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Samstag, 18. Juni 2016

Weltraum-Expedition der "Space Beagle"








Weltraum-Expedition der "Space Beagle", A. E. van Vogt
(Heyne, 1953)


Kurzinhalt:
Auf ihrer Fünf-Jahres Forschungsmission in fremden Galaxien begegnet die »Space Beagle« mit ihrer tausend Mann starken Besatzung fremden Lebensformen welche Alpträumen entsprungen sein könnten.
Ein Hochintelligentes Katzenartiges Wesen treibt an Bord gebracht ein tödliches Katz und  Maus Spiel mit ihnen, ein Wesen für welches feste Materie kein Hindernis darstellt, und welches nach Art der Schlupfwespen seine Eier in der Leibeshöhle von Menschen ablegt, welche bei lebendigem Leib aufgefressen werden und qualvoll zugrunde gehen, lockt sie in eine verhängnisvolle Falle, Telepathisch begabte Vogelwesen drohen sie in den Wahnsinn zu treiben und sie müssen sich einer Entität erwehren, das nur aus kosmischem Staub besteht und dennoch zur Gefahr für die ganze bekannte Galaxis werden könnte.

Wieder und wieder wird für die Männer der Besatzung die Begegnung mit dem Unbekannten zum Kampf ums überleben, und wenn ihre wissenschaftlichen Anführer an ihre Grenzen Stoßen kann nur noch der an Bord befindliche Nexialist sie vor dem sicheren Ende bewahren.


 Weltraum Expedition der "Space Beagle" (auch unter dem weniger redundanten Titel Expedition der "Space Beagle" erschienen) ist eine Sammlung von vier lose aufeinander aufbauenden Geschichten des Golden Age Autors A. E. van Vogt.
Die Geschichten erschienen wurden ursprünglich separat veröffentlicht (vorwiegend in Astounding) zwischen 1939 und 1950.

 
 Zweifelsfrei gehören die Geschichten zum besseren das Vogt geschrieben hat, oder sie sind einfach nur besser Übersetzt (von Jesco von Puttkamer). Der Schreibstil ist sehr flüssig, eingängig und kommt ohne größere Längen daher. Von Segment zu Segment gibt es jedoch Wiederholungen, welche klar auf den Ursprung als ehemalige Kurzgeschichten verweisen, für die es Notwendig war für eventuelle Erstleser Ereignisse aus den vorgehenden Episoden zu rekapitulieren um so zumindest einen Teil der Gedankensprünge des Nexialisten als Logisch erscheinen zu lassen.

 Die Struktur der Geschichten ist hierbei immer gleichartig aufgebaut, die Besatzung begegnet einer zumeist in der Evolution höher stehenden Rasse welche sich als Feindselig gegenüber den Menschen erweist, beziehungsweise kaum der Existenz der Erde bewusst geworden den Beschluss fasst diese zu Erobern.
Die Besatzung wird daraufhin in ihrem Schiff in einen Kampf auf Leben Tod verwickelt welcher nur durch das Eingreifen des Nexialisten und mittels der überlegenen Technik der Menschen zum guten gewandt werden kann. Amüsanter Weise erstreckt sich dieser technische Vorsprung aber nicht auf die Schiffskommunikation, welche in einer der Geschichten noch aus einem Rohrpostsystem besteht.

 Als loser roter Faden spinnt sich durch die Geschichten ein letztlich in offenem Kampf ausartendes Duell des Chef Chemikers, welcher die Führung des Schiffes für sich beansprucht, gegen den Nexialisten in dem er eine direkte Bedrohung seiner Stellung sieht.

 Über gewisse Gegebenheiten darf man sich, wie in der Space Opera üblich, nicht zuviel Gedanken machen, auch wenn dies schwer Fällt wenn zum Beispiel der Autor einem erklärt das die Space Beagle sich mit einer physikalischen Geschwindigkeit durch den Raum bewegt die es ihr erlaubt eine Distanz von einem Lichtjahr(!) in nur fünf Stunden zurückzulegen.

 Am Rande Notiert:
Es scheint das die deutsche Übersetzung seinerzeit Zensiert wurde, denn in den englischen Besprechung des Romans findet sich der eindeutige Hinweis darauf das die Crew Chemisch Kastriert ist, dieses Detail wird dem deutschen Leser jedoch unterschlagen.


 Eine kurze Notiz zur aktuelleren Historie des Romans:
Eine geschickte Klage gegen die Fox Studios nach Veröffentlichung des Films Alien* hat der Sammlung Anfang der achtziger Jahre zu erneuter Bekanntheit verholfen - warum Vogt nicht der offensichtlicheren Parallelen wegen eine Klage gegen Gene Roddenberry, dessen Serie Star Trek (dt.: Raumschiff Enterprise) ganz offensichtlich von diesen Geschichten inspiriert wurde, angestrengt hat, wird dessen Geheimnis bleiben.

 Die Klage scheint sich hierbei auf die Kurzgeschichte Discord in Scarlet (dt.: Ungeheuer an Bord) zu Stützen, wobei auch Elemente aus der ersten enthaltenen Kurzgeschichte Black Destroyer passen:

** Achtung Spoiler **

 Die "Space Beagle" wird von einem höher Entwickelten Alien welches mitten im Raum gestrandet ist dahingehend manipuliert dass das Schiff in relativer Nähe zu ihm zum Stehen kommt.
Obwohl der Nexialist an Bord (Vogts Erfindung, ein Wissenschaftsgenie welches sich übergreifend mit allen Disziplinen der Wissenschaft befasst) Schlussfolgert das es sich aufgrund der astronomischen Unwahrscheinlichkeit hierbei um keinen Zufall handeln kann, wird entgegen aller Warnung ein Versuch unternommen das Wesen einzufangen und an Bord zu bringen, als dies Misslingt sieht sich die Besatzung in einen Überlebenskampfverwickelt mit einem hochintelligenten Wesen welches durch Wände gehen kann und Männer der Mannschaft entführt um sie zur Eiablage zu verwenden. Mit dem Ziel mit seiner Nachkommenschaft das Schiff zu übernehmen und dann zur Erde zu Fliegen.
Das Wesen erweist sich im Kampf als praktisch unbesiegbar für die Besatzung aber es gelingt ihnen es zu Überlisten und zurück in Weltraum zu locken wo sie es zurücklassen.

