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Freitag, 26. März 2021

tucking fypos

  Deutsche Übersetzungen sind bisweilen ja bekannt für besonders phantasievolle Titelneuschöpfungen, weshalb es vermutlich niemand so recht augefallen ist, das der in der Titelrückschau des 52sten Band der Heyne Bibliothek der Science Fiction Literatur genannte Titel für Brian W. Aldiss Roman Tod im Staub (Orig. Earthworks) irrtümlich zu einem Tod dem Staub wurde:

 


Montag, 4. Februar 2019

tucking fypos (NSFW edition)

Willkommen zu einer Not Safe For Work Ausgabe der tucking fypos.
Auf twitter macht gerade ein altes Photo / Meme die Runde, welches einen echten "Oy vey!" Scano zeigt aus dem Stephen King/Richard Bachman Roman The Long Walk (dt. Todesmarsch):


Eine mini Internetrecherche brachte leider keine Klärung von wann das oben gezeigte Photo tatsächlich stammt, oder wann diese eBook version auf den Markt kam. Zu dem Phänomen das OCR Software (Optical Character Recognition / Optische Zeichen Erkennung) das Wort "arms" nicht korrekt lesen konnte und in "anus" wandelte gibt es auch einen Beitrag auf The Guardian, welcher Bezug nimmt auf einen twitter Eintrag des Romance review blogs Smart Bitches, aus dem Jahr 2014.

 Die älteste Erwähnung dieses peinlichen Fehlers fand sich aber, bei meiner kurzen Suche, auf Amazon, in einem Kundenreview zum Roman Ascendant Sun der Autorin Catherine Asaro:


 Die Tatsache das meine eigene OCR Sofware, welche ebenfalls nicht die jüngste ist, dieses Problem nicht kennt, lässt mich allerdings stark vermuten dass das Problem hier eher auf schlechte Scanauflösung und/oder eine zu hohe Kontrastregelung zurückzuführen war.

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Zweifelhafte Moralität


 Es ist ein wenig erfreuliches Zitat auf das ich in Das Netz der Chozen gestoßen bin. Ohne sich selbst wohl des menschenfeindlichen Zynismus seiner Worte so recht bewusst zu sein, lässt Autor Jack L. Chalker seinen Helden hier folgendermaßen räsonieren:

 Es gab keine Romantik, keine Liebe, nicht einmal den Drang, eine Leere auszufüllen, nicht allein zu sein, der Menschen dazu trieb, eine Prostituierte zu benutzen. Nein, der ganze Prozeß war ohne jede Spur von Humanität, und das störte mich am meisten.


 Es wird hier davon gesprochen einen anderen Menschen nur zu benutzen und dies dann praktisch noch im selben Atemzug zum Wesenszug der Humanität erklärt... wenn das ein Merkmal von Menschlichkeit ist, möchte man nichts davon haben.


Nachtrag:
Es ist schon ironisch, an späterer Stelle lässt der Autor den Charakter sich in Gedanken gerade darüber beschweren, das für viele Menschen Liebe nur ein anderes Wort für Sex sei ... fast möchte man meinen dass er mit diesen gegensätzlichen Aussagen versucht uns die Wesenveränderung seines Charakters zu illustrieren, der sich von einem Einzelgänger zu einem Familienwesen verändert - ich fürchte nur, damit würde ich dem Autor mehr Weitsicht unterstellen als er tatsächlich hat.

Samstag, 9. September 2017

tucking fypos

 
  In Philip José Farmers Die Liebenden (Knaur, 1978) baute der Übersetzer eine in ihrem medizinischen Nutzen sehr fragwürdige Wortneuschöpfung (S. 139) ein, er wusste wohl nicht so recht was anzufangen mit dem englischen pad:

 Er zog die Nadel zurück, verrieb Alkohol über dem Einstich und legte ein kleines Müllpolster auf.

Sonntag, 3. September 2017

Blogparade: Außergewöhnliche Liebesromane


Blogparade ins Leben gerufen von: Sophia's Bookplanet
Stockphoto von Mirish auf Deviantart



Wie definiert man einen Liebesroman?
Anders als die Romance, welche in einem Happy Ever After (HEA) mindestens aber in einem Happy for now (HFN) enden muss, hat der Liebesroman keine festen Vorgaben dazu wo er enden muss. Ein Liebesroman ist im Kern ein jeder der Zentral um die (romantische) Beziehung mindestens zweier Personen angelt.

Wie definieren wir aber einen außergewöhnlichen Liebesroman?
Hierzu wird es sicherlich so viele Meinungen geben, wie es Leser gibt. Die im folgenden aufgelisteten Geschichten sind zum Teil eher frei den Liebesromanen zugeordnet, ich würde aber die darin beschriebenen Beziehungen alle als Außergewöhnlich einstufen.


 
  „Ich will hier raus“, hörte Hal Yarrow jemanden aus großer Entfernung murmeln. „Es muss doch einen Ausweg geben.“
Im Jahr 3050 haben sich nach einem verheerenden Weltkrieg die Machtverhältnisse in der Welt entscheidend verändert, Amerika ist nun Teil der Haijac-Union welche sich einer erzkonservativen Neo-Islamischen Religion verschrieben haben. Hier ist jeder Teil des Lebens streng reglementiert und überwacht. Doch aller Verheerung zum Trotz haben es die Menschen in nur wenigen hundert Jahren geschafft die Erde erneut zu Überbevölkern, und man sucht auf neue Welten auszuweichen.
 Für eine solche Mission wird der Linguist Hal Yarrow ausgewählt. Froh aus seiner lieblosen, arrangierten Ehe auszubrechen, und im Glauben der ständigen Überwachung entfliehen zu können nimmt er Teil an der vierzig Jahre Reise zum Planeten Ozagen um die Sprache der dort lebenden Bevölkerung zu Studieren – ehe diese von der Haijac-Union ausgelöscht werden um Platz für die Besiedlung zu schaffen. Doch auf Ozagen angekommen begegnet er Jeanette, einer menschenähnlichen Außerirdischen auf der Flucht, und begeht ein unvorstellbares Verbrechen an seiner Religion, er verliebt sich in sie.

 Lassen sie sich nicht vom Effekt heischenden Titelbild abschrecken, noch von dem was sie eventuell über Philip José Farmer als Autor oder zu seinen Geschichten gehört haben. Farmer war ein Vielschreiber mit qualitativ sehr unterschiedlichem Niveau, seine Geschichten reichen von Bemerkenswert bis „das muss er unter Drogeneinfluss geschrieben haben“.
 Die Liebenden ist ein frühes Werk des Autors, erstmals 1961 in Romanform erschienen, basiert es auf seiner 1951 erstveröffentlichten Kurzgeschichte. Obwohl scheinbar zeitweise in den Staaten verboten, wegen ’sexueller Freizügigkeit’, ist es ein sehr zurückhaltendes, durchaus reifes Werk ohne jene spekulativen Sexszenen für die Autor später weit bekannter werden sollte.
 Farmers Roman wird erst im letzten Drittel so richtig zur Liebesgeschichte, davor erwartet den Leser eine nicht unintelligente Satire auf Gläubigkeit und Puritanismus.

“Wenn männliche Autoren Liebesgeschichten schreiben, pflegt die Heldin am Ende den Tod zu finden.”
- Susan Elizabeth Phillips



  „Jeff Winston telefonierte gerade mit seiner Frau, als er starb.“
Mit dem Tod des Protagonisten eröffnet Ken Grimwoods Roman Replay – Das zweite Spiel. 
Er stirbt, und erwacht fünfundvierzig Jahre früher an seinem alten College wieder. Er erkennt dass er aus einem ihm unbekannten Grund eine zweite Chance erhalten hat. Sein Wissen um die Dinge die Geschehen werden, sollten es ihm erlauben nun Reich und Glücklich zu werden, die Fehler seines ersten Lebens zu vermeiden ... doch er muss erkennen das ein Mensch nur soviel Einfluss auf sein Leben hat, und dann stirbt er erneut, am selben Tag, zur selben Stunde wie zuvor, und erwacht wieder in der Vergangenheit.
Winston erkennt das er in einer sich langsam verkürzenden Zeitschleife gefangen ist aus der es kein Entkommen zu geben scheint.

 Ken Grimwood’s Roman blieb mir vorrangig als „Mid-life crisis“ Geschichte im Gedächtnis, und das ist nicht böse gemeint. Wer wissen will was Männer wirklich bewegt, bekommt von dem Buch einen realistischen Einblick in die männliche Psyche geboten. Es geht um den langsamen Reifeprozess des Hauptcharakters, der gezwungen sein Leben immer wieder auf das neue zu leben, sich auf die wesentlichen Dinge besinnen muss. Am Rande ist es dabei auch ein Plädoyer für die Liebe.
Dafür sich für die Liebe zu entscheiden, auch im Angesicht derer ultimativen Vergänglichkeit.
Warnung zur deutschen Ausgabe: Wenn sie sich nicht Spoilern lassen wollen, heben sie sich das Vorwort auf bis zum Ende. John Grant liefert eine einsichtige Analyse von Grimwoods Werk, aber man hätte sie dem Buch nicht voran stellen sollen.

“Ich vermute das meiste worauf wir hoffen können, und dies ist keine kleine Hoffnung, ist dass wir niemals aufgeben, dass wir niemals aufhören uns selbst Erlaubnis zu erteilen zu versuchen zu lieben und geliebt zu werden.”
- Elizabeth Strout


 
  „Am Anfang war der Tod, und auch am Ende fand er sich wieder ein.“
Ein tragischer Unfall zerstört jäh die vermeintliche Idylle im Leben der Graves. Tochter Grace wird bei einem Reitunfall schwer verwundet und verliert ein Bein, ihre beste Freundin kommt dabei um das Leben. Ihr Pferd Pilgrim bleibt Traumatisiert zurück und die Ärtzte drängen darauf das Pferd einzuschläfern. Die Sorge um ihr einziges Kind vertieft die Kluft zwischen Annie und ihrem Mann Robert bis es zur unvermeidlichen Trennung kommt. Für Grace geht der Verlust mit einem Verlust ihres Lebenswillens einher und Annie entschließt sich zu einer Verzweiflungstat um ihre Tochter nicht zu verlieren. Zusammen mit Grace fährt sie Pilgrim quer durch die Staaten, zu Tom Booker, einem Pferdeflüsterer, damit dieser dem Tier, und damit ihrer Tochter hilft.
Annie ahnt nicht welch weitreichenden Folgen diese Entscheidung für sie und ihre Familie haben wird...


