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Freitag, 23. Juni 2017

31 Tage - 31 Bücher / Filme

Tag 18



Ein Buch, das Du auf keinen Fall Deiner Mutter geben würdest.
  
Geschichte der O, Pauline Réage






Welcher Film enthält deinen Lieblingsbösewicht?
 
Goldfinger.
Gert Fröbe ist der mit Abstand charismatischste Bondgegner:
"Erwarten sie von mir das ich rede?"
"Nein Mr. Bond, ich erwarte von ihnen dass sie Sterben."

Sonntag, 18. Juni 2017

Dark Universe








Dark Universe, Daniel F. Galouye
(Mantikore, 2017)


Buchtext:
 Jared gehört zu den "Überlebenden". Vor Jahrhunderten löschte ein gewaltiger Krieg die menschliche Zivilisation aus und machte die Erde unbewohnbar. Die wenigen Überlebenden der Katastrophe konnten sich in ein unterirdisches Tunnelsystem retten. Seit Generationen leben sie im Untergrund - ohne Licht - in völliger Dunkelheit. Ihre Sinne haben sich perfekt an die ewige Nacht angepasst. Erinnerungen an die alte Welt, sogar an Licht, sind nicht mehr als Legenden – bewahrt in den Mythen der Überlebenden. Jared will den Geschichten auf den Grund gehen und wagt den riskanten Aufstieg...

 Dark Universe erschien erstmals 1962 zur Zeit des Kalten Krieges. Die post-apokalyptische Vision einer vom Atomkrieg zerstörten Zivilisation war für den Hugo Award nominiert. Ein Meisterwerk der Science-Fiction-Literatur.


 Daniel F. Galouye gehört zu den wichtigen SF Autoren seiner Zeit, trotzdem scheint es dass  abgesehen von seinem zweifach verfilmten Simulacron-3* seine Geschichten und Romane inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein scheinen. Galouye bewegte sich als Autor in einem ähnlichen Feld wie der weitaus bekanntere Autor Philip K. Dick, seine Geschichten tendieren gleichfalls in das Feld der Fantasy, ohne jedoch, im Gegensatz zudem wie Dick es gelegentlich tat, diesen Punkt wirklich zu überschreiten.
 Auch für Galouye ist die SF oft mehr Vehikel für philosophische Betrachtungen gewesen, welche wie in Dark Universe in unterhaltsam abenteuerliche Geschichten zu fassen wusste.

 In seinem Dark Universe steht die Warnung vor der Atomaren Bedrohung eher zweitrangig da. Vielmehr thematisiert der Autor im Gewand eines SF Abenteuerromans zeitbezogene Probleme wie Religion, Sektentum und Ausgrenzung. Ganz unmittelbar geht es dem Autor jedoch einfach um das Gedankenspiel einer Menschheit die in absoluter Dunkelheit überleben muss. Die Überlebenden, denen Hauptcharakter Jared angehört haben hierfür (durch Strahlungsmutation?) ein hochsensibles Gehör, ähnlich dem der Fledermäuse, entwickelt, welches sie ihre Umgebung mittels Echowahrnehmung erfassen lässt. Von dieser Prämisse ausgehend entwickelt der Autor seine Geschichte um eine Gesellschaft für die „Licht“ ein Mythos ist, ein Relikt vergangener Tage von dem sie nur Wissen das es einst um sie war.
 Galouye präsentiert uns eine gleichermaßen wahnwitzige, wie im Kontext überzeugende Religion die das Licht mit Gott gleichsetzt und welche in Furcht vor der Oberwelt und ihren Teufeln lebt, namentlich Kobalt, Strontium und Wasserstoff höchstpersönlich.

 Doch Jared ist ein Zweifler, er misstraut der Religion und möchte auf eigene Faust herausfinden was Licht ist. Diese Suche, wird behindert durch gräulichen „Subflatterer“, ins gigantische mutierte Fledermäuse, und die ständige bedrohung durch Überfälle der Zivver, einem abgelegen lebenden Menschenstamm, welche sich auf eine den Überlebenden unbekannte Weise zu orientieren vermögen ohne auf ihre Ohren angewiesen zu sein.
Die Suche führt Jared uns seinen Freund über die „Barriere“ welche den verbotenen Weg in die Oberwelt abgrenzt, eine Zone durchstreift von Monstern die lautlose Töne von sich geben und ihre Opfer betäuben um sie dann für ungewisse Zwecke zu Verschleppen.

 Bereits nach wenigen Seiten schafft es der Autor uns so komplett in seine Ideen zu involvieren das wir uns tatsächlich vorstellen können wie wir an der Seite Jareds durch eine ewige Dunkelheit jagen, sich vor uns eine Welt entfaltet die für uns nur noch aus Schalleindrücken besteht.

 Kritisieren lässt sich nur dass sich der Autor im Mittelteil in gefühlt unnötigen Passagen verliert, die zwar nicht weniger Spaß machen zu lesen, aber ultimativ die Geschichte nicht bereichern sondern eher dazu geneigt sind das sorgfältig aufgebaute Konstrukt der Glaubwürdigkeit zu Erschüttern, wenn zum Beispiel der Autor weitere Mutationen einfließen lässt, wohl nur um einem bereits gemachten Punkt Nachdruck zu verleihen.

 An der Übersetzung selbst fällt auf dass das Lektorat leider nicht so sorgfältig ausgefallen ist, wie es hatte sein können. Da der Mantikore Verlag aber als unabhängiger Kleinverlag sicher stärker auf seine Kostendeckung achten muss, und mit der Veröffentlichung eines nicht mehr so bekannten Autors hier sicherlich ein gewisses höheres Risiko eingeht, lässt sich dies meiner Meinung nach leicht nachsehen.


 Die Geschichte, soviel sei Verraten, endet eher antiklimatisch, es gibt keine wirklich überraschende Wendung zum Ende hin und mir stellte sich das Gefühl ein das der Autor hier besser beraten gewesen wäre hätte er das Ganze auf eine Kurzgeschichte oder Novelle Konzentriert. Trotzdem gilt als Fazit das Daniel F. Galouye zu den Autoren gehört die jeder ernsthafte SF-Fan gelesen haben sollte, insbesondere möchte man ihn dabei natürlich, siehe oben, den Philip K. Dick Fans nahelegen.

 Mein Dank an den Mantikore Verlag, dafür das sie diesen Klassiker der SF wieder einem deutschen Publikum verfügbar machen und für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

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* Als zweiteiliges Fernsehspiel Welt am Draht, von Reiner Werner Fassbinder in1973, und
  unter dem Titel The Thirteenth Floor, von Josef Rusnak (Produzent Roland Emmerich) in 1999.

Mittwoch, 7. Juni 2017

Mort(e)








Mort(e), Robert Repino
(Luzifer Verlag, 2016)


Kurzinhalt:
 Der »Krieg ohne Namen« hat begonnen, und sein Ziel besteht darin, die Menschheit auszurotten. Eingefädelt wurde er von der Kolonie, einer Rasse intelligenter Ameisen, die über Jahrtausende hinweg heimlich eine Armee aufgebaut haben, um die menschlichen Zerstörer und Unterdrücker für immer von der Erde zu tilgen.
Unter den wachsamen Augen der Kolonie soll eine Utopie frei vom Hang der Menschen zu Gewalt, Ausbeutung und religiösem Aberglauben entstehen. In einem letzten Schritt ihrer Kriegshandlungen verwandelt die Kolonie die Tierwelt auf der Erde in zu Höchstleistungen fähige Zweibeiner, die sich erheben und ihre Herren vernichten sollen.

 Mort(e), ein ehemaliger Hauskater, der zum Kriegshelden avancierte, ist berüchtigt dafür, die gefährlichsten Aufträge anzunehmen und gegen die gefürchtete menschliche Biowaffe EMSAH anzukämpfen. Was ihn jedoch tatsächlich zu derartigem Draufgängertum treibt, ist seine andauernde Suche nach jemandem, mit dem er vor der Verwandlung befreundet gewesen war: der Hündin Sheba.
 Als er die Nachricht erhält, dass Sheba noch am Leben sein soll, tritt er eine Reise an, die ihn von den verbliebenen menschlichen Festungen ins Herz der Kolonie führt, wo er von den Ursprüngen von EMSAH und dem endgültigen Los aller Lebewesen der Erde erfahren wird.


"Die Kreaturen draußen blickten von Schwein zu Mensch, und von Mensch zu Schwein, und zurück von Schwein zu Mensch; doch es war bereits unmöglich zu sagen wer welches war."
― George Orwell, Farm der Tiere

 Wir folgen im Buch Sebastians „erwachen“, seinem Vordringen in das Kriegsgebiet auf der Suche nach der verlorenen Sheba, seiner Gefangennahme durch und späteren Aufnahme in die Red Sphinx, erleben den Beginn vom Aufbau einer Zivilisation der Tiere, und das letzte Aufbäumen der Menschheit.

 Hierbei konstatiert der Kater wie der Aufstand gegen die Grausamkeit der Menschen, sich letzten Endes nur in Grausamkeiten gegen die Menschen ergeht. Wie bei Orwell lässt sich bald nicht mehr sagen wer nun wer ist, denn Tiere wären eben doch nicht die besseren Menschen, scheint einem das Fazit des Autors zu sein.

 Repino reflektiert über unseren Umgang mit der Natur, mit Haus- und Nutztieren und über den Sinn einer Revolution, wenn diese sich am Ende doch nur der selben Methoden bedient, gegen die man einst so stolz zu Felde zog.
So ganz nebenbei geht es noch um Sinnsuche und religiösen Extremismus.

