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Donnerstag, 15. Oktober 2020

tucking fypos

  Der Basteiverlag ist oft eine Fundgrube für Druckfehler. In Wolfsherz (Bastei, 1999) von Autor Wofgang Hohlbein trifft dies gehäuft auf das letzte Drittel des Romans zu. Zwei amüsante Beispiele:

 Was er roch, war nicht das Blut, das auf Spritzen aufgezogen und in kleinen  Plastikbeuteln aufbewahrt wurde, sondern warmes, pulsierendes, fließendes Blut. Das in einem Akt rasender Gewalt vergessen worden war.
S. 388
 Seine Beine und sein Rücken begannen unerträglich zu schmerzen, aber er ließ trotzdem nicht lecker, sondern versuchte im Gegenteil, seine Position so zu verändern, dass er noch ein bisschen mehr an Hebelwirkung aufbringen konnte! Irgend etwas mußte nachgeben: das Gitter oder sein Rückgrat.
S. 425

Samstag, 3. Februar 2018

31 Tage - 31 Bücher / Filme

Tag 23

Nenne den besten Thriller den du je gelesen hast.


Thomas Harris' Roter Drache.
Hannibal Lector, der hier nur eine Gatrolle hatte, mauserte sich zwar zum Star in Harris' Erzählungen, aber Francis Dolarhyde ist IMO als Character komplexer angelegt. Bei diesem lag die Kunst tatsäclich darin wie Harris uns ein Monster einerseits präsentiert und zugleich ein mögliches "happy-end" für ihn in den Raum stellt.
Die zweite Verfilmung des Romans ist dabei, abgesehen vom sehr stark abgeänderten Ende, tatsächlich ebenfalls ganz gut gelungen.



Aus welchem Film stammt der beste Filmanfang oder das beste Filmende?


Ich finde die Eröffnungssequenz aus John Schlesingers Das Ritual absolut gelungen.
Geschickt wird hier in den Eingangseinstellungen mit dem Milchwagen und dem joggenden Michael Sheen ein unbestimmtes Gefühl der Bedrohung ausgelöst, welches schließlich in unerwarteteter Weise eingelöst wird.

Dienstag, 16. Mai 2017

Klare Sache das...


 Beim stöbern im Netz stößt man in englischsprachigen Fori ganz gerne auf die Aussage „Ich mag die Deutsche Sprache weil sie klar und geordnet ist.“ Aber dann begegnen mir in schöner Regemäßigkeit Sätze die mir dazu ein „Ach, wirklich?“ abringen.
Wie dieser, aus Jeremy Bates’ Suicide Forest (Luzifer Verlag, übersetzt von Andreas Schiffmann):
 Ich warf Mel, die neben mir auf ihrer Unterlippe kaute und den Kopf nach vorne geneigt hatte, um zu sehen, wohin sie trat, einen intensiven Blick zu.
Wie, kaut er mit auf ihrer Unterlippe und sie daneben, oder was?

Dienstag, 2. Mai 2017

Casino Royale








Casino Royale, Ian Fleming
(Cross Cult, 2012)


Kurzinhalt:
 Der Chef des britischen Geheimdienst, M, schickt Bond nach Frankreich. Die Mission lautet einen für die Russen arbeitenden Agenten namens Le Chiffre auszuschalten. Durch unkluge Inverstitionen, mit Geldern des russischen Geheimdiensts, ist Le Chiffre in finanzielle Bedrängnis geraten, nun soll Bond am Baccarat-Tisch antreten um zu verhindern das Le Chiffre sein Konto ausgleichen kann ehe seine russischen Auftraggeber von den Transaktionen Wind bekommen. So will man seine Auftraggeber zwingen, Le Chiffre in den Ruhestand zu schicken. Zunächst scheint es so, als ob das Glück Bond hold ist - Le Chiffre hat eine Pechsträhne. Doch manche Leute weigern sich einfach, nach den Regeln zu spielen...


 Bond ist für moderne Verhältnisse problematisch, das steht außer Frage - wobei sein moralisch fragwürdiges Verhalten Frauen gegenüber in den Romanen weniger ausgeprägt ist als in den Filmen, weshalb mir die Geschichten trotz ihres zeitlich geprägten Umfeldes durchaus Spaß machen zu Lesen.

