Diese Website verwendet Cookies, um Dienste bereitzustellen, Anzeigen zu personalisieren und Zugriffe zu analysieren. Informationen werden an Google weitergegeben.
Durch die Nutzung der Website erklären Sie sich mit Googles Weltherrschaftsbestrebungen einverstanden.

Donnerstag, 14. Mai 2015

Shining









Shining, Stephen King
(Bastei, 1987)

* Achtung enthält Spoiler! *

Kurzinhalt:
 Auf betreiben seines Freundes Al hin, bewirbt sich der arbeitlose Lehrer und Schriftsteller Jack Torrance um einen Job als Winterhausmeister im Overlook-Hotel. Er soll dort über die Wintermonate, wenn das Hotel von der Außenwelt praktisch abgeschnitten ist, kleinere Schäden beheben und durch regelmäßiges Beheizen der Räume größere Frostschäden verhindern. Jack, ein ehemaliger Alkoholiker der nach einem gewalttätigen Angriff auf einen Schüler entlassen wurde, hofft in der Abgeschiedenheit des Hotels das Stück an dem er Arbeitet zuende Schreiben zu können, und mit dessen Veröffentlichung seinen Ruf wiederherzustellen. Für den die Wintermonate über dauernden Job bringt er seine Frau Wendy und seinen Sohn Danny mit in das Hotel.
 Die Lage zwischen Wendy und Jack ist seit Jahren stark angespannt, seit dieser im Rausch den gemeinsamen Sohn verletzt hat. Trotz der offensichtlichen Gefahr die von ihm ausgeht, wünscht sich Danny das sein Vater und seine Mutter zusammen bleiben. Deshalb behält er warnenden Visionen im Bezug auf den bevorstehenden Ortswechsel, welche ihm von einem imaginären Freund namens Tony gesandt werden, für sich.
 Im Hotel angekommen trifft er den Koch Richard "Dick" Hallorann, welcher der Familie ihre Räumlichkeiten und die Küche zeigt. Hallorann erkennt das Danny, wie auch er, über eine besondere Gabe verfügt, die seine Mutter "das Shining" zu nennen pflegte. Die Fähigkeit Gedanken anderer zu erfassen und zukünftige Ereignisse vorauszusehen. Hallorann warnt vor seiner Abreise Danny eindringlich davor den Raum 217 zu betreten und weist ihn an, das er, sollte Gefahr drohen, ihn über das Shining rufen könne. Er erklärt Danny zu dem dass es in dem Hotel immer wieder zu Geistersichtungen kam, er sich um diese aber keine Sorgen machen müsse, da die Geister ihm nichts antun könnten.
 Bereits kurz nach der Abreise aller anderen Angestellten, kommt es bei Jack zu Ausfällen, er wird mürrisch und aufbrausend der Familie gegenüber und scheint zunehmend in seinen alten Trinkercharakter zu verfallen.
 Danny indes fühlt sich immer mehr von dem verbotenen Raum 217 angezogen. Als er seiner Neugier nachgibt erweist es sich das die Geister des Hotels ihm nicht minder gefährlich sind, als sein sich zunehmend verändernder Vater...