 Nicholas Evans Buch hat mich nicht ganz so begeistern können wie die Verfilmung. Der Autor setzt zum Ende hin sehr auf Dramatik und den großen Effekt, und nimmt damit einer sonst recht gut erzählten Liebesgeschichte eine wenig das Außergewöhnliche – was in diesem Fall gerade das Gewöhnliche, die Nachvollziehbarkeit der einzelnen Charaktere ist.
Trotzdem, fand ich es sehr Lesenwert, eine lohnende Alternative zu Nicholas Sparks und weniger formelhaft im Aufbau.

“Es ist in Ordnung jemanden zu Lieben der dich nicht zurück liebt, so lange sie es wert sind dass du sie liebst. So lange sie es verdienen.”
- Cassandra Clare


 Es gäbe sicher noch ein paar Werke mehr die der Erwähnung wert wären, aber ich widerstehe der Versuchung auf Daniel Glattauers eMail-Roman Gut gegen Nordwind zu verweisen, oder Die Brücken am Fluss, von Robert James Waller einzubeziehen.*
Ersteres weil es, zu Recht, so oft genannt wird wenn die Rede auf lesenswerte Liebesromane kommt, und letzteres weil ich mich nur noch vage an das Buch erinnere und von daher nicht wirklich sagen kann wie viel vom Buch im wirklich großartigen Film erhalten ist.

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*  Naja, ich widerstehe fast.
** Die im Text verwendeten Zitate, sofern nicht aus den vorgestellten Büchern entnommen wurden, sind von mir frei übersetzte Originalzitate der genannten Autorinnen.

Sonntag, 18. Juni 2017

Dark Universe








Dark Universe, Daniel F. Galouye
(Mantikore, 2017)


Buchtext:
 Jared gehört zu den "Überlebenden". Vor Jahrhunderten löschte ein gewaltiger Krieg die menschliche Zivilisation aus und machte die Erde unbewohnbar. Die wenigen Überlebenden der Katastrophe konnten sich in ein unterirdisches Tunnelsystem retten. Seit Generationen leben sie im Untergrund - ohne Licht - in völliger Dunkelheit. Ihre Sinne haben sich perfekt an die ewige Nacht angepasst. Erinnerungen an die alte Welt, sogar an Licht, sind nicht mehr als Legenden – bewahrt in den Mythen der Überlebenden. Jared will den Geschichten auf den Grund gehen und wagt den riskanten Aufstieg...

 Dark Universe erschien erstmals 1962 zur Zeit des Kalten Krieges. Die post-apokalyptische Vision einer vom Atomkrieg zerstörten Zivilisation war für den Hugo Award nominiert. Ein Meisterwerk der Science-Fiction-Literatur.


 Daniel F. Galouye gehört zu den wichtigen SF Autoren seiner Zeit, trotzdem scheint es dass  abgesehen von seinem zweifach verfilmten Simulacron-3* seine Geschichten und Romane inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein scheinen. Galouye bewegte sich als Autor in einem ähnlichen Feld wie der weitaus bekanntere Autor Philip K. Dick, seine Geschichten tendieren gleichfalls in das Feld der Fantasy, ohne jedoch, im Gegensatz zudem wie Dick es gelegentlich tat, diesen Punkt wirklich zu überschreiten.
 Auch für Galouye ist die SF oft mehr Vehikel für philosophische Betrachtungen gewesen, welche wie in Dark Universe in unterhaltsam abenteuerliche Geschichten zu fassen wusste.

 In seinem Dark Universe steht die Warnung vor der Atomaren Bedrohung eher zweitrangig da. Vielmehr thematisiert der Autor im Gewand eines SF Abenteuerromans zeitbezogene Probleme wie Religion, Sektentum und Ausgrenzung. Ganz unmittelbar geht es dem Autor jedoch einfach um das Gedankenspiel einer Menschheit die in absoluter Dunkelheit überleben muss. Die Überlebenden, denen Hauptcharakter Jared angehört haben hierfür (durch Strahlungsmutation?) ein hochsensibles Gehör, ähnlich dem der Fledermäuse, entwickelt, welches sie ihre Umgebung mittels Echowahrnehmung erfassen lässt. Von dieser Prämisse ausgehend entwickelt der Autor seine Geschichte um eine Gesellschaft für die „Licht“ ein Mythos ist, ein Relikt vergangener Tage von dem sie nur Wissen das es einst um sie war.
 Galouye präsentiert uns eine gleichermaßen wahnwitzige, wie im Kontext überzeugende Religion die das Licht mit Gott gleichsetzt und welche in Furcht vor der Oberwelt und ihren Teufeln lebt, namentlich Kobalt, Strontium und Wasserstoff höchstpersönlich.

 Doch Jared ist ein Zweifler, er misstraut der Religion und möchte auf eigene Faust herausfinden was Licht ist. Diese Suche, wird behindert durch gräulichen „Subflatterer“, ins gigantische mutierte Fledermäuse, und die ständige bedrohung durch Überfälle der Zivver, einem abgelegen lebenden Menschenstamm, welche sich auf eine den Überlebenden unbekannte Weise zu orientieren vermögen ohne auf ihre Ohren angewiesen zu sein.
Die Suche führt Jared uns seinen Freund über die „Barriere“ welche den verbotenen Weg in die Oberwelt abgrenzt, eine Zone durchstreift von Monstern die lautlose Töne von sich geben und ihre Opfer betäuben um sie dann für ungewisse Zwecke zu Verschleppen.

 Bereits nach wenigen Seiten schafft es der Autor uns so komplett in seine Ideen zu involvieren das wir uns tatsächlich vorstellen können wie wir an der Seite Jareds durch eine ewige Dunkelheit jagen, sich vor uns eine Welt entfaltet die für uns nur noch aus Schalleindrücken besteht.

 Kritisieren lässt sich nur dass sich der Autor im Mittelteil in gefühlt unnötigen Passagen verliert, die zwar nicht weniger Spaß machen zu lesen, aber ultimativ die Geschichte nicht bereichern sondern eher dazu geneigt sind das sorgfältig aufgebaute Konstrukt der Glaubwürdigkeit zu Erschüttern, wenn zum Beispiel der Autor weitere Mutationen einfließen lässt, wohl nur um einem bereits gemachten Punkt Nachdruck zu verleihen.

 An der Übersetzung selbst fällt auf dass das Lektorat leider nicht so sorgfältig ausgefallen ist, wie es hatte sein können. Da der Mantikore Verlag aber als unabhängiger Kleinverlag sicher stärker auf seine Kostendeckung achten muss, und mit der Veröffentlichung eines nicht mehr so bekannten Autors hier sicherlich ein gewisses höheres Risiko eingeht, lässt sich dies meiner Meinung nach leicht nachsehen.


 Die Geschichte, soviel sei Verraten, endet eher antiklimatisch, es gibt keine wirklich überraschende Wendung zum Ende hin und mir stellte sich das Gefühl ein das der Autor hier besser beraten gewesen wäre hätte er das Ganze auf eine Kurzgeschichte oder Novelle Konzentriert. Trotzdem gilt als Fazit das Daniel F. Galouye zu den Autoren gehört die jeder ernsthafte SF-Fan gelesen haben sollte, insbesondere möchte man ihn dabei natürlich, siehe oben, den Philip K. Dick Fans nahelegen.

 Mein Dank an den Mantikore Verlag, dafür das sie diesen Klassiker der SF wieder einem deutschen Publikum verfügbar machen und für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

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* Als zweiteiliges Fernsehspiel Welt am Draht, von Reiner Werner Fassbinder in1973, und
  unter dem Titel The Thirteenth Floor, von Josef Rusnak (Produzent Roland Emmerich) in 1999.

Mittwoch, 7. Juni 2017

Mort(e)








Mort(e), Robert Repino
(Luzifer Verlag, 2016)


Kurzinhalt:
 Der »Krieg ohne Namen« hat begonnen, und sein Ziel besteht darin, die Menschheit auszurotten. Eingefädelt wurde er von der Kolonie, einer Rasse intelligenter Ameisen, die über Jahrtausende hinweg heimlich eine Armee aufgebaut haben, um die menschlichen Zerstörer und Unterdrücker für immer von der Erde zu tilgen.
Unter den wachsamen Augen der Kolonie soll eine Utopie frei vom Hang der Menschen zu Gewalt, Ausbeutung und religiösem Aberglauben entstehen. In einem letzten Schritt ihrer Kriegshandlungen verwandelt die Kolonie die Tierwelt auf der Erde in zu Höchstleistungen fähige Zweibeiner, die sich erheben und ihre Herren vernichten sollen.

 Mort(e), ein ehemaliger Hauskater, der zum Kriegshelden avancierte, ist berüchtigt dafür, die gefährlichsten Aufträge anzunehmen und gegen die gefürchtete menschliche Biowaffe EMSAH anzukämpfen. Was ihn jedoch tatsächlich zu derartigem Draufgängertum treibt, ist seine andauernde Suche nach jemandem, mit dem er vor der Verwandlung befreundet gewesen war: der Hündin Sheba.
 Als er die Nachricht erhält, dass Sheba noch am Leben sein soll, tritt er eine Reise an, die ihn von den verbliebenen menschlichen Festungen ins Herz der Kolonie führt, wo er von den Ursprüngen von EMSAH und dem endgültigen Los aller Lebewesen der Erde erfahren wird.


"Die Kreaturen draußen blickten von Schwein zu Mensch, und von Mensch zu Schwein, und zurück von Schwein zu Mensch; doch es war bereits unmöglich zu sagen wer welches war."
― George Orwell, Farm der Tiere

 Wir folgen im Buch Sebastians „erwachen“, seinem Vordringen in das Kriegsgebiet auf der Suche nach der verlorenen Sheba, seiner Gefangennahme durch und späteren Aufnahme in die Red Sphinx, erleben den Beginn vom Aufbau einer Zivilisation der Tiere, und das letzte Aufbäumen der Menschheit.

 Hierbei konstatiert der Kater wie der Aufstand gegen die Grausamkeit der Menschen, sich letzten Endes nur in Grausamkeiten gegen die Menschen ergeht. Wie bei Orwell lässt sich bald nicht mehr sagen wer nun wer ist, denn Tiere wären eben doch nicht die besseren Menschen, scheint einem das Fazit des Autors zu sein.

 Repino reflektiert über unseren Umgang mit der Natur, mit Haus- und Nutztieren und über den Sinn einer Revolution, wenn diese sich am Ende doch nur der selben Methoden bedient, gegen die man einst so stolz zu Felde zog.
So ganz nebenbei geht es noch um Sinnsuche und religiösen Extremismus.