 Tatsächlich soll Casino Royale auf einen Einsatz zurückgehen, den der im Zweiten Weltkrieg tatsächlich für den britischen Geheimdienst arbeitende Ian Fleming selbst durchführte. Das Ziel damals war es mit ähnlicher Methode Offiziere der deutsche Wehrmacht finanziell zu schwächen. Auch wenn Casino die wichtigsten Charaktere einführt, und uns ein frühes Charakterbild eines noch weitgehend unerfahrenen Bond liefert, der Roman ist kein high-light der Serie. Als Einstiegspunkt ist Casino Royale nicht der Band den ich Lesern empfehlen würde, statt dessen wollte ich anraten den zweiten Band in der Reihe Leben und Sterben lassen, zuvor zu lesen*.
 Nicht nur weil Leben und Sterben lassen zufällig auch mein persönlicher Lieblingsfilm der Reihe ist, die Geschichte ist einfach spannender Konstruiert, mit weit weniger Längen. 

 Denn, Casino Royale kämpft leider mit zwei ernsten Problemen.
 Erstens ist es leider eine der schwächsten Bondgeschichten, obwohl mir beim wiederlesen das Kartenduell besser gefallen hat als beim ersten Mal. Ian Fleming versteht es durchaus einer wenig aktiven Szene eine gewisse Action zu verleihen.
 Zweitens, die eigentliche Kernhandlung reicht gerade für eine Novelle - den Rest des Buches, nahezu die Hälfte davon, beobachten wir Bond beim genesen von seinen Verletzungen, beim Flirten mit Vesper Lynd und sich in sie Verlieben, und etwas philosophieren über die Natur des Bösen und seine Rolle als Geheimagent.
Mathis öffnete die Tür und blieb auf der Schwelle stehen.
 "Umgeben sie sich mit Menschen, mein lieber James. Für sie lässt es sich leichter Kämpfen als für Prinzipien."
Er lachte. "Aber enttäuschen sie mich ja nicht, indem sie selbst menschlich werden. Dadurch würden wir eine wundervolle Maschine verlieren."
 Diese zweite Hälfte des Buches ist zwar überraschend unterhaltsam, aber sie bremst die Geschichte dann doch soweit aus bis sie kurz vorm Stillstand steht.


 Amüsant ist Flemings Charakterisierung Bonds, auf der einen Seite ist er ein kompletter Chauvinist, auf der anderen wirkt er komplett unfähig was Frauen angeht. Keine Ahnung ob das geplante feine englische Ironie ist, oder einfach nur ein gelungener Glückstreffer des Autors - es hilft auf jeden Fall über die teils recht fragwürdige 50er Jahre Moral hinwegzusehen und Bond trotz, oder gerade wegen seiner Fehler zu mögen.
 
 Ein kurzes noch zur Übersetzung, ich habe das Buch das erste Mal in der 1960 Übersetzung des Ullstein Verlags gelesen, die neuvorliegende Übersetzung des Cross Cult Verlags macht hier aber angelegentlich mehr inhaltlichen Sinn, weshalb ich annehme das sie Werktreuer ausgefallen ist und ich tatsächlich zu deren Anschaffung raten würde (oder besser noch gleich die Originaltexte), wenn man sich den Bond Romanen widmen will:
 "Für Bond war das Glück eine Frau, die entweder zärtlich umworben, oder aber brutal genommen, niemals jedoch verkuppelt oder überzeugt werden wollte."
(Übersetzung: Günther Eichel, 1960) 
 "Bond betrachtete das Glück als eine Frau, die man sanft umwarb oder brutal nahm, der man jedoch niemals nachgab oder hinterherlief."
(Übersetzung: Stephanie Pannen und Anika Klüver, 2012)

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* Danach bietet es sich allerdings an die Reihe in Folge zu lesen, da die Romane lose aufeinander aufbauen.

