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Sonntag, 5. Oktober 2014

Strangers in Paradise








 Strangers in Paradise, Terry Moore
 (Schreiber & Leser, 2013)
 

"Ohne Liebe sind wir nur Fremde im Paradies."

 Terry Moore bereitet bei der Eröffnung seines Magnum Opus die Bühne für seine Geschichte, wir steigen ein mit einer Schulaufführung, zehn Jahre zuvor wie uns der Text informiert. Ein Schüler deklamiert die oben genannten Worte, während die üppige Heldin Francine in schlecht sitzender Toga ihrem Auftritt entgegen fiebert. Dann auftritt Katchoo, eigentlich Katina Choovanski, ebenfalls hinter der Bühne, als Francines beste Freundin, und nicht ganz so heimlich verliebt in diese, ignoriert sie ihren Schulrauswurf um ihr an diesem Tag beizustehen.
 Francines Auftritt gerät zum Chaos und endet damit das sie entblößt dasteht vor versammeltem Publikum.

 Nette harmlose screwball comedy, mit ansprechendem Strich in Szene gesetzt, die amüsiert und die grundlegende Beziehungsdynamik der Geschichte vorstellt:
Katchoo liebt Francine, doch Francine sieht in ihr nur die beste Freundin.

 Leider stürzt die Geschichte danach erst mal gehörig ab, was ein leichfüßig romantischer funny comic hätte werden können begibt sich nun erst mal in die Niederungen des Adult comic und wurstelt sich die nächsten 80 Seiten durch eine Sexklamotte mit gelegentlichem Drama Anspruch, die kein Klischee unangetastet lässt:

 Francine ist zehn Jahre später zum liebeshungrigen Dummchen herangereift die naiv auf den immer selben Männer-Typ setzt, in diesem Fall Kotzbrocken "Ready" Freddy Femurs der unter einem übermaß an Egomanie leidet und dessen erster Auftritt Programm ist: Er bettelt Francine nachts um Sex an. Es braucht keinen Doktortitel um zu sehen das Freddy nicht treu sein kann, doch offenbar mehr Verstand als der Liebestrunkenen Francine verblieben ist.
 Katchoo ist nun die prototypische, männerhassende Lesbe, und immer noch aussichtslos verliebt in Francine. Später wird noch der, seinerseits nicht minder aussichtslos in Katchoo verliebte, zurückhaltende Kunststudent David dazustoßen und unser Helden Duo zum Trio komplettieren.
Ansonsten findet sich in diesem ersten Storybogen ein  sich als Spanner betätigender Nachbar, ein mit He-Man artigen Charakteren bevölkertes Überfallkommando, ein Knastaufenthalt inklusive sexuellem Übergriff ... Klischee, Klischee, Klischee.

 Eines der wenigen Highlights ist eine Szene in der Katchoo versucht Freundin Francine zu trösten, nachdem diese endlich herausgefunden hat das ihr Freddy fremdgeht, und sich dabei selbst von ihren Sehnsüchten mitreißen lässt.

 Obwohl Sex hier, sowie später, eine tragende Rolle spielt, bleibt dieser immer im PG (etwa FSK 12) Bereich. Dem gegenüber steht jedoch eine weit weniger harmlose Natur, welche vorwiegend, aber nicht nur, seine männlichen Charaktere obsessiv antreibt.
Egomanen, Spanner, Sextäter ... Moores männlicher Kosmos hat etwas beängstigendes an sich, das in krassem Gegensatz steht zum gewählten Funnystil.


 Hätte ich die Strangers seinerzeit als Einzelbände aufgegriffen, ich hätte das erste Heft zugeklappt und der Serie keinen zweiten Blick gegönnt. Zu wenig eigene Ideen bietet Moore da an, stattdessen liefert etwas das zumeist wie die x-te halbherzige Kopie eines beliebigen Undergroundcomic wirkt.


 Dann jedoch, im zum Glück weitaus längeren, den Mittelteil bildenden zweiten Storyteil, der sich der Vergangenheit Katchoos widmet welche sie überraschend einholt, wendet sich der Erzählstil um 180°. Moore nimmt die Albernheiten weit zurück, bedient sich mehr Realismus in der Erzählung und steigert seine Geschichte über herzzerreisendes Drama hin zum knallharten Thriller. Eine Story in deren Verlauf er alle Register seines Könnens zieht, sich als detaillierter Zeichner profiliert welcher es versteht die Emotionen seiner Charaktere klar herauszuarbeiten in einem Stil der keiner Sprechblasen bedarf um die Botschaft zu transportieren, Dialog ist, gerade in den ruhigen zwischenmenschlichen Momenten oft nebensächlich zu dem was Blicke und Gesten sagen.