 Im Film Alien befindet sich das Bergbauschiff "Nostromo" auf dem Rückflug zur Erde als der Computer die Mannschaft aus ihrem Kühlschlaf weckt, da ein Notrufsignal unbekannter Herkunft aufgefangen wurde. Die Besatzung landet auf einem unwirtlichen Planeten und stößt auf ein gestrandetes außerirdisches Raumschiff. Bei der Erkundung des Raumschiffs wird ein Mitglied aus der Besatzung von einem Fremdwesen angegriffen, welches sich an seinem Gesicht festklammert. Entgegen der Quarantäne Vorschriften werden Alien und Besatzungsmitglied an Bord genommen. Das Angegriffene Besatzungsmitglied wurde jedoch von dem Alien als Wirtskörper benutzt aus dem schon bald seine sich schnell entwickelnde Brut hervorbricht.
Im Folgenden Überlebenskampf der Mannschaft erweist sich das Alien als mit ihren Mitteln praktisch unbesiegbar und man beschließt das Schiff aufzugeben. Am Ende gelingt es der einzigen Überlebenden das Wesen ins All zu Befördern und in der Antriebsdüse zu verbrennen.

** Ende Spoiler Zone **


 Tatsächlich, gibt es unwiderlegbare parallelen zwischen van Vogts Kurzgeschichte und O'Bannons Drehbuch. Das Drehbuchautor O'Bannon van Vogts Geschichte kannte lässt sich nicht ausschließen, doch Vogts Geschichte scheint selbst nur wie eine Variation der Idee eines anderen, zeigt Vogts Alien, welches seinen und den Körper seiner Opfer auf atomarer Ebene kontrollieren kann, doch eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Fremdwesen welchem wir in John W. Campbells im Jahr zuvor erschienen Geschichte Who goes there (erschien 1938 ebenfalls in Campbells eigenem Magazin Astounding - dt. Fassung bei Heyne - diente als Vorlage für Das Ding von Universal Movies in 1951 und 1982) begegnen. Einem Formwandler der nach und nach die Körper der Besatzung einer Arktischen Forschungsstation übernimmt, mit dem Ziel die nächstgelegene Zivilisation zu erreichen und sich von dort aus auf die ganze Welt auszubreiten. Campbells Kurzgeschichte steht dabei nicht ohne Kritik da, weder handwerklich noch inhaltlich. Campbell, der aus seienr politischen Gesinnung kein Geheimnis machte, wirft man offenen Fremdenhass vor, und sieht in der Geschichte klare anti-kommunistische Züge. Doch auch in Vogts Geschichten fällt auf das alle Begegnungen zwangsläufig Feindselig verlaufen, es gilt das Prinzip des Überleben des Stärkeren**, wer Schwäche zeigt, wird ausgelöscht. Und ständig Kämpft die Crew, untereinander entzweit, gegen die Gefahr einer außerirdischen Unterwanderung und/oder Gedankenkontrolle an - setz man die Geschichten in den Zeitlichen Kontext des zweiten Weltkriegs und der in der Literatur jener Tage zu findenden Angst vor einer deutschen (Gedanken-)Invasion, werden die Elemente zwischen Cambpells und van Vogts Geschichten austauschbar.

 Es ist wie überall in der Kunst, es gilt auch hier das es nichts wirklich neues gibt. Und die Idee einer Besatzung welche sich auf begrenztem Raum gegen einen übermächtigen Gegner behaupten muss, bietet eben auch nur soviel Raum für Variation.
Da Fox es seinerzeit nicht auf eine Verhandlung ankommen ließ, sondern sich außergerichtlich mit dem Autor einigte, werden wie jedoch nie Erfahren wie die Gerichte den Sachverhalt wohl gesehen hätten.



* Alien, ist der englische Begriff für Fremd, Fremder.
Umgangssprachlich wird Alien wie im deutschen Titel auch für außerirdisches Wesen verwendet - eigentlich gilt hierfür aber der Begriff Extraterrestrial (E.T.).
Im spanischen wurde der Film passender zur Story mit "Der achte Passagier" betitelt.

** Darwins Survival of the fittest, gerne als Überleben des Stärkeren übersetzt, und im Roman auch praktisch Wörtlich so angewandt, meint eigentlich das Überleben des besser Angepassten

Kommentare:

  1. An Zensur bei deutschen Übersetzungen denkt man als Leser ja spontan gar nicht, daher finde ich es immer spannend, wenn es dann doch jemandem auffällt.

    Spannend ist übrigens auch, dass "Survial of the fittest" ursprünglich gar nicht von Darwin stammte, sondern von einem Soziologen (so könnte man ihn wohl heute einordnen) namens Herbert Spencer. Darüber bin ich vor kurzem in einem Buch gestolpert und war ganz überrascht.

    LG

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    1. Vor allem bei diesem Zensur Detail, da sieht man das die Deutschen früher noch zimperlicher waren als die Amis.

      Danke, diese Zuordnung des Zitats war mir bisher auch nicht geläufig.
      So ist das eben mit den zugeschriebenen Zitaten, die akzeptiert man manchmal einfach Blind so wie sie weitergegeben werden.

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