 Ich bin mir im klaren darüber das Shining für viele Fans zu Kings großartigeren Werken gehört. Persönlich aber fand ich das Buch sehr problembeladen, im Sinne von (für mich) nicht funktionierend. Eine der Schwierigkeit die ich mit dem Buch hatte, war das King gleich zu Anfang den Schluss preis gibt, was für mich dem Roman vieles an Spannung nahm:
 "Die ganze Wärme kommt von hier. Sie müssen aber auf den Druck achten. Sehen sie, wie er steigt?"
 Er klopfte gegen die Scheibe des Druckmessers, der auf hundertzwei gestiegen war, während Watson seinen Monolog führte. Jack spürte, wie ihm ganz kurz ein Schauer über den Rücken lief, und er dachte: Lief nicht eben jemand über mein Grab?
 Watson verpasste dem Druckrad ein paar Umdrehungen und öffnete das Kesselventil. Unter lautem Zischen viel die Nadel auf zweihundertneunzig (sic!). Dann schloß Watson das Ventil, und widerwillig erstarb das Zischen.
...
 "Was ist der maximal zulässige Druck?"
 "Oh, das Ding ist für zwei-fünfzig ausgelegt, aber der Kessel würde  lange vorher hochgehen.
"
  (S. 25-26)
 Nun lassen sich zu dieser Szene allerdings zwei Dinge sagen.
Zum einen illustriert sie sehr gut Kings gelobten "filmischen" Stil, und auch im Film ist es oft gang und gäbe das Finale bereits in den ersten Einstellungen zu etablieren, nur zumeist eben etwas subtiler, so das es einem eigentlich erst im Rückblick klar wird. Bei Shining hingegen, steht das nun ganze Buch hindurch die kommende Explosion im Raum, ohne das sie vor dem Finale je wieder als tragendes Element ins Spiel käme.
Will sagen: King baut über diese Szene keine wirklich Suspense auf*. Er serviert sie uns einfach als ein: So wird es enden.
 Das andere ist, dass die Szene durchaus ihren Dienst leistet. Jacks Ahnung dessen was geschehen wird erklärt uns ohne es sofort auszusprechen, warum Jack für den Einfluss des Hotels so empfänglich ist. Das er Teil jener vielen ist, die, wie der Koch Hallorann im Buch gegenüber Jacks Sohn, Danny, anmerkt, latent über jene Gabe verfügen welche er "das Shining" nennt.


 Ein weiteres Problem bei Shining ist Kings oft umständliche, und bisweilen sich sprachlich unglaublich platt lesende Art sich den Dingen anzunähern (dies mag zum Teil auch eine Übersetzungsschwäche sein):
 Das Stricken machte sie schläfrig. Heute hätte sogar Bartók sie ermüdet, und aus dem kleinen Plattenspieler klang keine Musik von Bartók, denn sie hatte eine Bachplatte aufgelegt.
 (S. 247)
 Lässt es vielleicht noch umständlicher sagen das Wendy sich gerade Bach anhört?
Es ist auch nicht so, als ob Sätze dieser Art eine irgendwie relevante Information transportieren. Kings einzige Absicht scheint es Stimmung zu schaffen über den stilistischen Unterschied zwischen Bartók und Bach - und für Kenner der beiden Komponisten mag das der Szene vielleicht noch etwas geben.


 Mein letzter Kritikpunkt ist die Übersetzung, welche leider nicht immer gelungen scheint (siehe auch Anmerkung oben):
 Masterton, jetzt Mitinhaber, wenn er sich auch den gesetzlich geschützten Schlurfgang, den er sich schon vor dem Zweiten Weltkrieg angewöhnt hatte, nicht nehmen ließ, schob gerade einen Behälter mit Kopfsalat in das Innere des großen, dunklen Gebäudes.
 (S. 345)
 "gesetzlich geschützten"?
Ich glaube kaum das King sich zu einer solchen Wendung hat hinreißen lassen. Dies widerspricht dem Ruf den der Autor geniest, sich in seinen Romanen einer bürgernahen Ausdrucksweise zu bedienen.

 Das Zusammenspiel der erwähnten Punkte, machte den Roman für mich zu einem zähen Lesevergnügen, in dem es zwar immer mal wieder zu spannenden Passagen kommt, der aber eigentlich erst auf den letzten ca. hundert Seiten, nach einem dramatischen Richtungswechsel so recht in Gang kommt. Auf dem Weg dorthin, ist es lang unklar ob King nun eine Haunted House Geschichte erzählen wollte, oder die eines seinem Wahn verfallenden Mannes der zur Bedrohung der eigenen Familie erwächst. Auf dem Weg zum zugegeben spannenden Finale, ergeht sich King zudem in vielen, sich als weitgehend belanglos erweisenden Nebengeschichten, weist selbst nur kurzauftretenden Nebenfiguren komplexe Hintergründe zu, und überfrachtet die Geschichte ganz generell mit unnötigem Detail.

 Noch am interessantesten an der Lektüre von Shining, fand ich die Parallelen zu seinen anderen Werken, am augenscheinlichsten die auch in Es und The Stand - Das letzte Gefecht gleichartig wiederkehrende Idee eines personifizierten Bösen, welches sich zumindest auch in The Stand am Ende selbst zu Fall bringt. Sowohl Randall Flagg, als auch das Overlook-Hotel fallen einer Mischung aus persönlicher Überheblichkeit und der mentalen Instabilität ihrer gewählten Helfer zum Opfer.