 Ein verbindendes Element das bleibt ist die überhöhte, überaus graphische Darstellung von Gewalt. Doch wo im ersten Teil Gewalt von Moore noch als komischer Effekt eingesetzt wird, setzt er sich nun, bewusst oder unbewusst, sehr viel kritischer mit dem Thema auseinander, wenn er einen seiner Charaktere im Comicartig ins lächerliche überhöhten "Krach" "Bumm" "Zack" Stil zusammenschlagen lässt um im späteren Verlauf dem realistisch lebensbedrohliche Verletzungen gegenüberzustellen. 

 Moore verabschiedet sich hier, für den Moment zumindest, von seinen Undergroundcomic Einflüssen, und setzt auf ein sehr viel filmischeres Element in seinem Stil. Irgendwo zwischen Grindhouse und Film Noir bewegt sich die Erzählung nun. Aufgelockert und Unterbrochen von Texteinschüben sowie Traumsequenzen in denen Moore mal den Disney Stil, mal die Peanuts aufgreift.

 Moores Zeichenstil wirkt dabei mit seinen vielen wechseln immer noch etwas unausgereift, die kurzen Hommagen treffsicherer als der eigene. Ein Zeichner der noch immer nach seinem persönlichen Stil sucht. Wohl auch als Erzähler, denn nach dem Ausflug ins Drama und Thrillergenre kehren wir (hoffentlich ein letztes mal?) erneut zurück zu "Ready" Freddy, in gemäßigterem, weniger stark karikierenden Screwball Stil, aber eben doch wieder mehr hin zur Sexklamotte tendierend.


 So ganz ist der Funke bei mir nie übergesprungen, Terry Moores "Strangers in Paradise" ist ein zwar recht amüsanter Funny Comic für Erwachsene, aber kein Bahnbrechender.
Die Soap Opera artige Handlung weist leider allzu viele logisch Brüche auf wenn man sie zu sehr unter die Lupe nimmt, und vor allem die extrem Klischee getränkte Einführung hinterlies bei mir einen etwas unangenehmen Geschmack. Positiv überzeugen konnte mich Moores zwar wechselhafter aber immer solider Zeichenstrich sowie die ebenso wechselhafte Beziehung seiner Hauptcharaktere die einen immer wieder neugierig macht, am Lesen hält und dafür sorgt das diese einem nach und nach ans Herz wachsen. Gerade Katchoo ist so ein Charakter der einem ans Herz wächst, mit der mit leidet, deren Vergangenheit einen abwechselnd Schockiert, Bestürzt und gar in Tränen aufgelöst zurücklässt, mit der man aber auch mit fiebert, und hofft, und liebt, ja, mit der zusammen man sich auch ein stückweit in die naive Francine mit verlieben kann.

 Als Graphic Novel gelesen könnten die "Strangers" mich nicht überzeugen, da stehen einfach sehr viel überzeugender rübergebrachte Werke gegen, als Comic Soap Opera gelesen, zeigt Moores Werk dagegen sehr viel potential und überwiegt für mich der Unterhaltungswert klar die kritischen Punkte. Setzt man hinzu das Moore seinen Comic in einer Zeit Zeichnete, Schrieb und Selbstverlegte, als der Amerikanische Superheldenmarkt gerade im Begriff war zu explodieren, in einer Zeit in der Frauendarstellungen sich immer weiter von der Realität entfernten und die Superheldenmodels der Jae Lee Schule Dominanz gewannen, muss man seinen Mut anerkennen mit einem sich gegen diesen Mainstream stellenden Comic aufzuwarten, und zu dem gerade im erzkonservativen Amerika der nach Reagen und Bush Ära mit einer offen zu ihrer Homosexualität stehenden Heldin.


 Zur Schreiber und Leser Ausgabe gilt hinzuzufügen das diese durch Preis und Ausstattung vollständig überzeugen kann. Die Optische Präsentation gefällt, die Verarbeitung/Bindung ist solide so das sich der Comic mehrfach lesen lässt ohne befürchten zu müssen dass sich das ganze in ein Kartenspiel auflöst und der Preis ist für ein 344 Seiten starkes Softcover mehr als angemessen.

