Diese Website verwendet Cookies, um Dienste bereitzustellen, Anzeigen zu personalisieren und Zugriffe zu analysieren. Informationen werden an Google weitergegeben.
Durch die Nutzung der Website erklären Sie sich mit Googles Weltherrschaftsbestrebungen einverstanden.

Freitag, 23. Juni 2017

31 Tage - 31 Bücher / Filme

Tag 18



Ein Buch, das Du auf keinen Fall Deiner Mutter geben würdest.
  
Geschichte der O, Pauline Réage






Welcher Film enthält deinen Lieblingsbösewicht?
 
Goldfinger.
Gert Fröbe ist der mit Abstand charismatischste Bondgegner:
"Erwarten sie von mir das ich rede?"
"Nein Mr. Bond, ich erwarte von ihnen dass sie Sterben."

Sonntag, 18. Juni 2017

Dark Universe








Dark Universe, Daniel F. Galouye
(Mantikore, 2017)


Buchtext:
 Jared gehört zu den "Überlebenden". Vor Jahrhunderten löschte ein gewaltiger Krieg die menschliche Zivilisation aus und machte die Erde unbewohnbar. Die wenigen Überlebenden der Katastrophe konnten sich in ein unterirdisches Tunnelsystem retten. Seit Generationen leben sie im Untergrund - ohne Licht - in völliger Dunkelheit. Ihre Sinne haben sich perfekt an die ewige Nacht angepasst. Erinnerungen an die alte Welt, sogar an Licht, sind nicht mehr als Legenden – bewahrt in den Mythen der Überlebenden. Jared will den Geschichten auf den Grund gehen und wagt den riskanten Aufstieg...

 Dark Universe erschien erstmals 1962 zur Zeit des Kalten Krieges. Die post-apokalyptische Vision einer vom Atomkrieg zerstörten Zivilisation war für den Hugo Award nominiert. Ein Meisterwerk der Science-Fiction-Literatur.


 Daniel F. Galouye gehört zu den wichtigen SF Autoren seiner Zeit, trotzdem scheint es dass  abgesehen von seinem zweifach verfilmten Simulacron-3* seine Geschichten und Romane inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein scheinen. Galouye bewegte sich als Autor in einem ähnlichen Feld wie der weitaus bekanntere Autor Philip K. Dick, seine Geschichten tendieren gleichfalls in das Feld der Fantasy, ohne jedoch, im Gegensatz zudem wie Dick es gelegentlich tat, diesen Punkt wirklich zu überschreiten.
 Auch für Galouye ist die SF oft mehr Vehikel für philosophische Betrachtungen gewesen, welche wie in Dark Universe in unterhaltsam abenteuerliche Geschichten zu fassen wusste.

 In seinem Dark Universe steht die Warnung vor der Atomaren Bedrohung eher zweitrangig da. Vielmehr thematisiert der Autor im Gewand eines SF Abenteuerromans zeitbezogene Probleme wie Religion, Sektentum und Ausgrenzung. Ganz unmittelbar geht es dem Autor jedoch einfach um das Gedankenspiel einer Menschheit die in absoluter Dunkelheit überleben muss. Die Überlebenden, denen Hauptcharakter Jared angehört haben hierfür (durch Strahlungsmutation?) ein hochsensibles Gehör, ähnlich dem der Fledermäuse, entwickelt, welches sie ihre Umgebung mittels Echowahrnehmung erfassen lässt. Von dieser Prämisse ausgehend entwickelt der Autor seine Geschichte um eine Gesellschaft für die „Licht“ ein Mythos ist, ein Relikt vergangener Tage von dem sie nur Wissen das es einst um sie war.
 Galouye präsentiert uns eine gleichermaßen wahnwitzige, wie im Kontext überzeugende Religion die das Licht mit Gott gleichsetzt und welche in Furcht vor der Oberwelt und ihren Teufeln lebt, namentlich Kobalt, Strontium und Wasserstoff höchstpersönlich.

 Doch Jared ist ein Zweifler, er misstraut der Religion und möchte auf eigene Faust herausfinden was Licht ist. Diese Suche, wird behindert durch gräulichen „Subflatterer“, ins gigantische mutierte Fledermäuse, und die ständige bedrohung durch Überfälle der Zivver, einem abgelegen lebenden Menschenstamm, welche sich auf eine den Überlebenden unbekannte Weise zu orientieren vermögen ohne auf ihre Ohren angewiesen zu sein.
Die Suche führt Jared uns seinen Freund über die „Barriere“ welche den verbotenen Weg in die Oberwelt abgrenzt, eine Zone durchstreift von Monstern die lautlose Töne von sich geben und ihre Opfer betäuben um sie dann für ungewisse Zwecke zu Verschleppen.

