Diese Website verwendet Cookies, um Dienste bereitzustellen, Anzeigen zu personalisieren und Zugriffe zu analysieren. Informationen werden an Google weitergegeben.
Durch die Nutzung der Website erklären Sie sich mit Googles Weltherrschaftsbestrebungen einverstanden.

Samstag, 4. Juni 2016

Classic Confessions

 Es ist gerade mal Samstag und schon wieder ein neuer post von mir, was bin ich für ein Plaudertäschchen diese Woche.


http://derzauberkasten.blogspot.de/2016/05/vorstellung-classic-confessions-eigene.html

Antonia von Lauter & Leise hat die Aktion der Classic Confessions ins Leben gerufen, und die erste CC Frage lautet, Tommelwirbel bitte:

Was ist für dich ein "Klassiker"?


Leichte Frage ist nicht leicht.

 Als ich jung war, viel jünger, da dachte bei einem Klassiker an verstaubte alte Bücher die jeder im Regal stehen hat, aber keiner wirklich gelesen hat. Genauer noch, zu jenen meinen Jugendtagen, als ich alt genug war die Titel und Namen zu Lesen aber noch zu jung um zu wissen wofür sie stehen, schien es zwei Bücher zu geben die in jedem deutschen Haushalt standen, zumindest aber in jedem den ich kannte.
Die Bibel und Die Buddenbrooks, Seite an Seite.

 Um die gleiche Zeit herum entdeckte ich aber auch die Klassiker für mich selbst, in
gewisser weise. Die Schatzinsel, David Balfour, Tom Sawyer, Der Kurier des Zaren, Moby Dick, Der Seewolf (<- hat mir Angst eingejagt), und zahllose weitere... dem wurde andächtig gelauscht, das wollte man im Fernsehen nicht verpassen - ohne zu ahnen das man da Literatur, ja Klassiker schaute oder hörte!



 Gelesen habe ich bereits in jenen Tage mit Begeisterung die Griechischen Heldensagen, und Geistergeschichten (unter anderem auch das Gedicht Der Erlkönig, ein deutscher Klassiker).


 Und irgendwann um zwölf oder vierzehn wohl entdeckte ich Hamlet, bei meinem Wesen (siehe post unten) war es wohl natürlich das ich zu diesem Stück und im besonderen zu Hamlets Selbstmordmonolog gravitierte, aber auch die Art in der Shakespeare seine Texte verklausuliert, wie er uns einfachste Aussagen erarbeiten lässt in dem er sie möglichst kompliziert wiedergibt - auch das hat schon damals Faszination auf mich ausgeübt.

 Nach dieser ausschweifenden Einleitung zurück zur Eingangsfrage.
Ich hasse es wenn irgendwelche sich für gewitzt haltenden Marketingmenschen Sprüche wie "Ein moderner Klassiker" verwenden, oder schlimmer noch mit der Phrase "Schon jetzt ein Klassiker" anrücken.
Gerade bei letzterem denke ich bei mir immer, habe die das gerade "jetzt schon Alt" genannt?
 Das ist für mich eines der wichtigen Merkmale eines Klassikers, Alter.

 Ein Klassiker ist ein Werk das sich seinen Ruf verdient haben muss dadurch das es mehrere Generationen überdauert hat, in diesem Satz steckt eine weiteres Merkmal für einen Klassiker, er muss, salopp gesagt, Steherqualität haben.

 Klassiker sind darüber hinaus kulturelle Identität.
Klassiker das sind Werke die wir alle, kollektiv, bewusst oder unbewusst, oft von Kindesbeinen an aufgenommen haben, und von denen wir uns ein Stück weit haben prägen lassen - oder die zumindest die Fähigkeit haben unser Denken, wenn wir zu ihnen finden, zu beeinflussen.

 Also lassen sie mich versuchen ein Fazit zu ziehen:
Klassiker sind für mich Werke die über einen langen Zeitraum hinweg es geschafft haben nach wie vor bei einer bedeutenden Masse von Lesern Resonanz zu finden. Die Gründe hierfür können sehr unterschiedlich sein, manche Klassiker stehen dafür wie sie ein Genre geprägt oder einfach nachhaltig beeinflusst, vielleicht in ganz neue Bahnen gelenkt haben, andere scheinen uns wie Fenster in die Vergangenheit das spezielle Zeitgefühl einer Epoche einzufangen - nicht das wir dies je adäquat beurteilen könnten - und überraschend viele warten mit zeitlos wirkenden Themen und Charakteren auf mit denen wir uns über die Jahrhunderte hinweg immer noch verbunden fühlen, und immer noch identifizieren können.

