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Sonntag, 31. Dezember 2017

Weil's so Tradition ist...

... der Jahresüberblick:

 Das unbestrittene Highlight dieses Jahres ist für mich das Cathleen Tarawhiti eine meiner Photoshoparbeiten als hinreichend empfunden hat um sie in ihrer Coverwebsite aufzunehmen: In my defense...
Sollte es dort tatsächlich einen Abnehmer finden wäre dies immerhin meine Zweite hoch offizielle Coverarbeit - nun vermutlich sollte ich meinen Brotjob dafür lieber nicht an den Nagel hängen, bin trotzdem stolz wie Oskar. :D



Dies waren meine Bücher des Jahres (gelesen in '17)

Sarah Beth Durst, The Reluctant Queen, ist Fantasy vom Feinsten, in einem originellen Setting mit starken Heldinnen, aber einem etwas offenen Ende welches einen nötigt auch den letzten Teil zu lesen, The Queen of Sorrow soll nächstes Jahr herauskommen. Zu dem ist dies der zweite Band in der Trilogie und beinhaltet damit gewisse Spoiler für den ersten Band, man sollte also tatsächlich mit The Queen of Blood (dt. Die Blutkönigin, bei penhaligon) beginnen.
Robert Sheckley, Fütterungszeiten unbekannt, war Teil meiner diesjährigen Re-Reads, aber Sheckley ist und bleibt hervorragende Unterhaltung, "wie Voltair mit Soda" wie es seinerzeit bei Bastei verlautete, und ist deshalb Teil meiner Highlights für dieses Jahr.



Weitere Lesehighlights in '17:

Hier stehen wiedereinmal meine üblichen Verdachtigen: Donna Alward und Seanan McGuire.
Donna lieferte mit The Playboy Prince and the Nanny eine Geschichte die genau das bietet was man von einer Royal liebt Bürgerliche Geschichte eben so erwartet, wenig überraschend aber ungemein unterhaltsam.
Bonus: Der Royal in Frage ist der Bruder der Heldin aus The Rancher's Runaway Princess, einer meiner erklärten Lieblingsromane aus der Feder der Autorin.

Seanan McGuire liefert uns die Geschichte von Alice Healy und Thomas Price als kostenlose Downloads, Target Practice heisst das aktuelle Highlight und kommt als stehende Empfehlung für alle Fans von Urban Fantasy mit jugendlichen Heldinnen.




Die Enttäuschungen in '17:

 Vorab: Es gab schlimmeres als die unten aufgeführten Bücher, zum Beispiel Andrew Klavan's unterirdischer Werewolf Cop - doch von denen erfuhr keiner den selben Hype wie die aufgeführten.
 Mit hohen, wohl zu hohen, Erwartungen ging ich an Stephanie Perkins' Anna and the French Kiss heran, welches ich dann aber nach einem drittel abgebrochen habe. Mir war das ganze zu sehr Chick-Lit, zu sehr ein Mean Girls in Paris. Auch Stephen Kings von Fans und Kritik hochgelobter Auftakt zum Dunkler Turm Zyklus konnte mich persönlich nicht überzeugen. Die Geschichte ist dünn, der Anti-Held ein Frauenhasser und das Ende nichtssagend. Algis Budrys Roman Projekt Luna ist Teil der Heyne Science Fiction Bibliothek und war ein weiterer meiner diesjährigen Re-Reads. Konnte mich dessen Prämisse in meiner Jugend noch begeistern, dem Re-Read konnte er leider nicht standhalten: Auf dem Mond wird ein Außerirdisches Artefakt entdeckt dessen Zweck unbekannt bleibt, sicher ist nur, es Tötet jeden der es betritt nach Ablauf einer gewissen Zeitspanne. Alles was an diesem Roman gelungen ist gibt der Autor auf ca. zehn Seiten wieder, der Rest ist nur Machodrama ad nauseam






Random Notes:

  In diesem Jahr habe ich den kostenlosen Kindle Unlimited Probemonat für mich ausprobiert. Für Vielleser ist dieses Flatrate Angebot sicherlich interessant, für mich bot sich zwar Gelegenheit mich durch ein paar Kurzgeschichten zu lesen welche ich so nie gekauft hätte, und mich ein paar alten John Sinclair Ausgaben zu widmen, doch unter dem Strich musste ich feststelllen das es (für mich) keine lohnende Inverstition wäre.