Freitag, 26. September 2014

Du sollst nicht schlafen










Du sollst nicht schlafen, Charlotte Parsons
(dtv, 2014)

Kurzinhalt:
 Eine junge blonde Frau wird tot aus der Themse gezogen. Die aufstrebende Journalistin Cynthia Wills soll über diesen Mordfall berichten; dabei bekommt sie heraus, dass es schon früher ähnliche Morde gegeben hat. War es immer derselbe Täter? Sie schreibt eine Reihe von Artikeln über den »Barbie-Killer«, wie er bald genannt wird, und hegt die schönsten Hoffnungen für ihre Karriere. Zur selben Zeit ist überall von einer neuartigen Droge die Rede, die vom Verteidigungsministerium in einer geheimen Versuchsreihe getestet wird: Sie ermöglicht es den Probanden, völlig ohne Schlaf auszukommen. Jeder will plötzlich diese Pille haben. Dass es bei der Testreihe höchst alarmierende Unregelmäßigkeiten gegeben hat, interessiert niemanden mehr. Doch dann findet Cynthia heraus, dass auch der »Barbie-Killer« mit dem Medikament in Berührung gekommen sein muss …


 Ich will es mir nicht anmaßen bei "Du sollst nicht schlafen" über seine Thriller Qualitäten zu urteilen, dafür lese ich zu wenig in diesem Genre, möchte aber anmerken wollen das die Geschichte hier nicht das war was ich erwartet hätte.
Tatsächlich ist die Mordserie welche London in dieser Geschichte heimsucht, nur eine Rahmenhandlung, welche angenehm unspekulativ in Szene gesetzt wird, was aber auch ganz passend ist, denn die Londoner Bevölkerung zeigt im Roman ebenfalls mehr Interesse an der neuesten Mode-Droge und den sich ihnen damit eröffnenden Möglichkeiten, denn an ein paar toten Frauen.
24/7 heißt dieser neue Hype, eine Droge von dubioser Herkunft und Legalität die über das Internet vertrieben wird und mit dem Versprechen lockt das körperliche Bedürfnis nach Schlaf auszuschalten.

 Erst auf den letzten Seiten entwickelt sich der Roman zum Thriller mit nachklingendem Schockeffekt, auf dem Weg dahin bietet uns Debüt Autorin Charlotte Parsons eine gut beobachtete, realistische und konsequent zu Ende gedachte Gesellschaftsstudie mit dystopischen Grundzügen. Überaus glaubwürdig illustriert sie den mit der Mode-Droge einhergehenden Wandel in der Gesellschaft. Ganz leise und kaum bemerkbar wird der Party-Traum zum Arbeits-Alptraum.
Somit lässt sich für mich, obgleich kein Near-Future und auch kein dystopischer Roman, "Du sollst nicht schlafen" doch weit mehr in der Speculative Fiction verorten, denn im Thriller Bereich.

 Aufgrund seines Hauptthemas, die umfassende Veränderung der Gesellschaft durch eine Droge, erinnerte mich der Roman an SF-Vertreter der späten sechziger und frühen bis mittleren siebziger Jahre, liest sich dabei aber aufgrund seiner aktuelleren Zeitbezogenheit, die Geschichte ist nicht in einer nebulösen Zukunft angesiedelt, sondern im London dieser Tage, wie ein Kommentar zu einer zum sorglosen Drogenkonsum erzogenen neunziger Generation im Spannungsfeld der immer schonungsloser voranschreitenden Globalisierung.
Ob beabsichtigt oder nicht, die Idee einer Gesellschaft die 24 Stunden am Tag wach und erreichbar zu sein hat um Beruflich noch voranzukommen, ist ein perfekter Spiegel tatsächlich herrschender Gegebenheiten. Es braucht kein 24/7 damit die Leute von einem Erwarten das man in einer Zeit in der ständige Erreichbarkeit bereits möglich ist, gefälligst auch ständig erreichbar zu sein hat. Und auch immer willkürlicher werdende Arbeitszeiten sind in manchen Arbeitsbereichen schon heute traurige Realität.

 "Du sollst nicht schlafen" ist somit nicht nur großartige Unterhaltungslektüre, er bietet dabei treffende, nachdenklich machende Gesellschaftskritik zugleich.

Dank an:
Lovelybooks.de
Deutscher Taschenbuch Verlag
und natürlich an die Autorin Charlotte Parsons.

Mittwoch, 4. Juni 2014

Ein bisschen mehr Phantasie bitte

Beim heutigen öffnen meines Random House Newsletters hat mich ein Buchcover so angesprungen, leider im absolut negativen Sinn, das ich das einfach mal hier gegenüberstellen muss:




















Hanna Winter, opfertod von 2012 und Marc Dugan, In der Haut des Teufels, 2014 ... manchmal wäre sogar ein lausiges Photoshoping noch ein Zugewinn, ehe man einfach ganz phantasielos ein bereits verwendetes Motiv praktisch unbearbeitet drauf klatscht.

