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Montag, 18. April 2016

A walk to remember








A walk to remember, Nicholas Sparks
(Time Warner Books, 2006)

 
 Ich bin ein großer Fan des Films Nur mit dir, entsprechend hoch waren meine Erwartungen an die Buchvorlage, obgleich ich Nicholas Sparks bisher nur als routinierten aber keinesfalls herausragenden Schreiber erfahren habe (Safe haven, Kein Ort ohne dich).

 Tatsächlich zeigt sich beim Lesen sehr schnell dass die Drehbuchautoren nur Schlüsselelemente des Romans übernommen haben. Das Buch spielt in 1950, der Film ist in der Gegenwart angesiedelt, im Film ist Landon ein smarter Bad Boy, im Buch eher ein loser Typ mit schlechtem Charakter. Im Buch beschreibt Landon Jamie betont als nicht attraktiv (tatsächlich ist eines der ersten Dinge die wir von ihm zu hören bekommen das er Jamie erst wahrnahm als, nun, sagen wir die Pubertät sichtbare Veränderungen mit sich brachte), im Film wird Jamie von der jungen Mandy Moore gespielt, die einfach nur Zucker ist.
Im Film, und das ist wohl einer der gravierendsten Punkte, wissen wir nicht was Landon denkt, im Buch erleben wir alles nur aus seiner Sicht und hier liegt das Problem, für mich. Landon ist ein unangenehmer Kerl, okay er ist siebzehn, aber das entschuldigt eben nicht alles.
Die Idee sollte wohl sein das Landon durch seine Liebe zu Jamie dazu angehalten wird ein besser Mensch zu werden, aber es zeigt sich keinerlei Anzeichen das dies auch der Fall ist. Selbst wenn Landon rückblicken auf seine Jugend spricht, zeigt sich da kein Respekt für Frauen, er blickt auf ein Mädchen herab (er nennt sie, wenn auch nicht in so vielen Worten, dumm) weil sie ein Cheerleader ist, das gleiche Vorurteil hängt er der Mutter eines Klassenkameraden an die früher Cheerleader war, ein anderes Mädchen, von welcher er annimmt das sie für ihn Schwärmt, ist in seinen Augen ein Freak weil sie ein Glasauge hat... mag sein dass seine Liebe zu Jamie aufrichtig ist, aber verändert hat er sich dadurch nicht - der zurückblickende Landon hält genauso wenig von Frauen wie der junge, wenn sie nicht in sein Raster von "Attraktiv" fallen.

 Ein weiteres Manko des Buches ist die sehr aufgesetzt wirkende Religiosität.
Okay, Jamie ist eine überzeugte Christin die ganz ernsthaft mit Phrasen wie "Gottes Plan" um sich wirft, das lässt sich noch akzeptieren, dass aber Landon, der selbst von sich sagt das er bestenfalls ein Agnostiker ist, zum Ende des Buches die Bibel aufschlägt und dann ein "Ich wusste nun was Gott von mir erwartet" von sich gibt... ernsthaft?

 Auch schriftstellerisch ist Sparks hier noch weit von seinem späteren routinierten Schreibstil entfernt und so mancher Abschnitt klackt und klackert solchermaßen vor sich hin, die knapp zweihundert Seiten Text kommen einem verdammt lang vor.

 Bis man im Buch irgendwann an dem Punkt angelangt, an dem ich beim Film einfach nur noch haltlos (aber dabei total männlich) heule, war ich im Buch so genervt von Landon als Charakter das Jamies Tod einen nicht wirklich zu berühren vermag - klar man hat Mitleid mit ihrem etwas seltsamen Vater, aber Landon bleibt das ganze Buch hindurch ein solchermaßen auf sich selbstbezogenes, nur um sich kreisendes, pardon, Arschloch, es fiel mir schwer etwas anderes zu empfinden als Ärger.


Meine Empfehlung:
 Wenn sie den Film kennen und Lieben, sparen sie sich das Buch.
 Wenn sie den Film noch nicht kennen, nun, Lesen sie das Buch wenn sie meinen zu müssen, aber schauen sie sich auf jeden Fall danach den Film an um zu sehen wie die Geschichte hätte sein können.

Kommentare:

  1. Hallöchen,
    wie du schon bemerkt hast, ist es ja meist so, dass das Buch viel besser in der Lage ist die Gedanken des Protagonisten aufzuzeigen. Gerade deswegen lese ich sehr gerne auch noch das Buch zum Film.
    Spontan fallen mir wenig Bücher ein, bei denen das missglückt ist.
    Umso interessanter ist deine Bemerkung zu diesem Buch. Vielen Dank für diese ausführliche und hilfreiche Rezension.
    Liebe Grüße Tanja

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  2. Ja üblicherweise, zumindest wenn mir ein Film zusagt, jage ich auch dem Buch nach.
    Leider gibt es einfach Bücher die für mich als Film besser funktionieren, als sie es als Buch tun. Oft will man einfach gar nicht zu tief in die Gefühlswelt eines Protagonisten eindringen und sich lieber seine vom Film geschaffene Illusion der Figur erhalten.
    Mir zumindest geht es so.

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