 Bereits nach wenigen Seiten schafft es der Autor uns so komplett in seine Ideen zu involvieren das wir uns tatsächlich vorstellen können wie wir an der Seite Jareds durch eine ewige Dunkelheit jagen, sich vor uns eine Welt entfaltet die für uns nur noch aus Schalleindrücken besteht.

 Kritisieren lässt sich nur dass sich der Autor im Mittelteil in gefühlt unnötigen Passagen verliert, die zwar nicht weniger Spaß machen zu lesen, aber ultimativ die Geschichte nicht bereichern sondern eher dazu geneigt sind das sorgfältig aufgebaute Konstrukt der Glaubwürdigkeit zu Erschüttern, wenn zum Beispiel der Autor weitere Mutationen einfließen lässt, wohl nur um einem bereits gemachten Punkt Nachdruck zu verleihen.

 An der Übersetzung selbst fällt auf dass das Lektorat leider nicht so sorgfältig ausgefallen ist, wie es hatte sein können. Da der Mantikore Verlag aber als unabhängiger Kleinverlag sicher stärker auf seine Kostendeckung achten muss, und mit der Veröffentlichung eines nicht mehr so bekannten Autors hier sicherlich ein gewisses höheres Risiko eingeht, lässt sich dies meiner Meinung nach leicht nachsehen.


 Die Geschichte, soviel sei Verraten, endet eher antiklimatisch, es gibt keine wirklich überraschende Wendung zum Ende hin und mir stellte sich das Gefühl ein das der Autor hier besser beraten gewesen wäre hätte er das Ganze auf eine Kurzgeschichte oder Novelle Konzentriert. Trotzdem gilt als Fazit das Daniel F. Galouye zu den Autoren gehört die jeder ernsthafte SF-Fan gelesen haben sollte, insbesondere möchte man ihn dabei natürlich, siehe oben, den Philip K. Dick Fans nahelegen.

 Mein Dank an den Mantikore Verlag, dafür das sie diesen Klassiker der SF wieder einem deutschen Publikum verfügbar machen und für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

* Als zweiteiliges Fernsehspiel Welt am Draht, von Reiner Werner Fassbinder in1973, und
  unter dem Titel The Thirteenth Floor, von Josef Rusnak (Produzent Roland Emmerich) in 1999.

Mittwoch, 7. Juni 2017

Mort(e)








Mort(e), Robert Repino
(Luzifer Verlag, 2016)


Kurzinhalt:
 Der »Krieg ohne Namen« hat begonnen, und sein Ziel besteht darin, die Menschheit auszurotten. Eingefädelt wurde er von der Kolonie, einer Rasse intelligenter Ameisen, die über Jahrtausende hinweg heimlich eine Armee aufgebaut haben, um die menschlichen Zerstörer und Unterdrücker für immer von der Erde zu tilgen.
Unter den wachsamen Augen der Kolonie soll eine Utopie frei vom Hang der Menschen zu Gewalt, Ausbeutung und religiösem Aberglauben entstehen. In einem letzten Schritt ihrer Kriegshandlungen verwandelt die Kolonie die Tierwelt auf der Erde in zu Höchstleistungen fähige Zweibeiner, die sich erheben und ihre Herren vernichten sollen.

 Mort(e), ein ehemaliger Hauskater, der zum Kriegshelden avancierte, ist berüchtigt dafür, die gefährlichsten Aufträge anzunehmen und gegen die gefürchtete menschliche Biowaffe EMSAH anzukämpfen. Was ihn jedoch tatsächlich zu derartigem Draufgängertum treibt, ist seine andauernde Suche nach jemandem, mit dem er vor der Verwandlung befreundet gewesen war: der Hündin Sheba.
 Als er die Nachricht erhält, dass Sheba noch am Leben sein soll, tritt er eine Reise an, die ihn von den verbliebenen menschlichen Festungen ins Herz der Kolonie führt, wo er von den Ursprüngen von EMSAH und dem endgültigen Los aller Lebewesen der Erde erfahren wird.