Dieser blogpost ist mir in diesem Jahr besonders ins Auge gefallen:
Tofufamily, Stereotype in Kinderbüchern

And now for something completely different...
Beim Surfen im Netz bin ich zufällig über diesen blog gestolpert, der sich ganz dem Feld der Dinosaur Spielzeugfiguren verschrieben hat: Dinosaur Toy blog
Schweig still mein töricht klopfend Herz... ernsthaft, wo waren solche Dinge nur in meiner Jugend?




Zitate 2017:

 Ein auf Amazon gefundenes Zitat aus einer Buchbesprechung hat mich mit seiner  dümmlich witzigen (aber vermutlich ernstgemeinten) Art zum Lachen gebracht, so das ich es einfach rauskopieren musste:
Roland Koch hat das Zeugs für den Roman der Liebe im Zeitalter des Kondoms.
Die Weltwoche

Laini Taylor greift in ihrem Roman Daughter of Smoke & Bone die Autoren-Weisheit auf, dass sich die Bösen selbst seltenst als Böse wahrnehmen und verpackt diese in einem sehr amüsanten Zitat:
"The dragon, you know, hunkered in the village devouring maidens, heard the townsfolk cry 'Monster!' and looked behind him."
(Freie übersetzung: Der Drache, weißt du, im Dorf sitzend jungfrauen verspeisend, hörte die Dorfleute rufen 'Monster!' und blickte hinter sich.)


Ein älteres Zitat das, denke ich, sich mindestens seit letztem Jahr schon unter meinen GoodReads quotes tummelt. Man mag von den Vätern der Psychologie halten was man mag, hiermit traf C.G. Jung auf jeden Fall ins Schwarze:
"Loneliness does not come from having no people around you, but from being unable to communicate the things that seem important to you."
(Freie übersetzung: Einsamkeit kommt nicht davon niemanden um sich zu haben, sondern davon nicht in der Lage zu sein Dinge mitzuteilen, die einem wichtig scheinen.*)
 * Persönlich würde ich sagen "einem wichtig sind." Denn ungeachtet des Gewichts das Ausstehende dem  zumessen mögen was uns bewegt, für uns selbst ist es immer relevant. 
Doch abgesehen davon stimme ich hier mit Herr Jung überein.



Statistik 2017:


































Die obligatorische Erläuterung zur Statistik:
Gelesene Bücher können in mehreren Sparten Auftauchen;
e.g. Carmilla (Horror, Klassiker), Werewolf Moon (Romance, Krimi), Daughter of Smoke & Bone (Jugendbuch, Fantasy)
Kurzgeschichten Sammlungen wurden ganz generell als Anthologie erfasst. Einzelne gelesene Kurzgeschichten (ca. 40) sind in der Statistik nicht erfasst worden, da dies die Auswertung unnötig kompliziert hätte, flossen aber zu einem Teil in meine GoodReads Auswertung ein.



2018 wants:

Neues von den Penderwicks, Jeanne Birdsall
TB Ausgabe, Carlsen Verlag, Januar
(Penderwicks, 'nuff said...)

Wonder Woman - Kriegerin der Amazonen, Leigh Bardugo
Hardcover, dtv, Februar
(Die Grisha Saga war kein Favorit, muss ich zugeben, obwohl ich die Kurzgeschichten alle geliebt habe, aber da Wonder Woman mit sicherheit im Bücherschrank meines Bruders laden wird werde ich Leigh noch eine Chance geben...)

The Penderwicks at last, Jeanne Birdsall
Vorgesehene US Veröffentlichung im Mai
(Nur soviel ist bisher bekannt: Es geht zurück nach Arundel und es wird geheiratet...)

Catwoman - Soulstealer, Sarah J. Maas
Random House, August (US Ausgabe)
(Noch nichts von Sarah J. Maas gelesen bisher, aber Catwoman von Robert Asprin hat für mich seinerzeit gut funktioniert, ich bin also gespannt...)