 Mort(e) von Autor Robert Repino ist sprachlich wie stilistisch nicht ganz so ausgefeilt wie man sich dass, vor allem angesichts der philosophischen Ansätze, eventuell wünschen könnte. Der Autor schreibt in kurzen, einfachen Sätzen und wechselt kurze actionbetonte Passagen mit längeren Erzählenden, was die Geschichte, obwohl durchaus spannend zu lesen, mit einer gewissen Trägheit fortbewegt und ihr Potential nie ganz auszuschöpfen lässt.
Hier illustriert Repino den Wahrheitsgehalt der „show don’t tell“-Regel (in etwa: zeigen nicht sagen).

Aber als Fan apokalyptischer SF kann man mit der Geschichte seinen Spaß haben, so man bereit ist sich auf die Prämisse einzulassen ohne deren wissenschaftliche Basis großartig zu hinterfragen – in dieser Beziehung ist Mort(e) natürlich dass was Autor Norman Spinrad abfällig als reine Fantasy tituliert hätte.
 Repino entwickelt seine Story jedoch konsequent und innerhalb der gesetzten Parameter durchaus logisch fort. Das Geheimnis um die Seuche EMSAH hält dabei mühelos den Spannungsbogen der Geschichte aufrecht, bis hin zur ebenso simplen wie logischen Auflösung.
Die Frage um das Schicksal von Sheba, die fast Liebesgeschichte im Buch, liefert einen dramatischen Unterbau und hilft einem bei der Identifikation mit Mort(e) als Charakter.

 "Sebastian entschied Mort(e) genannt zu werden. Namen waren eine sehr wichtige Sache.
 ... Sebastians basierte auf einem Wort, das ihm mal in einer der alten Bibliotheken begegnet war und Tod bedeutete. Er war gestorben, hatte getötet und würde wieder töten. Also passte der Name. Dieser konnte aber auch der eines gewöhnlichen Typen namens Mort sein, der bedeutete, von Liebenden umgeben zu sein. Dieses Leben war noch da draußen, aber es musste warten, daher die Notwendigkeit, das E in Klammern zu setzen. Die Dinge könnten in die eine oder andere Richtung verlaufen. Sie verliefen immer in die eine oder andere Richtung."

 Das Buch wird gerne und oft als von Lobgesang auf Leibwitz inspiriert bezeichnet, worüber ich allerdings wenig sagen kann, da ich Lobgesang nie gelesen habe, und die Anlehnung an Orwells Farm der Tiere ist vom Autor offen zugestanden.
 Letztere zeigt sich zum einen in Mort(e)s Wahrnehmung der Tatsache das die Tiere sich nun, da sie Intelligenz besitzen, zunehmend wie die Menschen verhalten. Die Red Sphinx, eine Eliteeinheit gebildet von Katzen, denen sich Sebastian gezwungenermaßen anschließen muss auf seiner Suche nach Sheba, zeigt Argwohn gegenüber allen Nicht-Katzen, und in den Siedlungen welche am Ende des Krieges entstehen zeigt sich die selbe Neigung zu Vorurteilen gegenüber Vertretern anderer Rassen.
 Zum anderen zeigt sich die Anlehnung gegen Ende hin im offenen hat tip, wenn es gerade das Schwein Bonaparte* ist, als einziges „Beutetier“ eine Art Maskottchen der Red Sphinx die sich nach dem Krieg auch anderen Spezies öffnen, welches in einer praktischen Umkehrung der Schlüsselszene aus Farm der Tiere seinen Kameraden gegenüber Mort(e)s Beobachtungen laut Ausdruck verleiht.

 Persönlich neige ich dazu die Geschichte als ein Kind von Farm der Tiere und Formicula zu sehen, mit Phase IV als Pate. Überhaupt, wer ein Fan vor allem jener SF-Filmklassiker ist, kommt um Mort(e) kaum herum. Das Bild einer dem Untergang geweihten Menschheit im Kampf gegen hoch technisierte, panzergroße Ameisen lässt das Fanherz höher schlagen, auch wenn der eigentliche Krieg leider eher kurz abgehandelt wird.

Man muss es Robert Repino schon anrechnen, sprachlich arbeitet er ohne große Feinheit, aber er schafft es seiner Geschichte multiple philosophisch mahnende Anklänge zu verleihen, ohne sie je damit zu überladen – am Ende belibt Mort(e) ein großes Abenteuer, das ungeachtet gewisser Längen bis zum Schluß gut Unterhält.

 Wer übrigens den Endzeit Comic Solo von Oscar Martin kennt und mag, sollte Repinos Buch ebenfalls einen Blick gönnen. Die beiden Schlagen in eine sehr ähnliche Bresche, wobei sich Martin, ein Stück weit defätistischer und Blutiger, auf ein Mad Max Szenario baut.

Auch dem Luzifer Verlag gebürt an dieser Stelle Lob, mit Mort(e) hat der Verlag einen ungewöhnlichen, lesenswerten SF Roman dem deutschen Lesepublikum zugänglich gemacht und die Covergestaltung gefällt mir hier tatsächlich einen Tick besser noch als das US-Original.
Die Übersetzung weist zwar manche Schwächen auf, die aber dem Lesevergnügen keinen Abruch tun.

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* Offensichtlich benannt nach Napoleon, dem Anführer der Tiere in Orwells Farm der Tiere.
Beziehungsweise, in der Logik des Buches, von Bonaparte hier nach ausgewählt.
 Spoiler
 Bonaparte ist der einzige überlebende aus seiner Farm, und hat die Graussamkeit des Überlebenskampfes und des "Recht des Stärkeren" am eigenen Leib erlebt, das er sich nach dem Schwein aus Orwells Buch benennt, ist eine treffende Darstellung seines Schuldkomplexes und wie er sich und diese Herrschaft der Tiere in dieser neuen Welt wahrnimmt.
 Spoiler

Freitag, 2. Juni 2017

Klare Sache das... (II)


 Das kommt ihm jetzt vieleicht persönlich vor, ist es aber nicht, ich arbeite mich nur gerade durch meine Romane aus dem Luzifer Verlag, und dabei stoße ich eben auf solcherlei Stilblüten.
Auch hier gilt: Übersetzung Andreas Schiffmann (aus Mort(e), von Robert Repino).
 "Stattdessen griff sein Herr mit erhobener Klinge an.
  Sebastian hielt den Atem an und fuhr am Lauf entlang, bis sein Finger den Abzug erreichte. Er feuerte. Der Schuss riss ein glänzendes Loch in seine Brust und stieß ihn unter sprühend rotem Nebel zu Boden. Das Messer wirbelte durch die Luft, bevor es klappernd auf der Küchentheke landete. Daniel bewegte seinen Mund im vergeblichen Versuch, zu sprechen."

 Also wie jetzt?
Sebastian drückt ab, bläst sich ein Loch in den Körper und Daniel stirbt daran... auch wenn der Absatz so aufgebaut ist, was der Übersetzer wirklich schreiben wollte, ist das Sebastian auf Daniel schießt und dieser mit einem Loch in der Brust zu Boden geht.
Genau so steht es im original Text:
 "He fired. The blast opened a glistening hole in the man's chest, dropping him to the floor beneath a spray of red mist."

 Dies ist zudem leider kein Einzelfall im Buch, in zumindest einem weiteren Absatz unterläuft dem Übersetzer noch so ein Schnitzer. Das verwundert, denn wenn man Repino's Werk im Original betrachtet, muss man feststellen dass der Autor sich kurzer Sätze in simpler Sprache bedient - Mort(e) war sein Debutroman - welche kaum Übersetzungshürden schaffen dürften.

Samstag, 27. Mai 2017

Projekt Luna








 Projekt Luna, Algis Budrys
(1965, Heyne)


 In den frühen sechziger Jahren gelingt es den Amerikanern den Sieg im Raumfahrtwettlauf zu erringen, sie landen vor den Russen auf dem Mond. Dort findet sich ein geheimnisvolles, unerklärliches Labyrinth, offenbar das Artefakt einer außerirdischen Zivilisation. Es ist einem Menschen möglich in das Artefakt einzutreten, doch kann er es nicht auf demselben Weg verlassen – nur tote Materie kann in beide Richtungen bewegt werden. Im Inneren bedeutet jede falsche Bewegung den Tod, jeder Schritt, jedes Plus an Information wird mit einem Menschenleben bezahlt - bis man eine Lösung für das scheinbar unlösbare Problem gefunden glaubt.
 Eine Bahnbrechende Erfindung erlaubt es einen Menschen auf der Erde abzutasten und als Information auf den Mond zu senden um ihn dort wiederherzustellen, während er mit einer Kopie seines Körpers auf der Erde verbunden bleibt; doch die Todeserfahrung ist zuviel für den menschlichen Geist, die Testpersonen verlieren den Verstand beim Tod ihrer Kopie.
Darum beschließt man auf einen Todessehnsüchtigen zurückzugreifen...


 Budrys’ Roman habe ich vor rund dreißig Jahren mit Begeisterung verschlungen, die Geschichte wartet mit einem intelligenten Gedankenspiel auf welches SF und Horror nachhaltig beeinflusst haben. Die Idee eines hermetisch abgeriegelten Komplexes, eines mit Fallen gespickten, tödlichen Irrgarten durch den sich die Protagonisten einen Weg kämpfen müssen, ist inzwischen ein beliebter Genre Standard.
 Persönlich wage ich die Vermutung aufzustellen dass Projekt Luna auch den Autoren des Erfolgsfilms The Cube geläufig gewesen ist, und sie zu ihrer eigenen Version der Geschichte inspiriert haben dürfte.