Ich habe den Band im Zuge einer Lovelybooks Leserunde vom Verlag zugesandt bekommen und möchte dafür wie üblich meine Dank aussprechen an
Lovelybooks
Schreiber & Leser

Freitag, 26. September 2014

Du sollst nicht schlafen










Du sollst nicht schlafen, Charlotte Parsons
(dtv, 2014)

Kurzinhalt:
 Eine junge blonde Frau wird tot aus der Themse gezogen. Die aufstrebende Journalistin Cynthia Wills soll über diesen Mordfall berichten; dabei bekommt sie heraus, dass es schon früher ähnliche Morde gegeben hat. War es immer derselbe Täter? Sie schreibt eine Reihe von Artikeln über den »Barbie-Killer«, wie er bald genannt wird, und hegt die schönsten Hoffnungen für ihre Karriere. Zur selben Zeit ist überall von einer neuartigen Droge die Rede, die vom Verteidigungsministerium in einer geheimen Versuchsreihe getestet wird: Sie ermöglicht es den Probanden, völlig ohne Schlaf auszukommen. Jeder will plötzlich diese Pille haben. Dass es bei der Testreihe höchst alarmierende Unregelmäßigkeiten gegeben hat, interessiert niemanden mehr. Doch dann findet Cynthia heraus, dass auch der »Barbie-Killer« mit dem Medikament in Berührung gekommen sein muss …


 Ich will es mir nicht anmaßen bei "Du sollst nicht schlafen" über seine Thriller Qualitäten zu urteilen, dafür lese ich zu wenig in diesem Genre, möchte aber anmerken wollen das die Geschichte hier nicht das war was ich erwartet hätte.
Tatsächlich ist die Mordserie welche London in dieser Geschichte heimsucht, nur eine Rahmenhandlung, welche angenehm unspekulativ in Szene gesetzt wird, was aber auch ganz passend ist, denn die Londoner Bevölkerung zeigt im Roman ebenfalls mehr Interesse an der neuesten Mode-Droge und den sich ihnen damit eröffnenden Möglichkeiten, denn an ein paar toten Frauen.
24/7 heißt dieser neue Hype, eine Droge von dubioser Herkunft und Legalität die über das Internet vertrieben wird und mit dem Versprechen lockt das körperliche Bedürfnis nach Schlaf auszuschalten.

 Erst auf den letzten Seiten entwickelt sich der Roman zum Thriller mit nachklingendem Schockeffekt, auf dem Weg dahin bietet uns Debüt Autorin Charlotte Parsons eine gut beobachtete, realistische und konsequent zu Ende gedachte Gesellschaftsstudie mit dystopischen Grundzügen. Überaus glaubwürdig illustriert sie den mit der Mode-Droge einhergehenden Wandel in der Gesellschaft. Ganz leise und kaum bemerkbar wird der Party-Traum zum Arbeits-Alptraum.
Somit lässt sich für mich, obgleich kein Near-Future und auch kein dystopischer Roman, "Du sollst nicht schlafen" doch weit mehr in der Speculative Fiction verorten, denn im Thriller Bereich.

 Aufgrund seines Hauptthemas, die umfassende Veränderung der Gesellschaft durch eine Droge, erinnerte mich der Roman an SF-Vertreter der späten sechziger und frühen bis mittleren siebziger Jahre, liest sich dabei aber aufgrund seiner aktuelleren Zeitbezogenheit, die Geschichte ist nicht in einer nebulösen Zukunft angesiedelt, sondern im London dieser Tage, wie ein Kommentar zu einer zum sorglosen Drogenkonsum erzogenen neunziger Generation im Spannungsfeld der immer schonungsloser voranschreitenden Globalisierung.
Ob beabsichtigt oder nicht, die Idee einer Gesellschaft die 24 Stunden am Tag wach und erreichbar zu sein hat um Beruflich noch voranzukommen, ist ein perfekter Spiegel tatsächlich herrschender Gegebenheiten. Es braucht kein 24/7 damit die Leute von einem Erwarten das man in einer Zeit in der ständige Erreichbarkeit bereits möglich ist, gefälligst auch ständig erreichbar zu sein hat. Und auch immer willkürlicher werdende Arbeitszeiten sind in manchen Arbeitsbereichen schon heute traurige Realität.

 "Du sollst nicht schlafen" ist somit nicht nur großartige Unterhaltungslektüre, er bietet dabei treffende, nachdenklich machende Gesellschaftskritik zugleich.

Dank an:
Lovelybooks.de
Deutscher Taschenbuch Verlag
und natürlich an die Autorin Charlotte Parsons.