Sonntag, 3. März 2013

What's new, Pussycat?

Neuzugänge:
Dank eBay eröffnet der März mit einem Urban Fantasy Schnäppchen für mich:

Christine Feehan's Dark Curse (Carpathians #19) wird wohl, nach allem was ich so über die Romane der Autorin vernommen habe von mir ungelesen bleiben, genauso wie Sarah Monette's Mélusine, da ich kein wirklicher Fantasy Fan noch M/M Literatur Leser bin, aber mein Augenmerk lag sowieso vorwiegend auf Rachel Vincent's Rogue (Cat-Shifters #2), da ich ihre Cat-Shifter Serie schon immer einmal anlesen wollte, und auf Howling at the Moon (Tales of an Urban Werewolf #1), von Karen MacInerney für meine Werwolf Sammlung. Eileen Wilks ist ein willkommener Bonus, vor allem da Blood Lines zufälliger weise der dritte Band in der World of Lupi Serie ist, von welcher ich Band zwei gelesen habe und feststellen musste das die Romane sehr eng zusammenhängen; so auch mit Band drei der direkt an Mortal Danger anschließt.
Sherrilyn Kenyon und Ilona Andrews kenne ich bisher nur vom Namen her, weder von Andrews' Kate Daniels Serie (von der Magic Bites glücklicher weise der erste Band ist), noch von Kenyon's The League Serie (Born of Ice, The League #3) habe ich bisher etwas gelesen, habe allerdings von ersterer nur gutes gehört - man ist gespannt.

Neu auf der to-read Liste:












Zwei neue Einträge im Star Wars Universum von Timothy Zahn und der Thriller Slide von Jill Hathaway, auf den ich auf Monis Buchblog gestoßen bin.
Außerdem ist es am 19. endlich soweit, bei Carlsen erscheint das neue Yoko Tsuno Abenteuer auf Deutsch:














An eBook neuzugängen gibt es zu vermelden:



Maya Shepherd's Radioactive habe ich auf der blogtour gewonnen, mal sehen wie es mir zusagt, inhaltlich hört es sich auf jeden Fall schon ansprechend an; Brothers Blue & Gray von Ellen Gray Massey ist ein kostenloser Amazon download auf den ich per One hundred free books gestoßen bin, als Fan von Civil War Romanen bin ich daran natürlich nicht vorbei gekommen; und last but not least the cain chronicles fasst die ersten vier Bände der Fortsetzung zur Seasons of the moon Reihe zusammen (derzeit für -.89€ bei Amazon zu haben).

auf meiner tentative to-read list stehen dann noch:












Of wings and wolves ist der Start einer neuen Serie welche, so fürchte ich die Seasons of the moon mit der The Descent Reihe zusammen bringt, und darkmoon ist der fünfte und abschließende Band zu den Cain Chronicles.
Adriana Law's Chasing Memories ist etwas älteres, das auf meiner to-read liste stand lange bevor ich einen eBook reader besaß und dann leider in Vergessenheit geriet bis ich durch ein GoodReads ad wieder darauf aufmerksam wurde:
Virginia Bennett ist heimlich in den besten Freund ihres Bruders verliebt.
Chase Donovan ist heimlich in die kleine Schwester seines besten Freundes verliebt, obwohl, sie ist nicht mehr so klein. Schlimmer noch, die Bennetts werden Chases Ersatzfamilie und nehmen ihn auf wenn er nirgendwo anders hin gehen kann. 
Eine verantwortungslose Nacht verändert Freundschaften und zerstört Vertrauen.
Chase ist entschlossen Virginia nicht aufzugeben. Sein Wunsch die Dinge wieder so zu haben wie sie waren, vor jener Nacht, könnte sie beide zerstören.
Klingt für mich nach einer interessanten Variation auf das verbotene Liebe Thema.

Dienstag, 27. November 2012

Cemetery Girl









Cemetery Girl, David J. Bell
(NAL, 2011)

Beunruhigender YA Thriller mit Schwächen.