 Leider beginnt und endet hiermit mein Lob für Budrys’ Erzählung auch schon.
Beim erneuten Lesen der Geschichte stehe ich etwas ratlos da, was die Faszination für mein jüngeres Selbst daran ausgemacht haben mag. Dabei ist es keineswegs die aus heutiger Sicht geradezu lächerlich wirkende Technik welche den Roman runiert, das Bild einer Maschine die einen Menschen für einen späteren Abruf  auf Magnetband speichert, muss selbstverständlich Antiquiert wirken.
 Es ist vielmehr dass Budrys zwar diese faszinierende Idee in den Raum wirft, sie für ein paar  Kapitel auch Atmosphärisch ausgestaltet, die Neugier des Lesers darauf weckt was da auf dem Mond steht, uns gerade genug Details über die Tode früherer Versuchspersonen gibt um uns ein angenehmes Gruseln zu bereiten... dann aber jegliches Interesse an einer Fortentwicklung seiner Geschichte verliert und sich nur noch im pseudo-psychologischen Schlagabtausch seiner Charaktere über den „Wert eines Mannes“ ergeht.
 Hundert Seiten Schwanzvergleich später kehrt der Autor zwar noch einmal zurück zu seinem Mondartefakt, aber es scheint ab da nur ein Nachgedanke.

 Der gesamte Inhalt, soweit er sich auf das tatsächliche SF Element bezieht wird vom Autor etwa ab der Hälfte des Romans in zwei Dialogblöcken eingebracht, welche eigentlich alles beleuchten was der Autor hierzu sagen wollte:
 »Hören Sie, Doktor«, sagte Barker und schlug mit der flachen Hand auf den Ordner, »wenn man diesen Berichten glauben will, kann eine bestimmte falsche Bewegung bedeuten, daß ich in meinem Anzug verblute, ohne nachher Anzeichen von Gewaltanwendung aufzuweisen. Mache ich dagegen eine andere, bin ich von der Hüfte ab gelähmt, so daß ich auf dem Bauch weiterkriechen muß. Aber das wiederum scheint dieses Ding zu reizen, denn es zerquetscht mir plötzlich den Schädel, als sei er eine überreife Tomate. Und so geht es fröhlich weiter …
   Wenn ich nicht wie ein Seiltänzer auf jeden Schritt achte und gleichzeitig im richtigen Augenblick am richtigen Ort bin, erreiche ich nicht einmal die Grenze des bisher erforschten Gebiets. Mit anderen Worten — ich habe nicht die geringste Aussicht, dieses Gebilde lebend zu verlassen.«
   Hawks nickte. »Selbst wenn Sie gar nichts tun, sind Sie nach zweihundertzweiunddreißig Sekunden ein toter Mann«, stimmte er dann zu. »Selbst wenn Sie sich nicht von der Stelle rühren, läßt das Gebilde Sie nur so lange am Leben wie Ihren Vorgänger. Diese Zeitspanne wird größer, je weiter Sie vordringen. Wir wissen allerdings nicht, warum es sich durch menschliche Anstrengungen dazu bewegen läßt. Es ist sogar wahrscheinlich, daß das nur eine Zufallserscheinung seines eigentlichen Zweckes ist — wenn es überhaupt einen hat.
   Vielleicht ist es das außerirdische Gegenstück zu einer weggeworfenen Konservendose. Weiß ein Käfer, daß er nur von einer Seite in ihr Inneres gelangen kann, wenn er sie vor sich liegen sieht? Begreift der Käfer, warum es schwieriger ist, an den Wänden entlangzukriechen, anstatt einer geraden Linie zu folgen? Kann man den Käfer als dumm bezeichnen, wenn er annimmt, daß die Menschen die Dose absichtlich an diese Stelle gelegt haben, um ihn zu quälen? Oder kann man sein Verhalten egozentrisch nennen, wenn er sich einbildet, die Dose erfülle nur den Zweck, ihm ein Rätsel aufzugeben?
   Für den Käfer wäre es am besten, wenn er die Dose, so gut er eben kann, auf die für sie geltenden Gesetzmäßigkeiten untersuchen würde. Diese Methode setzt natürlich einige Intelligenz voraus. Aber dafür besteht die Möglichkeit, daß der Käfer nach einiger Zeit sogar herausbekommt, wer die Dose weggeworfen haben könnte.«
 Budrys nimmt hier eine in der SF wiederkehre Frage ins Visier. Wenn wir mit einem uns unbekannten Objekt konfrontiert werden, welches sich unseren Erfahrung komplett entzieht, könnten wir verstehen welchem Zweck es dient?
 Beim wieder lesen der Geschichte drängt sich einem natürlich sofort der Vergleich zum oben erwähnten Film The Cube auf, der das Thema zentraler stellt und sehr viel besser Handhabt, oder zu King’s Auflösung seines Romans Arena.
 Wie gesagt, leider ist dies, bis kurz vor Ende, alles was wir tatsächlich über das Artefakt zu hören bekommen, und auch wenn dieser Abschnitt alles enthält was wir darüber wissen müssen, Enttäuscht es einen als Leser. Bei GoodReads bin ich allerdings auf den Hinweis gestoßen das Budrys Geschichte ursprünglich wohl nur eine Kurzgeschichte war, welche später erst auf Roman Länge erweitert wurde.
Was jedoch der Autor hierfür als Füllstoff in die Geschichte wirft, dass Ärgert nur:
 »Frauen …«, sagte Hawks ernsthaft, »Frauen waren mir immer ein Rätsel. Ich brauchte nicht sehr lange, um herauszubekommen, daß das Leben nicht so ist, wie es in gewissen Büchern dargestellt wird. Nein, da gab es noch etwas anderes — was, weiß ich heute noch nicht, aber jedenfalls hängt es mit Frauen zusammen. Damit meine ich allerdings nicht die rein physische Seite des Problems, sondern eine speziell weibliche Eigenart, die ich nie begreifen konnte.
   Ich konnte nicht begreifen, welchen Zweck diese vernunftbegabten Wesen erfüllten, die neben den Männern existierten. Wenn Frauen nur dazu da waren, um die Fortpflanzung der menschlichen Rasse sicherzustellen, wozu brauchten sie dann Intellekt? Dazu genügen schließlich Instinkte. Dabei besaßen sie diese Instinkte, wozu also die Intelligenz? Ich habe dieses Problem nicht lösen können. Es ist mir immer noch ein Rätsel.«
 Das einzig nennenswerte dass mir zu dieser und ähnlichen Passagen einfällt, ist wie erschreckend sie etwas ähnelt das eine andere Leserin zu Larry Nivens Known Space Universum angemerkt hat, dass er der einzige SF Autor ist, in dessen Werk es gleich drei außerirdische Rassen gibt bei denen die Weibchen über keinerlei Intelligenz verfügen.
In unserem Zeitalter, wäre Hawks, wie auch Nivens Aliens, ein Talibanfreund geworden.


 Ein weiterer, kleiner Kritikpunkt am Ganzen ist eine recht missverständliche Passage im Buch:
 »Salve Caesar, morituri te salutant«, sagte er, als er durch das Tor ging. »Wir erhöhen Ihren Ruhm durch unseren Tod.«
   Hawks runzelte die Stirn. »Ich habe in der Schule auch Latein gehabt«, sagte er. »Stecken Sie sich Ihr Abzeichen an und kommen Sie mit.«
 Für jemanden der mit dem lateinischen Ausspruch „Ave Caesar, die dem Tod geweihten grüßen dich“ nicht vertraut ist, stellt sich Barkers Zusatz wie eine Übersetzung dar, und es bleibt unklar ob Budrys dies mit Absicht tat oder sich selbst der genauen Bedeutung unklar war. Ein Blick in den Originaltext zeigt zumindest dass der Übersetzer den Austausch aus Budrys’ Version korrekt im Deutschen wiedergibt.

Donnerstag, 25. Mai 2017

75 years of Casablanca

 
Heute vor 75 Jahren fiel der Startschuß zu Casablanca.


Nun ja, genaugenommen fiel der schon früher, und zwar als die Autoren Murray Burnett und Joan Alison sich daran setzten das Stück Everbody comes to Rick's zu verfassen.
Dieses landete nach der Ablehnung durch diverse Studios, letztendlich bei Warner Brothers
 It wouldn't have been the same movie, not only because it would have starred Gary Cooper at Paramount, Clark Gable at M-G-M, or Tyrone Power at Fox but because another studio's style would have been more languid, less sardonic, or opulently Technicolored.*
 und dort begann am 25.05.1942 der erste Drehtag an dem Film der für das Studio Geschichte schreiben sollte.


 Durch Casablanca wurden Richard Blaine und Ilsa Lund Teil der unsterblichen Hollywoodliebespaare, obgleich der Film  für die beiden Hauptdarsteller nur eine weitere Vertragsarbeit darstellte.
Dies nimmt sich ein wenig Ironisch für den Darsteller des Rick aus, schrieb doch ein Kritiker einst über den jungen Humphrey Bogart er sei in der Rolle des Liebhabers fehlbesetzt - nun, die Rolle des herzgebrochenen Zynikers zumindest war im wie auf den Leib geschneidert.

"We'll always have Paris. We didn't have- we... we'd lost it until you came to Casablanca."

 Entgegen der Legende, war Casablanca keine der klein Produktionen des Studios, binnen Wochenfrist abgedrehte Streifen die oft nur wenige Wochen zirkuliert wurden und dann im Archiv verschwanden. Das gehobene Budget und der Eifer mit dem Studio Chef Jack L. Warner sich darum bemühte Ingrid Bergman von David O. Selznick ausgeliehen zu bekommen für die Rolle der Ilsa Lund spricht dagegen.
 Trotzdem konnte man damals natürlich nicht ahnen das man im Begriff war einen der populärsten Hollywood Filme zu drehen welcher immer noch fester Bestandteil vieler Top 100 Listen ist.

 Was macht Casablanca aus, das es so lange in den Köpfen und Herzen der Zuschauer überlebt hat?
Die brilliante Cast hat sicher ihres dazu beigetragen, Bogart und Bergman, das Filmliebespaar ohne Zukunft, Claude Rains als aalglatter Polizeichef, sowie Paul Henreid und Conrad Veidt, es fehlt dem Film nicht an Stars, mit Sidney Greenstreet und Peter Lorre ist der Film bis hinein in die Nebenrollen perfekt besetzt. Der offen politische Ton des Films dürfte vor allem den Geist des amerikanischen Publikums jener Tage getroffen haben.