"Die Kreaturen draußen blickten von Schwein zu Mensch, und von Mensch zu Schwein, und zurück von Schwein zu Mensch; doch es war bereits unmöglich zu sagen wer welches war."
― George Orwell, Farm der Tiere

 Wir folgen im Buch Sebastians „erwachen“, seinem Vordringen in das Kriegsgebiet auf der Suche nach der verlorenen Sheba, seiner Gefangennahme durch und späteren Aufnahme in die Red Sphinx, erleben den Beginn vom Aufbau einer Zivilisation der Tiere, und das letzte Aufbäumen der Menschheit.

 Hierbei konstatiert der Kater wie der Aufstand gegen die Grausamkeit der Menschen, sich letzten Endes nur in Grausamkeiten gegen die Menschen ergeht. Wie bei Orwell lässt sich bald nicht mehr sagen wer nun wer ist, denn Tiere wären eben doch nicht die besseren Menschen, scheint einem das Fazit des Autors zu sein.

 Repino reflektiert über unseren Umgang mit der Natur, mit Haus- und Nutztieren und über den Sinn einer Revolution, wenn diese sich am Ende doch nur der selben Methoden bedient, gegen die man einst so stolz zu Felde zog.
So ganz nebenbei geht es noch um Sinnsuche und religiösen Extremismus.

 Mort(e) von Autor Robert Repino ist sprachlich wie stilistisch nicht ganz so ausgefeilt wie man sich dass, vor allem angesichts der philosophischen Ansätze, eventuell wünschen könnte. Der Autor schreibt in kurzen, einfachen Sätzen und wechselt kurze actionbetonte Passagen mit längeren Erzählenden, was die Geschichte, obwohl durchaus spannend zu lesen, mit einer gewissen Trägheit fortbewegt und ihr Potential nie ganz auszuschöpfen lässt.
Hier illustriert Repino den Wahrheitsgehalt der „show don’t tell“-Regel (in etwa: zeigen nicht sagen).

Aber als Fan apokalyptischer SF kann man mit der Geschichte seinen Spaß haben, so man bereit ist sich auf die Prämisse einzulassen ohne deren wissenschaftliche Basis großartig zu hinterfragen – in dieser Beziehung ist Mort(e) natürlich dass was Autor Norman Spinrad abfällig als reine Fantasy tituliert hätte.
 Repino entwickelt seine Story jedoch konsequent und innerhalb der gesetzten Parameter durchaus logisch fort. Das Geheimnis um die Seuche EMSAH hält dabei mühelos den Spannungsbogen der Geschichte aufrecht, bis hin zur ebenso simplen wie logischen Auflösung.
Die Frage um das Schicksal von Sheba, die fast Liebesgeschichte im Buch, liefert einen dramatischen Unterbau und hilft einem bei der Identifikation mit Mort(e) als Charakter.

 "Sebastian entschied Mort(e) genannt zu werden. Namen waren eine sehr wichtige Sache.
 ... Sebastians basierte auf einem Wort, das ihm mal in einer der alten Bibliotheken begegnet war und Tod bedeutete. Er war gestorben, hatte getötet und würde wieder töten. Also passte der Name. Dieser konnte aber auch der eines gewöhnlichen Typen namens Mort sein, der bedeutete, von Liebenden umgeben zu sein. Dieses Leben war noch da draußen, aber es musste warten, daher die Notwendigkeit, das E in Klammern zu setzen. Die Dinge könnten in die eine oder andere Richtung verlaufen. Sie verliefen immer in die eine oder andere Richtung."

 Das Buch wird gerne und oft als von Lobgesang auf Leibwitz inspiriert bezeichnet, worüber ich allerdings wenig sagen kann, da ich Lobgesang nie gelesen habe, und die Anlehnung an Orwells Farm der Tiere ist vom Autor offen zugestanden.
 Letztere zeigt sich zum einen in Mort(e)s Wahrnehmung der Tatsache das die Tiere sich nun, da sie Intelligenz besitzen, zunehmend wie die Menschen verhalten. Die Red Sphinx, eine Eliteeinheit gebildet von Katzen, denen sich Sebastian gezwungenermaßen anschließen muss auf seiner Suche nach Sheba, zeigt Argwohn gegenüber allen Nicht-Katzen, und in den Siedlungen welche am Ende des Krieges entstehen zeigt sich die selbe Neigung zu Vorurteilen gegenüber Vertretern anderer Rassen.
 Zum anderen zeigt sich die Anlehnung gegen Ende hin im offenen hat tip, wenn es gerade das Schwein Bonaparte* ist, als einziges „Beutetier“ eine Art Maskottchen der Red Sphinx die sich nach dem Krieg auch anderen Spezies öffnen, welches in einer praktischen Umkehrung der Schlüsselszene aus Farm der Tiere seinen Kameraden gegenüber Mort(e)s Beobachtungen laut Ausdruck verleiht.