Sonntag, 21. September 2014

The good guy's guide to getting the girl









The good guy's guide to getting the girl, Peter Jones
(Soundhaven Books, 2014)


Kurzinhalt:
 Jason Smith, selbsternannter "good guy" macht nach drei Jahren ein Ende mit seiner Beziehung zu Liz. Das heißt, sie stellt ihm "die Frage", am vor Weihnachtsabend, und er ist unfähig sie zu beantworten. Was kein Wunder ist, mochte er sie doch schon vom Start weg nicht...
Nun also überraschend wieder frei, ist Jason bereit sich auf die Suche zu machen, nach der Seelenpartnerin. Nur das er die schon getroffen glaubte, in Melanie Jackson, seinem unerreichten Schulschwarm.

 Nach diversen erfolglosen Versuchen seine Seelenpartnerin zu treffen, beim Mechanikerkurs, beim Kochkurs, beim Tanzkurs... kommt er auf die scheinbar perfekte Lösung, als er sich an seine Jugendliebe Erinnert, und wie er sie einst mit Linda Lusardi verglich.
 In welchem Feld ist ein Mann ständig von wunderschönen Frauen umgeben, unter denen sich dann zwangsläufig auch einmal die zukünftige Mrs Smith befinden muss, und wird noch dafür Bezahlt?
Natürlich als Aktphotograph!
 Der Haken an der Sache ist das Jason vor kurzem seinen Tages-Job verloren hat und ihm überschlagen neun Monate bleiben eine erfolgreiche Karriere aufzubauen, oder überhaupt zu lernen wie man Frauen Photographiert.


 Peter's Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. Man merkt das er kein geübter Geschichtenerzähler ist und mehr als einmal musste ich Passagen mehrfach lesen weil es nicht klar herausgearbeitet war wer eigentlich gerade was sagte. Das andere was mir persönlich aufstieß, das gilt aber fürchte ich für Britische Autoren en gros, ist die typische Tristes mit der Jones den Lebensalltag beschreibt der nur zwischen Arbeit, Pub und gelegentlichen Festen, die auch nur dem Besäufnis und der jagt nach flüchtigem Sex dienen, stattfindet.
Man wundert sich da nicht mehr das England angeblich die höchste Quote an Jugendschwangerschaften unter den Industriestaaten aufweist.

 Er streut zwar immer wieder einmal ganz gelungene Witze ein, wie diese Variation auf den beliebten Globalisierungsgag:

  Every bloody woman in the entire building was, in some way, taken! Apart from the Call Centre of course; that was heaving with women, some of them fairly Kylie-esque, although most of them barely eighteen years of age. Far too young for a man fast approaching thirty. Probably. I chewed over the idea for a second or two, but it was a moot point - I never had any reason to venture into the Call Centre. It might as well be relocated to India for all the good it did me.


 Aber ein wirklich großes Problem das ich mit dieser Geschichte hatte ist einfach das Hauptcharakter Jason Smith, der selbsternannte "good guy" alles andere ist als das, er ist in Wirklichkeit ein kleiner looser mit einer Kylie Minogue Fixierung der Scharf ist auf jede (körperlich attraktive) Frau die in sein Leben tritt, aber zu feige dazu zustehen - schlimmer noch, an einem Punkt jammert er darüber das er der Typ sei der immer nur in der "Friendzone" landet.

Das nötigt einem natürlich sofort zwei Anmerkungen ab:
a)   Wenn man scharf auf eine Person ist und eigentlich gar nicht an ihr sondern nur an einem Körperlichen Austausch mit ihr interessiert ist, ist man kein Freund!

b)   Wann zum Teufel haben wir* eigentlich damit angefangen Freundschaften zu Frauen als etwas negatives zu betrachten, etwas nicht erstrebenswertes?


Die Geschichte liest sich in zunehmendem Verlauf immer mehr wie ein Wishfullfillment geschrieben von einem pubertierenden Teenager, denn wirklich jede Frau der Jason Smith begegnet ist attraktiv und willig, und der Grund das er nichts mit ihnen anfängt entweder a) sie sind vergeben und es würde seinem selbstgestalteten "good guy" Image wiedersprechen darauf einzugehen oder b) sie sind emotionale Wracks die genauso verzweifelt auf Partnersuche sind wie er, Alkoholikerinnen, Nymphomaninnen... kurz, man fragt sich mit zunehmender Seitenzahl ob unser "good guy" Jason Frauen überhaupt mag ob er einfach nur mit einer ins Bett steigen möchte, dafür aber eben wie erwähnt zu feige ist.