Warner, ein Patriot durch und durch, fand hier vor allem Unterstützung durch den Drehbuchautor Howard Koch. Dass der politische Ton hierbei abgefedert wurde durch seine Co-Autoren, namentlich den Epstein Brüdern, dürfte dem Erfolg des Filmes geholfen haben.
Und in einzelnen Dialogzeilen gelingt auch die perfekte Symbiose zwischen Kochs Bestreben eine politische Botschaft zu senden und dem Bestreben der Epstein Brüder dem Film mehr Humor zu verleihen:
"Captain Renault: Carl, see that Major Strasser gets a good table, one close to the ladies.
 Carl: I have already given him the best, knowing he is German and would take it anyway.
"
 Das Drama einer großen unerfüllten Liebe, die geschickte Mischung aus Humor und politischer Botschaft, das exotische Setting und die Chemie zwischen den Darstellern, all dies zusammen ist es das Casablanca zu einem Zeitlos unterhaltenden Werk gemacht hat.


 Dazu bescherte uns Casblanca ein paar der berühmtesten Filmzitate, von "Ich schau dir in die Augen, kleines" (Original: "Here's looking at you, kid") bis zu "Play it again, Sam" (Spiel es nochmal, Sam), einem der bekanntesten nie im Film selbst vorkommenden Filmzitate. Ein "Play it again, Sam" ist jedoch wohl griffiger und universeller verwendbar (ganz zu Schweigen von einfacher zu behalten) als "Play it once, Sam, for old times sake".

 Ein beachtlicher Erfolg für das Autoren Duo Burnett & Allison, und ein unproduziertes Theaterstück. Erst viele Jahre später sollte es Burnett gelingen sich die Rechte an seinem Stück zurückzukaufen und es endlich zur Aufführung zu bringen, mit nur mäßigem Erfolg.
Der Film hingegen, wurde Kult und insprierte nicht nur unzählige Persiflagen - dem jüngeren Publikum dürfte zumindest Hot Shots II geläufig sein - er fand auch unter anderem Verwendung in Larry Nivens Kzin Wars Romanen, Jerry Pournelle & S. M. Stierling versetzen hier die Filmstory in ihrem Beitrag zu Man Kzin Wars II kurzerhand auf ferne Welten.


"Louie, I think this is the beginning of a beautiful friendship"

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 * Zitat entnommen aus dem Buch Verhaften sie die üblichen Verdächtigen von Aljean Harmetz.
     Dialog Zitate entstammen dem Film, Script: Howard Koch, Julius & Philip Epstein.

Dienstag, 16. Mai 2017

Klare Sache das...


 Beim stöbern im Netz stößt man in englischsprachigen Fori ganz gerne auf die Aussage „Ich mag die Deutsche Sprache weil sie klar und geordnet ist.“ Aber dann begegnen mir in schöner Regemäßigkeit Sätze die mir dazu ein „Ach, wirklich?“ abringen.
Wie dieser, aus Jeremy Bates’ Suicide Forest (Luzifer Verlag, übersetzt von Andreas Schiffmann):
 Ich warf Mel, die neben mir auf ihrer Unterlippe kaute und den Kopf nach vorne geneigt hatte, um zu sehen, wohin sie trat, einen intensiven Blick zu.
Wie, kaut er mit auf ihrer Unterlippe und sie daneben, oder was?

Montag, 8. Mai 2017

Cover Monday

 Cover Monday präsentiert von Moyas Buchgewimmel.



 Ist wieder einmal ein paar Tage her das ich am Cover Monday teilgenommen habe. Recht zufällig bin ich auf ein Jugendbuchcover gestoßen das mich sofort angesprochen und in Nostalgie hat schwelgen lassen:
 The Catch Colt von Mary O'Hara (1964).

 Mädchen, Pferde, Abenteuer - das ist ein Stoff mit dem sich judgendliche begeistern lassen, ein Buch welches ich in meiner Jugend wohl sofort in die Hand genommen hätte. Und wenn ich mir das Erstveröffentlichungsjahr so betrachte kein Wunder, es ist ja so gesehen ein Buch aus meinen vor Jugendtagen (nein, '64 war ich noch nicht unterwegs) und steht mit seinem Stil recht repräsentativ für die Covers mit denen ich aufgewachsen bin.

Dienstag, 2. Mai 2017

Casino Royale








Casino Royale, Ian Fleming
(Cross Cult, 2012)


Kurzinhalt:
 Der Chef des britischen Geheimdienst, M, schickt Bond nach Frankreich. Die Mission lautet einen für die Russen arbeitenden Agenten namens Le Chiffre auszuschalten. Durch unkluge Inverstitionen, mit Geldern des russischen Geheimdiensts, ist Le Chiffre in finanzielle Bedrängnis geraten, nun soll Bond am Baccarat-Tisch antreten um zu verhindern das Le Chiffre sein Konto ausgleichen kann ehe seine russischen Auftraggeber von den Transaktionen Wind bekommen. So will man seine Auftraggeber zwingen, Le Chiffre in den Ruhestand zu schicken. Zunächst scheint es so, als ob das Glück Bond hold ist - Le Chiffre hat eine Pechsträhne. Doch manche Leute weigern sich einfach, nach den Regeln zu spielen...


 Bond ist für moderne Verhältnisse problematisch, das steht außer Frage - wobei sein moralisch fragwürdiges Verhalten Frauen gegenüber in den Romanen weniger ausgeprägt ist als in den Filmen, weshalb mir die Geschichten trotz ihres zeitlich geprägten Umfeldes durchaus Spaß machen zu Lesen.

 Tatsächlich soll Casino Royale auf einen Einsatz zurückgehen, den der im Zweiten Weltkrieg tatsächlich für den britischen Geheimdienst arbeitende Ian Fleming selbst durchführte. Das Ziel damals war es mit ähnlicher Methode Offiziere der deutsche Wehrmacht finanziell zu schwächen. Auch wenn Casino die wichtigsten Charaktere einführt, und uns ein frühes Charakterbild eines noch weitgehend unerfahrenen Bond liefert, der Roman ist kein high-light der Serie. Als Einstiegspunkt ist Casino Royale nicht der Band den ich Lesern empfehlen würde, statt dessen wollte ich anraten den zweiten Band in der Reihe Leben und Sterben lassen, zuvor zu lesen*.
 Nicht nur weil Leben und Sterben lassen zufällig auch mein persönlicher Lieblingsfilm der Reihe ist, die Geschichte ist einfach spannender Konstruiert, mit weit weniger Längen. 

 Denn, Casino Royale kämpft leider mit zwei ernsten Problemen.
 Erstens ist es leider eine der schwächsten Bondgeschichten, obwohl mir beim wiederlesen das Kartenduell besser gefallen hat als beim ersten Mal. Ian Fleming versteht es durchaus einer wenig aktiven Szene eine gewisse Action zu verleihen.
 Zweitens, die eigentliche Kernhandlung reicht gerade für eine Novelle - den Rest des Buches, nahezu die Hälfte davon, beobachten wir Bond beim genesen von seinen Verletzungen, beim Flirten mit Vesper Lynd und sich in sie Verlieben, und etwas philosophieren über die Natur des Bösen und seine Rolle als Geheimagent.
Mathis öffnete die Tür und blieb auf der Schwelle stehen.
 "Umgeben sie sich mit Menschen, mein lieber James. Für sie lässt es sich leichter Kämpfen als für Prinzipien."
Er lachte. "Aber enttäuschen sie mich ja nicht, indem sie selbst menschlich werden. Dadurch würden wir eine wundervolle Maschine verlieren."
 Diese zweite Hälfte des Buches ist zwar überraschend unterhaltsam, aber sie bremst die Geschichte dann doch soweit aus bis sie kurz vorm Stillstand steht.


 Amüsant ist Flemings Charakterisierung Bonds, auf der einen Seite ist er ein kompletter Chauvinist, auf der anderen wirkt er komplett unfähig was Frauen angeht. Keine Ahnung ob das geplante feine englische Ironie ist, oder einfach nur ein gelungener Glückstreffer des Autors - es hilft auf jeden Fall über die teils recht fragwürdige 50er Jahre Moral hinwegzusehen und Bond trotz, oder gerade wegen seiner Fehler zu mögen.
 
 Ein kurzes noch zur Übersetzung, ich habe das Buch das erste Mal in der 1960 Übersetzung des Ullstein Verlags gelesen, die neuvorliegende Übersetzung des Cross Cult Verlags macht hier aber angelegentlich mehr inhaltlichen Sinn, weshalb ich annehme das sie Werktreuer ausgefallen ist und ich tatsächlich zu deren Anschaffung raten würde (oder besser noch gleich die Originaltexte), wenn man sich den Bond Romanen widmen will:
 "Für Bond war das Glück eine Frau, die entweder zärtlich umworben, oder aber brutal genommen, niemals jedoch verkuppelt oder überzeugt werden wollte."
(Übersetzung: Günther Eichel, 1960
 "Bond betrachtete das Glück als eine Frau, die man sanft umwarb oder brutal nahm, der man jedoch niemals nachgab oder hinterherlief."
(Übersetzung: Stephanie Pannen und Anika Klüver, 2012)

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* Danach bietet es sich allerdings an die Reihe in Folge zu lesen, da die Romane lose aufeinander aufbauen.

Samstag, 29. April 2017

Bloggerbrunch: Liebesromane

Der bloggerbrunch wird veranstaltet von Der Duft von Büchern und Kaffee und Meine Welt voller Welten.