 Mort(e) von Autor Robert Repino ist sprachlich wie stilistisch nicht ganz so ausgefeilt wie man sich dass, vor allem angesichts der philosophischen Ansätze, eventuell wünschen könnte. Der Autor schreibt in kurzen, einfachen Sätzen und wechselt kurze actionbetonte Passagen mit längeren Erzählenden, was die Geschichte, obwohl durchaus spannend zu lesen, mit einer gewissen Trägheit fortbewegt und ihr Potential nie ganz auszuschöpfen lässt.
Hier illustriert Repino den Wahrheitsgehalt der „show don’t tell“-Regel (in etwa: zeigen nicht sagen).

Aber als Fan apokalyptischer SF kann man mit der Geschichte seinen Spaß haben, so man bereit ist sich auf die Prämisse einzulassen ohne deren wissenschaftliche Basis großartig zu hinterfragen – in dieser Beziehung ist Mort(e) natürlich dass was Autor Norman Spinrad abfällig als reine Fantasy tituliert hätte.
 Repino entwickelt seine Story jedoch konsequent und innerhalb der gesetzten Parameter durchaus logisch fort. Das Geheimnis um die Seuche EMSAH hält dabei mühelos den Spannungsbogen der Geschichte aufrecht, bis hin zur ebenso simplen wie logischen Auflösung.
Die Frage um das Schicksal von Sheba, die fast Liebesgeschichte im Buch, liefert einen dramatischen Unterbau und hilft einem bei der Identifikation mit Mort(e) als Charakter.

 "Sebastian entschied Mort(e) genannt zu werden. Namen waren eine sehr wichtige Sache.
 ... Sebastians basierte auf einem Wort, das ihm mal in einer der alten Bibliotheken begegnet war und Tod bedeutete. Er war gestorben, hatte getötet und würde wieder töten. Also passte der Name. Dieser konnte aber auch der eines gewöhnlichen Typen namens Mort sein, der bedeutete, von Liebenden umgeben zu sein. Dieses Leben war noch da draußen, aber es musste warten, daher die Notwendigkeit, das E in Klammern zu setzen. Die Dinge könnten in die eine oder andere Richtung verlaufen. Sie verliefen immer in die eine oder andere Richtung."

 Das Buch wird gerne und oft als von Lobgesang auf Leibwitz inspiriert bezeichnet, worüber ich allerdings wenig sagen kann, da ich Lobgesang nie gelesen habe, und die Anlehnung an Orwells Farm der Tiere ist vom Autor offen zugestanden.
 Letztere zeigt sich zum einen in Mort(e)s Wahrnehmung der Tatsache das die Tiere sich nun, da sie Intelligenz besitzen, zunehmend wie die Menschen verhalten. Die Red Sphinx, eine Eliteeinheit gebildet von Katzen, denen sich Sebastian gezwungenermaßen anschließen muss auf seiner Suche nach Sheba, zeigt Argwohn gegenüber allen Nicht-Katzen, und in den Siedlungen welche am Ende des Krieges entstehen zeigt sich die selbe Neigung zu Vorurteilen gegenüber Vertretern anderer Rassen.
 Zum anderen zeigt sich die Anlehnung gegen Ende hin im offenen hat tip, wenn es gerade das Schwein Bonaparte* ist, als einziges „Beutetier“ eine Art Maskottchen der Red Sphinx die sich nach dem Krieg auch anderen Spezies öffnen, welches in einer praktischen Umkehrung der Schlüsselszene aus Farm der Tiere seinen Kameraden gegenüber Mort(e)s Beobachtungen laut Ausdruck verleiht.

 Persönlich neige ich dazu die Geschichte als ein Kind von Farm der Tiere und Formicula zu sehen, mit Phase IV als Pate. Überhaupt, wer ein Fan vor allem jener SF-Filmklassiker ist, kommt um Mort(e) kaum herum. Das Bild einer dem Untergang geweihten Menschheit im Kampf gegen hoch technisierte, panzergroße Ameisen lässt das Fanherz höher schlagen, auch wenn der eigentliche Krieg leider eher kurz abgehandelt wird.

Man muss es Robert Repino schon anrechnen, sprachlich arbeitet er ohne große Feinheit, aber er schafft es seiner Geschichte multiple philosophisch mahnende Anklänge zu verleihen, ohne sie je damit zu überladen – am Ende belibt Mort(e) ein großes Abenteuer, das ungeachtet gewisser Längen bis zum Schluß gut Unterhält.

 Wer übrigens den Endzeit Comic Solo von Oscar Martin kennt und mag, sollte Repinos Buch ebenfalls einen Blick gönnen. Die beiden Schlagen in eine sehr ähnliche Bresche, wobei sich Martin, ein Stück weit defätistischer und Blutiger, auf ein Mad Max Szenario baut.

Auch dem Luzifer Verlag gebürt an dieser Stelle Lob, mit Mort(e) hat der Verlag einen ungewöhnlichen, lesenswerten SF Roman dem deutschen Lesepublikum zugänglich gemacht und die Covergestaltung gefällt mir hier tatsächlich einen Tick besser noch als das US-Original.
Die Übersetzung weist zwar manche Schwächen auf, die aber dem Lesevergnügen keinen Abruch tun.

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* Offensichtlich benannt nach Napoleon, dem Anführer der Tiere in Orwells Farm der Tiere.
Beziehungsweise, in der Logik des Buches, von Bonaparte hier nach ausgewählt.
 Spoiler
 Bonaparte ist der einzige überlebende aus seiner Farm, und hat die Graussamkeit des Überlebenskampfes und des "Recht des Stärkeren" am eigenen Leib erlebt, das er sich nach dem Schwein aus Orwells Buch benennt, ist eine treffende Darstellung seines Schuldkomplexes und wie er sich und diese Herrschaft der Tiere in dieser neuen Welt wahrnimmt.
 Spoiler

Freitag, 2. Juni 2017

Klare Sache das... (II)


 Das kommt ihm jetzt vieleicht persönlich vor, ist es aber nicht, ich arbeite mich nur gerade durch meine Romane aus dem Luzifer Verlag, und dabei stoße ich eben auf solcherlei Stilblüten.
Auch hier gilt: Übersetzung Andreas Schiffmann (aus Mort(e), von Robert Repino).
 "Stattdessen griff sein Herr mit erhobener Klinge an.
  Sebastian hielt den Atem an und fuhr am Lauf entlang, bis sein Finger den Abzug erreichte. Er feuerte. Der Schuss riss ein glänzendes Loch in seine Brust und stieß ihn unter sprühend rotem Nebel zu Boden. Das Messer wirbelte durch die Luft, bevor es klappernd auf der Küchentheke landete. Daniel bewegte seinen Mund im vergeblichen Versuch, zu sprechen."

 Also wie jetzt?
Sebastian drückt ab, bläst sich ein Loch in den Körper und Daniel stirbt daran... auch wenn der Absatz so aufgebaut ist, was der Übersetzer wirklich schreiben wollte, ist das Sebastian auf Daniel schießt und dieser mit einem Loch in der Brust zu Boden geht.
Genau so steht es im original Text:
 "He fired. The blast opened a glistening hole in the man's chest, dropping him to the floor beneath a spray of red mist."

 Dies ist zudem leider kein Einzelfall im Buch, in zumindest einem weiteren Absatz unterläuft dem Übersetzer noch so ein Schnitzer. Das verwundert, denn wenn man Repino's Werk im Original betrachtet, muss man feststellen dass der Autor sich kurzer Sätze in simpler Sprache bedient - Mort(e) war sein Debutroman - welche kaum Übersetzungshürden schaffen dürften.

Samstag, 27. Mai 2017

Projekt Luna








 Projekt Luna, Algis Budrys
(1965, Heyne)


 In den frühen sechziger Jahren gelingt es den Amerikanern den Sieg im Raumfahrtwettlauf zu erringen, sie landen vor den Russen auf dem Mond. Dort findet sich ein geheimnisvolles, unerklärliches Labyrinth, offenbar das Artefakt einer außerirdischen Zivilisation. Es ist einem Menschen möglich in das Artefakt einzutreten, doch kann er es nicht auf demselben Weg verlassen – nur tote Materie kann in beide Richtungen bewegt werden. Im Inneren bedeutet jede falsche Bewegung den Tod, jeder Schritt, jedes Plus an Information wird mit einem Menschenleben bezahlt - bis man eine Lösung für das scheinbar unlösbare Problem gefunden glaubt.
 Eine Bahnbrechende Erfindung erlaubt es einen Menschen auf der Erde abzutasten und als Information auf den Mond zu senden um ihn dort wiederherzustellen, während er mit einer Kopie seines Körpers auf der Erde verbunden bleibt; doch die Todeserfahrung ist zuviel für den menschlichen Geist, die Testpersonen verlieren den Verstand beim Tod ihrer Kopie.
Darum beschließt man auf einen Todessehnsüchtigen zurückzugreifen...


 Budrys’ Roman habe ich vor rund dreißig Jahren mit Begeisterung verschlungen, die Geschichte wartet mit einem intelligenten Gedankenspiel auf welches SF und Horror nachhaltig beeinflusst haben. Die Idee eines hermetisch abgeriegelten Komplexes, eines mit Fallen gespickten, tödlichen Irrgarten durch den sich die Protagonisten einen Weg kämpfen müssen, ist inzwischen ein beliebter Genre Standard.
 Persönlich wage ich die Vermutung aufzustellen dass Projekt Luna auch den Autoren des Erfolgsfilms The Cube geläufig gewesen ist, und sie zu ihrer eigenen Version der Geschichte inspiriert haben dürfte.

 Leider beginnt und endet hiermit mein Lob für Budrys’ Erzählung auch schon.
Beim erneuten Lesen der Geschichte stehe ich etwas ratlos da, was die Faszination für mein jüngeres Selbst daran ausgemacht haben mag. Dabei ist es keineswegs die aus heutiger Sicht geradezu lächerlich wirkende Technik welche den Roman runiert, das Bild einer Maschine die einen Menschen für einen späteren Abruf  auf Magnetband speichert, muss selbstverständlich Antiquiert wirken.
 Es ist vielmehr dass Budrys zwar diese faszinierende Idee in den Raum wirft, sie für ein paar  Kapitel auch Atmosphärisch ausgestaltet, die Neugier des Lesers darauf weckt was da auf dem Mond steht, uns gerade genug Details über die Tode früherer Versuchspersonen gibt um uns ein angenehmes Gruseln zu bereiten... dann aber jegliches Interesse an einer Fortentwicklung seiner Geschichte verliert und sich nur noch im pseudo-psychologischen Schlagabtausch seiner Charaktere über den „Wert eines Mannes“ ergeht.
 Hundert Seiten Schwanzvergleich später kehrt der Autor zwar noch einmal zurück zu seinem Mondartefakt, aber es scheint ab da nur ein Nachgedanke.