Nächstes Ärgernis:
 Alex, Jasons bester (einziger?) Freund. Ein Arschloch wie es im Buche steht. Ein Bier trinkendes, rülpsendes Prachtexemplar von einem Buddy. Der sich vor seiner schwangeren Gattin in einen Pub flüchtet, und es vorzieht sich dort Volllaufen zulassen ehe er seiner Frau bei der Geburt ihres Kindes beisteht. Ein Kerl der Sexclubs aufsucht um sich seinem zweitliebsten Hobby hinzugeben: Frauen als Objekte betrachten.


Im Grunde hätte ich das Buch spätestens nach diesem frühen Abschnitt abbrechen sollen:
 And whilst I might feel self-conscious at first, everyone else would just evaporate until the entire universe consisted only of Melanie and me.
 Not that she looked in my direction that often. Most of the time, she just sat there, staring at Old Thomas, wide eyed and wonderful, waiting for her cue. Meanwhile I'd mentally catalogue every detail: the stud earrings she was wearing, the paleness of her lipstick, the thin gold chain round her neck, the number of buttons undone on her shirt, the V-neck of her school sweater, and the two small mounds just beneath it.
 "Pervert!" said Alex, burying his outburst within a pretend cough. Mr Thomas glared in our direction for a second before turning his attention back to the violins. I put my right foot on Alex's left and began to press down, until he thumped me in the arm.

 None of the other girls had breasts. Nothing to talk of anyway. I mean ok, some of them did, but Melanie had had them for ages - which meant that any other girl who'd recently acquired a bust was just imitating the original. A point that Alex insisted on making, albeit in far cruder terms, each night on the way home from school
Denn dieser Blick auf Frauen, dieses wahrnehmen als reine Sexobjekte die entweder gefällig oder nicht gefällig sind verfolgt einen durch die gesamte Geschichte hindurch... weder Jason noch sein proletenhafter Freund werden je Erwachsen.


Was anfänglich als im Erzählstil, wenn auch im Schreibstil immer etwas unsicher, mit seinen Vor- und Rückblenden charmant an Coupling zu erinnern vermochte, entwickelt sich schnell zu einer flachen Sex-Komödie wie man sie in Hollywood mit einem Will Ferrell und Vince Vaughn besetzt verfilmen könnte.
Wer auf diese Art Humor steht, dem könnte es wohl durchaus gefallen - persönlich weiß ich gar nicht so genau zu sagen warum ich mich noch durchgequält habe, lange nach dem mir klar wurde dass es nicht mehr besser werden wird.


*Kolloquiales "Wir" im Sinne von: Männer.

Mittwoch, 10. September 2014

50 Schlüsselideen Psychologie








50 Schlüsselideen Psychologie, Adrian Furnham
(Spektrum Verlag, 2014)

Pop- Sachbuch die Zweite.

Klappentext:
 Wie unterscheiden sich die Gehirne von Männern und Frauen?
 Gibt es echtes altruistisches Verhalten?
 Ist unser Geist bei der Geburt ein noch unbeschriebenes Blatt? 
 Und drücken Träume unsere unbewussten Wünsche aus?

 Psychologie durchdringt heute unsere gesamte Gesellschaft.
Kein Krimi, kein Dokumentarfilm, keine Talkshow, kein Arzt-Patienten-Gespräch kommt ohne die Einführung eines psychologischen Blickwinkels aus. Die Psychologie versucht Verhaltensäußerungen und Geistesblitze, Gefühle und Gedanken zu verstehen und zu erklären, und sie berührt dabei verblüffend viele Felder - von Größenwahn und Computerscheu über Krebsursachen, Alkoholabhängigkeit und soziale Mobilität bis hin zur Speicherung von Erinnerungen und zur Herausbildung von Überzeugungen und Vorurteilen.

50 Schlüsselideen Psychologie ist die ideale Einführung in die Theorien und Denkweisen dieser Disziplin. Das Buch, das auch neueste Erkenntnisse aufgreift, präsentiert zahlreiche Fallbeispiele und erläutert die Argumente der wichtigsten Köpfe der Psychologie. Adrian Furnham macht in 50 kompakten und leicht verständlichen Essays die zentralen Konzepte der Psychologie nachvollziehbar und vermittelt dem Leser die Begriffswelt der Psychologen zur Beschreibung und Erklärung menschlichen Verhaltens.