14:00 Uhr - Liest du gerne Liebesromane oder ist das eher nichts für dich? Verrate uns doch, was du daran so gerne magst bzw. was dich daran stört. Überzeugt dich der Bad Boy, vielleicht sogar ein Nerd? Ist dir möglicherweise eine toughe Protagonistin wichtig? Oder hängen dir beispielsweise Dreiecksbeziehungen bereits aus dem Halse heraus? Erzähl uns von deinen Top und No-Gos in Liebesromanen.

Ich lese grundsätzlich sehr gerne Liebesromane wenn diese nicht zu sehr in die Erotikecke abrutschen.
Was ich daran mag:
Ich bin, wie vermutlich (hoffentlich) fast jeder Mensch gerne Verliebt – Aromantiker ausgenommen. 
Ich vergleiche gerne meine persönliche Erfahrung/Vorstellung/Erlebnisse mit denen anderer.
Ich lese gerne Liebesgeschichten mit Softies in der Hauptrolle, oder über Männer und Frauen die um eine verlorene Liebe trauern, sich ihr vertrauen in die Liebe wieder erarbeiten müssen und vor allem natürlich über diese magische erste Liebe die eine für den Rest des Lebens zeichnet.

Was mich daran stört:
Wie oben angedeutet, das in Liebesromanen / Romanzen das Erleben so oft auf reine körperliche Anziehung heruntergebrochen wird. Sex ist eine Sache die ich nicht wirklich verstehe, und es fällt mir schwer mich in Charaktere die einen zu großen Schwerpunkt darauf legen hineinzuversetzen. Beziehungsweise stört mich das für viele Autoren die körperliche Anziehung Start und Endpunkt darzustellen scheint. Der Typ ist heiß, er findet sie heiß und das ist alles das wir scheinbar wissen müssen – ihre ganze Beziehung angelt um dieses eine Erlebnis und am Ende des Romans wissen wir von den beiden nicht mehr als sie voneinander – und das soll Romantik sein? Schlimmer noch, soll das tatsächlich Liebe widerspiegeln?
Es würde natürlich erklären warum jede dritte Ehe geschieden wird und vom Rest auch nicht alle glücklich miteinander sind.
Ich hasse diese arroganten, nur um sich selbst kreisenden Alpha Typen die dieses Genre vorwiegend zu bevölkern scheinen – der Nalini Singh Titel „Mine to possess“ erscheint mir oft geradezu Synonym für das Genre zu stehen. Es geht zu oft nicht um Liebe oder Partnerschaft, es geht um Besitzanspruch.
Ich muss da gelegentlich an einen seltendämlichen Spruch denken (*pardon*) den ich in meiner Jugend einst von einem Mädchen zu hören bekam: „Wer nicht Eifersüchtig ist, der Liebt auch nicht.“
Genau das entspricht nicht meiner Erfahrung, wenn ich jemanden Liebe, dann möchte ich diese Person glücklich sehen, und wenn sie das nicht an meiner Seite sein kann lasse ich sie doch lieber gehen als sie zu binden zu versuchen – wo also fände Eifersucht da einen berechtigten Platz?

No-gos:
Gewalt / Gewaltandrohung / Einschüchterung gegen den Partner, wenn es in irgendeiner Weise als lässlich/normal dargestellt wird, ist ganz klar ein No-go.
Grundsätzlich Charaktere die einander hintergehen, lügen, betrügen, sich wehtun und dann immer noch beteuern zu Lieben... sorry, aber nein, muss für mich nicht sein.

(<- Merkt man’s eigentlich sehr das ich mich gerade mal wieder eher etwas verraten fühle von diesem spezielle Genre? :D)



14:30 Uhr -Nenne uns deine derzeitigen Liebesbuchfavoriten. (Bis zu maximal 3) Warum magst du die Liebesgeschichte in diesen Romanen so gerne? Was war für dich daran so besonders?

Mit Gut gegen Nordwind bin ich ganz bei dir, eine clevere, romantische Sprache und ja, hach, einfach zum Verlieben geschrieben... ich würde noch hinzufügen:

Annie on my mind, Nancy Garden. Das drücke ich den Leuten hier auf meinem blog in schöner Regelmäßigkeit auf das Auge. Einfach weil Nancy dieses Gefühl jungverliebt zu sein so perfekt einfängt und eine wunderbar süße (Lesbische-) Liebesgeschichte erzählt, mit sehr zurückgenommenem Drama.

Donna Alwards Somebody like you habe ich jüngst sehr gerne gelesen und hat mich mit genau diesem positiven Glücksgefühl zurückgelassen das eine Romanze in einem wecken sollte – obwohl Aiden Gallagher genau der Typ ist den ich gefressen habe, arrogant und selbstgefällig, und wir über seine „Liebe“ kaum sehr viel mehr erfahren als dass er scharf auf die Heldin ist, und er in seiner Jugend ihr gegenüber ein Arschloch war.

Im November, von Sarah Anne Cole (jetzt: Nicole Stoye) ist ein etwas älterer Indie den ich in sehr guter Erinnerung habe. Sprachlich nicht ganz so fesselnd und durch die Entscheidung im Präsens zu erzählen nicht voll auf meiner Linie, aber eine sehr schöne, sehr gefühlvoll erzählte Liebesgeschichte.



15:00 Uhr - Mit Liebesromanen haben wir uns heute eine besondere Genre für euch ausgesucht. Verrate uns doch, ob du reine Liebesgeschichten bevorzugst oder dich eher ein Genremix begeistern kann. Was fasziniert dich an einer reinen Liebesgeschichte? Oder mit welcher Genre hast du den Romanze-Anteil am liebsten gemischt? (Bsp. Romance und Fantasy, Romance und Thriller,...) Liest du vielleicht sogar hauptsächlich andere Genres und entdeckst die Liebesgeschichte gern eher als Nebengeschichte?

Ich bin da flexibel, solange die Liebesgeschichte (für mich) glaubwürdig ist, darf es auch ein Genre-Mix sein. Mystery/Crime ist der Mix der für mich noch am besten funktioniert, liegt aber vielleicht auch nur daran das es mir spontan schwer fiele zum Beispiel eine Paranormal Romance zu nennen die nicht einfach nur auf der Erotik eben funktioniert.



15:30 Uhr - Stell dir vor, wir befinden uns mitten in der Planung für die nächste Buchverfilmung und unser Augenmerk liegt auf der Genre Liebesroman. Welches Buch würdest du gerne auf der Leinwand entdecken? Wie könntest du dir das Ganze vorstellen? (Hier kannst du gerne kreativ werden. Erzähl uns von Kulissen, möglichen Schauspielern im Cast oder sogar schon Filmmusik, die du gerne hättest. Hier habt ihr freie Hand)

Ich schätze das so einige Liebesromane die geschrieben für mich nicht funktioniert haben im Film, wenn die Charaktere ihres Innenlebens und ihrer für mich seltsam anmutenden, anfallartigen sexuellen Attraktion benommen sind, für mich besser funktionieren würden.
Donna Alwards Geschichten könnte ich mir sehr gut vorstellen in dieser zurückgenommen, bedächtigen Art in der auch die Nicholas Sparks Verfilmungen Arbeiten – nur mit weniger Drama eben, weil bei Donna die Leute eher nicht zu Sterben pflegen am Ende. 

Freitag, 28. April 2017

Erotik und Gewaltphantasien

 Ein bisschen Freitagsaufreger so kurz vor dem WE.

Dass ich persönlich mich mit für eine Trigger-Warnung bei Romanen ausspreche ist vermutlich kein Geheimnis - falls doch:  Da steht es nun!

 Bereits bei diesem dubiosen New Adult Label hatte ich schon immer das Gefühl das hier einfach nur Re-Marketing betrieben wird, Erotikromane in neuem Gewand mit gesellschaftsfähigerem Namen eben. Und da für das junge Publikum alles möglichst Edgy sein muss ist in diesen Romanen die ganze Palette sexuellen Missbrauchs und/oder sexualisierter Gewalt vertreten, von Intimidation bis zur Vergewaltigung, und wird zunehmend romantisiert dargestellt - das erinnert unangenehm an den früheren Romance Markt und seine Bodice Rippers.

 Und nun bekommen wir noch das Romantisch umschriebene Dark Romance als Label vorgesetzt; zugegeben, im Kern, wenn man erst einmal verinnerlicht hat das gefühlte 80% der Romance tatsächlich Erotik Romane in anderer Verpackung sind - kann man schon ahnen was sich hinter Dark Romance verbirgt.
Nichts gutes nämlich.

 Und so finden immer mehr Romane die sich mehr oder minder nur noch um "Sexy" Gewaltphantasien drehen ihren Weg in den Buchhandel, auch raus aus der Self-Publishing Schmuddelecke rein in Seriöse Verlage - oder was man bisher so dafür hielt, z.B. der Piper Verlag.

 Es geht nicht um die Frage, darf man Gewaltphantasien schreiben, oder veröffentlichen, es geht darum wie diese Vermarktet werden. Wie ein Deckmantel der Seriösität dafür gesucht wird der einem erlaubt diese Werke zu Verkaufen ohne potentielle Käufer abzuschrecken, auch sehr gezielt gerade an junge Leser über eine entsprechende Aufmachung.
Sprich, anstatt das man Romane einfach klar als Erwachsenen-Literatur kennzeichnet, und im Fall expliziter Darstellung sexualisierter Gewalt mit einer Warnung versieht, werden neue kunstvolle Label-Namen gesucht mit denen man das ganze schön verpacken kann.


 Kejas-Blogbuch stellt die Problematik ausführlicher vor (ich bemühe mich wann immer Möglich einen großen Bogen um solche Bücher zu machen):

Gewaltverherrlichung – Oder: die Buchwelt schockt uns!