 Der gesamte Inhalt, soweit er sich auf das tatsächliche SF Element bezieht wird vom Autor etwa ab der Hälfte des Romans in zwei Dialogblöcken eingebracht, welche eigentlich alles beleuchten was der Autor hierzu sagen wollte:
 »Hören Sie, Doktor«, sagte Barker und schlug mit der flachen Hand auf den Ordner, »wenn man diesen Berichten glauben will, kann eine bestimmte falsche Bewegung bedeuten, daß ich in meinem Anzug verblute, ohne nachher Anzeichen von Gewaltanwendung aufzuweisen. Mache ich dagegen eine andere, bin ich von der Hüfte ab gelähmt, so daß ich auf dem Bauch weiterkriechen muß. Aber das wiederum scheint dieses Ding zu reizen, denn es zerquetscht mir plötzlich den Schädel, als sei er eine überreife Tomate. Und so geht es fröhlich weiter …
   Wenn ich nicht wie ein Seiltänzer auf jeden Schritt achte und gleichzeitig im richtigen Augenblick am richtigen Ort bin, erreiche ich nicht einmal die Grenze des bisher erforschten Gebiets. Mit anderen Worten — ich habe nicht die geringste Aussicht, dieses Gebilde lebend zu verlassen.«
   Hawks nickte. »Selbst wenn Sie gar nichts tun, sind Sie nach zweihundertzweiunddreißig Sekunden ein toter Mann«, stimmte er dann zu. »Selbst wenn Sie sich nicht von der Stelle rühren, läßt das Gebilde Sie nur so lange am Leben wie Ihren Vorgänger. Diese Zeitspanne wird größer, je weiter Sie vordringen. Wir wissen allerdings nicht, warum es sich durch menschliche Anstrengungen dazu bewegen läßt. Es ist sogar wahrscheinlich, daß das nur eine Zufallserscheinung seines eigentlichen Zweckes ist — wenn es überhaupt einen hat.
   Vielleicht ist es das außerirdische Gegenstück zu einer weggeworfenen Konservendose. Weiß ein Käfer, daß er nur von einer Seite in ihr Inneres gelangen kann, wenn er sie vor sich liegen sieht? Begreift der Käfer, warum es schwieriger ist, an den Wänden entlangzukriechen, anstatt einer geraden Linie zu folgen? Kann man den Käfer als dumm bezeichnen, wenn er annimmt, daß die Menschen die Dose absichtlich an diese Stelle gelegt haben, um ihn zu quälen? Oder kann man sein Verhalten egozentrisch nennen, wenn er sich einbildet, die Dose erfülle nur den Zweck, ihm ein Rätsel aufzugeben?
   Für den Käfer wäre es am besten, wenn er die Dose, so gut er eben kann, auf die für sie geltenden Gesetzmäßigkeiten untersuchen würde. Diese Methode setzt natürlich einige Intelligenz voraus. Aber dafür besteht die Möglichkeit, daß der Käfer nach einiger Zeit sogar herausbekommt, wer die Dose weggeworfen haben könnte.«
 Budrys nimmt hier eine in der SF wiederkehre Frage ins Visier. Wenn wir mit einem uns unbekannten Objekt konfrontiert werden, welches sich unseren Erfahrung komplett entzieht, könnten wir verstehen welchem Zweck es dient?
 Beim wieder lesen der Geschichte drängt sich einem natürlich sofort der Vergleich zum oben erwähnten Film The Cube auf, der das Thema zentraler stellt und sehr viel besser Handhabt, oder zu King’s Auflösung seines Romans Arena.
 Wie gesagt, leider ist dies, bis kurz vor Ende, alles was wir tatsächlich über das Artefakt zu hören bekommen, und auch wenn dieser Abschnitt alles enthält was wir darüber wissen müssen, Enttäuscht es einen als Leser. Bei GoodReads bin ich allerdings auf den Hinweis gestoßen das Budrys Geschichte ursprünglich wohl nur eine Kurzgeschichte war, welche später erst auf Roman Länge erweitert wurde.
Was jedoch der Autor hierfür als Füllstoff in die Geschichte wirft, dass Ärgert nur:
 »Frauen …«, sagte Hawks ernsthaft, »Frauen waren mir immer ein Rätsel. Ich brauchte nicht sehr lange, um herauszubekommen, daß das Leben nicht so ist, wie es in gewissen Büchern dargestellt wird. Nein, da gab es noch etwas anderes — was, weiß ich heute noch nicht, aber jedenfalls hängt es mit Frauen zusammen. Damit meine ich allerdings nicht die rein physische Seite des Problems, sondern eine speziell weibliche Eigenart, die ich nie begreifen konnte.
   Ich konnte nicht begreifen, welchen Zweck diese vernunftbegabten Wesen erfüllten, die neben den Männern existierten. Wenn Frauen nur dazu da waren, um die Fortpflanzung der menschlichen Rasse sicherzustellen, wozu brauchten sie dann Intellekt? Dazu genügen schließlich Instinkte. Dabei besaßen sie diese Instinkte, wozu also die Intelligenz? Ich habe dieses Problem nicht lösen können. Es ist mir immer noch ein Rätsel.«
 Das einzig nennenswerte dass mir zu dieser und ähnlichen Passagen einfällt, ist wie erschreckend sie etwas ähnelt das eine andere Leserin zu Larry Nivens Known Space Universum angemerkt hat, dass er der einzige SF Autor ist, in dessen Werk es gleich drei außerirdische Rassen gibt bei denen die Weibchen über keinerlei Intelligenz verfügen.
In unserem Zeitalter, wäre Hawks, wie auch Nivens Aliens, ein Talibanfreund geworden.


 Ein weiterer, kleiner Kritikpunkt am Ganzen ist eine recht missverständliche Passage im Buch:
 »Salve Caesar, morituri te salutant«, sagte er, als er durch das Tor ging. »Wir erhöhen Ihren Ruhm durch unseren Tod.«
   Hawks runzelte die Stirn. »Ich habe in der Schule auch Latein gehabt«, sagte er. »Stecken Sie sich Ihr Abzeichen an und kommen Sie mit.«
 Für jemanden der mit dem lateinischen Ausspruch „Ave Caesar, die dem Tod geweihten grüßen dich“ nicht vertraut ist, stellt sich Barkers Zusatz wie eine Übersetzung dar, und es bleibt unklar ob Budrys dies mit Absicht tat oder sich selbst der genauen Bedeutung unklar war. Ein Blick in den Originaltext zeigt zumindest dass der Übersetzer den Austausch aus Budrys’ Version korrekt im Deutschen wiedergibt.

Dienstag, 5. Juli 2016

tucking fypos



 In der ebook Anthologie Starbound, geht Autorin Phaedra M. Weldon ein S verloren in ihrer Kurzgeschichte Blue Light (ca. S. 179), wodurch die "nahste" zum "Wandschrank" mutiert; zumindest bleibt sie praktisch:

 "The closet one was a woman there. I didn't know her name."

Samstag, 18. Juni 2016

Weltraum-Expedition der "Space Beagle"








Weltraum-Expedition der "Space Beagle", A. E. van Vogt
(Heyne, 1953)


Kurzinhalt:
Auf ihrer Fünf-Jahres Forschungsmission in fremden Galaxien begegnet die »Space Beagle« mit ihrer tausend Mann starken Besatzung fremden Lebensformen welche Alpträumen entsprungen sein könnten.
Ein Hochintelligentes Katzenartiges Wesen treibt an Bord gebracht ein tödliches Katz und  Maus Spiel mit ihnen, ein Wesen für welches feste Materie kein Hindernis darstellt, und welches nach Art der Schlupfwespen seine Eier in der Leibeshöhle von Menschen ablegt, welche bei lebendigem Leib aufgefressen werden und qualvoll zugrunde gehen, lockt sie in eine verhängnisvolle Falle, Telepathisch begabte Vogelwesen drohen sie in den Wahnsinn zu treiben und sie müssen sich einer Entität erwehren, das nur aus kosmischem Staub besteht und dennoch zur Gefahr für die ganze bekannte Galaxis werden könnte.

Wieder und wieder wird für die Männer der Besatzung die Begegnung mit dem Unbekannten zum Kampf ums überleben, und wenn ihre wissenschaftlichen Anführer an ihre Grenzen Stoßen kann nur noch der an Bord befindliche Nexialist sie vor dem sicheren Ende bewahren.


 Weltraum Expedition der "Space Beagle" (auch unter dem weniger redundanten Titel Expedition der "Space Beagle" erschienen) ist eine Sammlung von vier lose aufeinander aufbauenden Geschichten des Golden Age Autors A. E. van Vogt.
Die Geschichten erschienen wurden ursprünglich separat veröffentlicht (vorwiegend in Astounding) zwischen 1939 und 1950.

 
 Zweifelsfrei gehören die Geschichten zum besseren das Vogt geschrieben hat, oder sie sind einfach nur besser Übersetzt (von Jesco von Puttkamer). Der Schreibstil ist sehr flüssig, eingängig und kommt ohne größere Längen daher. Von Segment zu Segment gibt es jedoch Wiederholungen, welche klar auf den Ursprung als ehemalige Kurzgeschichten verweisen, für die es Notwendig war für eventuelle Erstleser Ereignisse aus den vorgehenden Episoden zu rekapitulieren um so zumindest einen Teil der Gedankensprünge des Nexialisten als Logisch erscheinen zu lassen.

 Die Struktur der Geschichten ist hierbei immer gleichartig aufgebaut, die Besatzung begegnet einer zumeist in der Evolution höher stehenden Rasse welche sich als Feindselig gegenüber den Menschen erweist, beziehungsweise kaum der Existenz der Erde bewusst geworden den Beschluss fasst diese zu Erobern.
Die Besatzung wird daraufhin in ihrem Schiff in einen Kampf auf Leben Tod verwickelt welcher nur durch das Eingreifen des Nexialisten und mittels der überlegenen Technik der Menschen zum guten gewandt werden kann. Amüsanter Weise erstreckt sich dieser technische Vorsprung aber nicht auf die Schiffskommunikation, welche in einer der Geschichten noch aus einem Rohrpostsystem besteht.

 Als loser roter Faden spinnt sich durch die Geschichten ein letztlich in offenem Kampf ausartendes Duell des Chef Chemikers, welcher die Führung des Schiffes für sich beansprucht, gegen den Nexialisten in dem er eine direkte Bedrohung seiner Stellung sieht.

 Über gewisse Gegebenheiten darf man sich, wie in der Space Opera üblich, nicht zuviel Gedanken machen, auch wenn dies schwer Fällt wenn zum Beispiel der Autor einem erklärt das die Space Beagle sich mit einer physikalischen Geschwindigkeit durch den Raum bewegt die es ihr erlaubt eine Distanz von einem Lichtjahr(!) in nur fünf Stunden zurückzulegen.

 Am Rande Notiert:
Es scheint das die deutsche Übersetzung seinerzeit Zensiert wurde, denn in den englischen Besprechung des Romans findet sich der eindeutige Hinweis darauf das die Crew Chemisch Kastriert ist, dieses Detail wird dem deutschen Leser jedoch unterschlagen.


 Eine kurze Notiz zur aktuelleren Historie des Romans:
Eine geschickte Klage gegen die Fox Studios nach Veröffentlichung des Films Alien* hat der Sammlung Anfang der achtziger Jahre zu erneuter Bekanntheit verholfen - warum Vogt nicht der offensichtlicheren Parallelen wegen eine Klage gegen Gene Roddenberry, dessen Serie Star Trek (dt.: Raumschiff Enterprise) ganz offensichtlich von diesen Geschichten inspiriert wurde, angestrengt hat, wird dessen Geheimnis bleiben.

 Die Klage scheint sich hierbei auf die Kurzgeschichte Discord in Scarlet (dt.: Ungeheuer an Bord) zu Stützen, wobei auch Elemente aus der ersten enthaltenen Kurzgeschichte Black Destroyer passen:

** Achtung Spoiler **

 Die "Space Beagle" wird von einem höher Entwickelten Alien welches mitten im Raum gestrandet ist dahingehend manipuliert dass das Schiff in relativer Nähe zu ihm zum Stehen kommt.
Obwohl der Nexialist an Bord (Vogts Erfindung, ein Wissenschaftsgenie welches sich übergreifend mit allen Disziplinen der Wissenschaft befasst) Schlussfolgert das es sich aufgrund der astronomischen Unwahrscheinlichkeit hierbei um keinen Zufall handeln kann, wird entgegen aller Warnung ein Versuch unternommen das Wesen einzufangen und an Bord zu bringen, als dies Misslingt sieht sich die Besatzung in einen Überlebenskampfverwickelt mit einem hochintelligenten Wesen welches durch Wände gehen kann und Männer der Mannschaft entführt um sie zur Eiablage zu verwenden. Mit dem Ziel mit seiner Nachkommenschaft das Schiff zu übernehmen und dann zur Erde zu Fliegen.
Das Wesen erweist sich im Kampf als praktisch unbesiegbar für die Besatzung aber es gelingt ihnen es zu Überlisten und zurück in Weltraum zu locken wo sie es zurücklassen.

 Im Film Alien befindet sich das Bergbauschiff "Nostromo" auf dem Rückflug zur Erde als der Computer die Mannschaft aus ihrem Kühlschlaf weckt, da ein Notrufsignal unbekannter Herkunft aufgefangen wurde. Die Besatzung landet auf einem unwirtlichen Planeten und stößt auf ein gestrandetes außerirdisches Raumschiff. Bei der Erkundung des Raumschiffs wird ein Mitglied aus der Besatzung von einem Fremdwesen angegriffen, welches sich an seinem Gesicht festklammert. Entgegen der Quarantäne Vorschriften werden Alien und Besatzungsmitglied an Bord genommen. Das Angegriffene Besatzungsmitglied wurde jedoch von dem Alien als Wirtskörper benutzt aus dem schon bald seine sich schnell entwickelnde Brut hervorbricht.
Im Folgenden Überlebenskampf der Mannschaft erweist sich das Alien als mit ihren Mitteln praktisch unbesiegbar und man beschließt das Schiff aufzugeben. Am Ende gelingt es der einzigen Überlebenden das Wesen ins All zu Befördern und in der Antriebsdüse zu verbrennen.

** Ende Spoiler Zone **


 Tatsächlich, gibt es unwiderlegbare parallelen zwischen van Vogts Kurzgeschichte und O'Bannons Drehbuch. Das Drehbuchautor O'Bannon van Vogts Geschichte kannte lässt sich nicht ausschließen, doch Vogts Geschichte scheint selbst nur wie eine Variation der Idee eines anderen, zeigt Vogts Alien, welches seinen und den Körper seiner Opfer auf atomarer Ebene kontrollieren kann, doch eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Fremdwesen welchem wir in John W. Campbells im Jahr zuvor erschienen Geschichte Who goes there (erschien 1938 ebenfalls in Campbells eigenem Magazin Astounding - dt. Fassung bei Heyne - diente als Vorlage für Das Ding von Universal Movies in 1951 und 1982) begegnen. Einem Formwandler der nach und nach die Körper der Besatzung einer Arktischen Forschungsstation übernimmt, mit dem Ziel die nächstgelegene Zivilisation zu erreichen und sich von dort aus auf die ganze Welt auszubreiten. Campbells Kurzgeschichte steht dabei nicht ohne Kritik da, weder handwerklich noch inhaltlich. Campbell, der aus seienr politischen Gesinnung kein Geheimnis machte, wirft man offenen Fremdenhass vor, und sieht in der Geschichte klare anti-kommunistische Züge. Doch auch in Vogts Geschichten fällt auf das alle Begegnungen zwangsläufig Feindselig verlaufen, es gilt das Prinzip des Überleben des Stärkeren**, wer Schwäche zeigt, wird ausgelöscht. Und ständig Kämpft die Crew, untereinander entzweit, gegen die Gefahr einer außerirdischen Unterwanderung und/oder Gedankenkontrolle an - setz man die Geschichten in den Zeitlichen Kontext des zweiten Weltkriegs und der in der Literatur jener Tage zu findenden Angst vor einer deutschen (Gedanken-)Invasion, werden die Elemente zwischen Cambpells und van Vogts Geschichten austauschbar.

 Es ist wie überall in der Kunst, es gilt auch hier das es nichts wirklich neues gibt. Und die Idee einer Besatzung welche sich auf begrenztem Raum gegen einen übermächtigen Gegner behaupten muss, bietet eben auch nur soviel Raum für Variation.
Da Fox es seinerzeit nicht auf eine Verhandlung ankommen ließ, sondern sich außergerichtlich mit dem Autor einigte, werden wie jedoch nie Erfahren wie die Gerichte den Sachverhalt wohl gesehen hätten.



* Alien, ist der englische Begriff für Fremd, Fremder.
Umgangssprachlich wird Alien wie im deutschen Titel auch für außerirdisches Wesen verwendet - eigentlich gilt hierfür aber der Begriff Extraterrestrial (E.T.).
Im spanischen wurde der Film passender zur Story mit "Der achte Passagier" betitelt.

** Darwins Survival of the fittest, gerne als Überleben des Stärkeren übersetzt, und im Roman auch praktisch Wörtlich so angewandt, meint eigentlich das Überleben des besser Angepassten. 

Sonntag, 22. Mai 2016

Starbound








Starbound, Anthologie
(Fireweed Publishing Lt, 2016)



Ich habe Starbound aufgegriffen als es auf Amazon gerade kostenlos angeboten wurde.
Zum einen weil es eine Kurzgeschichte von SM Reine enthält, zum anderen mag ich die Covergestaltung bei der ich jedesmal an "die Gefangene der Galaxis" denken muss (ich mochte den Film, irgendwie schade das aus dem angedachten Serien Neustart nie etwas geworden ist).

Vorab muss man gleich darauf hinweisen das Starbound weniger eine typische Kurzgeschichtensammlung ist, es handelt sich vielmehr um eine Sammlung von Geschichten welche diverse erhältliche oder kommende Serien bewerben und sich nur mehr oder minder selbstehend lesen lassen. Trotzdem ist es interessant die verschiedenen Spielarten der SF und die unterschiedlichen Schreibstile der Autorinnen (respektive Autor) zu betrachten.

Zu den einzelnen Geschichten:

Passage Out, Anthea Sharp:
 Straßenratte Diana Smythe hat vor langem ihre Hoffnung darauf aufgegeben, der Erde zu entkommen. Das heißt aber nicht dass sie nicht die Schiffe beobachten kann welche vom Raumhafen abheben, und träumen.

 Eine Steampunkgeschichte die für mich darunter litt das die Hauptcharaktere etwas besonderes ist, nicht nur verlorene Tochter eines einst reichen Hauses, sondern auch noch eine außergewöhnlich begabte.


Blood Ties, Christine Pope:
 Auf der gesetzlosen Welt Iradia entdecken Miala Fels und ihr Hacker-Vater das den falschen Auftrag anzunehmen ungeahnte Folgen haben kann.

 Eine Noir/SF-Geschichte, persönlich störte mich wie die Autorin hier mit sexualisierter Gewalt als typischem Klischee arbeitet.


Raising a Dragon, Sara Reine:
 Niemand ahnt dass Kriegsheldin Aja Skytoucher ein Alien aus dem Nest des Feindes gestohlen hat. Versteckt auf einem Farmplaneten mit ihrem Drachling findet sie heraus dass der schwerste Teil an Verrat nicht der Verrat selbst ist, sondern nachhause zurückzukehren.

 Eine Farmertochter die der Enge ihrer Welt entflohen ist in dem sie sich zum Militär gewandt hat, die Star Wars anleihen sind machtvoll in dieser Geschichte. Der Fantasy/SF-Mix funktioniert nur bedingt und man sollte sein Gehirn dabei ausschalten denn die Drachen folgen keinerlei erkennbarem Naturgesetz. Die Mutter/Tochterbeziehung jedoch welche eigentlich im Zentrum der Geschichte steht, lohnt sich durchaus.


Exile, Nathan Lowell:
 Als ihr Abschlussfest schief geht hat Natalya Regyri unerwartet eine Leiche an der Hand und findet sich auf der Flucht vor der mächtigsten Polizeiorganisation der Galaxis wieder.

 Exile ist mehr ein Teaser für die Serie zu der es gehört, denn eine selbststehende Geschichte. Es gibt eine Menge Andeutungen auf eine undurchsichtige Konspiration gegen die Heldin, eine überstürzte Flucht, und dann Ende - keinerlei Klärung und nur die notdürftigste Charaktereinführung.


Arcturus 5, Debra Dunbar:
 Xella kam mit ihrer jüngeren Schwester nach Arcturus 5 um einen simplen Handelsdisput zwischen den Mol und den Dark zu schlichten, doch nun ist es nicht sicher ob die beiden noch einmal Lebend davonkommen.

 Eine feine kleine SF Geschichte mit ungewöhnlichen Aliens, deren Rassemerkmale mir allerdings nicht ganz klar wurden, Verrat und überraschenden Allianzen. Die einzige größere Schwäche war für mich ein unpassender Romance Subplot, welcher die Geschichte hier nicht voranbringt aber vermutlich für die Serie zu der sie gehört von Bedeutung ist.


A Tale of two Ships, a KarmaCorp story, Audrey Faye:
 Zwei Schiffe krachen in einen unwichtigen Bergbau Astroiden. Das erste trägt ein neugeborenes mit sich, das zweite wird ihr Schicksal neu schreiben.

 Ein wenig mehr als ein Teaser aber wie Exile keine richtige Kurzgeschichte. Es liest sich wie eine Vignette, eine längere Charaktereinführung und ergibt wohl nur für jene richtigen Sinn, welche die KarmaCorp Serie bereits kennen.


Carl Sagan's Hunt for Intelligent Life in the Universe, C. Gockel:
 Manchmal befindet sich intelligentes Leben direkt vor deinen Schnurrhaaren.

 Gockels Geschichte ist sicherlich die Ambitionierteste der Sammlung. Sie erzählt von der komplizierten Beziehung eines marderähnlichen Wesens zu einem jungen Mädchen und deren Weg zur Verwirklichung ihrer Träume. Das offen gehaltene Ende lies mich etwas Verwirrt zurück doch die Geschichte, welche sich über fröhlich, zu bitter-süß, hin zu düster entwickelt   fand ich allemal lesenswert


Blue Light, Phaedra M. Weldon:
 Du solltest rennen... oder du wirst brennen.

 Mit dieser Geschichte konnte ich am wenigsten anfangen, zum Glück gehört sie zu den kürzeren Einträgen. Es geht um Klonagenten, und eine undurchsichtige Verschwörung die darauf abzielt sie alle zu Eliminieren.
Die Autorin verliert sich in zu vielen notwendigen Erklärungen so dass die Geschichte auf den wenigen Seiten nie in Gang kommen kann, und das Setup klang für mich wie von einer 80er Jahre TV-Serie kopiert (wobei letzteres ja nichts schlechtes sein muss).


Treason's Course, LJ Cohen:
 Als sie einem verdeckten Auftrag zugewiesen wird, muss eine Soldatin entscheiden ob es Verrat wäre ihre Befehle zu missachten oder diese zu befolgen.  

 Eine gelungene Militär SF Kurzgeschichte, obwohl schnell klar wird das die Heldin von ihrem Vorgesetzen verraten wurde, erschließt sich die Natur dieses Verrats erst zum Ende der im Wechsel mit Rückblicken erzählten Geschichte.


Silent Witness, Colleen Vanderlinden:
 Prinzessin Aria soll die nächste Herrscherin ihres Volkes werden, diese haben sich eingeschworen das Leben und Schicksal aller Wesen aufzuzeichnen. Doch als der Planet welcher sie seit ihrer Kindheit fasziniert bedroht wird ausgelöscht zu werden, muss sich Aria entscheiden ob sie ihre Plicht gegen ihr Volk erfüllt oder gegen deren Regeln in die Geschicke einer anderen Rasse eingreift und somit auch ihr eigenes Schicksal in die Hand nimmt.

 Obgleich Colleen Vanderlindens Beitrag nicht der herausragendste ist, diese Ehre teilen sich zweifelsfrei Treason's Course und Carl Sagan's Hunt, war es meine persönliche Lieblingsgeschichte. Geschrieben in einem sehr jugendlichen Ton richtet sich die Autorin wohl eher an die jüngeren und junggebliebenen Leser mit ihrer Marvel-Inspirierten Geschichte (wer denkt nicht sofort an Uatu und die Beobachter).
Vanderlinden zieht hier auf wenigen Seiten alle Register der Space Opera, eine Prinzessin auf der Flucht vor ihrem Erbe, eine zusammengewürfelte Gruppe von Abenteurern angeführt von einem charmanten Schurken, und eine Mission zur Rettung des Planeten.


The final Sunrise, Shawntelle Madison:
 Ein einsamer Vampir, ohne Erinnerung an ihre Vergangenheit, muss sich gegen Plünderer behaupten welche in ihr Schiff eingedrungen sind.

 Shawntelle Madison liefert die zweite Kurzgeschichte welche an keine Serie angebunden ist, Reines Space Dragons Geschichte ist die andere. The final Sunrise spielt mit dem Bild vom Vampir und dem Motiv des Raumfahrers unter Amnesie die eine Fremde im eigenen Schiff ist. Dabei liefert sie uns ein klassisches Katz und Mausspiel bei dem die Protagonisten eingeschlossen in einem Raumschiff um ihr Leben kämpfen.
Ein Wermutstropfen ist die nie ganz beleuchtete Hintergrundgeschichte der Weltall-Vampire welche der Erde entfliehen mussten um ihre fortschrittlichen Technologien zu schützen.

Montag, 21. März 2016

The Gracekeepers








The Gracekeepers, Kirsty Logan
(Vintage, 2016)


Dank einer Lovelybooks Leserunde durfte dieses mit Erin Morgensterns The Night Circus verglichene Buch bei mir einziehen.

Kurzinhalt:
 Callanishs Welt ist zweigeteilt.
Die Landbewohner halten fest an einem Leben auf den Inseln welche die stetig schwindende Landmasse der Erde ausmachen und da Land rar geworden ist verbringt der Rest der Menschen das Leben auf See. Die beiden Gesellschaften trennen sich strikt gegeneinander ab, die Landbewohner, Landlockers genannt, betrachten die Bewohner der See, Damplings, mit Argwohn und umgekehrt.

 Fasziniert beobachtet die kleine Callanish die Ankunft des Zirkusschiffes Excalibur. Sie überredet ihre Mutter sie zur abendlichen Vorstellung mitzunehmen, doch diese steht unter keinem guten Stern. Die Vorstellung endet in einem blutigen Desaster welches ein Kind zur Waise macht und das Schicksal des Zirkus nachhaltig beeinflussen wird.

 Jahre später bringt ein weiteres Unglück die inzwischen erwachsene Callanish wieder mit dem Zirkus zusammen. Diese Begegnung wird das Leben Callanishs sowie erneut das der Artisten in eine neue Bahn lenken. Vor allem für North, das Bären-Mädchen, wird diese Begegnung  schicksalshaft, zwischen ihr und Callanish entsteht eine ungeahnte Bindung.

 Getrennt durch zwei Welten, die der Landbewohner und die der Seebewohner, ist ihre Zukunft jedoch ungewiss, zumal der Ringmeister des Zirkus für Norths Zukunft bereits feste Pläne geschmiedet hat.


 Sehr positiv fällt einem sofort die Covergestaltung ins Auge, welche mehr Bedeutung gewinnt wenn man die Geschichte gelesen hat - nur so viel hierzu vorab, das Bild steht in fester Verbindung zu Callanishs Aufgabe als Gracekeeper, eine Art Seebestatter und Friedhofswärter. Man erkennt dieses Detail auf dem Foto nur unzureichend, aber die Käfige und Sterne sind in einer Farbe wiedergegeben die ganz passend je nach Lichteinfall von weiß bis fast anthrazitfarben wirkt.

 Logans Roman wurde als Fantasy angekündigt, persönlich würde ich eher zu einer Kategorisierung im Bereich Dystopie/Frauenroman tendieren. Der Weltenbau ist interessant, erinnerte mich atmosphärisch mit seinem sich zu einer Art Schiffskarawane zusammengeschlossenen, weltumfahrenden Zirkus welcher Insel für Insel anfährt um dort für eine Nacht zu gastieren, und den das Meer bevölkernden Schiffsgiganten des Militärs und der religiösen Revivalists zeitweise an Julie Bertagna's New Mundo.

 Die Geschichte selbst konnte mich im Prolog sehr fesseln, die kleine Callanish deren kaum zu zügelnde kindliche Energie sie mit großen Sprüngen nachhause jagen lässt, das ist ein Moment den man im Herzen behält, ebenso wie das tragische letzte Bild des Abends.
 And in the centre of it all she saw two figures: one draped in white, one furred black; both with eyes open moon-round and empty. A small girl and a small bear, hands and paws still linked.

 Danach fiel die Geschichte für mich dann leider schnell ab, obgleich Kirsty Logan es durchaus vermag faszinierende, sympathische und auch bedrohlich wirkende Charaktere zu entwerfen, scheint die Geschichte zunächst einfach nur dahin zu Treiben ohne rechtes Ziel im Auge. Zwar erfährt man nach und nach immer mehr über die einzelnen Personen und ihre Motive, der bedrohlich wirkende Red Gold, der Ringmeister, dessen Sohn Ainsel und Gattin Avalon, sowie North das Mädchen mit dem Bären sind dabei die wichtigsten Protagonisten, doch zeichnet sich trotzdem lange Zeit keine Richtung ab.

 Die Erzählung wechselt von Kapitel zu Kapitel zwischen einzelnen Blickwinkeln, Norths und Callanishs zum größten Teil, doch dazwischen auch die der restlichen Zirkuscrew. Dies ist Interessant da wir dadurch neue, zum Teil überraschende Einblicke in die Motive der einzelnen Charaktere gewinnen. Andererseits bremst die Autorin damit die Geschichte auch immer wieder aus, zudem verhalten sich die Hauptcharaktere zu lange zu schicksalsergeben passiv, so das die Geschichte bis in das letzte drittel hinein kaum wirklich vorankommt.

 Ein Teil dieser wechselnden Blickwinkel ist gefühlt schlicht unnötig, sie bringen die Geschichte nicht voran und auch sonst konnte ich zum Beispiel den Kapiteln der Clowns für mich nichts abgewinnen, so dass man diese meines Erachtens nach aus dem Buch hätte streichen können ohne dabei abgesehen von Seitenzahl etwas einzubüßen.

 Das Finale ist zwar wieder mitreißend Geschrieben, doch leidet dieses wie das ganze Buch darunter das die Autorin vieles im dunkeln lässt. Viele der entscheidenden Szenen finden im Aus statt, werden uns nur im Rückblick geschildert oder muss der Leser sich gar komplett selbst zusammenreimen. Auch der dramatische Höhepunkt der Geschichte kann nur bedingt überzeugen - zu schnell und einfach gehen die Charaktere darüber hinweg.

 'Thank you kindly, Ms Sand. I am Jarrow Stierling, the captain of the Excalibur.' He moved his arm as if to give the boat a pat, then seemed to think better of it. Callanish found that sensible; a good knock and the whole thing would probably fall apart.
 Auch sprachlich konnte Logan mich leider weniger überzeugen. Es gibt sie durchaus, die märchenhaften Momente, die Sätze von poetischer Schönheit, den Augenblick magischer Verbundenheit - doch kann Logan diese sprachlich weniger durchgängig umsetzen wie dies Erin Morgenstern vermag in ihrem oben genannten Werk. Auch Logan bewegt sich zwischen humorvoller Leichtigkeit und getragener Eleganz, aber wirkte dazwischen auf mich dann immer mal wieder unvermittelt flach und umgangssprachlich. Trotzdem muss man der Autorin einen eingängigen, fließenden Stil zugestehen. Gleichwohl nur wenige Charaktere wirkliche tiefe erlangen, Jarrow der Ringmeister sei hier positiv hervorgehoben, stellt sich früh ein Gefühl der familiarität ein welches einem das Lesen leicht macht auch dann wenn die Geschichte auf der Stelle zu Treten scheint.
Andere Leserunden Teilnehmer zogen den Vergleich zu einer TV-Soap - eine nicht unpassende Analogie.

 Es hätte der Geschichte gut getan hätte die Autorin sich auf weniger Charaktere konzentriert und schon früher auf ihre Haupthemen zugearbeitet, so kann die Geschichte um Callanish und North nicht wirklich überzeugen und der Handlungsfaden um Callanish und ihre Mutter bleibt bis zum Ende verworren. Zudem wäre meine ganz persönliche Einschätzung positiver ausgefallen wenn die Autorin auf einen Teil der Geschichte verzichtet hätte welcher sich zum Ende nicht nur als unnötig sondern extrem ärgerlich erweist, dazu mehr im Spoilerfeld.

 Stilistisch wie Inhaltlich scheint es mir das Kirsty Logan die Fans von Emily St. John Mandel mehr erfassen wird. Aber eine Empfehlung aussprechen könnte ich nicht, auch dies jedoch aus ganz persönlichen Gründen.


***Spoiler***

  Der Geschichte beigefügt ist ein Subplot welcher mich während und nach dem Lesen maßlos ärgerte.
Im Roman fürchtet Callanish ausgestoßen zu werden oder schlimmeres sollten die Landbewohner erfahren dass sie Schwimmhäute hat. Dies geht zurück auf einen Abend an dem ihre Mutter, als sie besinnungslos am Strand lag von einem geheimnisvollen Meereswesen geschwängert wurde. Auch North ist schwanger, und auch ihr Kind wurde gezeugt als sie im Alkoholrausch besinnungslos am Strand lag. Mit anderen Worten, beide Frauen werden Vergewaltigt.
Doch die Autorin geht nie näher auf diese Tatsache ein, nennt sie weder beim Namen, noch beschäftigt sie auch nur für einen Moment was dies für die beiden Frauen bedeutet.

Zwar kommt es am Ende zur Erkenntnis das man nur eine Wahl treffen kann, wenn man eine Alternative hat, aber diese Erkenntnis auch auf die Schwangerschaft der beiden Frauen anzuwenden kommt der Autorin nicht in den Sinn - keiner der beiden stand die Wahl für oder gegen ein Kind offen, die Entscheidung wurde ihnen einfach aufgezwungen, und am Ende klingt es noch so als sollten wir diese erzwungenen Schwangerschaften begrüßen.

***Spoiler***


Ich bedanke mich bei
LovelyBooks
Vintage
sowie meinen MitleserInnen

Sonntag, 6. März 2016

Silo








Silo, Hugh Howey
(Piper, 2013)



Kurzinhalt:
 Eine unbekannte Katastrophe zwang die Menschheit in den Untergrund. Die Bewohner des Silos, eines gigantischen, sich selbst erhaltenden unterirdischen Bunkerkomplexes sind die letzten Überlebenden. Die Außenwelt ist eine unwirtliche, menschfeindliche Umgebung - den Silo zu verlassen bedeutet den sicheren Tod.
Dies sind die Wahrheiten wie Sheriff Holsten sie seit frühester Jugend kennt. Doch keiner der seit Generationen im Bunker lebenden kennt die Außenwelt noch. Abgesehen von den Bildern einer braunen, leblosen Welt und verfallender Hochhauser am Horizont, die von Außenkameras aufgenommen auf große Bildschirme in der obersten Ebene projiziert werden, gibt es keinen Hinweis darauf was draußen los ist. Holsten beginnt das ehernste Gesetz des Silos zu brechen, er denk über die Außenwelt nach. Noch nie ist jemand der zur Reinigung der Kameralinsen verurteilt wurde zurückgekehrt, aber bedeutet dies Wirklich das die Oberfläche noch immer unbewohnbar ist? Können sie den von Computern erzeugten Bildern trauen oder werden die Bewohner des Silos nur geschickt Manipuliert? Doch wenn, dann zu welchem Ende?


Würden alle Pixel irgendwann absterben? Holston stellte sich einen Tag vor, an dem die Hälfte der Bildpunkte ganz weiß sein würde, dann, eine Generation später, würden nur einige wenige graue und braune Pixel übrig sein, dann nur noch ein knappes Dutzend, und die Welt würde in ein neues Stadium geraten, die Menschen im Silo würden denken, die Außenwelt stehe in Flammen, sie würden die einzigen wahren Pixel für kaputte Pixel halten.
Oder taten Holston und die anderen das jetzt schon?

 Der im Original Wool Omnibus genannte Geschichtenzyklus wurde ursprünglich in Einzelsegmenten veröffentlich. Den Reigen eröffnet hat dabei die in sich geschlossene Kurzgeschichte um Sheriff Holsten der sich einer Verschwörung auf der Spur glaubt.
Die Eröffnung ist wendig, spannend und hält einen bis ihrem überraschenden Ende im Ungewissen darüber was Wahrheit ist und was Täuschung.
In dieser Geschichte legt der Autor alle wichtigen Grundlagen um das Silo und seine Geheimnisse, wir lernen wer die Guten, die Bösen und die Schmutzigen sind.

 Die folgenden Kapitel/Episoden führen eine neue Heldin in die Geschichte ein, Juliette, eine Mechanikerin welche auf der untersten Ebene ihren Dienst versieht. Juliette ist es gewohnt das Ölblutende, verrottende Herz der Anlage am schlagen zu halten. Ihre Zähigkeit und ihre Fähigkeit Zusammenhänge zu erkennen machen sie zur perfekten Kandidatin für die Nachfolge von Sheriff Holsten, doch den Mächtigen des Silo ist die neugierige junge Frau ein Dorn im Auge.
Zwar kommen die folgenden Kapitel weniger wendungsreich daher, es wird einem sehr schnell klar wohin die Geschichte für die Hauptcharaktere von hier an Steuert, doch trotzdem schafft es Hugh Howey seine Erzählungen spannend zu halten in dem er in jedem Kapitel immer wieder eine neue Facette um die wahre Natur des Silo einstreut.

 Silo, das ist empfehlenswerte Unterhaltung für Freunde der Endzeitliteratur gleichermaßen wie für Fans des Mystery-Serien Genre. Zu meist gebannt verfolgt man die Entwicklung der Geschichten welche kaum Leerlauf aufweisen. Nach und nach lüftet sich das Geheimnis um das Silo, doch hinter jeder Antwort stehen neue Fragen.
Fragen zum Silo und dem Ziel der geheimnisvollen Kontrolleure, Fragen welche der Autor zum Teil offen lässt und uns damit zum weiterlesen im nächsten Band auffordert auch wenn der Geschichtenbogen um Heldin Juliette zu einem größtenteils befriedigenden Ende gebracht wird.

 Einziger nennenswerter Wehrmutstropfen ist dass nach meinem Empfinden der Autor es sich mit seinem Ende etwas zu leicht macht und die Fragen welche uns auf der Zunge brennen eventuell erst in der dritten Omnibus Edition, Exit,  geklärt werden, denn Nummer zwei, Level, ist erst mal ein sogenanntes Prequel, welches zurückkehrt zu den Anfängen des Silos.

Mittwoch, 4. November 2015

tucking fypos

Wenn Prister (Ver-)bannen stellt das in diesem Fall wohl den klassischen Freudschen Vertipper dar:

Entdeckt auf BookBub, 01.09.'15

Sonntag, 4. Oktober 2015

tucking fypo

"Why can't you hear a pteranodon go to the bathroom? Because the P is silent!”
Ob der Witz auch mit der prähistorisch anmutenden Gattung funktioniert welche in Emily St. John Mandels Das Licht der letzten Tage (Piper, 2015) erwähnung findet (S. 280)?
 ... also versuchte er trotzdem alles zu erklären, jedes Mal, wenn ihn jemand nach einem der Objekte fragte, die er im Laufe der Jahre gesammelt hatte, am Flughafen und auch außerhalb des Geländes: die Laptops, die iPhones, das Radio, den elektrischen Toaster aus dem Aufenthaltsraum des Flughafenpersonals, das Mischpult und die Schallplatten, die irgendein ptimistischer Plünderer aus Severn City mitgebracht hatte - und natürlich den ganzen Zusammenhang, die präpandemische Welt, an die er sich so glasklar erinnerte.

Montag, 28. September 2015

Das Licht der letzten Tage








Das Licht der letzten Tage, Emily St. John Mandel
(Piper, 2015)



Kurzinhalt:
 Bei einer König Lear Aufführung erliegt der Schauspieler Arthur Leander einem Herzinfarkt.
Nur ein paar Wochen darauf teilen Milliarden anderer sein Schicksal, als eine bis dahin von den zuständigen Behörden heruntergespielte Krankheit sich zur rasant ausbreitenden, weltweiten Pandemie auswächst. Die nach dem Ort ihres ersten Auftretens benannte Georgische Grippe tötet ihre Opfer bereits binnen weniger Stunden nach Infektion und führt zum Ende der Welt wie wir sie kennen.