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Zweifelhafte Moralität


 Es ist ein wenig erfreuliches Zitat auf das ich in Das Netz der Chozen gestoßen bin. Ohne sich selbst wohl des menschenfeindlichen Zynismus seiner Worte so recht bewusst zu sein, lässt Autor Jack L. Chalker seinen Helden hier folgendermaßen räsonieren:

 Es gab keine Romantik, keine Liebe, nicht einmal den Drang, eine Leere auszufüllen, nicht allein zu sein, der Menschen dazu trieb, eine Prostituierte zu benutzen. Nein, der ganze Prozeß war ohne jede Spur von Humanität, und das störte mich am meisten.


 Es wird hier davon gesprochen einen anderen Menschen nur zu benutzen und dies dann praktisch noch im selben Atemzug zum Wesenszug der Humanität erklärt... wenn das ein Merkmal von Menschlichkeit ist, möchte man nichts davon haben.


Nachtrag:
Es ist schon ironisch, an späterer Stelle lässt der Autor den Charakter sich in Gedanken gerade darüber beschweren, das für viele Menschen Liebe nur ein anderes Wort für Sex sei ... fast möchte man meinen dass er mit diesen gegensätzlichen Aussagen versucht uns die Wesenveränderung seines Charakters zu illustrieren, der sich von einem Einzelgänger zu einem Familienwesen verändert - ich fürchte nur, damit würde ich dem Autor mehr Weitsicht unterstellen als er tatsächlich hat.

Mittwoch, 6. Dezember 2017

31 Tage - 31 Bücher / Filme

Tag 22
 

 In welchem Buch hast du dich am meisten gegruselt?

Geisterstunde von Peter Straub und danach
Es von Stephen King,
beides  Bücher deren eröffnungs Kapitel dass mir wort wörtlich schlaflose Nächte bereitet haben.




 Welcher Film enthält deine Lieblingsszene?

Darf ich mehrere nennen?

Da ist natürlich die "Kuss-Szene" aus Susi und Strolch anzuführen, sehr witzig aufs Korn genommen in Hot Shots - der 2te Versuch, so Romantisch.

Dann eine Szene aus Chocolat. Wenn Vianne und Anouk auf die "Flussratte" Roux treffen, legt Vianne, gespielt von Juliette Binoch, die Arme um Anouk in einer so mütterlich beschützenden Art, da schmiltz einem das Herz.

"Bitch isn't standing now", Michelle Rodriguez in Resident Evil, ein Klassiker!

Die Liste könnte endlos so weiter gehen...

Mittwoch, 15. November 2017

Z Burbia








Z Burbia, Jake Bible
(Luzifer Verlag, 2015)


Kurzbeschreibung:
 Willkommen in Whispering Pines, einer geschlossenen Vorortgemeinde von Asheville, gelegen in den malerischen Blue Ridge Mountains. Hier ist der Ortsname Programm. Lärm gilt es um jeden Preis zu vermeiden, denn Lärm lockt die Z an.
 Nach der Zombie Apokalypse erweist sich die Lage Whispering Pines als Himmelsgeschenk, der Ort lies sich mit den Blue Ridge Mountains im Rücken leicht zu einer Festung ausbauen, welche sich gegen umherstreunende Zombies gleichermaßen effektiv Verteidigen lässt wie gegen umherstreunende Überlebende. Das nahegelegene Asheville bietet dazu genügen Ressourcen für Plünderungstouren und es lebt sich damit so Sorgenfrei wie es die draußen tobende Zombiehorde, ein drinnen tobender verrückter Geistlicher und eine diktatorisch veranlagte Hauseigentümerverwaltung eben zulassen.
 Das heißt bis Jace Stanford zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern von der HOA Vorsitzenden und Gemeinschaftsleiterin Brenda Kelly auf eine spezielle Mission ausgesandt wird, da die Stromversorgungskalkulation des Ortes fehlerhaft sei. Ein Vorwand, wie sich bald erweist, und ehe er es sich versieht ist Jace auf der Flucht, vor Zombies, verrückten Bikern, Kannibalen und einem ex-Banker ... mit der Ruhe in Whispering Pines ist es damit vorbei.