 Noch kurz zurück zum Thema Trigger-Warnung:

 Hier geht's zum Wiki Artikel der das wichtigste dazu kurz zusammenfasst:
https://de.wikipedia.org/wiki/Triggerwarnung
 
  Die Diskussion darüber ob Romane mit Trigger-Warnungen versehen werden sollten habe ich im Netz schon an anderer Stelle geführt, ich denke bei GoodReads.
Seltsamerweise scheint das Hauptargument der Gegner nur darauf hinauszulaufen das

a) Sie sich dadurch bevormundet fühlen
b) Man eine verdeckte Zensur darin sieht

 Dazu lässt sich nur sagen, eine Warnung auf einem Buch ist genauso wenig "Bevormundung" wie wenn man Bücher mit Genre-Labels verkauft, oder fühlen sie sich davon gestört das auf Der Herr der Ringe fast immer ein Fantasy prangt?
Verdeckte Zensur ... nun das Argument mag am Umfeld gelegen haben, ich kenne kaum eine Ecke im Netz in der so schnell "Hilfe, Zensur!" geschrien wird, wie dort wo Amerikaner sich an der Diskussion beteiligen.

Ein extrem zynisches Argument auf das man leider auch stößt lautet grob:
"Weshalb eine Trigger Warnung? Müssen es ja nicht Lesen wenn sie es nicht vertragen."
Ich kann nur hoffen das dieses Argument lediglich aus Ignoranz derjenigen herrührt, welche keine Traumaerfahrungen im Leben gemacht haben und nicht nachvollziehen können worum es geht - das spricht nicht gerade für die Empathifähigkeit dieser Personen, lässt mich aber ruhiger schlafen als die möglichen Alternativen dazu.

Mittwoch, 26. April 2017

The Jane Austen Book Club








The Jane Austen Book Club, Karen Joy Fowler
(Penguin, 2006)


 Fünf Frauen und ein Mann treffen sich sechs Monate lang, um über die Romane von Jane Austen zu diskutieren. Doch was dabei ans Licht kommt, sind weniger die verschiedenen Aspekte von „Stolz und Vorurteil“ als die Wünsche und Sehnsüchte der Teilnehmer selbst. Während der Jane Austen Club sich trifft, werden Ehen getestet, zarte Bande gesponnen und Tragödien gemeistert. Und die Liebe bahnt sich am Ende durch alle Wirrnisse ihren Weg …



 „Very funny“ verspricht das Daily Telegraph Zitat auf dem Einband.
Nach dem ersten Kapitel klappe ich die Seiten zu und frage mich, ob wir das selbe Buch gelesen haben. Nicht das Karen Joy Fowlers Roman nicht seine lough-out-loud witzigen Momente hätte.
‘Austen suggests that Udolpho is a dangerous book, because it makes people think life is an adventure,’ she said. ‘Catherine has fallen completely under its spell. But that’s not the kind of book that’s really dangerous to people. You might as well argue that Grigg here thinks we’re all extraterrestrials, just because he reads science-fiction.’
 Bernadette made a surprised coughing sound. We all turned to look at her, and she managed an unconvincing smile. She had that great gob of tape and paper clips on her glasses. Her legs were twisted up in her lap in some impossible yoga posture. All our suspicions were suddenly roused. She was fooling no one. She was far too bendable to be human.
 But why care? There was no one more benign than Bernadette.

 Und ja, ich muss zugeben das beim Schreiben dieser Zeilen, beim nachlesen einzelner Passagen, ich merke wie sehr mir die Charaktere doch allem zum Trotz an das Herz gewachsen sind, wie mich gewisse Passagen noch immer zum Schmunzeln bringen können. Aber das erste Kapitel setzt den Ton für etwas anderes als ein „Very funny“ – das erste Kapitel gehört Jocelyn’s Vergangeheit, und wie sie unbeschwert und unbekümmert die Avancen zweier junger Männer geniest, ohne sich deren Gefühle wirklich bewusst zu werden.
Und da sie keinem von beiden wehtun will, lädt sie beide auf einen Ball ein, was natürlich das genaue Gegenteil bewirkt.
 Auf diesem Ball begegnet Jocelyn auch ihrer heimlichen Liebe, der sie beschuldigt mit den Gefühlen der beiden gespielt zu haben, und der sich sexuell an ihr vergreift, wie er sagt um sie zu strafen... „Very funny“ indeed, not!
 Ein Buch das mit sexuellem Missbrauch eröffnet, steigt auf meiner Humorskala nicht wirklich hoch.

 Dass diese Vergangenheit Jocelyn’s nur wenig bis gar nichts mit dem Rest des Buches zu tun hat, macht es nicht besser. Es ist schwer zu erraten warum die Autorin diese Passage einbringt. Um zu erklären warum Jocelyn, die Hundefrau, ein Kontrollfreak geworden ist?
Warum sie eine streng matriarchalisch organisierte Hunderasse züchtet?
Weshalb sie lieber im Liebesleben anderer herumpfuscht als sich ein eigenes Aufzubauen?

 Dieses Problem allerdings zieht sich durch die ganze Erzählung. Für jedes Buch das der Buchklub liest, in jedem Monat, gibt es ein eigenes Kapitel. Dieses Kapitel kreist zentral um die aktuelle Gastgeberin, oder den Gastgeber für den Buchklub. Im Grunde sind es sechs weitgehend unabhängig von einander existierende Vignetten die sich nur angelegentlich berühren und dabei eher beiläufig zu einer Geschichte fügen.

 Anstrengend, „Emotionally exhaustive“ waren die Zitate die mir so durch den Kopf gingen beim Lesen. Anstrengend, weil Fowler auf eine stringente Erzählweise verzichtet, in Zeitlichem vor und zurück erfahren wir wie sich die Mitglieder des Buchklubs untereinander kennengelernt haben, und dazwischen bekommen wir Einblick in ihre respektive Vergangenheit, die Autorin fordert eine menge Geduld von uns ein, ohne das wir viel dafür bekämen. Emotional Anstrengend ist dabei die Erzählerin, die sich nie zu erkennen gibt, in einem pluralen „Wir“ spricht wenn es um die Gruppe geht, aber nie das singulare „Ich“ benutzt – im letzten Kapitel scheint es mit allerdings recht deutlich das Jocelyn die Erzählerin ist. Der Narrativ ist eher zynisch gehalten, oft beißend so. Manchmal scheint es das unsere Erzählerin Männern nicht traut, sie heimlich verdächtigt Frauen zu verachten, auch wenn sie, mit dieser einen gravierenden Ausnahme, nie so handeln, und die Frauen verachten vice versa die Männer. Überhaupt verbringen die Frauen im Buch nach Darstellung der Erzählerin ein Großteil ihrer Zeit damit an anderen herumzunörgeln, an ihren Männern, ihren Freundinnen oder deren Töchter, anderen Frauen ganz allgemein, oder sich Situationen auszudenken an denen man herumnörgeln könnte, wenn sie so einträfen... also „Very funny“?
Ich weiß es nicht.
Ich frage mich, will die Autorin damit selbstironisch sein?
Soll uns das als Leser einen Spiegel vorhalten, will es sagen sieh her, das sind die Klischees in denen ihr uns Frauen seht?

 Obwohl das Buch kurz gehalten ist, fordert es Disziplin es nicht einfach zur Seite zu legen und zu vergessen. Es hilft das es Passagen und Kapitel gibt die tatsächlich witzig sind, die ehrlich sind, die emotional sind. Sylvias Kapitel, welches passend ganz am Ende kommt, denn Jocelyn und Sylvia, die beiden lebenslangen Freundinnen bilden die Buchstützen der Erzählung.
Sylvia, die sehr behütet aufgewachsen ist, und deren Eltern ihr als Kind alles furchtbare fernzuhalten suchten bekommt eine der besten Passagen im Buch, gleichermaßen Komisch wie nachvollziehbar, für Sylvias Kapitel lohnte sich die Reise dann fast schon wieder.
 Dr Yep? Jocelyn waited until Sylvia had finished with the blender to lean in and whisper. ‘So! What mother doesn’t want her daughter dating a nice doctor?’
 Such a thing to say! Obviously Jocelyn had never seen a single episode of Young Dr Malone. Sylvia knew how these things worked. Any minute now someone would fall into a coma. There’d be an accident in the kitchen with the blender. A suspicious death followed by a trial for murder. Hysterical pregnancies followed by unnecessary abortions. The many, many braided chains of disaster.
 ‘I’m very happy for her,’ Sylvia said. She poured the largest margarita for herself. She deserved it. ‘Dr Yep seemed like a really lovely woman,’ she added insincerely, although, in fact, Dr Yep had.


 Abgeschlossen wird das Buch mit einem kurzen Jane Austen Primer, der auf wenigen Seiten die Handlung der Bücher zusammenfasst und uns Reaktionen von Zeitgenossen und späteren Lesern aufzeigt. Dies ist tatsächlich der interessanteste Teil des Buches. Austen lesen will man danach aber noch weniger denn zuvor. Die Romantik einer Zeit in der Frauen finanziell unterdrückt werden entzieht sich mir.

 The Jane Austen Book Club ist so für mich kein Buch das man gelesen haben muss, es sei denn man mag die Verfilmung, zu der ich eher anraten würde.


 Der Film, natürlich Hollywood typisch und nicht ohne Schwächen, macht seine Sache im Kern sehr gut. Er bringt Struktur in Fowlers Erzählung, lässt unnötiges unter den Tisch fallen, rafft Stellenweise das Notwendige – es liegt eine unbestreitbare Eleganz darin wie der Film es schafft Prudies Vergangenheit auf eine Konfrontation mit ihrem Mann zu reduzieren die in den Worten „High School is never over!“ kulminiert, wahrere Worte wurden selten Gesprochen – der Film nimmt der Erzählung den Zynismus, die Bitterkeit und verleiht diesem Desperate Housewives Book Club ein wohltuende Leichtigkeit.

