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Mittwoch, 1. Juni 2016

Warum ich lese

 Wer meinem blog folgt, oder auch nur ein wenig durch mein online Geschreibsel blättert, der erkennt schnell das ich, zumindest im Netz,  für eine Nabelschau immer zu haben bin.

Nun ist heuer in meinen facebook Nachrichten ein Hinweis einer bloggerin auf ihren Warum ich lese post, inspiriert von Novelero (Wie geht diese Songzeile noch mal? Novelero, novelero, not a word is true? - j/k), aufgetaucht. Und da sich bei dieser Aktion so viele blogger so herrlich eloquent und mit beneidenswertem Gedächtnis beteiligten, dachte ich so bei mir, warum sich nicht daran beteiligen, warum nicht mal wieder einen post bringen über aller Männer Lieblingsthema - Mich.*


 Warum lese ich?
Man könnte mich auch fragen warum ich atme, die Antwort darauf fiele mir ähnlich leicht und dabei ähnlich schwer zu erläutern.

 Ich könnte einfach Joyce Carol Oates seeehr frei Zitieren und sagen:

"Warum man liest, ist eine Frage die sich der Leser, völlig versunken in seine Lektüre, nicht stellt. Theorien sind das Gebiet derer, die nicht lesen."**

Aber das ist nicht die Antwort, das ist das Ausweichen der Antwort.


 Also, noch einmal, warum lese ich?
Zunächst weil ich nicht anders kann, ich gehöre zwar nicht zu den Menschen die sich 24/7 mit einem Buch beschäftigen (oder das noch könnte), aber wenn ich ein paar Tage nichts zu lesen habe fange ich an die Rückseite von Müslipackungen zu Studieren oder Rezeptbeilagen zu lesen - beides Dinge über die man gar nicht so genau bescheid wissen will.
Die naheliegende Kurzantwort wäre also zu sagen, ich lese weil man das Gehirn nicht abschalten kann.
 Tatsache ist wenn ich mich nicht von der Welt da draußen so wie sie sich mir präsentiert ablenke, fange ich an mir zu viele Gedanken zu machen, über Dinge über die ich keine Kontrolle habe und meine Windmühlenangriffstage liegen schon zu lange hinter mir um mich dem noch auszusetzen (wollen).

 Ich bin somit vermutlich das Paradebeispiel eines Fluchtlesers; schon immer gewesen, so weit ich das beurteilen kann. Lesen, das ist Ablenkung von den Menschen, die, da es so viele davon gibt, einem sonst permanent präsent sind. Sofern sich das von mir ermessen lässt bin ich ein extrem introvertierter Mensch, auch dies schon immer gewesen. Ich habe meine Tage am See praktisch ausschließlich mit der Nase in einem Buch verbracht, immer dem Schatten folgend. Ich erinnere mich das ich einen Besuch bei Verwandten als Kind/Jugendlicher (tween) genutzt habe um Die Weiße Bestie (Der weiße Hai 2 novelisierung) von Anfang bis Ende zu lesen.

 Für mich sind die Welten, sind die Menschen am realsten über die ich lese. Die Menschen die außerhalb von Büchern leben verstehe ich die meiste Zeit über nicht, ihre Motivation bleibt mir komplett unbekannt - die Menschen die in den Büchern leben verstehe zumindest oft genug, und auch wenn mir deren Motivation ebenfalls oft fremd ist, bleibt sie einem zumindest nicht unbekannt.

 Auch das einer der Gründe warum ich lese, ich kann der Illusion nicht entfliehen, dass wenn ich nur genug über sie lese, ich zwangsläufig irgendwann anfangen werde die Menschen zu verstehen. Und die Menschen zu verstehen, denke ich mir, dass muss der Schlüssel dazu sein, sich selbst, irgendwann, zu verstehen.
Proust scheint dass nicht unähnlich gesehen zu haben,
 "In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser nur seiner selbst. Das Werk des Schriftstellers ist dabei lediglich eine Art von optischem Instrument, das der Autor dem Leser reicht, damit er erkennen möge, was er in sich selbst vielleicht sonst nicht hätte erschauen können."
so richtig funktioniert hat es jedoch bisher nicht.
Aber auch wenn es mir noch nicht gelungen ist mir das Leben, mir mein Selbst zu erlesen, ich hatte mit dem Versuch zumeist viel Spaß und werde ihn wohl auch in Zukunft noch haben.


Soll jetzt nicht heißen das alle Männer am liebsten über mich reden, sondern das der Mann im größeren Durchschnitt am liebsten über sich selbst parliert.
** "Warum man schreibt, ist eine Frage die sich der Schriftsteller, völlig versunken in seine Arbeit, nicht stellt. Theorien sind das Gebiet derer, die nicht handeln."

Kommentare:

  1. So genau habe ich noch nie darüber nachgedacht, warum ich überhaupt lese. Für mich ist es eine ganz natürliche Entwicklung gewesen. Meine Eltern lesen gerne, ich bin mit Büchern aufgewachsen und es war für mich ganz normal, dass Lesen zum Leben dazu gehört. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert.

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  2. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Ich bin kein Mensch, der alles liest, was er zwischen die Hände bekommt und dennoch kann ich deine Begründung sehr gut nachvollziehen, auch wenn ich zuvor noch nie so genau darüber nachgedacht habe, warum ich gerne lese. In deinen Worten finde ich mich aber zum Teil wieder. Ich mag es, in fremde Welten abzutauchen. Ganz besonders in fantastische, eben weil sie von der realen Welt doch gut abweichen. Man kann mit den Geschichten, die man liest eine gute Auszeit vom Alltag nehmen.
    Liebe Grüße Tanja :o)

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