 Eigentlich wollte ich ja noch gleich mal den Film, den ich nun schon etwas länger kenne, zum Buch vergleichen, aber leider hat mein Videorecorder an diesem Wochenende seinen Geist aufgegeben**. Weshalb ich mich mit diversen  Artikeln zum Film begnügen musste, um meine Erinnerungen aufzufrischen.

 Dem Film stehen der Autor und seine Fans recht skeptisch gegenüber. Laut Loderhoses  Artikel bezeichnete King Kubrick "als pragmatischen Rationalisten, der große Schwierigkeiten hat, die Welt des Übernatürlichen zu verstehen".¹ King sagt aber auch, The Shining einschließend, "daß es Elemente in vielen der Filme gibt, von denen ich mir wünschte  ich hätte selbst daran gedacht;" ² auch wenn er mit der finalen Umsetzung nicht zufrieden ist, gesteht der Autor damit dem Film doch zu nicht alles Falsch gemacht zu haben.

 Viele Buchszenen fallen im Film natürlich unter dem Tisch.
Zum Teil geschah dies aus nachvollziehbaren Gründen. Kubrick begründet zum Beispiel seine Entscheidung die zum Leben erwachenden Heckentiere durch ein Heckenlabyrinth zu ersetzen*** damit das eine solche Szene Tricktechnisch nicht zu realisieren war. Interessanter Weise sagt King zu dieser Änderung selbst in einem Interview: "Ich fand es insofern seltsam, daß er sich für ein Heckenlabyrinth entschied, weil das auch mein ursprüngliches Konzept war." ³

 Die Streichung anderer Szenen lässt sich jedoch weniger bis kaum nachvollziehen, eine der erschreckendsten Szenen im Buch entsteht wenn Jack seinem Sohn ein vermeintlich leeres Wespennest schenkt, welches dann in der Nacht wieder Aktiv wird, dass Aussparen dieser Szenen kann man kaum damit begründen, das sie nicht Realisierbar war.
Auch das Finale des Films unterscheidet sich stark vom Buch, zum einen geht es weniger Gewalttätig und Blutig zur Sache, zum anderen entscheidet sich Kubrick für einen sehr klassischen, Genre typischen Abschluss. Was sich recht ironisch ausnimmt, heißt es bei Loderhose doch: "In Kooperation mit Diane Johnson, mit der Kubrick das Drehbuch schrieb, wurde entschieden, Kings Version vom Ende des Overlook-Hotels zu streichen ... >das erschien uns zu konventionell<, erzählte Kubrick." ¹

 Tatsächlich bekommt man beim durchsehen diverser Interviews sowohl von Regisseur Stanley Kubrick als auch von Autor Stephen King, das Gefühl das der Zwist um die Verfilmung auf eine wesentlich unterschiedliche Herangehensweise an das Thema gründet. King kritisiert die Besetzung mit Jack Nicholson, der für ihn vom Start weg einen vom Wahn befallen Mann spielt, und betont dass es ihm wichtig war dass das Hotel selbst das Böse ist im Roman, und Jack nur sein Werkzeug. Kubrick hingegen bestand auf einem nachvollziehbaren Horror, und macht aus der Geschichte eines Mannes der vom Geist eines Hauses besessen wird, vorrangig die eines Mannes der in der Abgeschiedenheit seinem Wahn erliegt.
Betrachtet man Kubricks Konzentration auf dosierte Anwendung von Special Effekte, macht seine Entscheidung Sinn. Hätte er sich enger an Kings Idee eines "bösen Orts" orientiert, er hätte für das Verständnis der Zuschauer nicht auf die effektaufwändigen Personifizierungen des Hotels, welche vor allem zum Ende der Geschichte hin zum Tragen kommen, verzichten können.
 Mehr noch, Kings darauf begründeter Vorwurf das Kubrick seinen Roman nicht verstanden hätte, das ihm nicht klar geworden wäre dass das Hotel selbst das Böse ist, ist fragwürdig, denn das Finale des Romans lässt an Kings Intention keine Zweifel. Vielmehr erscheint es einem das Kubrick vernünftiger Weise beschlossen hat sich auf die ersten knapp vierhundert Seiten des Romans zu konzentrieren, in denen es eben wirklich in der Hauptsache um einen seinem Wahn verfallenden Jack Torrance geht, ehe King in einem etwas an den Haaren herbeigezogen wirkenden twist die böse Natur des Hotels offenbart, dem es immer nur um Jacks Sohn Danny ging. Tatsächlich ist entgegen Kings Vorwurf auch der Jack Torrance im Buch vom Start weg ein geistig und emotional labiler Charakter, ein ehemaliger Trinker mit Hang zu extremen Gewaltausbrüchen, der seinen Zorn nur mäßig unter Kontrolle hält.