 Ich und der Luzifer Verlag, dass ist ja immer so eine hit or miss Angelegenheit. Oft tue ich mir schwer mit den Büchern aus ihrem Programm auch nur über das erste Kapitel hinauszukommen. Im größeren Teil bewegt man sich da doch in einem Genre Bereich der mir nichts (nichts mehr) gibt.
 Außer eben wenn es dann passt, denn dann passt es so richtig.

 Z Burbia von Jake Bible gehört zu den Geschichten bei denen es passt.
 Der Autor selbst schreibt in seinem Vorwort zum Roman das er sich hier von George A. Romeros Zombies und den damit eingehenden sozialkritischen Komponenten hat inspirieren lassen. Romeros Zombies, das ist neben Fulcis Zombies, etwas mit dem ich groß geworden bin. Aber Bibles Zombieapokalypse zeigt sich weit mehr inspiriert von Robert Kirkmans The Walking Dead oder der Legion von unabhängig produzierten Zombiefilmen bei denen fast immer die Action im Vordergrund steht. Bis hin zu einem sich in blutig überzogene Satire steigernden Finale das so ganz von Peter Jacksons Braindead inspiriert sein könnte.
 So gesehen ist Z Burbia eine art Rundgang durch die jüngere Geschichte des Zombiegenres.

 Z Burbia ist natürlich, genregemäß Blutig und Brutal, zartbesaiteten weniger nahezulegen wenn man Probleme mit dem Tod von Kindern hat. Jake Bible rutscht zwar nie in den Splatterroman ab, hat also den sogenannten Gorehounds wenig zu bieten, aber er versteht es das Kopfkino anzufeuern.

 Die Kurzbio des Autors erwähnt unter anderem auch dass er als Autor von Drehbüchern für unabhängige Produktionen fungiert. Die dürfte sich auch im Schreibstil von Z Burbia niedergeschlagen haben. Die Beschreibungen sind kurz gehalten, das Setting oft nur knapp umrissen, ein Keller, ein Verfallenes Haus, eine ausgestorben wirkende Stadt, eine Eingezäunte Farm – es gibt wenig Details, was den Roman stellenweise sehr Dialoglastig macht, die First Person Present Tense Narration tut da ihr übriges dazu. Doch dieser Stil passt zur Geschichte, Bible treibt nach ein paar eingehende Erklärungen zur Situation unserer Charaktere und zur Zombie Apokalypse die Action rasch voran, die Szenerie wechselt schnell, Z Burbia ist im Herzen schnell geschnittenes Action Kino, und wer das mag, der wird auch diese Geschichte mögen.

 Die sozialkritische Komponente ergeht sich Anfänglich zuvorderst im Satirisch bissigen Blick auf das Leben in Amerikanischen Vorstadtkommunen, und Kulminiert in einer, gerade im Zeitalter von Trumps Amerika ungemein passenden Rede Big Daddys, an den sich die Helden zur Rettung von Whispering Pines wenden:
 »Du siehst, Kumpel, eine Farm kann nicht immer exklusiv sein«, sagt Big Daddy. »Sie muss einladend sein. Einladend für die Sonne, den Regen, den Wind, den Tag, die Nacht. Sie muss für die richtige Art von Insekten einladend sein. Sie muss für die Menschen einladend sein, die hier arbeiten. Anderenfalls schrumpft sie und stirbt. Eine Farm ist ein lebendiges, atmendes Wesen. Sie kann nicht immer perfekt sein; es mag Raubtiere, Knollenfäule und Krankheiten geben. Dafür gibt es aber immer eine Lösung. Eine Einladende.«
 Obwohl bereits in 2013 verfasst, liest sich Z Burbia heute wie ein laufender Kommentar zu allem was gerade so schief läuft in der Amerikanischen Politik, denn anders als Trump nimmt sich Bible die Lehre aus Amerikas Geschichte zu Herzen; Isolationismus ist keine Lösung.