Leider hat mir meine erste Begegnung mit den 50 Schlüsselideen weniger Freude bereitet, und entsprechend verhalten waren meine Erwartungen nun an diesen Band. Dazu kommt das meine einzige andere nennenswerte Begegnung* mit der psychologischen Literatur Louise J. Kaplans Female Perversions war (der deutsche Titel ist mir leider entfallen). Da die Autorin aber eine überzeugte Freudianerin ist, die den ganzen Quatsch mit "Penisneid" und "Sich in den Mutterschoß zurück sehnen" todernst nimmt, kann man eigentlich da nicht von einem Sachbuch Sprechen - zumindest keines das Ernstzunehmen lohnt.


Und wie schlägt sich nun ein Adrian Furnham?

 Ich muss sagen ich war begeistert von dem Band. Für mich als kompletten Laien war es eine hochinteressante Leseerfahrung. Allerdings muss ich dazu Beifügen das für mich auch wenn es "nur" ein Pop-Sachbuch ist, dasselbe gilt wie für alle anderen Publikationen in diesem spezifischen Feld: Es sollte ein "Kann depressionsfördernd wirken" auf dem Cover warnen. Ich finde es zwar immer etwas schwer Psychologie als seriöse Wissenschaft zu sehen, aber in dem Buch findet man sich so oft in Verhaltensbeschreibungen wieder, das es kaum zu Bestreiten ist das an der Psychologie - fernab ab von Freud - sehr viel dran ist.

 Furnham hält sich dabei wenig mit Historischem auf, was nicht zu sagen meint das er etwa nicht auf die Historie dieser Forschung eingeht oder sie nicht genügend kritisch Beleuchtet, er fühlt sich nur nicht gemüßigt dafür zu Adam und Eva zurückzugehen und das schon gar nicht für jeden einzelnen Punkt. Furnham wirft, dort wo es notwendig ist, einen durchaus kritischen Blick auf das was war, zeichnet aber von der modernen Psychologie ein positiveres, humanistischeres Bild, ohne das man ihm Schönmalerei vorwerfen wollte.

 Seine Texte sind prägnant, und stellen dabei zumeist den gegenwärtigen Stand der Forschung in den Mittelpunkt. Hierbei kommt der Autor sehr Sachverständig rüber und kann die Themen auch für einen kompletten Laien verständlich aufarbeiten.


Und das Haar in der Suppe?

 Es gibt keines. Zumindest keines das sich so einfach greifen ließe. Natürlich gilt das dies kein Wissenschaftliches Buch ist. Es muss einem schon die Logik sagen das jedes einzelne der hier besprochenen Themen für sich genommen zu komplex ist um es auf den zur Verfügung stehenden drei Seiten dafür auch nur exakt genug zu umreißen.
Woran ich mich ganz persönlich etwas geschabt habe ist ein Abschnitt bei dem ich das Gefühl nicht loswerde das hier Furnham vielleicht doch eher Urbanen Mythen denn fundierter Forschung den Schnabel redet, wenn er aus der Evolutionspsychologie die These wiedergibt
  Frauen achten dagegen auf Anzeichen für Gesundheit, Dominanz und Reichtum und suchen daher nach einem großen Mann mit breiten Schultern und kräftigem Brustkorb, aber schlanker Taille. Sie fühlen sich zu einer tiefen Stimme und Anzeichen sozialer Intelligenz hingezogen. Wohlstand ist ebenfalls wichtig, da er in den Augen einer Frau Ressourcen zur Aufzucht kleiner Kinder bietet.
Aber ich bin natürlich kein Psychologe, und Menschliches Verhalten ist mir oft ein Buch mit sieben Siegeln, vielleicht bin da zu optimistisch wenn ich von den Frauen besseres denke, als das sie nur nach einem Ernährer für ihre Kinder suchen (wobei Reichtum, Evolutionsbiologisch da wenig Sinn machen würde, ist dies doch ein Konstrukt der Modernen Gesellschaft - Ich bin dann schon eher bereit zu glauben das die selben Anlagen die einen Mann für eine Frau Attraktiv machen, auch jene sind die es ihm erlauben sich in der Herde durchzusetzen, eben erfolgreich machen, sprich Frauen blicken nicht auf die Geldbörse**, Geld ist nur ein Nebeneffekt).


* Wenn man von meinen regelmäßigen Besuchen bei OnFiction (siehe Blogleiste) absieht, aber dort beschäftigt man sich primär mit der Psychologie des Lesens.
**Selbstverständlich gibt es Frauen und Männer die sich nur an Reichtum/Macht/Einfluss orientieren bei der Partnersuche - aber ich glaube nicht an eine angeborene Prädisposition dafür, wie dies der Text nach meinem Empfinden in den Raum stellt.