 Leider verschenkte Kubrick aber aufgrund seiner grundlegend anderen Herangehensweise an den Abschluss der Geschichte auch die Möglichkeit einige der faszinierenderen und erschreckenderen Szenen des Romans zu übernehmen, wie zum Beispiel die erwähnte Wespenattacke oder eben den letzten verzweifelten Versuch des Hotels sich des Kochs, Richard Hallorann, zu bemächtigen. Wobei letztere Szene wohl ürsprünglich noch, in stark abgeänderter Form im Gespräch war, wie King in einem frühen Interview ausführte:
"Seit Anfang an, seit ich mich vor einigen Monaten das erste Mal mit Kubrick unterhalten habe, wollte er den Schluß ändern. Er wollte wissen was ich davon hielte, wenn Halloran (sic!) besessen werden und den Job zu Ende bringen würde, den Torrance angefangen hat: Danny, Wendy und schließlich auch sich selbst umzubringen." ³

Die von Kubrick ursprünglich vorgesehene weitere Änderung am Ende der Geschichte, "Das Publikum würde jedoch auch Jack, Wendy und Danny in einer idyllischen Familienszene sehen - wie sie als Gespenster gemeinsam dasitzen, lachen und sich miteinander unterhalten" ³, unterstreicht dann allerdings den Vorwurf des Autors "das genau ist der Fehler eines Mannes - es ist im wesentlichen eine Frage des Stolzes -, eines Mannes, der so sicher ist, daß er keinen Fehler Machen kann, daß er darangegangen ist, einen Film in einem Genre zu drehen, das er nicht versteht." ²



*       Witzig anzumerken: King macht in einem Interview ² Kubrick denselben Vorwurf im Bezug auf eine Schlüsselszene im Film, wenn Wendy Jacks "Manuskript" liest.

**     Nach gut zwanzig Jahren Dienstzeit keinen wirkliche Überraschung, und zufälligerweise entspricht dies auch so ziemlich der Zeitspanne die ich gebraucht habe um das Buch endlich (komplett) zu Lesen.

***   Hier macht Willy Loderhose eine irreführende Anmerkung in seinem Artikel, wenn er über Kubrick schreibt: "Den Hauptgrund für die Streichung der Irrgartenszene mit den lebenden Pflanzentieren schildert er Reportern der US-Zeitschrift >cinefantastique<" ¹, denn im Roman selbst kommt das Heckenlabyrinth nicht vor.


1) Das große Stephen King Film-Buch, Willy Loderhose (Bastei, 1986)
2) Stephen King und seine Filme, Jessie Horsting (Bastei, 1987)
3) Stephen King und seine Filme, Michael R. Collings (Heyne, 1987)

Kommentare:

  1. Sehr schöner ausführlicher Text. Meine Meinung zum Roman deckt sich nicht ganz mit deiner, aber ich habe bisher erst drei King-Romane gelesen: Wahn bzw. Duma Key, und die beiden Shining-Romane. Vielleicht habe ich daher nicht so den Vergleich, dass es besseres als Shining gibt. Die Fortsetzung von Shining war aber eine echte Zumutung -.-

    An den Film trau ich mich nicht ran. Dann habe ich wieder tagelang Alpträume xD

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für deinen Kommentar.

      Ein Freund war von Shining (Buch) begeistert, weshalb ich es mir gekauft habe, muss aber gestehen dass ich mir mit dem Film leichter tat (der allerdings einem weniger zur Sache gehenden Ende zum Trotz durchaus effektive Schockeffekte bietet - zwar nicht so nachhaltig wirkend wie "Hill House", aber ja, nichts für Nachts alleine...)

      Löschen