 An der Rolle des Erzählers für das Buch kann man zweifeln, er wird als Problemlöser bezeichnet, trägt aber im Grunde nie etwas zur Lösung bei, meist spielt er eher die Jungrau in Nöten, muss regelmäßig von Freunden und Verbündeten aus brenzligen Situationen gerettet werden. Mir machte ihn das durchaus sympathisch. Nicht die Tatsache das er keine wirklich Funktion in der Geschichte erfüllt, anders als eben als Erzähler zu fungieren, sondern das er Menschlich reagiert. Er zeigt Panik, verfällt in Schockstarre oder nässt sich ein wenn eine Horde Zombies über ihn herfällt, steht nahe daran unter dem Druck der ständigen Bedrohung zusammenzubrechen. Letzteres nutzt der Autor um dem Buch Humor zu verleihen wenn unser Held wann immer es Brenzlig wird in Gedanken abdriftet, den Kontakt mit der Wirklichkeit verlieren droht.
 Die wahren Helden im Buch, das sind immer die anderen, er selbst bleibt bis zum Schluss zumeist Spielball des Geschicks. Die Helden das sind selbstbewusste, erfahrene Männer und Frauen, hier scheidet sich Bible glücklicherweise von der klassischen Genrekonvention, und setzt auf eine ausgewogener, gleichberechtigte Rollenverteilung.
Die Apokalypse bietet keinen Platz für dümmlich restriktive Geschlechterrollen.

 Der heimlicher Star und Leserliebling ist natürlich, wie man im Luzifer Verlag treffend erkannt hat, Elsbeth, das Kannibalenmädchen. Eine an Summer Glaus Rolle aus Firefly erinnernde Figur, wie River ist sie eine eiskalte, soziopathisch veranlagte Mordmaschine und zugleich ein emotionales Kind. Zugegeben, eine Identifikationsfigur wie aus dem Baukasten, aber eine die man einfach ins Herz schließen muss.
 An dieser Stelle mein obligatorisches Lob an den Luzifer Verlag, auch wenn die übersetzten Werke nicht immer meinen persönlichen Geschmack treffen, man schafft es dort immer wieder mit Covers aufzuwarten welche die Originale bei weitem übertreffen.

 Zur Übersetzung, diese erfolgte hier durch Katrin Fahnert, welche sich sehr gut schlägt, nur in zwei Passagen scheint es mir das sie hier irrtümlich „No“ mit „Nein“ übersetzt hat, wenn es hätte „Kein“ heißen müssen:
Weil Bob und seine Familie fehlen, frage ich mich, ob es endlich jemand geschafft hat.
 »Nein, Bob«, sage ich und zucke mit den Achseln, »das ist seltsam.«
 Ohne den Originaltext vorliegen zu haben ist dies natürlich reine Vermutung, aber ein „No Bob / Kein Bob“ hätte an dieser Stelle mehr Sinn ergeben als eben ein „No, Bob / Nein, Bob“.
Dies wiederholt sich an späterer Stelle wenn, gefühlt die Phrase „No shit / Kein Scheiß“ mit „Nein, Scheiße“ übersetzt wurde:
»Gut«, nickt sie, »dann hat sie ihr Gehirn nicht dadurch geschädigt, dass sie Menschenfleisch gegessen hat. Sie ist wirklich zu jung. Aber heutzutage kann man nie wissen.«    
»Nein, Scheiße«, lache ich, und dann möchte ich weinen, weil sich dadurch meine Gesichtshaut spannt.


 Z Burbia ist ein in sich abgeschlossener Reihenauftakt, in den Staaten hat die Serie es soweit auf sieben Bände Gebracht.

Dienstag, 14. November 2017

tucking fypos


 Jake Bibles Z Burbia (Luzifer Verlag, 2015) sieht sich im Geist eines George A. Romero auch ein Stückweit als Sozialkritik, eine einfacher typo erklärt uns dabei derb pilosophisch was es braucht um uns zum Nachdenken anzuregen (ca. S. 152):
»So sehr ich deinen Freund hier nicht mag«, sagt Big Daddy und ignoriert den wütenden und schockierten Blick auf Landons Gesicht. »Ich muss zustimmen. Ihr müsst wieder zurück in euer Zuhause. Der Schlüssel, damit unsere Spezies überlegt, ist Vielfalt. Wenn wir uns alle zusammen versteckt halten, dann wird es ziemlich bald mehr Inzucht geben als bei einem Familientreffen in Tennessee.«

Samstag, 11. November 2017

31 Tage - 31 Bücher / Filme

Tag 21


Welches Buch hat dich am meisten bewegt?

Was fehlt, wenn ich verschwunden bin, von Lilly Lindner.