 Der Film setzt dabei sehr viel mehr auf die Romantik der Geschichte.
Die Besetzung ist jünger gehalten, im Buch sind Jocelyn und Sylvia in ihren frühen Fünfzigern, im Film eher so in ihren Vierzigern, Bernadette ist Anfang Sechzig, im Film so Anfang Fünfzig – Marktentscheidungen.
Entsprechend wurde auch der einzige Mann im Buchklub, Grigg – ein Name wie ein Genickschmerz –, auf nun Ende zwanzig, bestenfalls frühe dreißig verjüngt (ursprünglich um die Vierzig). Komischerweise wurde ein Subplot des Buches, der Verdacht Grigg könnte an Allegra interessiert sein, ebenfalls fallengelassen obwohl diese nun Altersmäßig besser zusammen passen würden – Buch und Film Allgra sind in etwa Gleichalt, mitte Zwanzig versus anfang Zwanzig, und die Idee wäre nun weit weniger Creepy gewesen.

 Ganz generell brilliert der Film mit einer hervorragenden Besetzung, eine kleines Who is who talentierter weiblicher Stars aus der zweiten Riege, die im Film sehr viel verschworener miteinander agieren als im Buch. Es wird noch immer ein wenig gelästert, aber freundschaftlicher, man spürt hier mehr Kameradschaft zwischen den Frauen. Im Film sind Jocelyn, Sylvia, ihre Tochter Allegra und Bernadette bereits ein Gespann, Prudie und Grigg sind die zwei Neuankömmlinge.

 Das Script stellt viele Szenen um, nicht nur um die Geschichte logischer zu strukturieren, es wird auch der Konfliktpunkt verändert. Sylvias Scheidung steht nun zum einen stärker im Mittelpunkt, ist aber nicht Anstoß des Buchklubs, die Trennung folgt erst später.
Charaktere welche die Story nicht vorantreiben fallen heraus, schade unter anderem um den Autor Mo Bellington, der für einen der witzigeren Gags sorgt.
 Eine Sache die mich beim Lesen des Buches irritiert hat, ist das fehlende Gefühl von zeitlichem Setting, klar wir haben die Anspielungen auf Popkultur im Roman, aber die Charaktere im Buch verhalten sich als wären sie sehr viel älter – Jocelyn und Sylvia wirken wie Figuren aus einer weit weniger emanzipierten Zeit.
Der Buchtext verspricht „a delicious dissection of modern relationships.“ – aber auch hier liegt die Stärke beim Film, wir bekommen Frauencharaktere die selbstbewusster, emanzipierter, moderner agieren, als das im Buch je geschieht.

 Prudie, kongenial gespielt von Emily Blunt, würde ich sagen erfährt die stärkste Veränderung, und mit ihr kommt eine der wichtigsten Änderungen zum Buch. In der Vorlage ist Prudie eine vom Leben zutiefst verängstigte Frau, hier zentriert der Konflikt eindeutig in Prudies Charakter, im Film ist sie immer noch emotional Fragil, aber sie beginnt zudem am Sinn ihrer Ehe zu zweifeln. Dean, der sie im Buch praktisch auf Händen trägt, ist im Film von ihr Entfremdet, er versteht seine Frau nicht, verhält sich emotional distanziert zu ihr.
Was im übrigen sehr viel mehr Sinn ergibt, im Buch ist Dean ein ehemaliger High School Sportstar, und in diesem Zusammenhang ist es sehr viel verständlicher das für Dean die Worte „High School is never over!“ keinen Sinn ergeben, er war nie in dieser Hölle, er war wahrscheinlicher selbst diese Hölle. Ein weiterer Streitpunkt im Film wird die Reise der beiden nach Paris, ein Geschenk Deans an seine Frau, im Buch fürchtet Prudie diese, die Französischlehrerin die noch nie in Frankreich war, hat sich in ihrer Fantasie ein Traumland erschaffen von dem sie Fürchtet das es der Realität nicht Standhalten kann, im Film sagt Dean die Reise zugunsten seiner Karriere ab.

 Emily Blunt als Prudie ist sowieso Spot-on, sie sieht sich selbst im Buch zwar als unscheinbares Mauerblümchen, aber die Tatsache das der ehemalige High School Sportstar Dean sich auf den ersten Blick hoffnungslos in sie verliebt, straft dies Lügen.
Prudie ist nicht unscheinbar, es fehlt ihr nur Selbstvertrauen – und wer spielt schon besser verletzlich als Emily Blunt?

 Und eines noch zu Prudie. Der Film schafft Klarheit wo uns das Buch ein Stück im Dunkel lässt. Im Buch lernen wir Prudies Mutter nie wirklich kennen, nur Prudies Erinnerung an sie, was im unklaren darüber lässt ob sie ihre Tochter nur unglaublich nachlässig behandelt oder psychisch Labil ist. Im Film bekommt Prudies Mutter einen kurzen Auftritt, gespielt von Lynn Redgrave, der keinen Zweifel an deren Geistesverfassung lässt.

 Zu den unverständlicheren Änderungen gehört das Film Grigg plötzlich reich ist, aber man wollte damit eventuell das klassisch Austenthema aufgreifen, ein Jungeselle von Reichtum und so weiter… ein wenig geärgert hat mich beim wiederanschauen das eine von Sylvias witzigeren Passagen nur gekürzt wiedergeben wird und nun Bernadette zufällt:
‘Are you saying Austen meant her to be gay?’ Sylvia asked. ‘Or that she’s gay and Austen doesn’t know it?’
 Sylvia preferred the latter. There was something appealing in thinking of a character with a secret life that her author knew nothing about. Slipping off while the author’s back was turned, to find love in her own way. Showing up just in time to deliver the next bit of dialogue with an innocent face.*


 Man merkt schon, über den Film habe ich habe ich deutlich mehr zu sagen als über das Buch, trotzdem wie oben schon angedeutet, wer den Film mag für den könnte sich der Blick ins Buch lohnen. Der Film liefert die Struktur, das Buch gibt den Charakteren ihren Hintergrund.






* Was mir an dieser Passage besonders gefällt ist, wie sie gekonnt den ganzen Humor liefert, den Jasper Fforde in seine Romanen bemüht anvisiert und dabei oft verfehlt.

Montag, 10. April 2017

Rage against the night








Rage Against the Night, Shane Jiraiya Cummings – ed.
(Brimstone Press, 2011)


 Die Anthologie entstand nach Shane Jiraiya Cummings Vorwort nachdem der damalige Präsident der Horror Writer’s Association Rocky Wood mit der Krankheit ALS diagnostiziert wurde. Diese Krankheit schaltet nach und nach die Muskeln im Körper ab, bis der Patient nur noch seine Augen bewegen kann. Der Ertrag der Anthologie kam Rocky Wood zugute um ihn bei der Anschaffung eines speziellen Augenlesegeräts, welches nach seinem Tod an einen anderen Patienten weitergereicht werden sollte, zu helfen.
Irreführend ist hierbei das Motto der Sammlung: Triumph over Darkness, welches sich nur auf einen begrenzten Teil der Geschichten anwenden lässt.

 Das einzige Element das alle Geschichten verbindet ist das sie uneingeschränkt der Phantastik und im weiteren Sinne dem Horror Genre zugerechnet werden können.


The Gunner's Love Song—Joe McKinney
Eine Vampir/Werwolf Erzählung die eher Vignette den Kurzgeschichte ist.  

Keeping Watch—Nate Kenyon
Zwei Geschwister entdecken im Wald hinter ihrem Haus etwas Böses welches ihr ganzes Leben beeinflussen wird. 
Etwas hölzern Geschrieben, jedoch nicht unatmosphärisch.  

Like Part of the Family—Jonathan Maberry
Eine Noir Werwolfgeschichte, vom Autor der mit den „Rot & Ruin“ Zombie-Romanen bekannt wurde. Voraussehbar, aber durchaus unterhaltsam.   

The Edge of Seventeen—Alexandra Sokoloff
Ein junges Mädchen gefangen in einem Zeitvortex erlebt gleichzeitig das Vor, Während und Nach einem Schulmassaker, gibt es einen Weg das Verhängnis abzuwenden?
Verwirrende Erzählung mit einem seltsamen Schluss. 
   

The View from the Top—Bev Vincent
Unheimliche Erzählung im Stil früherer King Geschichten. 
Fans von „Needful Things“ werden das Thema wiedererkennen.    

Afterward, There Will Be a Hallway—Gary A. Braunbeck
Die Geschichte eines Mannes der nach dem Tod seiner Frau plötzlich mit den Geistern von Verstorbenen kommunizieren kann und diese auf ihre Weiterreise vorbereiten muss.
Meine persönliche Lieblingsgeschichte der Sammlung.
Eine emotional bewegenden Erzählung um Verlust, Reue und Wiedergutmachung.


Following Marla—John R. Little
Eine Variation auf das Orpheus und Eurydike Motiv.
Etwas zu langatmig aufgebaut und sehr vordergründig auf Drama getrimmt.   


Magic Numbers—Gene O'Neill
Extrem konfuse Erzählung um einen jugendlichen Spanner, erinnerte mich stark an die Erzählung “Nocturne” aus der Jeff Gelb Anthologie „Heisses Blut“ (orig.: Hotter Blood)    

Tail the Barney—Stephen M. Irwin
Dröge Erzählung um einen gestohlenen Glücksbringer, nur überblättert.   

The Nightmare Dimension—David Conyers
Urban Fantasy Kurzgeschichte getragen von einem unerträglich selbstgefälligen Hauptcharakter, angefüllt mit ermüdenden Infodumps
Zum Ende nur noch überflogen.   

Roadside Memorials
—Joseph Nassise
Unbekannte hinterlassen geheimnisvolle Kreuze an Unglücksorten, als ein Unfallsanitäter der Sache auf den Grund gehen will beginnt für ihn eine Fahrt in die Hölle.
Schwerfällig erzählt, mit unnötigen Längen.
    

