aschenputtel ebenso hinterher gejagt wie dem Tischlein deck dich, dem Knüppel aus dem Sack oder dem Goldenen Ball, der jeden in sich hineinzuziehen vermag, der ihn berührt. Und er hat erfahren, dass sein Vater mit seinen Erfindungen den grausamen Goyls bei ihrem Kampf gegen die Menschen geholfen hat: jenen seelenlosen Wesen also, deren Haut (und Herz) aus Stein besteht.
 Jetzt aber ist Jacobs jüngerer Bruder Will dem Schatzjäger ins geheimnisvolle Reich hinter dem Spiegel gefolgt – und gerät dadurch in tödliche Gefahr. Plötzlich droht er selbst zu einem Goyl zu werden: mit einer Haut aus Jade. Der Jade-Menschengoyl aber soll mit einer ungeheueren Macht ausgestattet sein, die sich der Goyl-Herrscher Kami’en zunutze machen könnte, um endgültig über die Menschen zu siegen. So jedenfalls hat es die Dunkle Fee erträumt, die an der Seite Kami’ens herrscht. Und während Jacob mit Wills Freundin Clara und der Gestaltenwandlerin Fuchs verzweifelt versucht, den Verfall von Wills fleischlicher Haut in Jade aufzuhalten, ist Will längst als Leibwächter des Goyl-Königs eingeplant. Eine unerbittliche Jagd gegen die Zeit beginnt, die Jacob kaum gewinnen kann...
(Text: Amazon.de)


 Reckless unterscheidet sich zu Tintenherz unter anderem darin, dass der Schreibstil hier direkter auf den Punkt gebracht ist. Das ist einerseits erfreulich weil die Geschichte mit weniger Füllmaterial daherkommt und nicht irgendwann im Kreis läuft, wie dies eben bei Tintenherz der Fall war, andererseits gab es oft Stellen im Roman da hätte ich mir mehr Hintergrund gewünscht. Vieles wird nur angerissen oder angedeutet, man muss Dinge oft einfach hinnehmen wie sie sind oder versuchen sich selbst zusammenzureimen.
 Alles in allem hat mir Reckless trotz der schlankeren Schreibweise weniger Vergnügen bereitet beim Lesen. Die Charaktere blieben meist farblos, mit Jacob gar konnte ich mich kaum anfreunden, nur die Nebencharaktere, Jacobs Bruder Will (und jetzt erst fällt mir auf dass das die Namen der Grimms sind), dessen Freundin Clara und Fox wussten zu gefallen.

 Was mir dann aber bei Reckless spontan nicht gefiel ist das Cornelia Funke die Rolle von Fox, einer Gestaltwandlerin welche einem zunächst wie Jacobs weise mütterliche Ratgeberin erscheint, im Verlauf der Geschichte einfach nur zur blindverliebten jungen Frau reduziert, die immer treu auf Jacobs Rückkehr hart und kein eigenes Leben zu haben scheint.
Ich finde hier vergeudete die Autorin eine gute Chance ihre Geschichte um eine starke Identifikationsfigur für junge Mädchen zu bereichern*.
Mal ehrlich, wer wäre in jungen Jahren nicht gerne in der Lage gewesen  nach belieben in das Fell eines Fuchses / einer Füchsin zu schlüpfen?
Doch bei Cornelia Funke wird auch dies nur zu einer Flucht.
Wie Jacob sich durch den Spiegel hindurch aus der Verantwortung um seine Mutter und seinen Bruder stiehlt, so flieht Fox vor der Ungerechtigkeit ihres Menschenlebens in das wilde Leben der Füchsin. Aber, und hier wird es richtig problematisch, es scheint das sie dieses Leben nur an der Seite Jacobs führen kann, weil dieser ihr einziger Antrieb ist.