Ein Buch dessen Inhalt mich auch Jahre nach dem ich es gelesen habe nicht loslässt. Eine Geschichte die furchtbar Traurig und Lebensbejahend zugleich ist, getragen von einer geradezu poetischen Sprache.


 
Von welchem Film wurdest du zum ersten Mal so richtig gefesselt?

Puh, unmöglich zu sagen.
Die plastischsten Kindeheitserinnerungen habe ich an die alte Frankenstein Verfilmung mit Boris Karloff als Kreatur. Aber der erste Film der mich so richtig gefesselt hat, war vermutlich ein Disney Streifen oder eine Verfilmung von Mark Twains Tom Sawyer.

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Carmilla








Carmilla*, Joseph Sheridan LeFanu
(1872)


Inhalt:
 Die Erzählerin der Geschichte, Laura, lebt zusammen mit ihrem Vater in einem abgelegenen Schloss in der Steiermark. Ihr Vater, aus dem Dienst der österreichischen Armee entlassen, erwarb das Gemäuer günstig um sich hier niederzulassen anstatt in die Heimat zurückzukehren. Das Leben dort ist Einsam, einzige Abwechslung bieten gelegentliche Besucher. Einer dieser Besucher, General Spielsdorf, sagt aber zu Lauras großer Enttäuschung unmittelbar vor seiner erwarteten Ankunft seinen Besuch ab, der sich in Trauer befindet; seine Nichte welche in Lauras Alter war, verstarb unerwartet aus ungeklärten Gründen.
 Diese Botschaft hat ihr Vater Laura kaum eröffnet, da werden die beiden Zeugen eines Unfalls. Eine Kutsche geht kurz vor ihrem Anwesen durch, die Pferde scheuen nahe der zufahrt und stürzen die Kutsche mit Passagieren.
 Bei dem Unfall gibt es keine Verletzten, die Passagiere eine junge Frau und ihre Mutter, bleiben unversehrt. Die Mutter eröffnet Lauras Vater dass sie ihre Tochter, welche durch eine Krankheit bereits angeschlagen ist, aufgrund des Schocks nicht wird weiter Reisen können, sie selbst jedoch aufgrund dringender Angelegenheiten das Land für mehrer Monate verlassen muss, und tut ihre Absicht kund diese ihm nächst gelegenen Dorf unterzubringen. Lauras Vater, auf drängen der Tochter welche sich darauf eingerichtet hatte Zeit mit  General Spielsdorfs Nichte verbringen, erbittet indes von der Frau ihre Tochter der Pflege seiner Bediensteten und seiner eigenen Tochter zu überlassen.
 Die Frau stimmt dem zu, nimmt Lauras Vater jedoch zur Seite und gibt ihm zu verstehen das ihre Tochter, Carmilla, nicht über ihre Situation oder ihre Krankheit reden kann, und bittet ihn deswegen nicht in sie zu dringen. Als die Kutsche abfährt, nimmt Laura als einzige eine dunkelhäutige Frau als weitere, bisher verborgene, Passagierin wahr welche die Frauen abfällig lächelnd mit Zorn im Blick mustert.
 Als Carmilla in ihrem Zimmer erwacht und Laura sie das erste mal richtig zu Gesicht bekommt, kommt ihr die junge Frau vertraut vor und sie fühlt sich sofort zu hin hingezogen, zugleich schreckt die Art in der Carmilla ihr offensichtliche Avancen macht sie ab.
 Carmilla erweist sich als aufgeweckte junge Frau, die durch ihre Krankheit jedoch sehr schnell Erschöpft und nur zu kurzen Ausflügen fähig ist. Nach und nach fühlt sich Laura der geheimnisvollen Carmilla immer mehr verbunden, deren Krankheit ihr in Lauras Augen eine gewisse Romantik verleiht.
 Wenige Tage nach dem Carmilla im Schloß aufgenommen wurde, scheint es das die geheimnisvolle Krankheit welche bereits die Nichte ereilte nun auch die Gegend um das Schloss von Laura Vater erreicht hat, denn mehrere junge Frauen zeigen kurz vor ihrem Tod ähnlich mysteriöse Symptome. Auch Laura wird zunehmend schwächer, zugleich befallen sie des Nachts Alpträume in denen sie im Bett von einem katzenartigen Wesen angefallen und in die Brust gebissen wird, als sie schreiend erwacht glaubt sie eine Frauengestalt am Fuße ihres Bettes zu erkennen, welche erst still wie eine Statue dasteht und dann den Raum verlässt.
 Lauras Vater schickt nach einem Doktor doch Laura erfährt nicht welche Diagnose der Arzt gestellt hat, stattdessen möchte ihr Vater sie mitnehmen zu einem Ausflug zu den Ruinen des verlassenen Gut der Karnsteins, einer einstigen Adelsfamilie mit der Laura mütterlicherseits entfernt verwandt ist. Auf dem Weg treffen sie General Spielsdorf der sie über die wahren Umstände vom Tod seiner Nichte unterrichtet, und Laura erkennt in welcher Gefahr sie schwebt.