 Kurzinhalt:
Als 12 Jährige verschwindet Abby und Tom Stuart's Tochter Caitlin spurlos im Park. Nur der Hund kehrt zurück von ihrem Ausflug, die Leine hinter sich herschleifend. Vier Jahre sind seit dem Vergangen und die Ehe der beiden ist zerrüttet, Abby mochte endlich einen Schlussstrich ziehen unter die Vergangenheit und drängt darauf der Tochter eine leere Grabstelle, ein Kenotaph, auf dem Friedhof einzurichten, doch Tom möchte sich nicht dem Verlust seiner Tochter abfinden. Und tatsächlich wird Caitlin von einer Polizeistreife aufgegriffen. Doch sie schweigt beharrlich zu dem was in jenen vier Jahren geschah, und weigert sich preiszugeben wer sie entführt hat. Als auch die Polizei nicht voranzukommen scheint, beschließt Tom der Sache selbst auf den Grund zu gehen.


Cemetery Girl teilt sich auf in drei Sektionen: Der erste Teil handelt von der Belastung unter der  die Beziehung von Tom und Abby steht, seit Caitlin's verschwinden und von den Ressentiments die Tom für seine Frau hegt als diese versucht mit der Vergangenheit abzuschließen. Im zweiten Teil geht es um die überraschende Rückkehr Caitlin's und wie diese zu einer neuen, unerwarteten Belastung führt. Den natürlich verhält sich Caitlin ganz anders als Tom sich das in seinem Wunschdenken ausgemahlt hat. Im letzten Teil dann dreht sich alles um die Konfrontation mit Caitlin's Entführer und die Klärung der Frage was in jenen vier Jahren tatsächlich geschah.

Bell zeigt sich als routinierter Thriller Autor. Er versteht es durch geschickte Anspielungen und Auslassungen uns an der Ungewissheit des Vaters, betreffend Caitlin's Schicksal, teilhaben zu lassen und ein Szenario des Horrors vor unserem geistigen Auge aufleben zu lassen ohne dabei je all zu Graphisch zu werden. Es ist zumeist das was nicht gesagt wird das einen als Leser erschreckt, es sind die weißen Flecken die Tom, und damit auch der Leser, selbst füllen muss die einen nachhaltig zu erschrecken vermögen.  
Auch die Art in der uns in der Gestalt von Tom's Halbbruder den perfekten Verdächtigen liefert, und abwechselnd diesen Verdacht erhärtet und ihn dann wieder entlastet und so dessen Verstrickung in das Geschehen bis zum Ende im Dunkel hält, ist Meisterhaft inszeniert.
Leider verliert der Roman im letzten Teil wenn das Verhalten des Vaters zunehmend irrational anmutet, er zunehmend getrieben ist von der Suche nach der Wahrheit, mehr noch aber von einem besitzergreifend Gemüt im Bezug auf seine Tochter, am steht die Frage was mit Caitlin geschah, steht die Klärung des Verbrechens quasi im Hintergrund zu der Frage: Wer besitzt Caitlin?
Irgendwann, so muss man glauben, ist Caitlin's Vater (ist der Autor?) nicht mehr an Caitlin als Person interessiert, es gibt keinen ernsthaften Versuch mehr zu verstehen was sie durchlitten haben muss, statt dessen plagt den Vater die Frage ist diese junge Frau noch meine Tochter oder wurde sie zu sehr durch einen anderen Geprägt?
Auch Tom's Neigung zu jammern und sein(!) Schicksal zu beklagen, macht einem dieses letzte Drittel nicht zugänglicher - es fehlt am Ende ein Sympathieträger, der einem dieses doch recht bedrückende Thema etwas erträglicher machten könnte.

Unterm Strich ein Lesenswerter Thriller zu einem beunruhigend Thema, Kindesentführung und sexueller Missbrauch, bei dem jedoch mehr drin gewesen wäre und der mich mit gemischten Gefühlen zurückließ.
Vielleicht aber liegt ja das besondere des Romans gerade in seinem starken Kontrast zwischen dem Prolog der einem Tom spontan sympathisch macht, dabei aber zugleich die Basis für Tom's Zweifel an seiner zurückgekehrten Tochter schafft, und der Wende in Tom's Charakter, der übergangslosen Vermischung von Sorge und Besitzdenken, welche ihn dann wieder aller Lesersympathie beraubt.