Dat Tay Vao—F. Paul Wilson
Ein Vietnam Soldat der sich mit kleinen Deals einlässt, glaubt sein Glück gemacht zu haben als ihn das Schicksal mit einem Wunderheiler zusammen führt.
Eine etwas Satirisch angehauchte Geschichte vom "Repairman Jack" Autor, bei der es ein wenig braucht bis sie richtig in Gang kommt, sich das dranbleiben aber lohnt. 
  

Constitution—Scott Nicholson    
Ein Schauspieler muss nach seinem Tod das Ideal der Liebe neu definieren.
Bittersüße Erzählung, die ein wenig an einer zu altmodisch geprägten Idee von Eheglück krankt.


Mr. Aickman's Air Rifle
—Peter Straub    
Noch so eine Peter Straub Geschichte durch die ich nicht durchgekommen bin.

Agatha's Ghost—Ramsey Campbell    
Ganz witzige Satire über eine allein lebende alte Frau die glaubt vom Geist ihres Enkels heimgesucht zu sein.

Blue Heeler—Weston Ochse    
Toll geschriebene Geschichte mit einer dichten, bedrohlichen Atmosphäre. Leider löst das Ende das gegebene Versprechen nicht ein. Aber auf seine Art eine überraschend positive Erzählung in der sich das Gute auch durch Unrecht nicht unterkriegen lässt.

Sarah's Visions—Chelsea Quinn Yarbro    
Mehr SF denn Horror. 
Vermutlich Satirisch gemeint, aber nicht bis zum Ende gelesen.

More Than Words
—David Niall Wilson    
Unnötig verschachtelte Reinkarnationserzählung. 
Ein paar gelungene Momente, doch im ganzen zu lang geraten.

Chillers—Lisa Morton    
Lesenswerte Horrorgeschichte die atmosphärisch ein wenig an die Stephen King Erzählung „Der Nebel“ erinnert.

Changed—Nancy Holder    
Junges Mädchen begibt sich in mitten der Vampirapokalypse auf die Suche nach dem Jungen den sie Liebt. „Cannibal Cats come out tonight“ autorin Nancy Holder reduziert das Young Adult Vampirhorror Genre auf eine zwanzig Seiten Erzählung und schafft es ihm damit neues Leben einzuhauchen. Lesenwert.

Dead Air—Gary Kemble    
Eine Kurzfassung von Plane Dead, die Aufgrund eines unsympathischen Erzählers aber weniger Spaß macht als das B-Movie. 
Das der Autor sich seiner Anleihen bewusst ist und diese durch selbstironische Dialoge zu überspielen sucht, lässt das ganze einfach nur ermüdend Prätentiös wirken. 

Two Fish to Feed the Masses—Daniel G. Keohane    
Eine lose and Matheson’s „I am Legend“ angelehnt scheinende Erzählung um Gottesglaube und die „Entrückung“.
Weder schlecht noch wirklich gut.


Fenstad's End—Sarah Langan    
Lanagan’s Erzählung ist diejenige welche mich am meisten geärgert hat.
Eine epidemische Ausbreitung von sexueller Gewalt, Mord und Wahnsinn läutet das nahe Ende der Menschheit ein. Fenstad, einer der wenigen Überlebenden, befindet sich zu beginn in einem verlassen geglaubten Hospital auf der Suche nach Nahrung und Drogen, dort trifft auf eine weitere Überlebende. Das Mädchen war einst eine Patientin von ihm welche er sexuell missbraucht hat. Am Ende nimmt er die Vaterrolle für sie an und beschließt sie in dieser neuen Welt nach der Katastrophe zu Beschützen.
WTF?

Dies ist eine Geschichte bei der ich wirklich gerne wissen wollte was sowohl der Autorin beim Schreiben durch den Kopf ging, als auch dem Editor als er beschloss sie in die Sammlung aufzunehmen... aus offensichtlichen Gründen keine Empfehlung meinerseits.


Fair Extension—Stephen King    
Eine selbst für Kings Verhältnisse außergewöhnlich bitterböse Satire um eine Vertrag mit dem Teufel.

Rocky Wood, Skeleton Killer—Jeff Strand
Zum Abschluß leichte Kost von Jeff Gelb. 
Die humoreske inszeniert Rocky Wood als eine Art Superheld im Kampf gegen des Böse.


 Inhaltlich hat die Anthologie Stärken und Schwächen, einen Mix aus bekannten und unbekannten Autoren, manche erfahrener, manche weniger erfahren.
Trotz ihrer qualitativen Schwächen bietet sie ihren Unterhaltungswert, und präsentiert einen stilistischen Querschnitt durch das Genre, bei dem die extreme ausgespart bleiben (obwohl zumindest Nancy Holder mit ihren früheren Geschichten durch aus den Splatterpunks zugerechnet werden konnte).

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Heisses Blut, Jeff Gelb ed. - Bastei 1992
Der Nebel, Stephen King, dt. in Im Morgengrauen - Heyne, 1985
Cannibal Cats come out tonight (dt. Die Nacht der Kannibalenkatzen), in Feuertanz - Heyne, 1990

Freitag, 7. April 2017

It can't happen here / Werewolf Moon








It can't happen here, Sinclair Lewis
(Penguin Books, 2017)


 In seinem 1935 erstveröffentlichen Roman spinnt der Amerikanische Autor Lewis Sinclair eine alternative Zeitlinie, in der FDR nicht mehr zur Wahl antritt und ein demagogischer Redner es mit rassistischen Äußerungen, einem konservativen Frauenbild und wahnwitzigen Plänen zur Ankurbelung der Amerikanischen Wirtschaft - Slogan: Make America great again - ins Amt des Präsidenten schafft und fortan das Land gezielt zum Faschismus führt.

 Penguin hat in anbetracht der aktuellen Politischen Situation den Roman neuaufgelegt, es hat schließlich tatsächlich ein nicht besonders talentierter Redner geschafft mit öffentlichen rassistischen und frauenfeindlichen Äußerungen sowie einem wahnwitzigen "Plan" Amerika zu neuer Größe zu verhelfen in das Amt des Präsidenten gewählt zu werden.
Dank einer Lovelybooks Leserunde ist das Buch auch bei mir Zuhause eingezogen.

 Leider kann ich als Fazit zum Buch nur sagen, die Idee ist großartig, die Umsetzung zu Zeitgebunden, die Entwicklung der Geschichte zu uneinig. Lewis rattert Seitenweise "Fakten" herab, reisst kurz eine Romanhandlung an, rattert wieder seine "Fakten" herunter, fügt ein wenig Erzählung ein... es kommt kein wirklicher Lesefluss zustande und ohne Leserunde hätte ich das Werk sicher abgebrochen. Hier hätte der Autor sich meine Erachtens nach entscheiden müssen ob er seine Geschichte in eine Romanhandlung einbetten oder als fiktive Historie sachbuchartig schildern wollte, beides zusammen funktioniert für mich nicht.

 Zudem fehlt es Lewis letzen endes an Konsequenz, obwohl er schon absehen konnte wohin sich das Politische Klima in Deutschland entwickeln würde, obwohl er den Angriff auf Polen praktisch vorweg nimmt, gibt er sich zum Ende wieder enttäuschend Patriotisch und schließt sich seinem zunächst Ironisch gemeinten Titel überzeugt an: Es kann hier nicht geschehen.

Siehe meine Meinung auch hier.


  






Werewolf Moon, Sharon Green
(Harlequin, 1993)

Noch so'n geschnorrtes Buch:
 Werewolf Moon habe ich mir online von der Open Library ausgeliehen.
Ich muss gestehn das ich mich rein vom Titel habe verleiten lassen, und etwas anderes bekommen habe als ich erwartete.

Kurzinhalt:
 Schauspielerin Laine Randall ist der Star einer erfolgreichen Polizei Serie. In Elgin New Mexico will sie sich ein Resort ansehen das als Schauplatz für einen zukünftigen Film eingeplant ist. Als ihre beste Freundin einer furchtbaren Attacke zum Opfer fällt und die örtliche Polizei sich nur unwillig bereit zeigt einem möglichen Werwolf nachzujagen, beschließt Laine erneut auf eigene Faust zu ermitteln...

 Wer nach kurzweiliger Zerstreuung sucht, liegt hier nicht falsch.
Sharon Green's Geschichte liest sich als amüsante Mischung aus Mord ist ihr Hobby und Agentin mit Herz. Ein wenig Fernsehunterhaltung abseits der Mattscheibe, so quasi, mit den Harlequin typischen romantischen Tönen.
Die obligatorische Sexszene fügt sich zwar nicht wirklich in die Geschichte ein, ist aber angenehm kurz gehalten so das  wer darüber hinweg liest nicht viel verliert, weder an Seiten noch an Handlung. Übrigens, auch wenn es sich zunächst so anhört, scheint der Roman kein Teil einer Serie zu sein, die im Buch gelegentlich angemerkten früheren Fälle, derentwegen Laine mit ihrem Studio bereits Probleme bekam, gibt es nicht in Buchform, sie gehören einfach nur zum Charakterhintergrund.

 Zur Qualität der eBooks der Open Library muss man sagen, dass diese nicht großartig ist, und wem schon wenige Scanfehler etwas ausmachen, den dürfte bereits auf den ersten Seiten der Schlag treffen (man kann auch alternativ auf PDF-Scans der Bücher zurückgreifen, welche aber mit 20-30MB zubuche schlagen und sich somit wohl nur für PC oder Tablet anbieten). Wer über die mangelnde Qualität hinweg sieht, hat jedoch auf der Seite die Chance Bücher auszuleihen welche nicht mehr im Print erhältlich sind, wie zum Beispiel eben dieses.
Und rein zum Lesen ist die Qualität weit ausreichend.