Achtung ab hier lauern Spoiler!

Tell me does she want you, infatuate and haunt you...

 Dass LeFanus betörende Carmilla schon vor Dracula (1897) ihr Unwesen trieb war mir bereits bekannt bevor ich die Geschichte aufgriff, neu war für mich allerdings dass LeFanu offenbar seinerseits Inspiriert war von dem als unvollendet geltenden Gedicht Christabel (1797) von Samuel Taylor Coleridge, (Coleridge dürfte am bekanntesten sein für sein The Rime of the Ancient Mariner, sowie das stark vom Opiumrausch beeinflusste Kubla Khan). Dracula habe ich vor einigen Jahren gelesen, in einer alten Heyne Übersetzung und fand das Werk furchtbar trocken, weswegen ich um Carmilla immer ein wenig herumgeschlichen bin. Den Leseausschlag gab letztlich eine Gruppe der ich auf GoodReads folge, von dort stammte auch der Hinweis auf Coleridges Gedicht.

 Anders als Dracula ist Carmilla nur eine Novelle, etwa ein drittel im Umfang, und vielleicht macht dies den überlegen Charme für mich aus. Die Geschichte ist sehr direkt und flüssig erzählt, schmückt nur wenig unnötiges aus.
 Überraschend war für mich der, obwohl zurückgenommene, doch sehr klar gehaltene erotische Unterton der Geschichte welcher jedoch ganz im Dienst der tragischen Romantik zwischen Laura und Carmilla steht.

 Etwas verärgernd ist die Namensgebung im Buch ausgefallen, es gibt nicht nur den General Spielsdorf, sondern auch einen Doktor Spielsberg – da hätte etwas Variation Not getan.
 Ein Teil der Geschichte, zum Beispiel die Identität von Carmillas Mutter bleibt ungeklärt.
Ist sie ihre Mutter oder nur ein Opfer von Camillas Bann? Willige oder unwillige Helferin? Wir erfahren es nicht.
 Aber dass LeFanu nicht alles ausspricht, macht auch einen großteil der Faszination der Geschichte aus. Das gilt nicht nur für die erotische Spannung zwischen Laura und Carmilla, die so trotzdem noch genug Raum für Romantik lässt, der Autor erlaubt uns damit auch viel Freiraum zu eigenen Interpretationen, und die Lesart der gleichgeschlechtlichen Liebe als Vampirismus, als Krankheit ist da zum Glück nur eine davon. Obwohl Carmilla zum Ende hin recht klar als Wiedergänger, als Vampir klassifiziert und dann klassisch hingerichtet wird, die Geschichte erlaubt auch die Lesart einer tragischen Romanze zwischen zwei Frauen. Der General selbst erzählt dass es ihm wohl so schien, als sei auch Mircalla (Carmilla) von seiner Nichte ebenso angetan gewesen wie diese von ihr. Womöglich ist Carmillas Fluch ja echte Liebe zu verspüren, und sie selbst mehr ein tragischer Succubus, verdammt dazu jene die sie liebt zu vernichten, ohne selbst je Ruhe finden zu dürfen.
"Dearest, your little heart is wounded; think me not cruel because I obey the irresistible law of my strength and weakness; if your dear heart is wounded, my wild heart bleeds with yours. In the rapture of my enormous humiliation I live in your warm life, and you shall die--die, sweetly die--into mine."

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* Kein Originalcover.