Samstag, 3. November 2012

Neue Bücher

Eigentlich habe ich ja noch genug Bücher aufzuarbeiten, aber wie das eben so ist, man kommt mit der Neuanschaffung von Büchern immer schneller nach als mit dem Lesen. :)



 Cemetery Girl, David Bell
 (New American Library, 2011)

Vier Jahre nach ihrer Entführung, taucht die Tochter von Tom und Abbie wieder auf. Lebend aber ungewöhnlich ruhig. Als sie sich weigert gegen den Mann, der mit ihrer Entführung in verbindung gebracht wird, auszusagen, beschließt Tom in dem Fall auf eigene Faust zu ermitteln. Nichts kann ihn auf das Vorbereiten, was er im Begriff ist aufzudecken...

Das Buch wurde im Oktober für die Sisterhood of the traveling book Lesegruppe auf GoodReads ausgewählt, durch eine Lieferungsverzögerung hat es mich jedoch jetzt erst erreicht.
Aber gute Bücher haben ja zum Glück kein Verfallsdatum. :)




The Night Circus, Erin Morgenstern
(Anchor, 2011)

Ein ungeplanter Kauf.
Ich habe mir im Weltbild Geschäft ihren neuen eBook Reader 4 Ink angesehen, und danach, wie das so meine Gewohnheit ist, wann immer ich in einem Buchladen bin, habe ich die Englischen Neuerscheinungen durchgestöbert.

Was soll man sagen: Es gibt einfach Bücher, die nehmen einen bereits mit ihrem Erföffnungssatz gefangen. The Night Circus ist ein solcher Fall.
The circus arrives without warning. No announcements precede it. It is simply there, when yesterday it was not.
Die Zeile hat mich natürlich sofort an einen meiner erklärten Lieblingsromane erinnert: Something wicked this way comes, von Ray Bradbury (welcher mich seinerseits selbst spontan mit seiner Verwendung dieser Shakespeare Zeile als Titel angesprochen hat). Und wenn die Eröffnung nicht genügt hätte, diese kurze Passage hätte mein Schicksal endgültig besiegelt:
“I forgive you for stealing my shawl.”
She smiles as he laughs.
And then she vanishes. A simple trick of distracting his attention long enough to slip out through the hall, despite the lingering temptation to stay.



All Hallows' Moon, SM Reine
(eBook, 2011)

SM Reine's hochgelobter Jugendbuchzyklus um einen weiblichen Werewolf.
Dank Amazon habe ich nun den zweiten Teil kostenlos auf meinem PC (und noch keinen eBook Reader dafür, siehe oben). Die Serie hat auf GoodReads durchweg gute Kritiken erhalten und ist vom ersten Anlesen her tatsächlich sehr gut geschrieben (die Qualität bei in Eigenproduktion veröffentlichen Büchern, und hier v.a. eBooks, lässt leider oft stark zu Wünschen übrig).

Sonntag, 23. September 2012

The Cabinet of Curiosities









The Cabinet of Curiosities, by Douglas Preston / Lincoln Child
(Warner Books, 2003)

Man sagt von Michael Crichton, er habe geschrieben als hätte er bereits die Verfilmung im Hinterkopf gehabt. Für das Autorenteam Douglas Preston & Lincoln Child trifft das doppelt zu.

 Kurzinhalt:
Bei Grabungsarbeiten für einen Hochhauskomplex stößt eine Arbeitergruppe auf einen verborgenen Tunnel. Darin entdecken sie die Leichen eines mutmaßlichen Serienmörders der im New York der Jahrhundertwende sein Unwesen getrieben haben muss. Der Enigmatische FBI Mann Special Agent Pendergast tritt an die Archäologin Nora Kelly heran um sie um ihre Mitarbeit bei der Aufklärung zu bitten. Als sie dabei sind der Vergangenheit des Killers, und dessen Identität auf die Spur zu kommen beginnt eine neue Mordserie, deren Opfer exakt die selbe Handschrift tragen wie die in der Kammer aufgefundene Leichen. Kann es sein das der Killer aus der Vergangenheit noch immer unter ihnen weilt?