 Auch möchte Reckless Erwachsener sein als es Tintenherz war, zwar einerseits ähnlich verspielt aber eben ohne dessen unschuldige Naivität.
Im Ganzen baut die Geschichte sehr viel auf Gewalt und Sexualität auf, welches bei mir einen recht schalen Nachgeschmack hinterliess.
 Ein wirklich riesiges Problem beim Lesen von Reckless hatte ich dabei damit wie Funke mit der konstanten Präsenz sexualisierter Gewalt in ihrer Geschichte umgeht, nämlich gar nicht. Wie wir es aus klassischen Texten kennen, wird diese entweder überhaupt nicht angesprochen oder nur in beschönigenden Floskeln. Das Problem ist nur, Jacob stammt nicht aus dieser, in einer vergangenen Epoche stehengebliebenen Welt, noch Will, oder Clara... trotzdem wird sexualisierte Gewalt nie direkt angesprochen, obwohl sie ständig irgendwie im Raum steht.
Es werden weder in der nachfolgenden Passage noch sonst wann im Buch die Worte Kriegsverbrechen oder Vergewaltigung im Mund geführt:
  It gave her a bittersweet satisfaction that his human princess couldn’t give Kami’en children either, unless he wanted to sire one of those crippled monsters some mortal women had borne his soldiers.
 Obwohl spätestens dann wenn es im Buch heißt, das Kami’en der erste Goyl sei der eine Menschenfrau zur Ehegattin nimmt diese Passage kaum eine andere Deutung zulässt.
Zu einem späteren Zeitpunkt begegnen unsere Helden einer Band marodierender Plünderer auf einem früheren Schlachtfeld, deren Anführer ruft „Tötet die anderen, die Frau gehört mir!“, aber auch hier dient die Drohung sexualisierter Gewalt nur als „Spannungsmoment“ und um zu Zeigen wie sehr Will seine Clara liebt.
Zu dem erfahren wir das Jacob unter anderem sich damit verdingt hat Mädchen aus den Klauen „liebeskranker“ Wassermänner zu befreien, welche diese in ihr unterseeisches Reich verschleppen und dort gefangen halten. Jacob selbst ist ein ganzes Jahr lang unter dem Bann einer Fee gestanden mit dem sie ihm zu ihrem (Bett-)Partner gemacht hat.
Heldin Clara ist später permanent, offener sexueller Belästigung durch den Zwerg Valiant ausgesetzt.
All dies geschieht weitgehend unkommentiert, ist Norm der Dinge.
I’m not amused!

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* Ich setze hier eine gewisse Hoffnung auf Besserung mit dem angekündigten vierten Band in dem es nach Asian, ins Land der Kitsune geht.

Sonntag, 11. Oktober 2015

Shadow and Bone








Shadow and Bone*, Leigh Bardugo
(Henry Holt and Co., 2012)


Kurzinhalt:
 Alina Starkov und Malyen Oretsev sind zusammen als Waisen aufgewachsen.
Nun dienen sie beide in der Armee des Zaren, Alina als einfache Gehilfin des Kartenschreibers, Mal als bewunderter Fährtenleser dessen Talent an das Übernatürlich grenzt. Nicht nur Malyens Talent ist bewundert, er ist auch umschwärmt von jungen Frauen, sehr zu Alinas Verdruss die schon lange heimlich in ihren besten Freund verliebt ist, ihn dies aber nicht wissen lassen will. 
 Beim Versuch die Unsee zu queren, einem einst versehentlich von einem mächtigen Grisha geschaffenen Streifen aus Dunkelheit, welcher nun Ravka in zwei Teile spaltet, wird die Crew an Bord eines Sandgleiters von den im dunklen hausenden, dämonenartigen Volcra angegriffen. Mal rettet Alina zunächst das Leben, doch eine weitere Angriffswelle scheint das Schicksal der beiden zu Besiegeln.
 Darauf findet sich Alina unter schwerer Bewachung auf dem Weg in das Zelt des Kommandanten wieder, sie hat keine Erinnerung daran was an Bord passiert ist, wie es gelang aus Unsee wieder zurückzukehren, aber ihre Bewacher und ihre einstigen Kameraden behandeln sich plötzlich mit Ablehnung und Furcht.
 Im Zelt des Kommandanten wird sie dem Darkling vorgeführt, dem ältesten und mächtigsten der Grisha und dieser scheint überzeugt das Alina etwas besonderes ist, das sie der Schlüssel dazu ist, die Unsee zu bannen und das geschwächte Ravka wieder gegen seine Nachbarn zu einen...


