Die Frau im Musée d'Orsay, David Foenkinos
(
Penguin, 2019)
Inhalt:
Warum nur flieht Antoine Duris Hals über Kopf aus seinem bisherigen
Leben? Er war Professor an der Hochschule der Schönen Künste in Lyon und
zieht nun nach Paris, um im Musée d'Orsay, wo die farbenfrohen Gemälde
von Manet, Monet und Modigliani hängen, Wärter zu werden. Keiner kennt
die Gründe für diesen plötzlichen Wandel, keiner weiß, wie sehr ihn das
Schicksal seiner hochbegabten Studentin Camille mitgenommen hat. Erst
als er Mathilde kennenlernt, findet Antoine einen Weg, sich der Freude,
dem Genuss und der Liebe wieder hinzugeben …
Ein kluger,
feinfühliger Roman, der vom Mut erzählt, dem Leben eine neue Wendung zu
geben – und eine Liebesgeschichte voller Momente der Schönheit.
(
Text: Random House)
David Foenkinos’ „Die Frau im Musée d’Orsay“ hat mich als Leser mit gemischten Gefühlen zurück gelassen.
Zum
einen ist da die irreführende Beschreibung des Verlags welche von einer
Liebesgeschichte spricht, welche in der Erzählung selbst nie Form
annimmt.
Das andere ist der Ansatz den Foenkinos wählt um diese
Geschichte zu Erzählen. Er eröffnet mit dem Kunstprofessor Antoine
Duris, welcher überraschend seine Arbeit niederlegt um sich in eben
jenem im Titel erwähnten Musée d’Orsay als Saalwächter zu bewerben.
Antoine,
ein verschlossener Mann der nur ungern Kontakte knüpft und sich nur mit
Widerwillen auf seine Kollegen einlässt, beginnt hier in einen
einseitigen Dialog zu treten mit dem Gemälde der Madame Hébuterne.
Diese
Eröffnung, so stellt es sich ab dem zweiten Teil der Geschichte heraus,
steht tatsächlich am Ende einer Geschichte, bei der Antoine im Grunde
nur eine Nebenfigur ist.
Letzter Betroffener der Auswirkungen eines grausamen Verbrechens, einer unausweichlichen Tragödie.
Als
Leser fühlte ich mich hier vom Verlag und vom Autor auf das Glatteis
geführt, gelockt mit dem Blick auf eine Geschichte, die nur am Rand der
tragenden Ereignisse stattfindet.
Dass Foenkinos
versucht sich über eine Randfigur einer furchtbaren Tat und deren Folgen
anzunähern, steht für mich ebenso im Kontrast zur Tragweite des von ihm
gewählten Themas, wie die Leichtigkeit der Sprache, welcher er sich
bedient.
Was Foenkinos als Erzähler fehlt, die Fähigkeit
den Leser am Geschehen zu beteiligen, anstatt ihm nur eine Rolle als
Zuschauer zukommen zu lassen, der Autor bricht klar mit der oft
zitierten Maxime des „Zeigen nicht Erzählen“, macht er durch feine
Beobachtung der menschlichen Natur wett.
Mit amüsierter Distanz
beobachtet der Autor die kleinen Rückschläge und Tragödien, die
unumgängliche Problematik täglichen Miteinanders und die vielen Momente
in denen Kommunikation untereinander fehlschlägt und zeigt den darin
verborgenen Humor auf.
Foenkinos schreibt, zumeist, mit einem Lächeln.
Er entwirft eine Welt fehlbarer Menschen, die es im Grunde ihres Herzens dabei meist Gut meinen.
Im
zweiten Teil der Erzählung führt uns Foenkinos zurück in die
Vergangenheit, und demontiert das Bild, welches wir von Antoines
Charakter bekommen haben. Er lässt Antoines moralische Integrität
schwanken.
Und dann lässt Foenkinos, als Wende im dritten Teil der Erzählung, in diese Welt das Verbrechen eindringen.
Eine
einzelne Tat, die nicht nur das Leben des Opfers unwiderruflich aus der
Bahn wirft, sondern in weitere Folge irgendwann auch Antoine Duris
erfasst.
Die Grausamkeit der beschriebenen Tat verstört, hat
mich als Leser schockiert pausieren lassen. Mit Antoines Charakter in
Frage gestellt, konfrontiert mit einem grausamen Verbrechen, befand sich
für mich ab hier die von Foenkinos geschaffene Welt im freien Fall.
Das Bild des Verbrechens verfolgt einen, überschattet die Gesamtheit der Erzählung.
Das
Foenkinos im vierten Teil dann zu einem überstürzt anmutenden Ende zu
kommen sucht, trübt da den Leseeindruck noch zusätzlich, zum nun fast
schon unständig wirkenden, augenzwinkernden Ton der Autor anschlägt.
Zu
vieles an der Erzählung wirkt beim Blick zurück nur wie Fassade, zu
wenig kümmert der Autor sich um das was er seinen Figuren angetan hat,
streift die Tragweite des Verbrechens nur, lässt den Tod wie ein
schreiberisches Gimmick wirken, welches den Bogen zwischen Anfang und
Ende des Buches schlagen soll.
Wie gesagt, ein Werk das mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen hat.
Sprachlich
elegant ist Foenkinos ein guter Unterhalter, nur Inhaltlich ist er es
in diesem Fall nicht, möchte es hoffentlich auch nicht sein.
Ich denke dass der Verlag hier seinen Lesern eine Warnung schuldet.
Mit Dank an den Verlag
Penguin Deutschland der das Buch zur Verfügung gestellt hat,
und an
LovelyBooks, sowie meine Mitleser, für die Leserunde.