Der eingangs erwähnte Schreibstil hat den Vorzug für schnelle, eingängige, actionbetonte Romane zu stehen, die ohne Längen daherkommen. Im Nachteil bietet er sich auch leider allzu sehr dafür an in altgediente Klischees zu verfallen, wie zum Beispiel:
Paul Karp could hardly believe he was actually going to get some. Finally. Seventeen years old and now finally he was going to get some. He pulled the girl deeper into the Ramble. It was the wildest, lest visited part of Central Park…

Diese ‘Heißes Pärchen findet auf der Suche nach einem geschützten Ort um Sex zu haben eine Leiche’ Situation ist inzwischen so beliebig geworden, das sie in dem Buch ein richtiger Showstopper ist. Schlimmer noch der Einsatz des ehrgeizigen aber etwas dümmlichen Ermittlers als komisches Element im letzten Drittel des Buches, gerade als die Spannung ihren Höhepunkt erreicht – wodurch sie nahezu komplett gekillt wird.

Im weiteren fand ich das Agent Pendergast diesmal nicht so sehr als der gebildete Südstaaten Gentleman, dieser moderne Sherlock Holmes der Vorgängerbände, auftritt, sondern etwas unangenehm Überhebliches hat und leider zu sehr an einen James Bond erinnert, sozusagen mehr zu Super Agent denn Special Agent Pendergast geformt wird – aber vielleicht fehlte mir hier auch einfach nur der Ausgleich durch den Streetsmarten Vincent D'Agosta.
Letztlich fällt an dem Roman eine ungeklärte Passage, ein im letzten Kapitel eingeführter, geheimnisvoller Beobachter, unangenehm auf. Eine "Charaktere" die für die Geschichte völlig unerheblich ist und auch keine Gestalt annimmt – geradeso als wäre da eine Idee hastig fallengelassen aber dann nur unvollständig entfernt worden.*

Davon abgesehen, ich mag den Preston/Child Stil, denn wie gesagt, er garantiert flüssige und spannende Unterhaltung. Und, getreu dem Crichton Vorbild, bemühen sie sich um einen (Populär-)Wissenschaftlichen Unterbau in ihren Geschichten – Thrillerunterhaltung mit Lernpotential. Da macht auch The Cabinet of Curiosities keine Ausnahme und bewegt sich aller Kritik zum Trotz noch immer auf sehr hohem Thriller Niveau. Die Geschichte ist grausam, blutig und erschreckend, aber ohne dabei je übermäßig Graphisch zu werden, die Autoren verstehen es die Phantasie des Lesers mit geschickten Anspielungen und Verhüllungen anzuregen.  Es verwundert das Hollywood bisher nur von ihrem Debüt (Relic, 1995) Kenntnis genommen hat.

So kann ich den Roman ohne größere bedenken weiterempfehlen, allerdings mit der Gemahnung das er eben nie die Klasse früherer Werke erreicht - Relic, Thunderhead, Riptide, und natürlich Preston/Child’s Meisterstück: Mount Dragon, stehen da weit davor - und dem Hinweis darauf das man sich eben mit so einigen, nicht immer ganz stimmig verwendeten, Hollywood Mechanismen abfinden muss.

*Nachtrag: 
 Nach einem Gespräch auf GoodReads scheint es wohl so, das The Cabinet of Curiosities der quasi Start eines Zyklus ist und die an dieser Stelle eingeführte Charaktere im weiteren Verlauf der Romane an Bedeutung gewinnt.
Trotzdem finde ich diese Stelle im Buch eher unglücklich.

Sonntag, 2. September 2012

James Bond bei Cross Cult

Via Killer Covers bin ich kürzlich auf eine Vorschau auf das neue, much improved, Cover design für Ian Fleming's Feuerball (Thunderball) von Michael Gilette gestoßen:



















Zum Vergleich rechts das, auf mich, very British wirkende Cover für die Pinguin Veröffentlichung.
Für mehr Informationen zum wie und warum des neuen Cover Designs und eine persönliche Bond-Erinnerung des Künstlers, besucht seinen blog:

Cross Cult plant ab September alle Bond Romane und Kurzgeschichten neu aufzulegen, als ungekürzte deutsche Version der Pinguin Jubiläumsbände. Näheres dazu, siehe hier:

Mein persönlicher Favorit unter den Romanen war übrigens Leben und Sterben lassen (von dem sich Eric Van Lustbader sehr stark inspirieren lies für einen seiner Romane aus der Nicholas Linnear Reihe), unter den Penguin Covers ist es Goldfinger: