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Mittwoch, 15. November 2017

Z Burbia








Z Burbia, Jake Bible
(Luzifer Verlag, 2015)


Kurzbeschreibung:
 Willkommen in Whispering Pines, einer geschlossenen Vorortgemeinde von Asheville, gelegen in den malerischen Blue Ridge Mountains. Hier ist der Ortsname Programm. Lärm gilt es um jeden Preis zu vermeiden, denn Lärm lockt die Z an.
 Nach der Zombie Apokalypse erweist sich die Lage Whispering Pines als Himmelsgeschenk, der Ort lies sich mit den Blue Ridge Mountains im Rücken leicht zu einer Festung ausbauen, welche sich gegen umherstreunende Zombies gleichermaßen effektiv Verteidigen lässt wie gegen umherstreunende Überlebende. Das nahegelegene Asheville bietet dazu genügen Ressourcen für Plünderungstouren und es lebt sich damit so Sorgenfrei wie es die draußen tobende Zombiehorde, ein drinnen tobender verrückter Geistlicher und eine diktatorisch veranlagte Hauseigentümerverwaltung eben zulassen.
 Das heißt bis Jace Stanford zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern von der HOA Vorsitzenden und Gemeinschaftsleiterin Brenda Kelly auf eine spezielle Mission ausgesandt wird, da die Stromversorgungskalkulation des Ortes fehlerhaft sei. Ein Vorwand, wie sich bald erweist, und ehe er es sich versieht ist Jace auf der Flucht, vor Zombies, verrückten Bikern, Kannibalen und einem ex-Banker ... mit der Ruhe in Whispering Pines ist es damit vorbei.



 Ich und der Luzifer Verlag, dass ist ja immer so eine hit or miss Angelegenheit. Oft tue ich mir schwer mit den Büchern aus ihrem Programm auch nur über das erste Kapitel hinauszukommen. Im größeren Teil bewegt man sich da doch in einem Genre Bereich der mir nichts (nichts mehr) gibt.
 Außer eben wenn es dann passt, denn dann passt es so richtig.

 Z Burbia von Jake Bible gehört zu den Geschichten bei denen es passt.
 Der Autor selbst schreibt in seinem Vorwort zum Roman das er sich hier von George A. Romeros Zombies und den damit eingehenden sozialkritischen Komponenten hat inspirieren lassen. Romeros Zombies, das ist neben Fulcis Zombies, etwas mit dem ich groß geworden bin. Aber Bibles Zombieapokalypse zeigt sich weit mehr inspiriert von Robert Kirkmans The Walking Dead oder der Legion von unabhängig produzierten Zombiefilmen bei denen fast immer die Action im Vordergrund steht. Bis hin zu einem sich in blutig überzogene Satire steigernden Finale das so ganz von Peter Jacksons Braindead inspiriert sein könnte.
 So gesehen ist Z Burbia eine art Rundgang durch die jüngere Geschichte des Zombiegenres.

 Z Burbia ist natürlich, genregemäß Blutig und Brutal, zartbesaiteten weniger nahezulegen wenn man Probleme mit dem Tod von Kindern hat. Jake Bible rutscht zwar nie in den Splatterroman ab, hat also den sogenannten Gorehounds wenig zu bieten, aber er versteht es das Kopfkino anzufeuern.

 Die Kurzbio des Autors erwähnt unter anderem auch dass er als Autor von Drehbüchern für unabhängige Produktionen fungiert. Die dürfte sich auch im Schreibstil von Z Burbia niedergeschlagen haben. Die Beschreibungen sind kurz gehalten, das Setting oft nur knapp umrissen, ein Keller, ein Verfallenes Haus, eine ausgestorben wirkende Stadt, eine Eingezäunte Farm – es gibt wenig Details, was den Roman stellenweise sehr Dialoglastig macht, die First Person Present Tense Narration tut da ihr übriges dazu. Doch dieser Stil passt zur Geschichte, Bible treibt nach ein paar eingehende Erklärungen zur Situation unserer Charaktere und zur Zombie Apokalypse die Action rasch voran, die Szenerie wechselt schnell, Z Burbia ist im Herzen schnell geschnittenes Action Kino, und wer das mag, der wird auch diese Geschichte mögen.

 Die sozialkritische Komponente ergeht sich Anfänglich zuvorderst im Satirisch bissigen Blick auf das Leben in Amerikanischen Vorstadtkommunen, und Kulminiert in einer, gerade im Zeitalter von Trumps Amerika ungemein passenden Rede Big Daddys, an den sich die Helden zur Rettung von Whispering Pines wenden:
 »Du siehst, Kumpel, eine Farm kann nicht immer exklusiv sein«, sagt Big Daddy. »Sie muss einladend sein. Einladend für die Sonne, den Regen, den Wind, den Tag, die Nacht. Sie muss für die richtige Art von Insekten einladend sein. Sie muss für die Menschen einladend sein, die hier arbeiten. Anderenfalls schrumpft sie und stirbt. Eine Farm ist ein lebendiges, atmendes Wesen. Sie kann nicht immer perfekt sein; es mag Raubtiere, Knollenfäule und Krankheiten geben. Dafür gibt es aber immer eine Lösung. Eine Einladende.«
 Obwohl bereits in 2013 verfasst, liest sich Z Burbia heute wie ein laufender Kommentar zu allem was gerade so schief läuft in der Amerikanischen Politik, denn anders als Trump nimmt sich Bible die Lehre aus Amerikas Geschichte zu Herzen; Isolationismus ist keine Lösung.


 An der Rolle des Erzählers für das Buch kann man zweifeln, er wird als Problemlöser bezeichnet, trägt aber im Grunde nie etwas zur Lösung bei, meist spielt er eher die Jungrau in Nöten, muss regelmäßig von Freunden und Verbündeten aus brenzligen Situationen gerettet werden. Mir machte ihn das durchaus sympathisch. Nicht die Tatsache das er keine wirklich Funktion in der Geschichte erfüllt, anders als eben als Erzähler zu fungieren, sondern das er Menschlich reagiert. Er zeigt Panik, verfällt in Schockstarre oder nässt sich ein wenn eine Horde Zombies über ihn herfällt, steht nahe daran unter dem Druck der ständigen Bedrohung zusammenzubrechen. Letzteres nutzt der Autor um dem Buch Humor zu verleihen wenn unser Held wann immer es Brenzlig wird in Gedanken abdriftet, den Kontakt mit der Wirklichkeit verlieren droht.
 Die wahren Helden im Buch, das sind immer die anderen, er selbst bleibt bis zum Schluss zumeist Spielball des Geschicks. Die Helden das sind selbstbewusste, erfahrene Männer und Frauen, hier scheidet sich Bible glücklicherweise von der klassischen Genrekonvention, und setzt auf eine ausgewogener, gleichberechtigte Rollenverteilung.
Die Apokalypse bietet keinen Platz für dümmlich restriktive Geschlechterrollen.

 Der heimlicher Star und Leserliebling ist natürlich, wie man im Luzifer Verlag treffend erkannt hat, Elsbeth, das Kannibalenmädchen. Eine an Summer Glaus Rolle aus Firefly erinnernde Figur, wie River ist sie eine eiskalte, soziopathisch veranlagte Mordmaschine und zugleich ein emotionales Kind. Zugegeben, eine Identifikationsfigur wie aus dem Baukasten, aber eine die man einfach ins Herz schließen muss.
 An dieser Stelle mein obligatorisches Lob an den Luzifer Verlag, auch wenn die übersetzten Werke nicht immer meinen persönlichen Geschmack treffen, man schafft es dort immer wieder mit Covers aufzuwarten welche die Originale bei weitem übertreffen.

 Zur Übersetzung, diese erfolgte hier durch Katrin Fahnert, welche sich sehr gut schlägt, nur in zwei Passagen scheint es mir das sie hier irrtümlich „No“ mit „Nein“ übersetzt hat, wenn es hätte „Kein“ heißen müssen:
Weil Bob und seine Familie fehlen, frage ich mich, ob es endlich jemand geschafft hat.
 »Nein, Bob«, sage ich und zucke mit den Achseln, »das ist seltsam.«
 Ohne den Originaltext vorliegen zu haben ist dies natürlich reine Vermutung, aber ein „No Bob / Kein Bob“ hätte an dieser Stelle mehr Sinn ergeben als eben ein „No, Bob / Nein, Bob“.
Dies wiederholt sich an späterer Stelle wenn, gefühlt die Phrase „No shit / Kein Scheiß“ mit „Nein, Scheiße“ übersetzt wurde:
»Gut«, nickt sie, »dann hat sie ihr Gehirn nicht dadurch geschädigt, dass sie Menschenfleisch gegessen hat. Sie ist wirklich zu jung. Aber heutzutage kann man nie wissen.«    
»Nein, Scheiße«, lache ich, und dann möchte ich weinen, weil sich dadurch meine Gesichtshaut spannt.


 Z Burbia ist ein in sich abgeschlossener Reihenauftakt, in den Staaten hat die Serie es soweit auf sieben Bände Gebracht.

Dienstag, 14. November 2017

tucking fypos


 Jake Bibles Z Burbia (Luzifer Verlag, 2015) sieht sich im Geist eines George A. Romero auch ein Stückweit als Sozialkritik, eine einfacher typo erklärt uns dabei derb pilosophisch was es braucht um uns zum Nachdenken anzuregen (ca. S. 152):
»So sehr ich deinen Freund hier nicht mag«, sagt Big Daddy und ignoriert den wütenden und schockierten Blick auf Landons Gesicht. »Ich muss zustimmen. Ihr müsst wieder zurück in euer Zuhause. Der Schlüssel, damit unsere Spezies überlegt, ist Vielfalt. Wenn wir uns alle zusammen versteckt halten, dann wird es ziemlich bald mehr Inzucht geben als bei einem Familientreffen in Tennessee.«

Samstag, 11. November 2017

31 Tage - 31 Bücher / Filme

Tag 21


Welches Buch hat dich am meisten bewegt?

Was fehlt, wenn ich verschwunden bin, von Lilly Lindner.

Ein Buch dessen Inhalt mich auch Jahre nach dem ich es gelesen habe nicht loslässt. Eine Geschichte die furchtbar Traurig und Lebensbejahend zugleich ist, getragen von einer geradezu poetischen Sprache.


 
Von welchem Film wurdest du zum ersten Mal so richtig gefesselt?

Puh, unmöglich zu sagen.
Die plastischsten Kindeheitserinnerungen habe ich an die alte Frankenstein Verfilmung mit Boris Karloff als Kreatur. Aber der erste Film der mich so richtig gefesselt hat, war vermutlich ein Disney Streifen oder eine Verfilmung von Mark Twains Tom Sawyer.

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Carmilla








Carmilla*, Joseph Sheridan LeFanu
(1872)


Inhalt:
 Die Erzählerin der Geschichte, Laura, lebt zusammen mit ihrem Vater in einem abgelegenen Schloss in der Steiermark. Ihr Vater, aus dem Dienst der österreichischen Armee entlassen, erwarb das Gemäuer günstig um sich hier niederzulassen anstatt in die Heimat zurückzukehren. Das Leben dort ist Einsam, einzige Abwechslung bieten gelegentliche Besucher. Einer dieser Besucher, General Spielsdorf, sagt aber zu Lauras großer Enttäuschung unmittelbar vor seiner erwarteten Ankunft seinen Besuch ab, der sich in Trauer befindet; seine Nichte welche in Lauras Alter war, verstarb unerwartet aus ungeklärten Gründen.
 Diese Botschaft hat ihr Vater Laura kaum eröffnet, da werden die beiden Zeugen eines Unfalls. Eine Kutsche geht kurz vor ihrem Anwesen durch, die Pferde scheuen nahe der zufahrt und stürzen die Kutsche mit Passagieren.
 Bei dem Unfall gibt es keine Verletzten, die Passagiere eine junge Frau und ihre Mutter, bleiben unversehrt. Die Mutter eröffnet Lauras Vater dass sie ihre Tochter, welche durch eine Krankheit bereits angeschlagen ist, aufgrund des Schocks nicht wird weiter Reisen können, sie selbst jedoch aufgrund dringender Angelegenheiten das Land für mehrer Monate verlassen muss, und tut ihre Absicht kund diese ihm nächst gelegenen Dorf unterzubringen. Lauras Vater, auf drängen der Tochter welche sich darauf eingerichtet hatte Zeit mit  General Spielsdorfs Nichte verbringen, erbittet indes von der Frau ihre Tochter der Pflege seiner Bediensteten und seiner eigenen Tochter zu überlassen.
 Die Frau stimmt dem zu, nimmt Lauras Vater jedoch zur Seite und gibt ihm zu verstehen das ihre Tochter, Carmilla, nicht über ihre Situation oder ihre Krankheit reden kann, und bittet ihn deswegen nicht in sie zu dringen. Als die Kutsche abfährt, nimmt Laura als einzige eine dunkelhäutige Frau als weitere, bisher verborgene, Passagierin wahr welche die Frauen abfällig lächelnd mit Zorn im Blick mustert.
 Als Carmilla in ihrem Zimmer erwacht und Laura sie das erste mal richtig zu Gesicht bekommt, kommt ihr die junge Frau vertraut vor und sie fühlt sich sofort zu hin hingezogen, zugleich schreckt die Art in der Carmilla ihr offensichtliche Avancen macht sie ab.
 Carmilla erweist sich als aufgeweckte junge Frau, die durch ihre Krankheit jedoch sehr schnell Erschöpft und nur zu kurzen Ausflügen fähig ist. Nach und nach fühlt sich Laura der geheimnisvollen Carmilla immer mehr verbunden, deren Krankheit ihr in Lauras Augen eine gewisse Romantik verleiht.
 Wenige Tage nach dem Carmilla im Schloß aufgenommen wurde, scheint es das die geheimnisvolle Krankheit welche bereits die Nichte ereilte nun auch die Gegend um das Schloss von Laura Vater erreicht hat, denn mehrere junge Frauen zeigen kurz vor ihrem Tod ähnlich mysteriöse Symptome. Auch Laura wird zunehmend schwächer, zugleich befallen sie des Nachts Alpträume in denen sie im Bett von einem katzenartigen Wesen angefallen und in die Brust gebissen wird, als sie schreiend erwacht glaubt sie eine Frauengestalt am Fuße ihres Bettes zu erkennen, welche erst still wie eine Statue dasteht und dann den Raum verlässt.
 Lauras Vater schickt nach einem Doktor doch Laura erfährt nicht welche Diagnose der Arzt gestellt hat, stattdessen möchte ihr Vater sie mitnehmen zu einem Ausflug zu den Ruinen des verlassenen Gut der Karnsteins, einer einstigen Adelsfamilie mit der Laura mütterlicherseits entfernt verwandt ist. Auf dem Weg treffen sie General Spielsdorf der sie über die wahren Umstände vom Tod seiner Nichte unterrichtet, und Laura erkennt in welcher Gefahr sie schwebt.


Achtung ab hier lauern Spoiler!

Tell me does she want you, infatuate and haunt you...

 Dass LeFanus betörende Carmilla schon vor Dracula (1897) ihr Unwesen trieb war mir bereits bekannt bevor ich die Geschichte aufgriff, neu war für mich allerdings dass LeFanu offenbar seinerseits Inspiriert war von dem als unvollendet geltenden Gedicht Christabel (1797) von Samuel Taylor Coleridge, (Coleridge dürfte am bekanntesten sein für sein The Rime of the Ancient Mariner, sowie das stark vom Opiumrausch beeinflusste Kubla Khan). Dracula habe ich vor einigen Jahren gelesen, in einer alten Heyne Übersetzung und fand das Werk furchtbar trocken, weswegen ich um Carmilla immer ein wenig herumgeschlichen bin. Den Leseausschlag gab letztlich eine Gruppe der ich auf GoodReads folge, von dort stammte auch der Hinweis auf Coleridges Gedicht.

 Anders als Dracula ist Carmilla nur eine Novelle, etwa ein drittel im Umfang, und vielleicht macht dies den überlegen Charme für mich aus. Die Geschichte ist sehr direkt und flüssig erzählt, schmückt nur wenig unnötiges aus.
 Überraschend war für mich der, obwohl zurückgenommene, doch sehr klar gehaltene erotische Unterton der Geschichte welcher jedoch ganz im Dienst der tragischen Romantik zwischen Laura und Carmilla steht.

 Etwas verärgernd ist die Namensgebung im Buch ausgefallen, es gibt nicht nur den General Spielsdorf, sondern auch einen Doktor Spielsberg – da hätte etwas Variation Not getan.
 Ein Teil der Geschichte, zum Beispiel die Identität von Carmillas Mutter bleibt ungeklärt.
Ist sie ihre Mutter oder nur ein Opfer von Camillas Bann? Willige oder unwillige Helferin? Wir erfahren es nicht.
 Aber dass LeFanu nicht alles ausspricht, macht auch einen großteil der Faszination der Geschichte aus. Das gilt nicht nur für die erotische Spannung zwischen Laura und Carmilla, die so trotzdem noch genug Raum für Romantik lässt, der Autor erlaubt uns damit auch viel Freiraum zu eigenen Interpretationen, und die Lesart der gleichgeschlechtlichen Liebe als Vampirismus, als Krankheit ist da zum Glück nur eine davon. Obwohl Carmilla zum Ende hin recht klar als Wiedergänger, als Vampir klassifiziert und dann klassisch hingerichtet wird, die Geschichte erlaubt auch die Lesart einer tragischen Romanze zwischen zwei Frauen. Der General selbst erzählt dass es ihm wohl so schien, als sei auch Mircalla (Carmilla) von seiner Nichte ebenso angetan gewesen wie diese von ihr. Womöglich ist Carmillas Fluch ja echte Liebe zu verspüren, und sie selbst mehr ein tragischer Succubus, verdammt dazu jene die sie liebt zu vernichten, ohne selbst je Ruhe finden zu dürfen.
"Dearest, your little heart is wounded; think me not cruel because I obey the irresistible law of my strength and weakness; if your dear heart is wounded, my wild heart bleeds with yours. In the rapture of my enormous humiliation I live in your warm life, and you shall die--die, sweetly die--into mine."

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* Kein Originalcover.

Montag, 9. Oktober 2017

Stephen King Goes to the Movies








Goes to the Movies, Stephen King
(Hodder & Stoughton, 2009)



 Goes to the Movies ist, wie der Titel schon erahnen lässt, eine Sammlung von Werken Kings, welche für das Kino adaptiert wurden. Im Ganzen hat der Herausgeber dafür fünf der zu Filmen verarbeiteten Kurzgeschichten Kings herausgesucht.

 Über die Auswahlkriterien kann man wie immer streiten. Ich muss aber zugestehen das die Aussage, dass gemessen an der Widmung man auch Der Nebel/The Mist aus der Sammlung Skeleton Crew (dt. in Im Morgengrauen enthalten) hätte aufnehmen sollen, durchaus berechtigt ist:

 For Frank Darabont, who made my dreams real


 Nun, Der Nebel hat es nicht in die Sammlung geschafft, statt dessen zwei Geschichten aus Night Shift (dt. Nachtschicht): Der Wäschemangler/The Mangler und Kinder des Mais/Children of the Corn. Persönlich hätte ich gerne auch Spätschicht/Graveyard Shift aus dieser Sammlung enthalten gesehen, entweder zusätzlich oder anstelle von The Mangler – allerdings ist auch The Mangler eine großartige King Geschichte welche sehr viel Spaß macht zu lesen.

 Außerdem die Kurzgeschichte 1408, welche laut Kings Vorwort eigentlich nur als Fingerübung für sein On Writing gedacht war, um seinen Schreibprozess zu illustrieren.

 Low Men in Yellow Coats ist Teil der Hearts in Atlantis Anthologie welche sich aus verknüpften Novellen zusammensetzt welche unterschiedliche Lebensstationen des Hauptcharakters beleuchten.

 Last but not least bleibt selbstverständlich Pin-Up/Rita Hayworth and Shawshank Redemption zu erwähnen, aus Different Seasons (dt. Frühling, Sommer, Herbst und Tod).


1408, welches die Sammlung eröffnet, ist, man muss es leider sagen, der schwächste Beitrag. Eine sehr durchschnittliche King Story der man anmerkt dass der Autor nicht so recht wusste wie sie enden sollte. Hier finde ich das die Script-Autoren tatsächlich überzeugendere Arbeit geleistet haben.
Dabei ist die erste Hälfte der Geschichte King sehr gut gelungen. Im klassischen Stil einer Haunted House Geschichte (Haunted Room in diesem Fall) steigert King konsequent die Spannung ohne das wirklich viel geschieht in diesem Teil. Wir erfahren in einem langen Interview welches der Manger des Hotels mit Hauptcharakter Mike Enslin führt von der Vorgeschichte vom Raum 1408. In diesem Teil fiebern wir als Leser mit dem Hotel Manager mit, in bester Horrortradition wollen wir wissen was in Raum 1408 vor sich geht aber zugleich wollen wir nicht das Enslin den Raum 1408 betritt.
Leider schafft es King nicht diese Spannungskurve zu halten und führt die Geschichte letztlich zu einem recht unspektakulären Finale.

The Mangler gleicht 1408 in gewisser weise, nur ist dieses mal kein heimgesuchtes Hotelzimmer, es geht um einen besessenen Wäschemangler. Es liegt vermutlich daran dass dies eine frühe Geschichte Kings ist, erstveröffentlicht 1972, dass der Autor sich hier dankenswerterweise nicht lange mit Ausschmückungen oder Erklärungsversuchen aufhält. Die Geschichte startet mit einem blutigen Tatort und lässt den Leser von da an nicht Ruhen.

 An dieser Stelle scheint es mir angebracht kurz ein Zitat aus dem Vorwort zu 1408 einzuflechten:
I had done my haunted hotel story (The Shining) and ordinarily feel no urge to chew my cabbage twice.
 Früher hatte King offenbar keinerlei Probleme damit seinen Kohl zwei- oder mehrmals zu kauen. In Night Shift läuft nicht nur ein Wäschemangler zu mörderischer Höchstform auf, in Lastwagen/Trucks wendet sich die gesamte Maschinenwelt gegen die Menschen (es ist eine Art "Night of the Living Cars") und in Christine begegneten wir später einem besessenen, stark zur Einversucht neigenden Auto. Nicht zu vergessen das er mit dem Thema besessener Häuser mit The Shining bei weitem noch nicht durch war.
Aber man darf King nicht zu sehr an seinen Worten zu messen versuchen (irgendwie ironisch für einen Autor), wie wir später noch sehen werden.


Low Men in Yellow Coats konnte, wie schon 1408, zum Ende kaum überzeugen. Das liegt hier aber daran das diese Geschichte eng mit dem Dunklen Turm verknüpft ist und das Ende wohl nur für jene wirklich einen Sinn ergibt, welche eben auch den entsprechen Zyklus gelesen haben. Dies gesagt brilliert King hier bei der Beschreibung eines Jungen dessen Leben eine entscheidende Wende nimmt als Richard Brautigan in seinem Haus einzieht und den Jungen bald mit einer sehr ungewöhlichen Aufgabe betraut. Er soll nach ungewöhlichen Zeichen Ausschau halten, welche die Anwesenheit jener niederen Männer in gelben Mänteln verraten. Low Men ist keine Horrorgeschichte, enthält aber diverse fantastische Elemente, zum Beispiel kann Brautigan die Gedanken anderer Menschen lesen und kann diese Fähigkeit bei Berührung kurzzeitig weiterreichen, zu dem weiß er um Ereignisse der Zukunft. Nichts von dem erfährt jedoch eine wirkliche Erklärung in der Geschichte und ist eher weitgehend nebensächlich für deren Verlauf. King selbst erwähnt in seinem Vorwort das Brautigan erst im Zyklus um den Dunklen Turm eine größere Rolle zukommt. Es ist zentral eine Geschichte um das Erwachsen werden und eine tiefe Freundschaft basierend auf der gemeinsamen Liebe zu den Büchern.
‘There are also books full of great writing that don’t have very good stories. Read sometimes for the story, Bobby. Don’t be like the book-snobs who won’t do that. Read sometimes for the words – the language. Don’t be like the play-it-safers that won’t do that. But when you find a book that has both a good story and good words, treasure that book.’

 Als solche bildet sie eine gute Alternative zu Die Leiche/The Body (verfilmt als Stand by Me), welche sich ebenfalls zentral mit dem Erwachsenwerden der Charaktere beschäftigt, aber ganz ohne fantastisches Element auskommt. Mit deren Aufnahme wäre jedoch die Hälfte von Different Seasons in dieser Sammlung wiedergegeben worden – wenn auch Low Men durch das undurchsichtige Ende nicht ganz so gelungen ist, es war sicher die vernünftigere Entscheidung diese Geschichte aufzunehmen.


Rita Hayworth and Shawshank Redemption. Ob es da draußen wohl noch jemanden gibt der nicht zumindest die Frank Darabont Verfilmung Die Verurteilten/Shawshank Redemption gesehen hat?
Kings Novelle aus Different Seasons, um einen Mann der für Jahrzehnte im Knast landet, unschuldig verurteilt für den Mord an seiner Frau und deren Geliebtem, dürfte mit Recht zu den bekanntesten Verfilmungen seines Werkes gehören. Dies ist die einzige Geschichte in dieser Sammlung die ohne jedes übernatürliche Element auskommt und was mir bei der Wiederbegegnung (1408 und Low Men hatte ich als einzige nicht schon zuvor gelesen) besonders auffiel ist wie Detailgetreu der Film die Geschichte nacherzählt. Natürlich nimmt sich das Script gewisse Freiheiten, spart ein paar Details aus, dramatisiert dafür andere... aber Shawshank Redemption ist durch und durch King geblieben.
Infolge des Films war es mir natürlich praktisch unmöglich Red noch als den Iren zu sehen der er in der Geschichte tatsächlich ist, und ebenso natürlich erklang die Geschichte dieses mal in der Narration von Morgan Freemans Synchronstimme in meinem Kopf – was nichts schlechtes ist.


Children of the Corn. Ein zerstrittenes junges Ehepaar auf der Straße irgendwo im amerikanischen Niemandsland des Bible Belts, auf einer aussichtlosen Reise um ihre Ehe zu retten. In einem Moment der Unachtsamkeit überfahren sie eine Jungen auf der Straße der unerwartet aus einem Maisfeld hervorstürzt. Wie sich herausstellt wurde diesem die Kehle durchtrennt ehe man ihn auf die Straße warf. Die beiden machen sich mit der Leiche im Kofferraum auf zur nächsten Ortschaft um dort die örtliche Polizei zu informieren und landen dabei in einer nur von Kindern bevölkerten Stadt, in der so gleich das Grauen seinen Lauf nimmt.
Wie schon bei The Mangler hält sich King hier nicht lange mit Erklärungen auf sondern geht sofort über zur Action. Children of the Corn liest sich wie die Kurzfassung eines typischen 70’er Slashers.
King selbst lässt sich in seinem Vorwort dieses mal nahezu Positiv aus zum Film:
 The movie version is a kind of avatar of ’70s horror movies – even the spilled blood looks ready to snort coke and disco at the drop of a BeeGees tune – and it has a line in it (not in the story, you will notice) that my kids still giggle over: ‘Outlander, we have your woman!’ But awww, c’mon . . . it’s not s’bad. To me, it had a Wicker Man-ish feel (the first Wicker Man, the good one), and Linda Hamilton, who would go on to Terminator glory, certainly gives it her all.
 Es bereitet mir eine geradezu diebische Freude zu sehen das es zumindest in diesem Punkt so scheint, dass der Autor mit mir übereinstimmt. Kinder des Zorns hat für mich immer einen gewissen Reiz gehabt, und wie King würde ich sagen dass der Film an Ende einer Film-Dekade steht, leider ein paar Jahre zu spät als das er beim Publikum noch viel Zuspruch gefunden hätte.
Es scheint das King sich über die Jahre mit der Verfilmung seines Children of the Corn ausgesöhnt hat, über den er ein Jahr nach Veröffentlichung, im September ’85, noch Schrieb:
 Auch so ein entsetzlicher Film und das Schlimmste daran ist, dass er auf einer meiner Kurzgeschichten beruht. Nicht gerade wörtlich – aber doch so deutlich angelehnt, dass die Produzenten ihn als Stephen King’s Children of the Corn bezeichnen konnten, was er eigentlich gar nicht war.*
 Damals landete der Film auf Platz 6 seiner Top-Ten der schlechtesten Filme.
Aber wie gesagt, man darf den Mann nicht an seine Worten messen – zumindest nicht inhaltlich. King hat einen eigenen Humor, mal trocken Lakonisch, mal Derb, und manchmal scheint ihm beim Verfassen eines Vorworts die Pointe vor inhaltlicher Wahrheit zu stehen. Beziehungsweise, ist der Autor eben auch nur ein Mensch, und was heute für ihn gilt muss morgen nicht zwingend noch Bestand haben.


 Abschließend lässt sich sagen, mit Goes to the Movies liegt zweifelsfrei eine gute Sammlungen von King Geschichten vor, die einen fairen Überblick über Kings Schaffen gibt. Deren Anschaffung allerdings dürfte nur für King Einsteiger viel Sinn machen. Ich persönlich habe mir das eBook gegönnt weil es zu diesem Zeitpunkt um 99 Cent erhältlich war und das waren 1408 und Low Men allemal wert.
Zudem war es eine willkommene Gelegenheit ein paar der alten King Geschichten noch einmal im Original zu Lesen.

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* Zitiert aus Stephen King und seine Filme, Heyne 1986.

Sonntag, 1. Oktober 2017

31 Tage - 31 Bücher / Filme

Tag 20

Beschreibe das Cover deines jetzigen Buches ohne den Titel zu verraten.

Mal sehen:

Das Cover ist mit einem damals Verlagstypischen unifarbenen Rahmen versehen, Blau im vorliegenden Fall. On Top steht die Genre Bezeichnung darunter die Kategorie.
Titel und Autor liegen alle noch auf dem blauen Rahmenhintergrund auf.

Darunter eine Illustration eines unbenannten Künstlers / einer unbenannten Künstlerin.
Das Bild ist einem warmen Farbton gehalten, die Szene scheint in einer Wüstenlandschaft angesiedelt, doch man bekommt nur einen vagen Eindruck von der Umgebung.
Beherrscht wird das Bild von unterschiedlichen Gestalten:
Ein Außerirdischer unbekannten Geschlechts (er/sie wirkt Androgyn) steht links hinter einer Frau die seitlich hinter einem Mann kniet (?), der Blick scheint abschätzend auf dem Paar zu Ruhen. Die Frau blickt herab auf den Mann (mit einem Ausdruck der Zuneigung?), hält eine Hand auf seiner Schulter, sie hat langes, leicht gewelltes, dunkles Haar, die rote Bluse ist aufgeknöpft, so das man den Ansatz ihrer Brüste sehen kann. Der Mann sitzt auf dem Boden, er trägt Hemd und blaue Jeans, und hält die Hand eines affenähnlichen Hominiden, der links von ihm auf seinen Hacken sitzt. Der Mann scheint einen Dialog mit dem Wesen zu führen. Der Hominide führt ein Messer an der Seite, ein intelligentes Wesen also, welches den Gebrauch von Werkzeug und/oder Waffen erlernt hat. Das Messer ist von einer modernen Machart, geschliffene oder geschmidete Klinge, sauber gerbeiteter Griff, welche im Konstast zum sonstigen Erscheinungsbild steht. Rechts neben dem sitzenden Mann liegt ein Leopard am Boden, er ist der Einzige im Bild welcher uns direkt anblickt.

Cover


Welcher Film hat dich am meisten enttäuscht?

Das ist natürlich wieder so eine Kategorie in der sich dutzende Filme aufzählen lassen, und nicht immer hängt das mit der tatsächlichen (oder dem tatsächlichen Mangel an) Qualität zusammen, viel öfter ist es einfach eine Frage der damit verknüpften Erwartungen.

Nach dem erzählerisch freien aber sehr atmosphärisch geratenen ersten Teil hatte ich hohe Erwartungen an Silent Hill 2 geknüpft.
Die Silent Hill Reihe, oder besser die ersten drei Teile der Reihe, gehören zu meinen absoluten Computer Spiel Favoriten. Teil zwei und drei vor allem konnten durch ein herausragendes Storywriting überzeugen. Silent Hill 2 nahm sich vernüftigerweise den dritten Teil der Spielreihe zum Vorbild welcher unmittelbar an den ersten Teil anknüpfte.
Nach dem in den Vorabbildern das Design des Spiels schon sehr gekonnt wiedergegeben wurde, hoffte ich auf eine ähnlich treue Storyumsetzung - und genau da setzt es aus.
Der Film ist irgendwie, sehr frei, vom Spiel inspiriert aber setzt auf dubiose Zugaben, lässt wichtiges unter den Tisch fallen und was mich am meisten Enttäuschte, Film Heather hat (für mich) nur sehr wenig von Spiel Heather.

Samstag, 9. September 2017

tucking fypos

 
  In Philip José Farmers Die Liebenden (Knaur, 1978) baute der Übersetzer eine in ihrem medizinischen Nutzen sehr fragwürdige Wortneuschöpfung (S. 139) ein, er wusste wohl nicht so recht was anzufangen mit dem englischen pad:

 Er zog die Nadel zurück, verrieb Alkohol über dem Einstich und legte ein kleines Müllpolster auf.