Kommentare:

  1. Hallo Gerd,

    nachdem ich gestern schon deinen Beitrag verlinkt habe, komme ich heute auch endlich dazu ihn gebührend zu kommentieren. Erst einmal: Ich freue mich sehr, dass du an der Aktion teilgenommen und so gute Worte zur Frage gefunden hast. (Mit Betonung auf "gute Worte" - ich würde mich verneigen, aber ich sitze am Schreibtisch)

    Ich finde deinen Ansatz so gut, weil er von meinem abweicht. Klassiker kann man auch über Nostalgie und - wie du es ausgedrückt hast - "Stehqualität" definieren. Und wie du auf die Klassiker gekommen bist, beziehungsweise wie du zu Klassikern im Generellen stehst - war sehr interessant und sehr lesenswert.

    Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende und hoffe, dich nächste Woche wieder bei meiner Aktion begrüßen zu dürfen.

    Liebe Grüße,
    Antonia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich werde die Aktion auf jeden Fall weiter verfolgen, aber vermutlich eher unregelmäßig teilnehmen - ich fürchte wenn ich mich auf zu viele Aktionen einlasse ich irgendwann gar nicht mehr dazu komme meine, eh schon viel zu seltenen, posts für die Bücher zu verfassen die ich so lese.

      Wenn es sich aber die Frage aber anbietet, bin ich natürlich wieder dabei.

      Löschen
  2. Ich schließe mich Antonia an: das hast du wirklich schön geschrieben. :) Ich glaube auch, dass Klassiker ein bestimmtes Alter haben müssen, allerdings ist, meiner Meinung nach, auch schon nach 1, 2 Generationen absehbar, ob es sich hält oder nicht. Nur bei frisch erschienenen Bücher ist das nun wirklich nicht absehbar. :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für deinen lieben Kommentar, bei so viel Lob an einem Tag da werde ich noch ganz nervös. :)

      Löschen
  3. Ich mag deine Definition sehr gerne. Früher bin ich auch nur nach dem Alter gegangen und jedes alte Buch war für mich ein Klassiker, aber heute weiß ich, dass es eben nur die sind, die noch auf irgendeine Art relevant sind und immer noch gekannt und gelesen werden. Wie genau ein Buch denn nun zum "modernen Klassiker" wird und wer soetwas entscheidet, interessiert mich allerdings doch sehr. :D
    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich hoffe mal das es die Leser sind die letzlich entscheiden was zum Klassiker wird, und nicht die Kritiker.
      Wenn ich mir allerdings so manche der blogger Kommentare ansehe, muss ich denen zustimmen, die sagen das "Harry Potter" auf dem besten Weg ist ein moderner Kinderbuchklassiker zu werden.

      Löschen
    2. Stimmt, das wäre mir dazu auch als erstes eingefallen. Einfach eine Reihe, die schon jetzt mehrere Generationen begeistern konnte und sicherlich auch noch in Zukunft viel gelesen wird. Würde ich jemanden in meinem Alter fragen, welche Bücher er später seinen Kindern auf jeden Fall zu lesen geben würde, wäre die Antwort in den meisten Fällen wohl tatsächlich "Harry Potter". :)

      Löschen
  4. Im englischen Sprachraum sind ja "modern classics" tatsächlich eine recht geläufige Bezeichnung, aber ich selbst denke auch, dass Klassiker sich schon für eine gewisse Zeit bewährt haben sollten.
    Was das prägende betrifft, da stimme ich dir auf jeden Fall zu!
    Einige Klassiker, die ich gelesen habe (und die ich für mich auch als solche definiere), habe ich nicht als zeitlos empfunden, aber andere wiederum sind wirklich überraschend zeitlos für ihr Alter. Vermutlich sind das auch die Klassiker, die heute noch am meisten Leser ansprechen.

    AntwortenLöschen