 Unter dem Eindruck einer ihrer empfehlenswerten Kurzgeschichten aus dem Grisha Universum, The Witch of Duva, bin ich mit großen Erwartungen in das Buch hinein gegangen, und Ernüchtert wieder daraus aufgetaucht.

 Nach einem sehr angenehm zu lesenden Prolog, tauscht die Autorin in Shadow and Bone zunächst nur die Erzählperspektive von dritter zu erster Person, und geht noch einmal über bereits Etabliertes, was dem Prolog ein wenig seinen Sinn raubt.
 Bestenfalls die Dynamik zwischen Alina und Malyen hat sich von Prolog zu erstem Kapitel etwas verändert, wobei Alina noch immer die graue Maus ist, nur Malyen ist nun ein von allen Mädchen begehrter Jüngling. Begehrt auch von Alina die aber natürlich nur ewige Freundin ist.
Nun spricht ja aus sich heraus nicht gleich etwas dagegen mit erprobten Formeln zu hantieren, aber von hier an fort wird die Sache nie besser. Leigh Bardugo erzählt ihre Geschichte so stringent nach dem Handbuch, man weiß bereits was geschehen wird und die Autorin weiß dem leider nichts hinzuzufügen, dass groß Erwähnenswert scheint.

 Formal ist die Geschichte dabei gar nicht schlecht erzählt, man kommt gut durch die ersten Kapitel und trotz dieses eher lahmen Anfangs wagt man noch auf eine interessant ausgestaltete Fantasy Welt zu hoffen, wenn im Zuge der versuchten Durchquerung der Unsee etwas Spannung aufkommt. Doch wie bei so vielem bleibt die Autorin hier an der Oberfläche hängen - man erfährt immer nur gerade das Notwendigste von ihr. Dass zum Beispiel Ravka ein alternatives Fantasy-Russland ist bekommen wir gerade so noch mit aus an russischen Vorbildern angelehnten Gebietsnamen und Titeln, darüber hinaus scheint sich aber die Schreiberin selbst kein klares Bild ihrer Welt gemacht zu haben. Was vor allem deshalb unangenehm auffällt weil im Mittelteil des Buches praktisch nichts passiert, beziehungsweise was passiert so vage gehalten ist, das es genauso gut nicht geschehen sein könnte.
 Alinas Erziehung und Ausbildung zur Grisha? In wenigen Nebensätzen abgearbeitet, wie sie es schafft trotzdem zum Ende hin überraschend ihre Kräfte zu Meistern bleibt jedermanns Vermutung überlassen.
Die Kleidung der Grisha, welche im Mittelteil ungemein viel beschreibenden Raum einnimmt? Es wird trotz der Zeit welche die Autorin darauf verschwendet Alina von einem Klamottenkoma ins nächste Sinken zu lassen und mit Genya darüber zu plaudern nie so richtig Klar wie man sich diese vorstellen kann.

 Am meisten ärgerte mich ganz Persönlich aber Alinas Verhältnis zu Genya, oder besser ihr nicht Verhältnis, denn Alina Starkov interessiert sich die meiste Zeit über nur für eine einzige Person: Alina Starkov. Ironischerweise ist es genau dass was sie im sich ziehenden Mittelteil ihren Mitschülern beständig vorwirft - Heuchelei dein Name ist Alina.