Dienstag, 9. September 2014

Wie wir uns aus Versehen verliebten









Wie wir uns aus Versehen verliebten, Kristen Tracy
(cbj, 2014)


Kurzinhalt:
 Als Lucy die falsche Nummer wählt, landet sie ausgerechnet bei Highschoolflirt James Rusher in der Leitung. Auf Anhieb haben die beiden einen guten Draht zueinander: Was als Versehen begann, setzt sich mit Anrufen von früh bis spät fort. Im wirklichen Leben sind sich Lucy und James nie begegnet. Doch bald vertrauen sie sich Dinge an, die nicht einmal ihre engsten Freunde wissen. Als James endlich ein Treffen vorschlägt, willigt Lucy zögerlich ein - und dann versetzt James sie ...


 Üblicherweise stehe ich deutschen Titelübersetzungen/Neuschöpfungen immer etwas kritisch gegenüber. In diesem Fall jedoch mag ich den der hierfür neu geschaffene Titel. Nicht nur weil er eine leichtfüßige Jugendromanze verspricht, sondern es machte auch durchaus Sinn hier von einer reinen Titelübersetzung abzusehen.
Zum einen hätte sich der Doppelsinn des Originals (Hung Up) nicht ins Deutsche übertragen lassen, weil man es sowohl als vollendete Vergangenheit von "Aufgelegt" (Hung up the phone) als auch als "nicht loskommen von/an jemandem hängen" (to be hung up on) lesen kann - ein Wortspiel also darstellt, dass im Deutschen so nicht möglich ist.
Zum anderen war Aufgelegt (was die nächstliegende Übersetzung gewesen wäre nach meiner Meinung) bereits der deutsche Titel für ein nicht übermäßig erfolgreiches US Film-Drama.

 Ich habe eine vage Erinnerung daran das US Cover für das Buch gesehen zu haben, als es herauskam, war damals aber nicht übermäßig Begeistert davon, das deutsche Cover gefällt da schon mehr, es folgt angenehm einem gerade vorherrschenden Trend in der romantischen Jugendbuch Literatur und fügt sich nahtlos zu anderen Büchern aus dem Verlag.

 Aufgrund des US Covers jedoch verschwand das Buch sehr schnell wieder aus meinem Gedächtnis, bis ich auf LovelyBooks eine Rezi las in der eine Buchpassage Zitiert wird, welche so ähnlich auch in Gut gegen Nordwind hätte stehen können.
Als Fan wirkte das natürlich wie eine sofortige Kaufempfehlung.
"Lucy: Du solltest dir ein wasserfestes Handy zulegen, damit ich dich anrufen kann, wenn du unter der Dusche stehst. Denn das scheint der Ort zu sein, an dem ich dich am öftesten verpasse. [...]"

"James: Du bist das erste Mädchen, das mir gesagt hat, dass sie was verpasst, wenn ich unter der Dusche bin. Lucy. Lucy. Lucy. Ich frag mich, ob du auch nur halb so gut joggst, wie du flirtest."


 Zur Geschichte selbst.
 Nun, wie gesagt, das ganze erinnert einen zunächst sehr an Gut gegen Nordwind, von Daniel Glattauer, nur eben nicht mit eMails sondern über Telefonate und Sprachmailbox Nachrichten. Dabei fehlt jedoch meist der elegante Wortwitz der Glattauers Buch ausmacht. Und Lucy ist eben beleibe keine scharfzüngig schlagfertige Emmi Rothner.

 Anfangs geht dieser quasi Dauerdialog sehr flott und locker voran, wobei ich mich an Lucys unsicherer Art schon da immer wieder ein wenig stieß, wenn sie ganz unvermittelt aus heiterem Himmel James immer mal wieder die seltsamsten Absichten oder Gedankengänge unterstellt. Lucy hat eindeutig ein Problem mit ihrem Selbstwertgefühl. James dagegen schien mir zuviel davon zu haben, also Selbstwertgefühl. Er kann gefühlt kein Gespräch beenden ohne wenigstens einmal auf seine Muskeln hingewiesen zu haben oder zumindest die Tatsache erwähnt zu haben das er im Basketball Team ist - Urteil: Typ selbstverliebter Sportler.