 Zwanzig Jahre danach durchquert die Schauspielerin Kirsten Raymonde mit einer gemischten Truppe aus Schauspielern und Musikern ein entvölkertes Amerika. Die reisende Symphonie, wie sie sich nennen, folgt dem Motto "Denn Überleben ist unzureichend" und müht sich mit Shakespeare Aufführungen und Konzerten ein Stück Zivilisation zu erhalten, in einer Welt in der Gewalt und der tägliche Kampf ums Überleben an der Tagesordnung stehen.
Auf ihrer Tour queren sie durch immer dieselben, sich ständig jedoch ständig wandelnden Orte, an einem von diesen ließen sie einst zwei ihrer Kameraden zurück, die schwangere Freundin Kirstens, Charlie, und deren Ehemann, Jeremy.
Bei ihrer Rückkehr, ist ein neuer Mann im Ort am Ruder, der sich selbst der Prophet nennt, und keiner kann oder will sich mehr an die beiden Mitglieder aus der Symphonie erinnern.



 Im folgenden erzählt die Autorin ihre Geschichte in sich abwechselnden Vor- und Rückblenden, getragen von unterschiedlichen Charakteren, wobei Arthur den Fokus der Vergangenheit bildet, über Jeevan Chaudhary, einen ehemaligen Papparazzo der versucht Arthur das Leben zu retten als dieser auf der Bühne zusammen bricht, erleben wir die Zeit während und kurz nach dem Zusammenbruch und Kirsten, welche als achtjährige mit Arthur Leander auf der Bühne stand als dessen letzter Vorhang fiel, bildet schließlich den fokalen Punkt des Danach.

 Man sieht schon, die ganze Geschichte dreht und angelt am Ende um die Gestalt des Arthur Leander. Diese Tatsache, dass das Davor zumindest gefühlt den größten Raum im Buch einnimmt, hat mir persönlich das Lesevergnügen leider eher vergällt. Natürlich habe ich mir dabei ein ganzes Stück weit selbst ein Bein gestellt, als ich auf das sehr atmosphärisch wirkende Cover und die brillante, spannungsweckende Leseprobe hin mich Mental auf einen Endzeitroman eingestellt hatte:
 In der Lobby sammelten sich die Leute an der Bar und stießen an. "Auf Arthur", sagten sie. Sie tranken noch eine Weile, dann gingen sie alle ihrer Wege, hinaus in den Sturm.
Von allen Personen, die in dieser Nacht in der Bar gewesen waren, war der Barkeeper derjenige, der noch am längsten leben sollte. Er starb drei Wochen später auf der Straße, über die er die Stadt verlassen wollte.
 Emily St. John Mandel ist aber beileibe keine Schlechte Autorin, sie Zeichnet ihre Figuren mit feinem Gespür für Zwischentöne und einer Sprachfertigkeit, welche einen auch über die langatmigeren Passagen hinweg am Lesen hält. Emily St. Johns literarisches Prä- wie Postapokalyptisches Amerika ist dabei allerdings ein Dorf, sie webt ein komplexes, nicht immer bedeutungsvolles Netz zwischen den einzelnen Handlungsträgern, die dadurch auf unterschiedlichste Weise über den toten Arthur, zwischen den einzelnen Erzählebenen miteinander Verbunden sind. Auch wenn einem die einzelnen Zeitebenen zunächst wie unabhängig nebeneinanderher laufende Geschichten scheinen.

 Aufgelockert wird der Text mit kurzen wie längeren Einschüben, die sich einem fiktionalen SF Comic Strip widmen, dem Titelgebenden Dr. Eleven: Das Licht der letzten Tage, einer unautorisierten Biographie Arthur Leanders, und solchen wie dem amüsant nachdenklichen Kapitel 6, mit dem der erste Teil des Buches abschließt:
Eine unvollständige Liste:
  Es war vorbei mit dem Eintauchen im Schwimmbecken mit Chlorwasser, das von unten grün beleuchtet wurde. Es war vorbei mit Ballspielen unter Flutlicht. Es war vorbei mit Zügen, die unter Städten verkehrten, betrieben mit dem Strom aus der Stromschiene. Es war vorbei mit Städten.
 ...
St. John Mandel schreibt, das muss man ihr anerkennen, sehr atmosphärisch.

 Persönlich denke ich, dass das Buch mit einer klareren Trennung der Zeitebenen für mich besser funktioniert hätte, da die Beziehung dieser Ebenen untereinander sich zum Ende als äußerst Trivial erweist und die Aufteilung der einzelnen Geschichten weder diesen noch dem Buch als Ganzes einen Mehrwert verleiht. Wobei es womöglich in der Absicht der Autorin liegt, das wir versuchen sollen bedeutungsvolleres zu sehen, in etwas dass am Ende sich nur als eine Abfolge von Zufälligkeiten erweist. Reflektiert doch so unsere Erwartung an die Erzählstruktur, die Empfänglichkeit der Überlebenden für übernatürliche und religiöse Erklärungsversuche.


Fazit:
 Erwartet habe ich beim Einstieg in das Buch einen Roman der sich mehr in der Tradition von Die Stadt, nicht lange danach, Pat Murphy, oder von Gabrielle Lords Salz, bewegt. Bekommen habe ich durchaus in Teilen eine realistisch anmutende Endzeitgeschichte im Spannungsfeld zwischen den vorgenannten, ohne Murphys New-Age Mystizismus und weniger martialisch als Gabrielle Lords Weltuntergangsvision, aber einfach zuwenig davon für meinen Geschmack. Viel mehr ist es so das St. John Mandel einen, beabsichtigt oder nicht, ironisch wirkenden Blick auf unser tägliches Streben nach einem Stück Unsterblichkeit, auf unsere Zivilisationsgläubigkeit wirft, und die Konstrukte an die wir uns dabei zu halten suchen als fragile Selbsttäuschungen entlarvt.
Und doch ist dem Ganzen gerade zum Ende hin eine zutiefst menschliche Botschaft unterlegt, eine Aufforderung unsere Bestrebungen, so schnell vergänglich ihr Wert auch sein mag, nicht aufzugeben, denn Überleben ist unzureichend.

 Nicht der Roman den ich mir Erwartet habe, und kein Werk das mich in erhoffter Weise unterhalten hätte, aber rückblickend ein verdienter Arthur C. Clarke Award Preisträger.



Zum Abschluss noch ein paar Worte einer aufmerksameren Leserin.
GoodReads Userin Paige war so freundlich mir zu erlauben eine Übersetzung ihrer Funde bezüglich Das Licht der letzten Tage für meinen blogeintrag zu verwenden.
Diese möchte ich an dieser Stelle wiedergeben weil sie meiner Meinung nach dem Roman eine weitere Ebene verleihen, welche mir selbst beim Lesen leider entgangen ist, die diesen aber bereichert:

* Achtung der folgende Text enthält Spoiler *

 Ich liebe es Hinweise auf Intertextualität in der Kunst zu finden, und ich habe das Gefühl das Das Licht der letzten Tage voll ist mit Anspielungen an andere Romane, Fernsehserien, Filme, usw.

Ein paar der offensichtlichen Beispiele sind die Zeile aus Star Trek, "Denn überleben ist unzureichend" welche die reisende Symphonie auf die Seite ihres Wagens gepinselt hat und auf Kirstens Arm eintätowiert ist. Ebenso die explizite Diskussion des Justin Cronin Romans Der Übergang, welcher einer der Charaktere gelesen hat. Beide werden von der Autorin in den Anmerkungen erwähnt.

Ein paar weitere die mir aufgefallen sind:

Arthurs Nachname ist Leander, welches der Name des männlichen Freiers aus dem Griechischen Mythos Hero und Leander ist. Hero, eine Priesterin der Aphrodite, lebt in einem Turm an der See; Leander, in Liebe mit ihr, schwimmt zu ihr in jeder Nacht. Hero entzündet jede Nacht ihre Lampe um ihn zu führen, doch ein Sturm löscht das Licht eines Nachts und Leander ertrinkt. Als sie am nächsten Morgen den Körper ihres toten Liebhabers erblickt, wirft sich Hero vom Turm und stürzt in den Tod. Shakespeare nahm Bezug auf diesen Mythos in mehreren seiner Stücke.

Dann ist da Miranda, Arthurs erste Frau, welche ihren Namen mit einer der Hauptcharaktere aus Shakespeares Der Sturm teilt: eine von drei Frauen welche im Stück erwähnt werden, eine von Arthurs drei Frauen in Das Licht der letzten Tage.
In beiden oberen Geschichten spielt die See eine tragende drohende Rolle, so wie Untersee in Mirandas Comic.

Mir viel außerdem eine Respektsbezeugung an Leonard Cohen auf, im Beginn zu einem der Briefe an V. Ich finde den Eintrag jetzt nicht (Erster Brief, S. 187 - Anm. d. Ü.) aber die Eröffnungszeile lautet "Liebe V. es ist kalt in Toronto, aber ich wohne gerne hier," welches, wenn man Toronto mit New York austauscht, eine Zeile aus Leonard Cohens bekanntem Famous Blue Raincoat ist. Dies könnte einfach eine spielerische Verneigung vor St. John Mandels Kanadischem Erbe sein, ihr erster Roman war in Montreal der Heimatstadt Cohens angesiedelt. 

Ein letztes noch, dies ist nicht so sehr intertextlich als ein interessantes Schmankerl:
Jeevan, ein populärer indianischer Name, übersetzt sich als "Lebensbringer"-ironisch, angesichts dessen dass er Arthur auf der Bühne nicht am Leben erhalten kann, aber treffend in dem, dass er zum Ende hin Verheiratet ist und Kinder hat in einer Stadt die einen Weg gefunden hat wieder Elektrizität zu erzeugen, zwanzig Jahre nach der Epidemie.

Wie auch immer, ich bin mir sicher da sind noch mehr Verweise welche mir nicht aufgefallen sind, oder die mir nicht hätten auffallen können, sollte es also weitere geben welche ihnen aufgefallen sind während des Lesens von Das Licht der letzten Tage, ich würde gerne davon hören.
Original Text.



Nach einigem überlegen habe ich beschloßen meinen Post um dieses Zitat von Andrew M. Butler, Repräsentant der Preisrichter für den Arthur C. Clarke Award, zu erweitern, da es meines Erachtens besser geeignet ist eine realistische Erwartung an das Buch zu wecken als das vom Verlag angefügte G.R.R. Martin Zitat:

 Während manche post-apokalypse Romane auf das Überleben der Menschheit fokussiert sind, fokussiert sich Das Licht der letzten Tage stattdessen auf das Überleben unserer Kultur, wobei der Roman zum Klageleid auf die hyperglobalisierte Gegenwart wird.
Original Text.



Die üblichen Verdächtigen (und eine unübliche):
 Dank and das Lovelybooks Team für die Leserunde.
 Dank an den Piper Verlag  für das Buch.
 Dank an Paige für die Erlaubnis eine Übersetzung ihres Textes zu verwenden.