 Wie auch immer, das Alina sich, selbverständlich! möchte man da rufen, auf einer rein sexuellen Ebene vom Darkling im Sinne des Wortes Magisch angezogen fühlt, bin ich ja noch bereit zu akzeptieren (von wegen gleiches ruft nach gleichem wie ihre Mentorin Baghra wie ein Mantra wiederholt), dass sie aber zum Ende praktisch aus allen Wolken fällt als sich dieser eben doch als Böse erweist?

 "When Genya's abilities began to show themselves, I could have had her choose between becoming a Fabrikator or a Corporalnik. Instead, I cultivated her particular affinity and made a gift of her to the Queen."

 Er sagt es ihr praktisch ins Gesicht, das er Böse ist.
Auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt Genya noch nicht als beste Freundin sieht, was denkt sie steht zu erwarten von einem Mann der ihr sagt er habe eine junge Frau zu einem Leben als Sklavin verurteilt?
Zu mal wir später erfahren das es im Palast ein offenes Geheimnis ist dass der Zar sich an seinen weiblichen Leibeigenen vergeht. Aber Alina schafft es diesen Austausch sofort bequem wieder zu vergessen, selbst als sie bereits Genya als beste Freundin tituliert hinterfragt sie deren Schicksal nie. Es belastet sie offenbar in keiner Weise, das sie zumindest ahnen muss durch welches Martyrium die ihr so bezeichnete Freundin geht.

 Auch dass mir beim Lesen eigentlich nie ganz klar geworden ist wie alt Alina eigentlich sein soll hat mich ehrlich gesagt gestört, mal erscheint sie einem naiv wie eine zwölfjährige, obwohl ich da hinzufügen sollte das ich zwölfjährige kannte die über weit mehr emphatisches Einfühlungsvermögen verfügten als Alina je zeigt, eine recht intensive Begegnung mit dem Darkling jedoch weist dann wieder darauf hin dass sie doch älter sein muss, alt genug um Sex zu haben zumindest.**

 "I won't return to the party," he said. "But you should, at least for a while."
I nodded again. I was suddenly acutely aware of the fact that I was standing in a dark room with a near stranger and that only a few moments before I'd nearly had my skirts around my waist. Ana Kuya's stern face appeared in my mind, lecturing me about the foolish mistakes of peasant girls, and I flushed with embarrassment.

 Mein Eindruck vom hochgelobten ersten Grisha Band?
Die Geschichte ist hier leider von der Autorin nie über ihre groben Grundzüge hinaus ausgearbeitet, und ein zu lange gezogener Mittelteil lässt einem viel Zeit über all das Nachzudenken was die Autorin immer nur andeutet - mal ist dies zwar Effektiv im Bezug auf den Spannungsaufbau, Genyas nie ganz ausgesprochenes Martyrium verleiht dem Roman eine notwendige Düsternis um die Geschichte am funktionieren zu halten, zumeist aber lässt es alles einfach nur unausgegoren und auf zu altbekannte Schema aufgebaut, die mit Leben zu füllen die Autorin sich keine wirkliche Mühe macht, erscheinen.
 Es ist Schade darum, denn das Setting hätte sich für einen spannenden, mit Dramatik erfüllten Abenteuerroman für junge Mädchen angeboten, dafür aber bleibt die Autorin durchgehend zu oberflächlich - zeigt sie zu wenig Mut von erprobten Schemata abzuweichen.

 Das beste was mir noch zu erwähnen einfällt ist das Shadow and Bone weitestgehend in sich abgeschlossen ist. Man kann die Trilogie weiterlesen, muss es aber nicht.




*  Kein original Cover, die Kindle Ausgabe welche ich gekauft habe kam ohne Coverbild. 
Das oben Abgebildete habe ich aus dem Netz gefischt und mit Hilfe von Calibre dem eBook hinzugefügt.

** Es klärt sich später das sie zumindest alter als fünfzehn ist, sollte aber ihr genaues Alter irgendwann einmal erwähnt worden sein, so muss ich das überlesen haben.