 Tatsächlich wandelt sich James aber im Laufe ihrer Gespräche, wird offener, weniger selbstbezogen, zumindest aber weniger oberflächlich selbstbezogen. Lucy hingegen bleibt verschlossen und hat mich zur Mitte hin regelrecht genervt mit ihrem: "Es gibt etwas dass ich dir sagen muss, aber ich werde es nicht tun, sondern nur einfach so in den Raum stellen dass es da etwas gibt, um dich und die Leser in den Wahnsinn zu treiben."
An dieser Stelle sollte ich aber erwähnen dass der Grund für Lucys Wesen, warum sie ihre Identität so offensichtlich verschleiert und auch warum sie oft so kindlich naiv für eine Sechzehnjährige wirkt, einem zum Ende dann doch ein wenig Einleuchtet - aber unwissend dieser Dinge nervt sie eben erst mal.

 Im letzten Drittel des Romans bricht die Geschichte fast zusammen unter der Last all dessen was die Autorin ihr aufbürdet; da muss man sich mit Zufällen fern jeder Glaubwürdigkeit abfinden und wird zudem noch mit Drama zugeschüttet. Oder sagen wir, mit noch mehr Drama, denn James und Lucy haben jeder ihr privates Drama über das sie mit jemandem Reden müssen, aber dies offenbar nicht können mit den Menschen in ihrem Leben - es bedarf da erst jener fremden Stimme am Telefon. Es erscheint mir als wollte die Autorin zum Ende mit einem Paukenschlag den eingelullten, nicht zu sagen eingedösten, Leser wachschütteln und nebenher möglichst viele Storyfäden zu einem Ganzen verbinden - was sich dann aber eher wie ein Knäuel anfühlte denn wie ein Strang.

 Irgendwie vergibt die Autorin ihre guten Ansätze in einem nicht sehr Plausibel wirkenden, in seinem plötzlichen Richtungswechsel tendenziell irritierenden Plot. Trotzdem schaffte sie es zum Ende hin für mich wieder die Kurve zu bekommen und das Buch zu einem passend romantischen Abschluss zu bringen, in dem sich noch einmal die Leichtigkeit der ersten Seiten wiederfindet.

 Bei weitem kein komplett gelungenes Buch, aber lesenswerte, kurzweilige Unterhaltung wenn man sich an arg konstruierten Zufällen und etwas zu aufgesetzt wirkendem Drama nicht zu sehr stört.

Mittwoch, 3. September 2014

Random...

Eigentlich sollte ich mich ja hinsetzen und mal wieder eine Rezi formulieren, aber gerade begegnet mir regelmäßig das Cover zum dem Buch Gefährliches Versprechen aus dem BooksHouse Verlag, und ich stolpere dabei jedesmal über die Wahl des Serientitels in Verbindung zum Cover - oder umgekehrt, des Covers zum Serientitel.

Absecon...
 

Dienstag, 2. September 2014

Gemeinsam Lesen


Gemeinsam Lesen in neuen (Blog-)Heimaten (Klick auf das Banner führt euch auf die Weltenwanderer Seite, die sich die Aktion nun mit Schlunzenbücher teilt, näheres dort) und mit neuem Design, sonst alles beim Alten.


1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?  
 Wie wir uns aus Versehen verliebten, von Kristen Tracy, Seite 42.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?  
 James: Und ich nehme zurück, was ich über dich gesagt habe - du weißt schon: das du ein Tyrann bist.

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)
 Nun, Wie wir uns aus Versehen verliebten ähnelt, wohl nicht von ungefähr, sehr stark Daniel Glattauers Gut gegen Nordwind. Genau deshalb habe ich es auch gekauft. Soweit ist es richtig niedlich, einfach ein nettes Jugendbuch das Lust darauf macht sich mal wieder zu Verlieben. Ich vermisse nur bei Lucy die spitzzüngige Schlagfertigkeit, die mir eine Emmi Rothner so sympathisch gemacht hat.

4. Welcher Charakter in deinem aktuellen Buch ist dir am sympathischsten - könntest du dir vorstellen, gut mit ihm befreundet zu sein?
 Puh, schwierig. Ich habe es eigentlich heute im Geschäft erst angefangen zu Lesen, und bei der Heimfahrt gedacht, "Na ja, eigentlich kommt James soweit ziemlich Narzisstisch rüber, und Lucy, die ist mir etwas zu unsicher."
 Lucy wirft zum Beispiel James aus heiterem Himmel vor er versuche herauszufinden ob sie dick ist, das Mädchen hat eindeutig Komplexe. Trotzdem würde ich sagen sie ist mir sympathischer - James ist vermutlich der Typ Sportler/Weiberheld, wäre also zu meiner Schulzeit in ganz anderen Kreisen verkehrt und potentiell eher Feind denn Freund gewesen. Lucy auf der anderen Seite ist mir zu ähnlich im Typ als das wir uns wohl hätten vertragen können.