 Persönlich neige ich dazu die Geschichte als ein Kind von Farm der Tiere und Formicula zu sehen, mit Phase IV als Pate. Überhaupt, wer ein Fan vor allem jener SF-Filmklassiker ist, kommt um Mort(e) kaum herum. Das Bild einer dem Untergang geweihten Menschheit im Kampf gegen hoch technisierte, panzergroße Ameisen lässt das Fanherz höher schlagen, auch wenn der eigentliche Krieg leider eher kurz abgehandelt wird.

Man muss es Robert Repino schon anrechnen, sprachlich arbeitet er ohne große Feinheit, aber er schafft es seiner Geschichte multiple philosophisch mahnende Anklänge zu verleihen, ohne sie je damit zu überladen – am Ende belibt Mort(e) ein großes Abenteuer, das ungeachtet gewisser Längen bis zum Schluß gut Unterhält.

 Wer übrigens den Endzeit Comic Solo von Oscar Martin kennt und mag, sollte Repinos Buch ebenfalls einen Blick gönnen. Die beiden Schlagen in eine sehr ähnliche Bresche, wobei sich Martin, ein Stück weit defätistischer und Blutiger, auf ein Mad Max Szenario baut.

Auch dem Luzifer Verlag gebürt an dieser Stelle Lob, mit Mort(e) hat der Verlag einen ungewöhnlichen, lesenswerten SF Roman dem deutschen Lesepublikum zugänglich gemacht und die Covergestaltung gefällt mir hier tatsächlich einen Tick besser noch als das US-Original.
Die Übersetzung weist zwar manche Schwächen auf, die aber dem Lesevergnügen keinen Abruch tun.

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

* Offensichtlich benannt nach Napoleon, dem Anführer der Tiere in Orwells Farm der Tiere.
Beziehungsweise, in der Logik des Buches, von Bonaparte hier nach ausgewählt.
 Spoiler
 Bonaparte ist der einzige überlebende aus seiner Farm, und hat die Graussamkeit des Überlebenskampfes und des "Recht des Stärkeren" am eigenen Leib erlebt, das er sich nach dem Schwein aus Orwells Buch benennt, ist eine treffende Darstellung seines Schuldkomplexes und wie er sich und diese Herrschaft der Tiere in dieser neuen Welt wahrnimmt.
 Spoiler

Freitag, 2. Juni 2017

Klare Sache das... (II)


 Das kommt ihm jetzt vieleicht persönlich vor, ist es aber nicht, ich arbeite mich nur gerade durch meine Romane aus dem Luzifer Verlag, und dabei stoße ich eben auf solcherlei Stilblüten.
Auch hier gilt: Übersetzung Andreas Schiffmann (aus Mort(e), von Robert Repino).
 "Stattdessen griff sein Herr mit erhobener Klinge an.
  Sebastian hielt den Atem an und fuhr am Lauf entlang, bis sein Finger den Abzug erreichte. Er feuerte. Der Schuss riss ein glänzendes Loch in seine Brust und stieß ihn unter sprühend rotem Nebel zu Boden. Das Messer wirbelte durch die Luft, bevor es klappernd auf der Küchentheke landete. Daniel bewegte seinen Mund im vergeblichen Versuch, zu sprechen."

 Also wie jetzt?
Sebastian drückt ab, bläst sich ein Loch in den Körper und Daniel stirbt daran... auch wenn der Absatz so aufgebaut ist, was der Übersetzer wirklich schreiben wollte, ist das Sebastian auf Daniel schießt und dieser mit einem Loch in der Brust zu Boden geht.
Genau so steht es im original Text:
 "He fired. The blast opened a glistening hole in the man's chest, dropping him to the floor beneath a spray of red mist."

 Dies ist zudem leider kein Einzelfall im Buch, in zumindest einem weiteren Absatz unterläuft dem Übersetzer noch so ein Schnitzer. Das verwundert, denn wenn man Repino's Werk im Original betrachtet, muss man feststellen dass der Autor sich kurzer Sätze in simpler Sprache bedient - Mort(e) war sein Debutroman - welche kaum Übersetzungshürden schaffen dürften.